Palmöl – das problematische Fett der Ölpalme

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Palmölfrüchte der Ölpalme - Fotocredit: MONUSCO Photos

Der Konsum von Palmöl gilt als höchst problematisch, denn das Öl, das aus dem orangeroten Fruchtfleisch und den Kernen der Früchte von Ölpalmen gewonnen wird, ist ein echter Ökokiller. Nicht nur, dass für die riesigen Plantagen enorme Flächen an Regenwald und Dschungel gerodet werden, das Schlägern und Abbrennen des Waldes verursacht auch einen gigantischen CO2-Ausstoß. Das Problem: die bis zu 30 Meter hohen Ölpalmen der Monokulturen liefern einen enormen Ertrag, weshalb das Öl sehr günstig ist. Die Folge: Palmöl ist aus unserer Konsumwelt nicht mehr wegzudenken. Doch was tun? Gibt es sinnvolle Alternativen?

Beinahe jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl. Aber nicht nur Nahrungsmittel und Kosmetika basieren auf dem Pflanzenöl, auch für Biokraftkraftstoffe ist es essentiell.

Fakten über Palmöl

Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen und besteht zu über 80 % aus gesättigten Fetten. Ein Baum kann bis zu 350 Kilogramm Früchte tragen, die Produktion ist damit dreimal so ertragreich wie etwa Raps und siebenmal so ertragreich wie Soja, beansprucht dabei aber „nur“ betwa 1/6 der Fläche von Soja. Palmöl ist daher auch weltweit das wichtigste Pflanzenöl (30 Prozent Marktanteil), weit vor Soja. Malaysia und Indonesien sind die größten Produzenten und stellen zusammen über 85 % der Weltproduktion an Palmöl und Palmkernöl (Palmfett).

Das Anwendungs- und Nutzungsspektrum von Palmöl ist riesig. Weltweit wird es hauptsächlich für Lebensmittel (ca. 68 %) und für industrielle Zwecke, wie Reinigungsmittel, Kosmetik und Kerzen (ca. 27 % ) verwendet, der Anteil für die Energiegewinnung – etwa als Zusatz zu Biokraftstoff – ist mit 5 % vergleichsweise klein, wobei in Österreich und in Deutschland der Anteil für bioenergetische Verwendungen wesentlich höher ist (etwa 42%). Die jährlichen Steigerungsraten in der Produktion sprechen Bände.

In der Nahrungsmittelindustrie ist Palmfett nicht mehr wegzudenken, es kommt vor allem in Margarine, in Süßigkeiten, Fertigprodukten und veganen Produkten zum Einsatz. Aufgrund seiner Schmelzeigenschaften ist es vor allem bei Produkten aus Schokolade (Eiskonfekt) und Kakaoglasuren sehr beliebt.

Lange Zeit musste Palmöl als Inhaltsstoff von Nahrungsmitteln oder anderen Produkten nicht auf der Verpackung angegeben werden. Doch seit wenigen Jahren muss auch Palmöl auf der Packung von Lebensmitteln deklariert werden, auch damit der Verbraucher entscheiden kann, ob er das Produkt mit diesem inzwischen als kritisch anzusehenden Stoff, kaufen möchte oder nicht.

Kosmetik oder Reinigungsmittel sind von dieser Regel immer noch ausgenommen. Für viele Kosmetikprodukte wird Palmöl verwendet, weil es für cremige Konsistenz und Homogenität sorgt. Ein ganz entscheidender Grund für den massiven Einsatz ist, dass Palmöl im direkten Vergleich zu anderen Ölen durch das schnelle Pflanzenwachstum in der Herstellung eben wesentlich billiger ist und weitaus mehr Erträge bringt als Rapsöl, Sonnenblumenöl oder andere Öle, die in großen Mengen für Kosmetika hergestellt werden.

Infografik Palmöl

Palmöl Infografik

Vorteile von Palmöl

Abgesehen von hohem Ertrag und damit verbunden günstiger Produktion, hat Palmöl vor allem in der Lebensmittelherstellung den großen Vorteil, dass es sich sehr gut verarbeiten lässt und zudem eine besonders gute Hitzebeständigkeit aufweist. In der Süßwarenindustrie ist es ein entscheidender Vorteil, dass Palmöl bei Raumtemperatur nicht schmilzt. Würde man etwa Sonnenblumenöl für die Herstellung von Schokolade nehmen, wäre das Ergebnis nicht zufriedenstellend.

