Moringa: Nähstoffwunder und Superfood?

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Moringapulver

Moringa oder auch Meerettichbaum stammt ursprünglich aus dem Himalyagebiet, ist mittlerweile aber auch in Asien, Afrika und Lateinamerika weit verbreitet. Der Wunderbaum, wie die Pflanze auch genannt wird gehört zu den nährstoffreichsten der Erde. In vielen Entwicklungsländern sind frische und getrocknete Blätter wichtiger Teil der täglichen Ernährung. Bei uns boomt gerade das grüne Pulver des Moringa Oleifera als gesundes Nahrungsergänzungsmittel. Doch was ist dran am Hype?

Moringa – Artikelübersicht:

Wer im Internet nach Moringa sucht, findet zahlreiche Seiten, die die Pflanze als Baum der Superlative preisen, als antioxidatives Superfood, das das Immunsystem stärken und verschiedensten Erkrankungen entgegenwirken soll. Das hat uns stutzig gemacht und wir haben uns die Sachlage etwas genauer angesehen.

Vielseitiges Moringa

Aus Moringa wird Tee, Pulver oder Öl hergestellt, verwendt wir praktisch jeder Pflanzenteil, die Blätter, Äste, Rinde und die Wurzeln. Während in den Herkunftsländern häufig frische Blätter zu Tee aufgebrüht werden, wird bei uns vornehmlich das grüne Pulver der getrockneten Blätter vertrieben. Dieses eignet sich beispielsweise für Suppen, Gebäck oder Smoothies. Weitere Moringaprodukte sind Moringaöl, Moringatee, Moringasaft und Moringaöl.

Vor allem der Samen kann vielfältig weiterverarbeitet werden – z.B. wie Erbsen gekocht oder geröstet. Aber auch die unausgereiften grünen Schoten können verarbeitet werden. Die auch Drumsticks genannten Schoten werden meist ähnlich wie grüne Bohnen zubereitet.

Inhaltsstoffe: Ist Moringa wirklich so gesund?

Tatsache ist, dass Moringa eine ganze Reihe wertvoller Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente enthält. Zwar nicht so viel, wie auf zahlreichen Seiten behauptet wird, aber dennoch beachtlich und zur Optimierung des Vitalstoffhaushalts absolut geeignet. Die geradezu hymnischen Berichte über den Bennussbaum, wie Moringa auch noch genannt wird sind in den meisten Fällen allerdings nicht berechtigt, denn zu oft werden beim Aufzählen des Nährstoffgehalts die getrockneten und pulverisierten Moringablätter mit den Nährwerten von frischen Lebensmitteln verglichen.

Würde man nämlich korrekterweise Moringapulver mit Spinatpulver, Milchpulver oder Gerstengraspulver vergleichen, kämen ganz andere Werte heraus.

Hoher Nährstoffgehalt in Moringa

Moringa weist tatsächlich eine sehr hohe Nährstoffdichte auf, anbei die Werte des Blattpulvers:

1. Es enthält 27% Eiweiß, wobei Moringaeiweiß natürlich 100% vegan ist und nicht die unerwünschten Nebenwirkungen von Sojaeiweiß hat.

2. Es enthält 11 von 13 essentiellen Vitaminen und damit eine tolle Vitaminmischung. Besonders Vitamin A, aber auch E, C und K sind in Moringa enthalten, lediglich D fehlt, wie in anderen pflanzlichen Lebensmitteln auch.

3. Moringapulver enthält außerdem alle 9 essentiellen Aminosäuren, also solche die der menschliche Körper nicht selbst synthetisieren kann und die daher mit unserer Nahrung aufgenommen werden müssen.

4. Sechs von sieben essentiellen Mineralstoffen sind enthalten, nämlich Kalzium, Kalium, Magnesium, Schwefel, Natrium und Phosphor. Der Kalziumgehalt ist etwa doppelt so hoch wie in vergleichbarem Milchpulver.

Darüber hinaus weist Moringa einen extrem hohen ORAC-Wert auf. Dieser Wert gibt Auskunft darüber wie hoch die Fähigkeit dieser Pflanze ist, freie Radikale (aggressive und instabile Sauerstoffverbindungen) zu fangen. ORAC steht für für Oxygen Radical Absorption Capacity und je höher dieser Wert ist, desto höher ist die antioxidative Kapazi
tät zur Aufnahme bzw. Neutralisierung der Freien Radikale. Moringa schlägt bei Laboruntersuchungen selbst jene Lebensmittel mit der höchsten antioxitativen Wirkung wie Aronia, Cranberries, Heidelbeeren, Artischocken und auch Rotwein bei weitem.

