Lipödem – rätselhafte Störung der Fettverteilung

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Lipödem - rätselhafte Störung der Fettverteilung

DURIS Guillaume | Fotolia + Montage Herz As Media

Ein Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft.


Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, die oft erst nach langer Leidenszeit richtig diagnostiziert wird. Die Neigung zum Lipödem scheint vererbbar zu sein.

Lipödem – Artikelübersicht:

Das Lipödem ist durch eine ungleichmäßige Vermehrung des Fettgewebes in bestimmten Körperregionen gekennzeichnet.

Es betrifft hauptsächlich Frauen, erkrankte Patienten leiden an schmerzhaften, symmetrischen sowie krankhaft vermehrten Fettansammlungen an den Beinen.

Bei etwa jedem dritten Erkrankten sind zusätzlich die Arme betroffen. Doch die Erforschung dieser ernstzunehmenden Fettverteilungsstörung steckt noch in den Anfängen.

Das Lipödem ist nicht mit Übergewicht oder Adipositas zu verwechseln, obwohl viele Betroffene auch übergewichtig sind.

Es handelt sich um eine eigenständige Erkrankung, die leider nach wie vor oft falsch diagnostiziert und fehlinterpretiert wird. Viele Betroffenen haben einen langen Leidensweg bis zur korrekten Diagnose hinter sich.

Trotz Maßnahmen wie Sport, Diät, Lymphdrainagen und Kompressionsstrumpfhosen, die das krankhaft vermehrte Fettgewebe nicht reduzieren können, führen die Symptome des Lipödems bei Betroffenen oftmals zu erheblichen Einschränkungen im Alltag, Beruf, in der Familie und Freizeit.

Ursache und Häufigkeit

Die genaue Ursache des Lipödems ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass hormonelle Veränderungen, genetische Faktoren und eine gestörte Fettstoffwechselregulation eine Rolle spielen. Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen auf und kann familiär gehäuft auftreten.

In Deutschland wird geschätzt, dass etwa 3,8 Millionen Frauen von Lipödem betroffen sind, was etwa 11% aller Frauen entspricht.

In Österreich gibt es keine offiziellen Schätzungen zur Prävalenz von Lipödem, aber es wird angenommen, dass es ähnlich wie in Deutschland ist, wobei die tatsächliche Häufigkeit möglicherweise höher ist, da viele Fälle unerkannt bleiben.

Als Ursache vermutet man eine genetische Veranlagung, aber auch hormonelle Störungen. Lipödeme zeigen sich in der Regel gegen Ende der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren, weshalb ein Zusammenhang mit einem hormonellen Hintergrund auf der Hand liegt.

Folgende Faktoren beeinflussen das Risiko, ein Lipödem zu entwickeln

  • Geschlecht: Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen auf.
  • Genetik: Es wurde berichtet, dass das Lipödem in einigen Familien gehäuft auftritt, was auf eine genetische Komponente hinweisen könnte.
  • Hormonelle Veränderungen, wie sie während der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause auftreten, können das Risiko erhöhen, ein Lipödem zu entwickeln.
  • Übergewicht kann das Risiko erhöhen, ein Lipödem zu entwickeln oder die Symptome zu verschlimmern.
  • Verletzungen oder Operationen in den betroffenen Bereichen können das Risiko erhöhen, ein Lipödem zu entwickeln.

Diagnose: Symptome erkennen

Für die Diagnostik und Therapieplanung des Lipödems sollten Sie einen Facharzt konsultieren, der sich mit Erkrankungen des Fettgewebes auskennt. Dazu gehören in erster Linie Phlebologen (Fachärzte für Venenerkrankungen) und Lymphologen (Fachärzte für Lymphologie). Diese Spezialisten können eine genaue Diagnose stellen und die geeignete Therapie empfehlen.

Oftmals erkennen auch plastische Chirurgen frühzeitig die Symptome, da sie in der Praxis häufig mit Lipödem-Patienten konfrontiert sind, die sie wegen Fettabsaugungen aufsuchen.

