Algen, Insekten & Co. – Nahrungsmittel der Zukunft im Überblick

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Algen am Teller

Die Nahrungsmittelproduktion gilt als einer der größten Ressourcenverschwender und als Hauptverursacher des Klimawandels. In einer Welt endlicher Ressourcen und einer rasant anwachsenden Weltbevölkerung wird der Kampf um Wasser und Böden immer härter und Nahrungsmittelknappheit zur realen Gefahr. Unsere Essgewohnheiten werden sich deshalb in den nächsten Jahren deutlich ändern. Insekten, Wasserorganismen und besonders effiziente Nutzpflanzen könnten vermehrt auf unserem Speiseplan stehen. Wie werden alternative Lebensmittel in Zukunft unsere Essgewohnheiten ändern?

Die moderne Lebensmittelproduktion stellt unser Ökosystem auf eine harte Probe. Egal ob der Einsatz von giftigen Pflanzenschutzmitteln bei der Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft oder der geradezu obszön hohe Wasserverbrauch und Medikamenteneinsatz in der Fleischproduktion, alles Maßnahmen, die massiv die Umwelt belasten. Ressourcenschonung ist also angesagt, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich im Jahr 2050 voraussichtlich zehn Milliarden Menschen auf diesem Planeten tummeln werden. Doch wie kann der Spagat zwischen Genuss und Ressourcenschonung gelingen?

Hanf als Proteinquelle der Zukunft!?

Der Mensch besteht selbst zu einem wesentlichen Teil aus Proteinen und er benötigt Proteine, um Enzyme, Hormone oder Muskeln zu bilden. Für den Aufbau der Eiweiße werden 20 verschiedene Aminosäuren benötigt, von denen 9 unentbehrlich (essenziell) sind. Unentbehrliche Aminosäuren kann der Körper nicht selbst herstellen, sondern müssen über die Nahrung geliefert werden.

Bei den tierischen Eiweißquellen, sind vor allem Topfen, Joghurt, Eier und Putenfleisch besonders ergiebige Lieferanten, bei den pflanzlichen Eiweißquellen sind besonders Nüsse (vor allem Mandeln), Tofu und Hülsenfrüchte zu nennen.

Auf der Suche nach pflanzlichen Alternativen zu tierischen Eiweiß, ist in jüngster Zeit Hanf und das daraus gewonnene Hanfmehl in den Fokus gerückt. Das Pulver enthält essenzielle Aminosäuren und ist genauso leicht zu verarbeiten wie beispielsweise das Protein, das sich im Ei verbirgt. Ein weiterer Vorteil von Hanfmehl ist, dass es dem Körper nahezu ungehindert zur Verfügung steht.

Mit Blick auf die Nährstoffbilanz bekommt Hanfmehl ebenfalls Bestnoten: Auf 100 Gramm Hanfmehl entfallen etwa 11 Prozent Hanföl, was vor allem in punkto Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren Bestnoten bekommt. Zudem enthält Hanfmehl Eisen, Magnesium und Zink und ist eine wichtige Ballaststoffquelle. Hanfmehl kann zum Backen verwendet werden, aber auch als Proteinkick in Smoothies und Powerriegeln.

Darüber hinaus gibt es online eine Reihe von CBD-Rezeptideen. CBD ist neben THC eine der wichtigsten Verbindungen, die in Marihuana enthalten sind. Der Vorteil liegt darin, dass CBD-haltige Produkte keine psychoaktive Wirkung haben. So können Konsumenten von den gesunden Vorteilen von CBD profitieren, ohne eine psychoaktive Wirkung fürchten zu müssen. CBD-Öl-Butter, CBD in der Pasta sowie in Chips, Gewürzen und Dressings sind nur einige wenige Einsatzbereiche von CBD.

Hanf ist eine uralte, sehr vielseitige Nutzpflanze und ein Rohstoff mit vielen ökologischen Vorteilen, vor allem dann, wenn er auch regional verarbeitet wird. Die Hanfpflanze ist relativ anspruchslos beim Boden und hält sich durch sein dichtes Blätterwerk Unkraut selbst vom Hals, wodurch kaum Herbizide gespritzt werden müssen und Bienen und Bodentiere geschont werden. Außerdem können beinahe alle Pflanzenteile genutzt werden: Fasern, Früchte, Samen und Blätter. Selbst die Pflanzenreste können als Biomasse in Kraftwerken zu erneuerbarer Energie verwertet werden oder als saugfähiges Einstreu (Stängel) für Tiere dienen.

Hanfmehl wird übrigens aus gemahlenen Hanfsamen – genauer aus dem Presskuchen der Hanfsamen nach der Hanfölherstellung – gewonnen.

Algen als Essen der Zukunft

An die 200 Algenarten sind nach dem heutigen Wissensstand essbar. Algen sind nicht nur wahre Nährstoffpakete, nämlich sehr eiweiß- und vitaminreich, sondern auch ressourcenschonend und platzsparend, da sie leicht im Meer angebaut werden können. Chlorella-Algen beispielsweise weisen einen Proteinanteil von über 50 Prozent auf – mehr als Eier oder Fleisch.

Und was die Ressourcenschonung betrifft, geraten Algenforscher ins Schwärmen. Kein Wunder, immerhin wachsen Algen zehnmal schneller als alle anderen Pflanzen und können praktisch überall angebaut werden. Meer ist für die industrielle Algenproduktion gar nicht notwendig, die Pflanzen werden in sogenannten Algenreaktoren in Glasschläuchen gezogen.

