Teenager & Schönheitswahn

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Schönheitsoperationen bei Teenagern stark im Trend

Schönheit ist ein Wert, der bei jungen Menschen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Viele Teenager äußern schon in frühen Jahren den Wunsch nach einer plastischen Operation.

Die Brustvergrößerung als Geburtstagsgeschenk und eine Fettabsaugung zu Weihnachten – der Wunsch nach einer plastischen Operation wird bei vielen Jugendlichen immer früher laut. Doch eine Schönheitsoperation in diesem Alter kann fatale Auswirkungen auf die weitere Entwicklung des Körpers haben, ist doch die körperliche Entwicklung noch nicht abgeschlossen.

Jugend unterm Messer – wenn für Teenager nur schön sein zählt

Zwar werden nur 4 Prozent der Schönheitsoperationen an Jugendlichen durchgeführt, dennoch ist eine drastische Zunahme dieses Anteils zu erkennen. In Deutschland werden nach Angaben der Vereinigung Deutscher Plastischer Chirurgen 100.000 Schönheitsoperationen im Jahr durchgeführt. Nicht zuletzt deshalb werden gerade dort immer mehr Stimmen laut, die ein Verbot fordern. In Österreich verhält sich die Situation allerdings anders.

Laut Dr. Walter Jungwirth, Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, gibt es in Österreich noch keine ähnlichen Vorstöße: „In Deutschland wird dieses Thema heftig diskutiert. In Österreich kann ich derzeit noch keine Vorstöße erkennen. Es liegt wohl in der Natur der deutschen Seele, alles reglementieren zu wollen. In diesem Bereich halte ich von Verboten nicht sehr viel und setze beim Entscheidungsprozess viel mehr auf Hausverstand“, so der Experte ein wenig pointiert. Jungwirth ist neben seiner Arbeit als Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Plastische Chirurgie auch Leiter der Abteilung für Plastische und Äesthetische Chirurgie der EMCO Privatklinik in Bad Dürrnstein in Salzburg ist.

Die Entscheidung für oder gegen eine Schönheitsoperationen dürfen Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr selbst treffen. Trotzdem ist für Dr. Jungwirth wichtig, dass Jugendliche ihre Eltern bei der Entscheidung einbeziehen. „Ich rate Jugendlichen immer dazu, die Eltern und in manchen Fällen auch den Hausarzt in den Entscheidungsprozess einzubeziehen und sich ausreichend Zeit dazu zu nehmen.“, so der Experte. Bedingt durch die körperliche und seelische Entwicklung von Jugendlichen ist in vielen Fällen eine Operation erst ab dem 17. Lebensjahr sinnvoll. Denn erst dann ist der Körper fertig entwickelt.

Nicht allein entscheiden

„Ohrenanlegeplastiken zum Beispiel werden ja bereits seit über 30 Jahren an PatientInnen vorgenommen, die erst im Volksschulalter sind. Diese Form der Operation ist bewährt und nichts Neues. Man nimmt sie vor, um den Kindern Hänseleien zu ersparen. Andere Operationen, wie zum Beispiel eine Nasenkorrektur oder ein Brustimplantat, sollten nur durchgeführt werden, wenn die PatientIn bereits ausgewachsen bzw. die Pubertät abgeschlossen ist.“, so Jungwirth, der in Salzburg und Wien ordiniert. Empfehlung der Europäischen Union ist es, plastische Operationen erst ab Erreichen der Volljährigkeit mit 18 Jahren durchzuführen.

Zu dick, Brüste zu klein, Nase zu krumm? Woher kommen die Zweifel?

Aussehen wie Britney Spears, Angelina Jolie und Bratt Pitt – die Vorbilder und Schönheitsideale der Teenies stammen aus dem Medienkonsum. Woher kommt es, dass viele Jugendliche so unzufrieden mit ihrem Aussehen sind? Für Walter Jungwirth liegen die Gründe auf der Hand. „Das ist ein altes Phänomen. Viele Menschen haben und hatten in Pubertät ein Problem damit, sich und ihren Körper anzunehmen. Ein Höcker auf der Nase oder ein kleiner Busen werden nun einmal erst in der Pubertät entwickelt. An das neue Aussehen muss man sich erst gewöhnen. Um seine Rolle in der Gemeinschaft zu finden, vergleicht man sich mit den anderen. Da treten dann Fragen auf, wie „Sehe ich normal aus?“ oder „Ist mein Körper so wie er ist, der Körper einer Frau/eines Mannes?“, so der plastische Chirurg. Erst mit zunehmendem Alter steigt das eigene Schönheitsempfinden wieder, zudem wirken sich Partnerstatus, das Ausmaß der sexuellen Kontakte und die Erziehung der Eltern auf die Selbstwahrnehmung aus.

Auf dem Wunschzettel vieler Teenager: Schönheits-OPs

In einer Umfrage der Jugendzeitschrift Bravo interessierte sich mehr als ein Drittel der Teenager für eine plastische Operation und jeder Vierte würde sogar mehr als 7500 Euro für ein besseres Aussehen ausgeben. Besonders unzufrieden sind junge Mädchen oft mit ihren Brüsten, mit den sogenannten „Reiterhosen“ und ihrer Nase. Bei Jungen stehen Laserbehandlungen auf dem Wunschzettel. Damit, wenn wirklich die Entscheidung über eine Operation fällt, diese auch zur Zufriedenheit des Patienten erfolgt, sollte der Arzt sorgfältig ausgewählt werden. „Von großer Bedeutung ist auch, dass sich die betreffenden Jugendlichen an einen Facharzt für Plastische Chirurgie wenden“, so Jungwirth. Über 6000 Operationen hat der Facharzt nach eigenen Angaben bereits durchgeführt, dabei sei noch kein Patient zu Schaden gekommen.

[ameis]

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