Das Lipödem ist jedenfalls eine chronische Erkrankung. Der Begriff “chronisch” bezieht sich auf den langfristigen Verlauf der Erkrankung und bedeutet, dass das Lipödem eine dauerhafte oder lang anhaltende Erkrankung ist, die in der Regel nicht spontan verschwindet.

Chronische Erkrankungen zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:

    1. Langfristiger Verlauf: Das Lipödem ist in der Regel progressiv, was bedeutet, dass es im Laufe der Zeit schlimmer werden kann, wenn keine angemessene Behandlung erfolgt. Die Symptome und die Fettansammlung können fortschreiten und sich verschlimmern.

    2. Langfristige Behandlung: Die Behandlung des Lipödems ist darauf ausgerichtet, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die Behandlung kann eine Kombination aus konservativen Maßnahmen wie Kompressionskleidung, manueller Lymphdrainage, Bewegungstherapie und einer gesunden Ernährung umfassen. In einigen Fällen kann eine chirurgische Behandlung wie die Liposuktion in Erwägung gezogen werden.

    3. Da das Lipödem eine chronische Erkrankung ist, ist es wichtig, dass Patienten langfristige Selbstfürsorge betreiben. Dies kann den regelmäßigen Einsatz von Kompressionskleidung, die Durchführung von Lymphdrainage-Übungen, die Einhaltung eines gesunden Lebensstils und die Beachtung von Selbsthilfemaßnahmen wie der Vermeidung von Gewichtszunahme beinhalten.

Es gibt derzeit keine etablierten Untersuchungsmethoden, die ein Lipödem eindeutig nachweisen. Die Diagnose erfolgt rein klinisch, also im Rahmen einer körperlichen Untersuchung. Wegweisend sind dabei die typischen Symptome und die Blickdiagnose des erfahrenen Arztes.

Ein einfacher Kneiftest gibt oft schon Aufschluss darüber, ob Sie unter einem Lipödem leiden.

Bei dieser Untersuchung wird die Haut an den betroffenen Körperstellen zwischen Daumen und Zeigefinger gekniffen oder zusammengedrückt, um das Gewebe zu komprimieren. Der Kneiftest wird in der Regel an den Oberschenkeln oder Oberarmen durchgeführt, da dies typische Bereiche für ein Lipödem sind.

Der Kneiftest beim Lipödem zeigt typischerweise folgende Merkmale:

Er zeigt die Schmerzhaftigkeit an: Beim Kneifen oder Zusammendrücken des Gewebes empfinden viele Lipödem-Patienten Schmerzen oder ein unangenehmes Druckgefühl. Der Schmerz ist oft disproportional zu der angewandten Kraft und kann als “knochenharter” Schmerz beschrieben werden.

Typische Riffelung: Nach dem Loslassen des gekniffenen Gewebes kann eine Riffelung oder Wellenbildung auf der Hautoberfläche sichtbar sein. Dies wird als sogenanntes “Matratzenphänomen” bezeichnet und ist ein Hinweis auf die veränderte Struktur des Fettgewebes beim Lipödem.

Der Kneiftest dient als unterstützendes diagnostisches Instrument, das zusammen mit anderen klinischen Symptomen und Untersuchungen wie der Anamnese, körperlichen Untersuchung und bildgebenden Verfahren eingesetzt wird, um eine Diagnose des Lipödems zu stellen.

Der Kneiftest allein reicht aber nicht aus, um eine Diagnose zu stellen, da er keine spezifische oder definitive Bestätigung für das Vorliegen eines Lipödems bietet.

Eine genaue Diagnosestellung erfordert daher eine gründliche körperliche Untersuchung, eine Anamnese und gegebenenfalls zusätzliche diagnostische Maßnahmen.

Dies kann beinhalten:

  • Detaillierte Befragung des Patienten zu Symptomen, Vorgeschichte und möglichen Auslösern.
  • Körperliche Untersuchung, um das Ausmaß der Schwellungen, den Zustand der Haut und andere spezifische Merkmale zu beurteilen.
  • Gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie Ultraschall, um die Struktur des Gewebes und das Lymphsystem zu beurteilen.
  • Lymphografie, um den Lymphfluss und mögliche Blockaden im Lymphsystem zu untersuchen.