Klingt visionär aber wenig appetitlich. Doch das Meeresgemüse hat es bereits auf unseren Speiseplan geschafft. Zahlreiche Vitamine und Spurenelemente aus dem Meer und dazu viel Eisen und Proteine – diese gesundheitsfördernden Aspekte nutzen nicht nur Bewohner asiatischer Länder, die schon lange auf Algen als Grundnahrungsmittel setzen. Auch in unseren Breiten wächst die Nachfrage nach dem gesunden Grün.

Neben der Nutzung als Algensalat zu Sushi, gibt es inzwischen auch vielfältige Nahrungsergänzungsmittel, die mit den grünen Meeresbewohnern punkten – Spirulina beispielsweise ist eine Mikroalge, die neben viel Eisen auch Magnesium, Selen, Kalium und beta-Carotin zum Nährstoffcocktail beisteuert. Mit Vitamin B12 haben auch vegan lebende Menschen einen wertvollen Inhaltsstoff in Algen finden, der sich ansonsten vor allem in tierischen Produkten wiederfindet. Das heißt: In Zukunft wird dieser pflegeleichte, günstige Rohstoff wohl noch bekannter und häufiger genutzt werden.

Wer Algen auch zuhause auf den Tisch bringen möchte, kann sich online umschauen. Hier heißt es vor allem: Selbst kreativ werden und verschiedene Geschmacksrichtungen kombinieren. Mit Rezepten und dem Zugang zu einem Asialaden kann jeder probieren, die gesunden Meereswunder in die eigene Ernährung zu integrieren und neben des tollen Geschmacks, auch von den vielen Nährstoffen zu profitieren.

Insekten das Nahrungsmittel der Zukunft?

Insekten auf einem Markt

In einigen Ländern Asiens und Afrikas werden, wie hier im Bild in Kambodscha, Insekten zum Verzehr angeboten.

Zugegeben, wer die Krabbeltiere ohnehin scheut, der wird sich wohl kaum für eine komplette Mahlzeit mit einem Insekt erweichen lassen. Aber: Es scheint als würde die Lobby größer und bereite den kriechenden Essgetieren einen Markt.

In einigen Weltregionen ist Entomophagie, also der Verzehr von Insekten durch den Menschen, schon lange verbreitet. Etwa 2 Milliarden Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika haben Insekten zumindest teilweise auf ihrem Speiseplan. An die 1.500 essbare Insektenarten soll es weltweit geben. Lebensmittelforscher sehen jedenfalls enormes Potenzial, denn im Vergleich zur konventionellen Viehzucht verbraucht die Insektenzucht um einiges weniger an Futtermitteln. Während etwa bei Rindern acht Kilogramm Futtermasse für ein Kilogramm Körpermasse aufgebracht werden müssen, sind es bei Insekten nur zwei Kilo Futtermittel, die ein Kilogramm Insekten ergeben.

Und doch: bei uns löst oft allein die Vorstellung vom Verzehr von Heuschrecken, Fliegenlarven, Mehlwürmern oder Ähnlichem schon Ekelgefühle aus. Schön langsam jedoch findet auch hierzulande ein Umdenken statt.

Laut Deutschlandfunk befinden sich die essbaren Tierchen nämlich im Landeanflug. Hochoffiziell werden Insekten seit 2018 als „neuartige Lebensmittel“ deklariert. Erwartet werden von der Lebensmittelbehörde so einige Zulassungsanträge jährlich. Wer sie testet, wird mit einem ungewöhnlichen Geschmackserlebnis überrascht. Heuschrecken und Mehlwürmer ließen sich prima dippen, so die Tester.

Auch gesundheitlich betrachtet hat das Bundesinstitut für Risikobewertung detailliert die Nähr- und Inhaltsstoffe aus der Welt der Kriech- und Krabbeltiere unter die Lupe genommen und kam zu diesem Ergebnis: Über alle getesteten Insekten hinweg war vor allem der Proteinanteil extrem hoch. Grillen, Grashüpfer und Heuschrecken verzeichneten hier die besten Werte.

Ebenfalls positiv in der Gruppe dieser Tiere fiel auf: Ihr Fettgehalt ist im Vergleich zu Termiten und Käfern vergleichsweise gering. Ein bunter Mix an Aminosäuren, allen voran Phe und Tyr, verzeichneten die Wissenschaftler. Auch in punkto Vitamine und Mineralstoffe hatten die Insekten so einiges zu bieten: Zink, Selen, Phosphor, Magan, Magnesium, Eisen und Kupfer, Folsäure, Biotin, Pantothensäure und Riboflavin sowie das Vitamin B12. Als schwierig bewerteten die Wissenschaftler allerdings die Kontrolle der jeweiligen Aufzuchtbedingungen.

Einige Einsteigerrezepte wie etwa Heuschrecken-Tacos, frittierte Insekten oder Heuschrecken nach mexikanischer Art hat das Erste in der Rubrik Wissen zusammengestellt, zu finden in unseren Linktipps.

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Quellen:

¹ CBD Rezeptideen
² Mehlwürmer, Algen und regionale Alternativprodukte (Deutschlandfunk)

Linktipps

– Neue Foodtrends
– Sprossen und Keime
– Exotische Früchte
– Einsteigerrezepte für Insekten

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