Da das Öl sehr hitzestabil ist, kann es auch in allen Prozessen der industriellen Herstellung einfach verarbeitet werden. Das schont natürlich die Kassen der Hersteller und macht das Öl kostentechnisch besonders attraktiv.

Warum ist Palmöl problematisch?

Um die Mengen an Palmöl für die weltweite Industrie produzieren zu können, werden riesige Flächen in den Hauptanbaugebieten in Indonesien, Malaysia, Thailand und Nigeria gerodet und damit wertvoller Regenwald vernichtet. Die geschaffenen Monokulturen auf den Palmplantagen sind ein schwerer Einschnitt in das Ökosytem dieser Regionen, denn die trocken gelegten Böden können so ihre wichtige Speicher- und Reinigungsfunktion nicht mehr erfüllen. Zudem werden kontinuierlich riesige Mengen an Treibhausgasen (Methan und Kohlenstoffdioxid) freigesetzt, die wiederum für Klimaschäden verantwortlich zeichnen.

Auch massive Gewässerverschmutzung durch Pestizideinsatz trägt dazu bei, dass die Ökobilanz des Pflanzenöls – vornehm ausgedrückt – sehr schlecht ist. Es gibt zudem zahlreiche Studien, die sich mit den „Nebeneffekten“ der Rodungen beschäftigen. Sie zeigen auf, dass zusätzlich zu oben genannten Problemen oft auch Urvölker von ihrem angestammten Lebensraum vertrieben werden und Menschenrechte mit den Füßen getreten werden. Ganze Populationen werden ihres Landes beraubt und müssen abwandern. Dieses Schicksal teilen sie wiederum mit zahlreichen Tierarten, deren Lebensraum durch die Schlägerungen immer weiter eingegrenzt wird. Viele Tier- und Pflanzenarten dieser Regionen sind mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Zu diesen Bedenken im Menschenrechts-, Umwelt- und Entwicklungsbereich gesellen sich in jüngster Zeit auch Gesundheitsbedenken. Sowohl beim Transport der ölhaltigen Palmfrüchte, als auch bei der Raffination des Öls, können schädliche Stoffe entstehen.

Gesundheitsrisiken durch Palmöl und Palmfett?

Genau geht es um sogenannte 3-MCPD- und Glycidyl-Ester – das sind chemische Verbindungen von Fettsäuren mit Glycidol. es handelt sich dabei um prozessbedingte unerwünschte Stoffe in Lebensmitteln, die ein gesundheitsschädigendes Potential aufweisen und daher unerwünscht sind. Konkret entstehen die 3-MCPD- und Glycidyl-Ester bei der Aufbereitung des Öls durch Erhitzung, bei der die rote Farbe und der unangenehme Geruch beseitigt werden soll. Sowohl Glycidol, als auch -MCPD- und Glycidyl-Ester stehen im Verdacht krebserregend zu sein.

Jedenfalls hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Studie herausgebracht, in der die Stoffe als karzinogen und gentoxisch eingestuft werden. Das heißt, es wird vermutet, dass sie das Erbmaterial (DNS) angreifen. Durch die so verursachten DNS-Schäden können Mutationen der Gene entstehen, diese Veränderungen der Gene wiederum stehen immer am Anfang der Ursachenkette, die zur Tumorentstehung führen kann.

Da in Palmölen und Palmfetten die höchsten Konzentrationen dieser Ester gefunden wurden, hat das deutsche Das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Emfehlung abgegeben, Palmöl so weit wie möglich zu vermeiden. Die europäische Kommission will den Stoff derzeit allerdings nicht verbieten, sondern vorerst bloß neue Grenzwerte für Glycidil-Ester festlegen. Ein Vorgehen, das nicht unumstritten ist, Toxikologen sehen darin einen Kompromiss, weil Palmöle in derart vielen Produkten enthalten sind, die man nicht in kürzester Zeit gänzlich vom Markt nehmen kann. Vor allem, weil es auch an Alternativen für die Industrie mangle.