Typische Merkmale sind symmetrische Fettansammlungen an den Beinen oder Armen, die sich häufig bis zu den Knöcheln oder Handgelenken erstrecken. Das Lipödem betrifft dabei typischerweise nicht den Fuß, sondern hört am Sprunggelenk auf.

Das Fettgewebe fühlt sich weich an und ist im Vergleich zum übrigen Körper disproportioniert. Betroffene klagen oft über Schmerzen, Druckempfindlichkeit und eine erhöhte Neigung zu blauen Flecken.

Häufige Symptome eines Lipödems können sein:

  • Schmerzen und Empfindlichkeit in den betroffenen Bereichen
  • Schwellungen und Ödeme in den Beinen, die bis zu den Knöcheln reichen können
  • Schweregefühl in den Beinen
  • Neigung zu Besenreisern
  • Berührungsempfindlichkeit der Haut
  • Blutergüsse, die leicht entstehen
  • Unebene Fettverteilung, die sich durch eine “Reiterhosen”-Form an den Schenkeln auszeichnet
  • Die Symptome verschlimmern sich normalerweise im Laufe des Tages und können durch längeres Stehen oder Sitzen verstärkt werden.

Je stärker sich das Lipödem ausprägt, umso mehr nimmt das Volumen der Beine zu. Die typischen “Reiterhosen” bilden sich.

Der Begriff “Reiterhosen” ist kein medizinischer Fachbegriff, wird aber manchmal verwendet, um auf die typische Fettverteilung an den Oberschenkeln bei Lipödem-Patienten hinzuweisen.

Die Bezeichnung “Reiterhosen” bezieht sich auf das Erscheinungsbild der betroffenen Oberschenkel, das an die seitlich ausgestellten Hosen erinnert, die Reiter in der Vergangenheit getragen haben.

Die Oberschenkel weisen typischerweise eine deutliche Fettansammlung auf, während der Rest des Körpers im Vergleich dazu normal oder schlanker erscheinen kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome des Lipödems oft mit denen anderer Erkrankungen wie Lymphödem oder Venenerkrankungen verwechselt werden können. Eine genaue Diagnose ist daher wichtig, um eine angemessene Behandlung zu gewährleisten.

Krankheitsstadien:

Das Lipödem wird in verschiedene Stadien eingeteilt, um den Schweregrad der Erkrankung zu beschreiben. In der Regel werden vier Stadien unterschieden:

Stadium I: Die Haut ist glatt, es treten jedoch bereits Schmerzen und Druckempfindlichkeit auf.
Stadium II: Die Haut zeigt erste Veränderungen wie Dellen und Unebenheiten, die Fettansammlungen nehmen zu und die Schmerzen verstärken sich.
Stadium III: Es treten weitere Veränderungen an der Haut auf, wie vermehrte Fettansammlungen, größere Dellen und Knötchenbildung.
Stadium IV: In diesem fortgeschrittenen Stadium sind die Veränderungen an der Haut besonders ausgeprägt, es können starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auftreten.

Lipödem oder Lymphödem? Eine Abgrenzung

Das Lipödem und das Lymphödem sind zwei separate Erkrankungen, die unterschiedliche Ursachen und Symptome haben.

Die genaue Ursache des Lipödems ist nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass genetische und hormonelle Faktoren eine Rolle spielen. Es handelt sich um eine Störung der Fettverteilung, bei der Fettgewebe ungleichmäßig in bestimmten Bereichen des Körpers, insbesondere an den Hüften, Oberschenkeln und manchmal den Oberarmen, angesammelt wird.

