EMS-Training was ist das?

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EMS-Training Muskelstimulation mittels Strom

Es geistert ein neuer Trend durch die Fitnesslandschaft: EMS Training verspricht wahre Wunder selbst bei untrainierten Menschen. Hinter dem Begriff verbirgt sich nichts anderes als Figurtuning mittels elektrischer Muskelstimulation. Dabei zieht man einen spezielles Mikrofaseranzug an, der an allen großen Muskelpartien mit Elektroden versehen ist. Diese stimulieren die Muskeln bzw. verstärken die körpereigenen elektrischen Reize beim Training. Fitness für Faule oder effektives Elektrotraining? Wir haben uns die Sache etwas genauer angesehen.

EMS-Training was ist das? – Artikelübersicht:

Was ist EMS-Training?

Der Begriff EMS-Training steht für Elektromyostimulation (EMS) Training und bezeichnet eine Trainingsform, bei der Muskelzellen durch elektrische Reize stimuliert werden. Es handelt sich also genaugenommen um einen Mix aus aktiven Übungen und elektrischen Reizen, die mittels eines speziellen Elektrodenanzugs ausgesendet werden.

Das klingt sehr futuristisch, ist allerdings nichts anderes als eine künstliche Verstärkung natürlicher physiologischer Vorgänge im menschlichen Körper. Muskeln brauchen nämlich von Haus aus Reize, um aktiv zu werden. Dies geschieht im Alltag normalerweise über Signale des zentralen Nervensystems, die über das Rückenmark und die Nervenfasern zu den Muskeln weitergeleitet werden. Es handelt sich auch dabei im physikalischen Sinn um einen elektrischen Prozess.

Das Prinzip des EMS-Trainings setzt genau da an und wirkt so als gezielte Verstärkung dieser körpereigenen elektrischen Reize von außen. Die Muskeln werden dabei mittels Reizstrom von außen stimuliert. Werden Muskeln nun durch eine Übung beansprucht, so wird die natürliche Muskelkontraktion durch den Reizstrom verstärkt. Das heißt, dass die Anwendung in Kombination mit Bewegungen den Trainingseffekt verstärkt und so die Muskeln schneller aufgebaut werden können.

Es können über die EMS-Reizfrequenz übrigens verschiedene Bereiche des Muskelfaserspektrums unterschiedlich stark beansprucht werden, sodass auch tiefere Muskelregionen erreicht werden können. Ein Umstand, der die Methode im Therapiebereich in der Physiotherapie, nach einer OP oder längerer Bettlägerigkeit, zum Muskelaufbau attraktiv macht. Außerdem können bei chronischen Rückenschmerzen durch den Aufbau der Rückenkraft nachweislich gute Ergebnisse erzielt werden.

Unentbehrlich dafür sind aber spezielle hautenge Mikrofaseranzüge, die mit bis zu 20 Elektroden versehen sind. Spezielle Übungen werden auf die Funktionsweise abgestimmt und in etwa 20 Minuten langen Sessions ausgeführt. Ganz ohne Anstrengung geht es also nicht.

Wie gut ist EMS-Training?

Darüber scheiden sich die Geister, zumindest wenn es um den Einsatz in spezialisierten Fitnessstudios geht. Fakt ist, dass diese Trainingsmethode keineswegs neu ist, Wissenschaftler und Experten können auf über 50 Jahre Erfahrung aus der Physiotherapie zurückgreifen. Seit vielen Jahren wird diese Form des Trainings bereits bei Spitzensportlern aber ganz besonders auch in der medizinischen Rehabilitation eingesetzt.

Am Massenmarkt wird das Training mit „Muskeln aus der Steckdose“ beworben und verspricht, dank Strom, einfaches und müheloses Top-Figurtuning für jeden. Doch als Ersatz für Sport oder gar als schnelle Methode zum Abnehmen dient diese Trainingsform nicht. Erstens werden Bänder, Sehnen und Gelenke beim EMS-Training im Vergleich zum klassischen Krafttraining praktisch nicht trainiert und auch Ausdauer und Koordination werden kaum geschult.