Palmöl in der Ernährung

Palmöl hat keine nennenswert positive Wirkung und die Zusammensetzung ist folglich aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht sonderlich zu empfehlen. Palmöl besitzt zwar Carotinoide und Vitamin E, besteht aber zu etwa 50 Prozent aus gesättigten Fettsäuren und diese sind – auch ohne krebserregende Stoffe – ungesund, denn sie erhöhen die schlechten Blutfettwerte.

Ohne Zweifel kann daher festgehalten werden, dass der regelmäßige Konsum von Fertigprodukten die Aufnahme von zu viel gesättigten Fettsäuren und möglicherweise auch zu viel schädliches Glycidol mitsich bringt und daher vermieden werden sollte.

Alternativen zu Palmöl?

Auf Palmöl zu verzichten ist nicht einfach, denn anderen Ölen mangelt es häufig an den guten Verarbeitungseigenschaften oder sie sind in der Herstellung noch problematischer für die Umwelt als die Ölpalmen. Selbst der World Wildlife Fund (WWF) gestand ein, dass der Ersatz durch Kokos-, Soja-, Sonnenblumen- und Rapsöl einen massiv höheren Flächenbedarf zur Folge hätte und sowohl die Treibhausemissionen als auch die Gefährdung von Tier- und Pflanzenarten noch weiter zunähme. Würde man also in der Produktion von Lebensmitteln, Kosmetika oder Putzmitteln ganz auf Palmöl verzichten, würde man die Umweltprobleme nur noch verstärken.

Ist die Verwendung von Palmöl also alternativlos? Nein, als wichtigsten Schritt sehen die meisten Kritiker des Öls die drastische Reduktion nicht nur in Lebensmitteln und Kosmetika, sondern vor allem auch in Biokraftstoffen und Diesel, die stark mit Palmöl angereichert sind. Konsumenten können einen Beitrag leisten, indem sie sich regional und saisonal ernähren, häufiger selbst kochen und weniger Fertigprodukte und Fast Food konsumieren.

Daneben ist aber auch die Forschung emsig daran Alternativen zu finden. Große Hoffnungen werden derzeit in eine Hefe namens Metschnikowia pulcherrima gesetzt. Sie soll Palmöl ersetzen helfen, hoffen britische Forscher um den Chemiker Dr. Chris Chuck vom Centre for Sustainable Chemical Technologies (CSCT) an der University of Bath. Der Pilz wächst auf Abfällen und produziert unter bestimmten Bedingungen ein dickflüssiges Öl, das beinahe die gleichen Qualitäten wie Palmöl haben soll. Die Wissenschafter arbeiten jetzt daran, das Verfahren möglichst rasch reif für die Produktion in der Industrie zu machen.

Verbraucher sollten bewusst einkaufen

Die Gesundheit jedes Einzelnen ist wichtig und nur wer gesund ist, kann sich in der heutigen Zeit dem anstrengenden Alltag stellen und ihn meistern. Für die Gesundheit gibt es bessere Öle als das Palmöl, so zum Beispiel hochwertiges Olivenöl aus Kaltpressung. Der Verbraucher entscheidet mit seinem Kaufverhalten, ob er Palmöl in der Nahrung haben möchte oder nicht. Beim Kauf eines Produktes, welches Palmöl enthält muss man ganz einfach überlegen, ob man das unbedingt benötigt und sich im Zweifelsfall für ein Produkt ohne Palmöl entscheiden. Nur so kann Druck auf die Palmöl Industrie ausgeübt werden und Umweltstandards angehoben werden. Ein Schritt in die richtige Richtung, wenngleich auch nicht die Lösung des Problems ist jedenfalls, Produkte mit Palmöl aus biologischem Anbau und/oder aus fairem Handel zu beziehen.

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Quellen:

¹ Bundesinstitut für Risikobewertung: Infos zu Glycidol
² Umstrittenes Palmöl in unseren Lebensmitteln (SWR)

Linktipps

– Kokosfett & Kokosöl – gesund oder nicht?
– Wertvolle Speiseöle – ein gesunder Genuss
– Lebensmittelkennzeichnung: Inhaltsstoffe verstehen
– Greenpeace-Factsheet: Palmöl in Österreichs Supermärkten (PDF)

Fotocredit: MONUSCO Photos – https://www.flickr.com/people/67163702@N07 (Creative Common 2.0)

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