Hingegen sind die Ursachen des Lymphödems klar: es entsteht durch eine Störung des Lymphsystems, das für den Abtransport von Flüssigkeit und Abfallstoffen aus dem Gewebe verantwortlich ist. Es kann angeboren sein (primäres Lymphödem) oder durch eine Schädigung des Lymphsystems infolge von Verletzungen, Infektionen, Operationen oder anderen Erkrankungen verursacht werden (sekundäres Lymphödem).

Beide Erkrankungen können Schwellungen und eine Veränderung des Erscheinungsbildes bestimmter Körperbereiche verursachen.

Dies kann zu einer unsicheren Diagnose führen, insbesondere wenn der behandelnde Arzt nicht mit beiden Erkrankungen vertraut ist.

Die ähnlichen Symptome können zu einer falschen Diagnose oder zu einer Verwechslung der beiden Erkrankungen führen. Beispielsweise kann ein Lipödem fälschlicherweise als Adipositas (Fettleibigkeit) diagnostiziert werden, während ein Lymphödem möglicherweise nicht erkannt wird und stattdessen als Lipödem oder einfach als Schwellung betrachtet wird.

In einigen Fällen kann es auch erforderlich sein, Spezialisten wie Phlebologen, Lymphologen oder Dermatologen zu konsultieren, um eine genaue Diagnose zu stellen.

Warum wird das Lipödem oft erst nach langer Leidenszeit korrekt diagnostiziert?

Häufig sprechen Ärzte von Adipositas, das ist aber ein schwerwiegender Irrtum:

Das Lipödem wird häufig fehldiagnostiziert oder mit Adipositas verwechselt. Dies liegt zum Teil daran, dass die Symptome des Lipödems denen von Übergewicht ähneln können. Viele Betroffene haben bereits zahlreiche Diäten und Sportprogramme ausprobiert, um ihr Gewicht zu reduzieren, jedoch ohne Erfolg.

Die ungleichmäßige Fettverteilung bleibt bestehen, was auf das Lipödem hinweist. Es ist wichtig, dass Ärzte über das Lipödem informiert sind und die richtige Diagnose stellen, um den Betroffenen die angemessene Behandlung zukommen zu lassen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Ziel ist, zum einen Beschwerden wie Schmerzen, Wassereinlagerung und Disproportion durch eine Volumenreduktion direkt zu behandeln. Zum anderen gilt es, Komplikationen des Lipödems wie Hautinfektionen, Lymphödeme sowie orthopädische Probleme zu verhindern.

Die Behandlung des Lipödems umfasst in der Regel eine Kombination aus konservativen und operativen Maßnahmen. In den frühen Stadien können konservative Maßnahmen wie manuelle Lymphdrainage, Kompressionskleidung, Bewegungstherapie und spezielle Hautpflege helfen, die Symptome zu lindern.

Doch während durch konservative Maßnahmen wie manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie und Bewegungstherapie Ödeme zumindest teilweise reduziert werden können, ist eine Reduktion des krankhaft vermehrten Fettgewebes weder durch Diät noch durch diese konservativen Behandlungsansätze möglich.

Bei fortgeschrittenen Stadien, in denen konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichend wirksam sind, kann eine operative Therapie in Betracht gezogen werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (DGP) empfiehlt deshalb in ihrer S1-Leitlinie eine operative Behandlung insbesondere dann, wenn trotz konsequent durchgeführter konservativer Therapien noch Beschwerden bestehen oder diese zunehmen.

Die Fettabsaugung, also eine so genannte Liposuktion, kann beim Lipödem das krankhafte Unterhautfettgewebe an Beinen und Armen und damit den Gewebeumfang und den Ort der Ödemeinlagerung dauerhaft reduzieren. Dadurch werden Spontanschmerz, Druckschmerz sowie die Neigung zu Ödem und Hämatom signifikant verbessert. Dabei bleibt die Befundverbesserung mehrheitlich über viele Jahre bestehen.

Werden Kosten einer Liposuktion von der Krankenkasse übernommen?

Auch wenn das Lipödem in Österreich bei den Krankenkassen als anerkannte chronische Krankheit gilt, werden bisher nur konservative Therapien, wie Lymphdrainagen oder Kompressionsmaßnahmen finanziell unterstützt.