Die Trainingsmethode eignet sich aber zweifellos zum Muskelaufbau, da sich dabei auch der Grundumsatz erhöht und weil damit auch der Kalorienverbrauch steigt, kann abnehmen schneller gelingen. Betonung auf „kann“, denn da Muskeln schwerer sind als Fett, ist der Trainingserfolg nicht zwangsläufig sofort auf der Waage ablesbar, die Kraftzunahme, die bessere Definition der Muskeln und eine bessere Figur – besonders in Form einer schmaleren Taille – sind aber spür- und sichtbar.

EMS-Training Erfahrungen & Ablauf

Alleine in Deutschland trainieren mittlerweile über 150.000 Menschen bei über 1.500 EMS-Anbietern und auch in Österreich ist der Trend nun voll angekommen. Wer 2018 bei Google nach dem Begriff „EMS Training“ sucht, bekommt dutzende Websites von Studios angezeigt, die sich ganz auf diese neue Trainingsform spezialisiert haben.

Zum Ablauf: Das Training erfolgt meist in kleinen Studios (Microstudios), nicht selten in Kleinstgruppen mit Personal Coach.

Die EMS-Ausrüstung besteht meist aus einem Mikrofaseranzug oder aus einer Weste und Klettverschlusspads an Armen, Beinen und Gesäß, selbstverständlich samt Elektroden und Anschlüssen. Der Trainingsablauf ist zumeist gleich: es wird neben der EMS-Ausrüstung auch hygienische Sportwäsche für darunter ausgegeben. Die EMS-Unterwäsche schützt die Haut und sorgt dafür, dass diese nicht mit den Elektroden in Berührung kommt. Wichtig ist, dass unter der EMS-Unterwäsche nichts getragen wird, also keine Unterhose und kein BH.

So adjustiert werden dann die Elektroden auf der speziellen Trainingsbekleidung angeschlossen und mit dem Trainingsgerät verbunden. Das EMS-Gerät wird dabei individuell auf die Trainingsperson eingestellt, spürbar ist ein leicht kribbelndes Gefühl durch den Reizstrom.

Dann beginnt man mit den unterschiedliche Übungspositionen und bekommt dabei gleichzeitig Stromreize auf jene Muskelpartien, die gerade beansprucht werden.

Dem Distributionsmodell größerer EMS-Ketten liegen übrigens meist Franchise- oder Lizenzsysteme zugrunde. Das heißt, dass die angebotene Technik in den Studios zumeist von größeren Herstellern stammt und die Studiobetreiber eben Nutzungsgebühren in Form von Franchise- oder Lizenzgebühren bezahlen und dafür neben dem technischen Equipment auch die Übungsppläne und Auswertungssoftware nutzen dürfen.

Erfahrungsberichte: Wir wollten wissen, wie das Training vollverkabelt mit Elektroden ankommt und haben eine nicht repräsentative Anzahl von Kunden eines Studios befragt. Einhellig war die Meinung zum Thema Spaßfaktor: 8 von 10 Befragten haben klar und deutlich gesagt, dass es keinen nennenswerten Spaßfaktor gibt und sich diese Trainingsform generell nicht mit einer „normalen“ Sportart vergleichen lässt. Ebenso viele Leute waren sich aber auch einig, dass der Motivationsfaktor enorm sei, weil die ganze Zeit über ein Trainer daneben steht und die Übungen kontrolliert.

Sieben von zehn Befragten meinten außerdem, dass der Aufwand von etwa 50 Minuten pro Woche plus Anfahrt und Umziehen bei zweimaligem Training sehr gering ist und weit weniger zeitaufwendig als ein Besuch im Fitnesscenter. Als großes Plus wurde auch gewertet, dass bereits ein bis zwei Trainingseinheiten pro Woche für spürbare Ergebnisse sorgt. Fünf von zehn Befragten waren nach sechs Wochen sehr zufrieden, drei eher zufrieden, eine Person nicht ganz zufrieden und eine wollte das Training – ohne Angabe von Gründen – nicht mehr fortführen.

Die wichtigsten EMS-Trainingstipps

Beim EMS-Training gibt es eine Menge verschiedener Übungen, die während des Workouts gemacht werden können. Es sind üblicherweise ganz einfache Übungen wie Kniebeugen, Brustpressen, Liegestütz, Ausfallschritt usw. denn es geht nur darum spezielle Muskelregionen anzusprechen, die dann eben elektrisch stimuliert werden.