Anwendung & Wirkung: Moringa als Antioxidans ja, Moringa als Arznei eher nein

Die Annahme, dass ein Lebensmittel mit derart hoher antioxidativer Wirkung gesund ist, ist naheliegend, allerdings (noch) nicht ausreichend wissenschaftloch bewiesen.

Die Nährstoffe des Superfood sollen eine positive und vielseitige Wirkung auf unseren Körper haben. Zum einen soll Moringa die geistige Klarheit verbessern und die Konzentration fördern. Das Superfood soll auch entgiftend wirken, die Verdauung fördern und unser Immunsystem stärken.

Des Weiteren reguliert diese Pflanze unseren Blutzuckerspiegel und stärkt angeblich sogar die Libido. Stillende Frauen, bzw. deren Babys, dürfen sich wiederum über eine steigende Brustmilchproduktion freuen.

Moringa wird auch in der Naturheilkunde eingesetzt. Trägt man die Pflanze direkt auf die Haut auf, dann wirkt sie adstringierend und unterstützt die Wundheilung.

Die Wirkungspalette scheint verblüffend. Nicht umsonst trägt der Baum in zahlreichen asiatischen aber auch afrikanischen Ländern den Beinamen ‚Wunderbaum‘ oder ‚Alleskönner‘.
Die Thailänder, die die Pflanze auch ‚Baimalum‘ nennen, schwören u.a. auf folgende Wirkungsweisen

  • Asthma
  • bakterielle Infektionen
  • Blähungen
  • Blutarmut
  • Bluthochdruck
  • Bronchitis
  • Colitis
  • Durchfall
  • Entzündungen
  • Hämorrhoiden
  • Kopfschmerzen
  • Verstopfung
  • Zahnfleischerkrankungen

Auch Infektionsherde, Fußpilz, Schuppen, Schlangenbisse und Warzen können mit Moringa behandelt werden.

In der indischen Volksheilkunde Ayurveda gilt er als Wunderbaum und „Geschenk Gottes an die Menschheit“, so soll er 300 Krankheiten vorbeugen und etliche heilen können. Da er als besonders dürreresistent gilt und selbst unter schwierigsten Bodenbedingungen wächst, wird er auch „Baum der Unsterblichkeit“ genannt. In Europa kann er dennoch nicht kultiviert werden, dazu ist es schlicht (noch) nicht konstant warm genug.

Moringa zur Wasseraufbereitung

Das wahrscheinlich größte Potenzial hat Moringa aber in Form seiner Samen bei der Aufbereitung von Brauchwasser. In diesem Zusammenhang ist Moringa 2007 von Ranga Yogeshwar und Frank Elstner in der Sendung „Die große Show der Naturwunder“ einem größeren Publikum vorgestellt worden. Die verwendeten Samen enthalten zum einen die Wirkstoffe, die die klassischen chemischen Flockungsmittel (Aluminiumsalze) in der Wasseraufbereitung ersetzen können und wirken darüber hinaus auch noch antibakteriell.

Da Moringa oleifera sowohl ungiftig als auch biologisch abbaubar ist und die erfassten Verringerungen an Trübung, Lehm und Bakterien im Wasser nach der Behandlung mit M. oleifera-Samen mit der Effizienz von Aluminiumsalzen konkurrieren. Wissenschaftler haben schließlich rausgefunden, dass ein Samenkorn genügt, um in einem Liter Wasser die Schmutzpartikel „abzufällen“ und 99 Prozent der Bakterien abzutöten.

Wenn man bedenkt, dass etwa alle 15 Sekunden auf dieser Welt ein Kind wegen verunreinigtem Trinkwasser an Durchfall stirbt und mehr als eine Milliarde Mensche keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, ist das wohl die wahre Ansage des Wunderbaumes Moringa in Sachen Gesundheit.

Fazit

Im Resümee darf festgehalten werden, dass Moringa bei der Nährstoffversorgung eine gute Ergänzung ist. Bei der Bekämpfung der Unterernährung in Entwicklungsländern und bei konkreten Mangelerscheinungen leistet die Pflanze mit ihrer guten Mischung an Vitalstoffen wertvolle Dienste. Ein besonderes Wundermittel, wie Nahrungsergänzungsmittel-Herstellern beworben ist es aber für Verbraucher in unseren Breiten nicht.

Der einzigartige Nährstoffmix und das Potenzial, das die Samen für die Wasserreinigung rechtfertigt allerdings die gesteigerte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und das Interesse von Wissenschaft und Forschung allemal.

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Quellen:

¹ Moringa: die Wissenschaft hinter dem Wunderbaum (science in school)
² Die grosse Show der Naturwunder: Der Moringabaum
³ Moringa: Wunderbaum zum Einnehmen? (www.medizin-transparent.at)

Linktipps

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