Die vielversprechende Liposuktion (Fettabsaugung) wird nach wie vor von den meisten Krankenkassen nicht übernommen. [Stand: 07/2023]

Lipödem: besondere Belastung für Patienten

Es sind nicht nur die körperlichen Beschwerden (Schmerzen, Schweregefühl, Druckempfindlichkeit und bewegungseinschränkende Schwellungen), die alltägliche Aktivitäten wie Gehen, Treppensteigen oder das Tragen von Kleidung und Schuhen erschweren. Die Fettansammlung kann auch zu einer ungleichmäßigen Körperkontur führen, was das Selbstbild und das Körperbewusstsein beeinflussen kann.

Das Lipödem kann deshalb zu psychischen Belastungen führen, wie etwa einem verminderten Selbstwertgefühl, Körperunzufriedenheit, Depressionen, Angstzuständen oder sozialer Isolation. Die sichtbaren Veränderungen am Körper können zu Schamgefühlen und negativen Gedanken über das Aussehen führen. Die psychische Belastung kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Die Schwierigkeiten bei der Diagnosestellung kommen noch erschwerend dazu: Lipödem wird häufig falsch diagnostiziert oder mit anderen Erkrankungen verwechselt, insbesondere mit Adipositas. Das Fehlen einer korrekten Diagnose und das Nicht-Verständnis der Erkrankung durch medizinische Fachkräfte können zu Frustration und Verzögerungen bei der Behandlung führen.

Es gibt Berichte über einige Lipödem-Betroffene, die ein gestörtes Essverhalten entwickeln, wie beispielsweise Magersucht (Anorexie) oder Bulimie.

Diese Störungen können auf die Verzweiflung zurückzuführen sein, die mit der fehlenden oder verzögerten Diagnose des Lipödems einhergeht, insbesondere wenn Betroffene wiederholt mit dem Vorwurf der Adipositas konfrontiert werden und sich mit ihrem Körperbild und Gewichtsproblemen auseinandersetzen müssen.

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und die Schwierigkeiten, eine angemessene Diagnose und Behandlung zu erhalten, können zu negativen Gedanken und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme und dem Gewicht führen.

Einige Betroffene können versuchen, ihr Gewicht zu reduzieren, indem sie extreme Diäten einhalten, Kalorienrestriktion betreiben oder übermäßig viel Sport treiben. In einigen Fällen kann dies zu Magersucht führen.

Bei anderen Betroffenen kann sich Bulimie entwickeln, bei der wiederholte Episoden von Essanfällen (Heißhungerattacken) gefolgt werden von Maßnahmen, um das Gewicht zu kontrollieren, wie zum Beispiel Erbrechen, übermäßige körperliche Aktivität oder die Verwendung von Abführmitteln oder Diuretika.

Dieses Verhalten kann als Versuch angesehen werden, das Körpergewicht zu kontrollieren oder die negativen Gefühle in Bezug auf den Körper und das Lipödem zu bewältigen.

Es ist wichtig zu betonen, dass gestörtes Essverhalten bei Lipödem-Betroffenen nicht allgemein vorkommt und nicht bei allen Betroffenen auftritt. Es handelt sich um individuelle Reaktionen auf die emotionale Belastung und den psychischen Druck, der mit der Erkrankung einhergehen kann.

Jedenfalls erleben viele Lipödem-Patienten eine lange Leidenszeit, bevor sie die richtige Diagnose erhalten.

Auch die Herausforderungen bei der Behandlung sind umfangreich und strapazieren die Geduld der Betroffenen.

Die Behandlung des Lipödems erfordert einen umfassenden Ansatz, der konservative Maßnahmen wie Kompressionstherapie, manuelle Lymphdrainage und Bewegungstherapie sowie in einigen Fällen chirurgische Eingriffe wie die Liposuktion umfassen kann.

Der Zugang zu spezialisierten Fachärzten und angemessenen Behandlungsoptionen kann je nach Standort und Gesundheitssystem variieren.