Die Intensität des Stroms, der während des EMS-Trainings durch die Elektroden in den Muskel geleitet wird, wird vom Trainer während der Übungen kontrolliert und kann je nach den vereinbarten Trainingszielen und dem individuellen Schmerzempfinden des Trainierenden verändert werden.

    Tipp 1: Vor dem Trainingsstart mit einem Arzt klären, inwieweit das EMS-Training für sie geeignet ist.
    Tipp 2: Sondieren Sie genau und wählen Sie ein Fitnessstudio mit guter Beratung.
    Tipp 3: Stromstärke auf ein angenehmes Maß einstellen lassen, nicht übertreiben!
    Tipp 4: Verzichten Sie auf EMS-Geräte von Homeshopping-Kanälen oder ähnlichen Anbietern, die sind zumeist das Geld nicht wert.
    Tipp 5: Für Schwangere und Personen mit Herzschrittmachern sowie Menschen, die bestimmte Medikamente zur Behandlung von psychischen Erkrankungen einnehmen ist diese Methode absolut tabu.

Risiko & Gefahren beim EMS-Training

Nicht alle sehen den Einsatz von Strom zu Trainingszwecken im Breitensport uneingeschränkt positiv. Die vermeintliche „Wundermethode“ hat Tücken warnt die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) und rät von übermäßigem EMS-Training im Breitensport ab. Die Mediziner verweisen darauf, dass die Studienlage hinsichtlich der behaupteten Effekte in diesem Einsatzbereich dünn sei. Vergleicht man etwa die durch EMS erzielten Effekte mit denen die durch konventionelles Krafttraining generiert werden, so zeigen die wenigen Untersuchungen ein heterogenes Ergebnis mit teils Effekten zu Gunsten von EMS, teils zu Gunsten von Krafttraining oder ohne Unterschied.

Das Problem sei dabei, dass die Methode in der Massenanwendung dazu verleite zu viel oder falsch zu trainieren und damit zu Muskel- und Nierenschäden führen kann. „Denn während Ärzte und Physiotherapeuten in dieser Methode ausgebildet wurden, ist das Personal in Fitnessstudios oft nicht ausreichend geschult, um die Belastung richtig einzuschätzen.“ betont Stefan Knecht, Chefarzt der Klinik für Neurologie, St. Mauritius Therapieklinik und Pressesprecher der DGKN. Er empfiehlt daher die Methode nur unter Anleitung ausgebildeter Sportmediziner und Physiotherapeuten zum Einsatz zu bringen und stattdessen ein klassisches Fitnesstraining zu absolvieren, das auch ein gesundes Herz-Kreislauf-System fördert.

Er relativiert damit die Hoffnung, dass das EMS-Training geeignet ist um bequem und ohne Anstrengung in Form zu kommen.

Uns erscheint jedenfalls der Hinweis als plausibel, dass neben ausreichenden Erholungsphasen zwischen den Trainingseinheiten auch eine moderate Stromintensität wichtig ist. Gefahr droht, wenn jemand die Stärke unkritisch erhöht oder das Training öfter als zweimal pro Woche absolviert. „Geschultes Personal muss die Stromintensität überwachen und die Trainer müssen auf die Gefahr des Übertrainierens hinweisen“, heißt es vonseiten der Fachgesellschaft.

Wieviel kostet ein EMS-Training?

Je nach Studio und Intensität des EMS-Trainings kostet eine 20-Minuten-Einheit zwischen 18.- und 25.- Euro (Stand 2018). Wenn Sie ein halbes Jahr einmal pro Woche mit EMS trainieren, zahlen Sie also etwa zwischen 450.- und 625.- Euro. Es gibt mittlerweile auch komplette Profi-EMS-Ausrüstungen für zuhause zum Mieten, inklusive EMS-Gerät, Anzug mit Bandelektroden und virtuellem Personal Trainer. Hier variieren die Kosten stark nach der Mietdauer und den angebotenen Serviceleistungen.

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Quellen:

¹ StimaWELL – EMS-Ausrüstung zum Mieten
² Physical exercise versus exercise program using electrical stimulation devices for home use (Santos FM1, Rodrigues RG, Trindade-Filho EM. in Rev Saude Publica. 2008 Feb;42(1):117-22.) PMID: 18200348

Linktipps

– Bauchmuskeltraining
– Training der Tiefenmuskulatur
– Rückenleiden: So stärken Sie Ihr Kreuz
– Richtiges Training – Einführung und Startübungen

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