Klimawandel und Gesundheit

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Klimawandel und Gesundheit

Hitzetote, Artensterben, Unwetter – was wie ein Schreckensszenario klingt, ist auch in Österreich längst Realität. Der Sommer 2019 war nach 2003 der zweitwärmste seit Messbeginn 1767. Laut ZAMG lag die Zahl der Hitzetage (mindestens 30 Grad) in Österreich 2019 bei unglaublichen 39 Tagen und damit um etwa das Zwei- bis Dreifache über einem durchschnittlichen Sommer.

Der Mensch als Teil des Ökosystems wird bald mehr und mehr mit den Folgen der hausgemachten Zerstörung seiner Umwelt zu kämpfen haben, daran besteht mittlerweile kein Zweifel. Doch wie genau beeinflusst der Klimawandel unsere Gesundheit?

Klimawandel und Gesundheit – Artikelübersicht:

Der Klimawandel ist ein Begriff, der sich längst in unser Bewusstsein eingebrannt hat. Wetterextreme mit Hitzewellen und Kälteperioden, Wasserknappheit, neue Krankheiten und Seuchen, das Ausmaß der Folgen ist im Moment kaum absehbar. Der Hitzesommer 2003 mit europaweit rund 55.000 Toten war wahrscheinlich nur ein Vorgeschmack auf die nahe Zukunft und zeigt gleichzeitig, welche Bedrohung der Klimawandel heute schon für unsere Gesundheit ist.

Weltweit sterben bereits heute nach aktuellen Schätzungen der WHO über 150.000 Menschen jährlich an den direkten oder indirekten Folgen des Klimawandels (Stand: 2009). Doch die extremen Wetterbedingungen sind nur die direkten Auswirkungen, die die Kilmaveränderung auf unsere Gesundheit haben könnte. „Vielfach wirken sich die Änderungen des Klimas jedoch auf indirektem Weg aus, indem zum Beispiel die Ökologie von Krankheitserregern und ihrer Überträgerorganismen, die Nahrungsproduktion oder Frischwasserversorgung gestört wird.“

„Weitere Gesundheitsrisiken resultieren aus der Zunahme der Luftverschmutzung und der Luftallergene, der Zunahme der UV Strahlung durch die stratosphärische Ozonabnahme sowie sozioökonomische Verwerfungen.“, stellt der Klimaforscher Univ. Prof. Dr. Gerd Jendritzky von der Universität Freibrug in seinem Artikel zum Thema „Der Klimawandel – Folgen für die Gesundheit“ fest.

Die Folgen des Klimawandels auf die Gesundheit

Die Auswirkungen des Klimawandels sind vielfältig und betreffen Pflanzen, Tiere und Menschen in unterschiedlichem Ausmaß. Nicht alle Veränderungen sind ausschließlich negativ, mit steigenden Temperaturen in kühleren Ländern etwa, eröffnen sich zweifellos auch zahlreiche Möglichkeiten, egal ob in der Landwirtschaft oder im Tourismus, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Doch mit dem Wandel des Klimas, ist auch ein Wandel in der Natur verbunden. Tiere und Pflanzen, die mit den höheren Temperaturen oder den Wetterkapriolen nicht zurecht kommen, wandern ab, beziehungsweise sterben in der jeweiligen Region aus. Dies bleibt natürlich nicht ohne Weitreichende Folgen für Menschen. Während Auswirkungen extremer Wetterereignisse die Gesundheit der Österreichischen Bevölkerung direkt und unmittelbar gefährden, so bewirken Änderungen in Flora und Fauna indirekte, dafür aber zumeist nachhaltige Beeinträchtigungen.

So bedeutet der Anstieg der jährlichen Durchschnittstemperatur zum Beispiel:

  • einer Ausbreitung und Etablierung wärmeliebender, bislang nicht heimischer Krankheitsüberträger sowie allergener und giftiger Pflanzen- und Tierarten
  • einer verstärkten Ausbreitung und Vermehrung von etablierten Krankheitsüberträgern sowie von allergenen und giftigen Pflanzen- und Tierarten
  • längeren Vegetationsperioden und dadurch einer längeren Pollenflugsaison

Längere Hitzeperioden und höhere Temperaturen an Hitzetagen sind zudem verbunden mit:

  • einer Beeinträchtigung der körperlichen (ab 25 °C) und geistigen (ab 29 °C) Leistungsfähigkeit
  • hohen Belastungen für ältere, kranke Personen und Kinder
  • Risiken für Personen, die im Freien arbeiten oder sich sportlich betätigen
  • einer Zunahme von Luftschadstoffen und bodennahem Ozon
  • einem erhöhten Hautkrebsrisiko durch Abnahme des stratosphärischen Ozons
  • einer möglichen vermehrten bakteriologischen Beeinträchtigung von Lebensmitteln und Trinkwasser
  • vermehrtem Auftreten von Krankheitserregern in Badegewässern (z. B. Badedermatitis, Badeotitis)

Erkrankungen breiten sich europaweit aus

Krankheiten, die in Europa nicht oder nicht mehr vorkommen, könnten sich durch die zunehmende Erwärmung wieder in Europa ausbreiten. So könnte zum Beispiel die Malaria in vielen Gebieten wieder verstärkt auftreten. Grund dafür ist, dass die Vermehrung der Erreger in den übertragenden Mücken bei 18° Celsius beziehungsweise bei 14° Celsius zum Stillstand kommt. Schreitet die globale Erwärmung aber voran, so werden diese Temperaturen in vielen Regionen nicht mehr unterschritten. Es ist dann damit zu rechnen, dass die Krankheit bald wieder bis ins südliche Mitteleuropa vordringt.

Die Fälle der durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningo-Enzephalitis könnten ebenfalls in den nächsten Jahren in die Höhe schnellen. Durch das sich verändernde Klima wird die Überlebensrate der Zecken erhöht. Die Zahl der Salmonellose-Fälle erhöht sich ab Umgebungstemperaturen von über 5°C für jeden Grad Celsius Temperaturanstieg um 5-10%.

Die Pollensaison hat sich in den letzten Jahren um durchschnittlich 11 Tage verlängert, und das bei einer ansteigenden Zahl an Pollenallergikern und Asthmatikern. Auch Reaktionen auf Klimaschwankungen wie beispielsweise Müdigkeit, Migräne, Schlafstörungen oder Hitzewallungen könnten durch das wankelmütige Klima in die Höhe schnellen.

Auswirkungen der stratosphärischen Abnahme der Ozonschicht werden eine weitere Zunahme an Erkrankungen wie Hauttumoren, Katarakt und Immunschwäche haben. Doch nicht nur Europa wird die Folgen des Klimawandels mehr und mehr zu spüren bekommen.

Besonders hart werden die Entwicklungsländer unter der zunehmenden Erderwärmung und den damit verbundenen Problematiken zu kämpfen haben. Die mangelnde medizinische Versorgung beschleunigt die Verbreitung von Infektionskrankheiten, die durch verunreinigtes Trinkwasser und Überschwemmungen übertragen werden.

Ein Ausbau der Gesundheitssysteme kann das Schlimmste verhindern

Genau diese Folgen sind auch der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, bewusst und sie fordert Gesundheitssysteme auf, eine aktivere Rolle einzunehmen.“Der Klimawandel gefährdet unsere Gesundheit und wird, wenn sich der gegenwärtige Trend fortsetzt, künftigen Generationen eine schwere Last aufbürden“, sagt Dr. Marc Danzon, WHO-Regionaldirektor für Europa. „Durch stärkere Gesundheitssysteme wäre die Weltgemeinschaft besser zur Bewältigung klimabezogener Herausforderungen für die Gesundheit gerüstet.“

Erfolgt der Klimawandel nicht allzu drastisch und nicht allzu schnell, so lassen sich die Folgen für die Gesundheit durch einen adäquaten Ausbau der Gesundheitssysteme eindämmen. Neben dem Ausbau des öffentlichen Gesundheitsdienst gehören dazu Stärkung des Katastrophenbereitschaftsdienstes das Vorleben der Prinzipien in der Praxis und die Aufklärung der Bevölkerung. Zu den am meisten Betroffenen werden zweifellos sehr arme Menschen, aber auch Kinder, ältere Personen und chronisch Kranke gehören.

Auch kurzfristige Maßnahmen können helfen. Hitzewarnsysteme müssen installiert werden um bei Überschreitung eines bestimmten Schwellenwertes Interventionen einzuleiten, die auf einen den lokalen Gegebenheiten abgestimmten Notfallplan beruhen. Besonders wichtig wäre es natürlich, die Treibhausgasemissionen zu senken, der Klimawandel lässt sich zwar nicht mehr aufhalten, ein rasches Handeln von jedem Einzelnen könnte aber noch das Schlimmste verhindern.

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Quelle:

¹ Climate Change Center Austria: Broschüre „Klimawandel und Gesundheit für Ärzte“

[ameis]

Fotohinweis: Fotocredit von Pete Linforth auf Pixabay.com

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