Eine individuelle Betreuung, angemessene Behandlung und psychosoziale Unterstützung sind aber entscheidend, um den Betroffenen dabei zu helfen, mit den physischen und psychischen Belastungen des Lipödems umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Lipödem: Hilfreiche Expertentipps für den Alltag

Selbstmanagement und Bewältigung im Alltag mit Lipödem können eine extreme Herausforderung sein, nachfolgende Praxistipps werden Betroffenen von Experten aber dringend empfohlen:

1. Sobald Sie eine eindeutige Diagnose haben, bilden Sie sich über das Lipödem und seine Symptome fort, um ein besseres Verständnis für Ihre Erkrankung zu entwickeln. Dadurch können Sie auch besser mit Ihrem behandelnden Arzt kommunizieren und gemeinsam die richtige Therapieplanung vornehmen.

2. Tragen Sie Kompressionskleidung: Kompressionsstrümpfe oder -hosen können helfen, die Schwellungen zu reduzieren und den Blutfluss zu verbessern. Tragen Sie diese regelmäßig, besonders während des Tages und während längerem Stehen oder Sitzen.

3. Bewegen Sie sich regelmäßig: Körperliche Aktivität ist wichtig, um den Lymphfluss anzuregen und die Muskulatur zu stärken. Wählen Sie dabei schonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walking, die den Körper nicht überlasten.

4. Suchen Sie den Austausch mit anderen Betroffenen, entweder in Selbsthilfegruppen oder online in Foren und Communitys. Der Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung können hilfreich sein, um mit den Herausforderungen des Lipödems umzugehen.

5. Nehmen Sie sich regelmäßige Ruhepausen, um Ihre Beine oder Arme zu entlasten und sich zu erholen. Legen Sie die Beine hoch oder verwenden Sie gegebenenfalls spezielle Lagerungshilfen.

6. Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit für Entspannungs- und Selbstpflegemaßnahmen. Dazu gehören beispielsweise Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation, Massagen oder warme Bäder. Auch Hautpflege zählt selbstverständlich dazu: Sorgen Sie für eine gute Hautpflege, um trockene Haut und Verletzungen zu vermeiden. Verwenden Sie feuchtigkeitsspendende Cremes und meiden Sie aggressive Chemikalien oder heiße Bäder, die die Haut austrocknen könnten.

7. Meiden Sie aber Sauna und Dampfbad, denn dort herrschen hohe Luftfeuchtigkeit und/oder hohe Temperaturen – beides ist bei einem Lipödem kontraproduktiv.

8. Ja, auch eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, das Gewicht zu kontrollieren und Entzündungen zu reduzieren. Lipödeme sind zwar keine Fettpolster, die durch Übergewicht entstanden sind und daher auch nicht durch Abmagerungskuren zu bekämpfen, aber eine Gewichtsreduktion in Verbindung mit Sport (mit Kompressionsstrümpfen) wirkt sich dennoch positiv aus. Vermeiden Sie also stark verarbeitete Lebensmittel und achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten.

9. Auch wenn es leichter gesagt als getan ist: Bleiben Sie positiv, denn eine positive Einstellung und Selbstakzeptanz sind wichtig, um den Alltag mit Lipödem zu bewältigen. Akzeptieren Sie Ihren Körper und konzentrieren Sie sich auf die Maßnahmen, die Ihnen helfen, Ihre Symptome zu lindern und ein gesundes Leben zu führen.

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Quelle:

¹ Lymphatic function and anatomy in early stages of lipedema (Rasmussen J. et al in Obesity (Silver Spring) 2022 Jul; 30(7): 1391–1400. Published online 2022 Jun) DOI: 10.1002/oby.23458
² Lipödem – noch immer erfolgt die Diagnose viel zu spät (Ärztezeitung)
³ Experte PD Dr. Klaus J. Walgenbach vom Universitätsklinikum Bonn äußert sich zur Behandlung der schmerzhaften Fettverteilungsstörung

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