Zimt gegen Blutzucker?

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Zimt gegen Blutzucker

Foto: Uwe Baumann – Pixabay

Nachdem Forschungsergebnisse immer wieder meinen den blutzuckersenkenden Effekt von Zimt bei Diabetikern zu bestätigen, reagiert nun auch die Pharmaindustrie. Kapseln mit Zimtextrakt, Gymnema Sylvestre und Bockshornklee, die angeblich die Ernährungssituation und die Blutzuckereinstellung von Diabetikern nachhaltig verbessern können, überschwemmen geradezu den Markt. Zu Recht?

Am Anfang war der Zufall: “Wir haben die Auswirkungen von verbreiteten Lebensmitteln auf den Blutzucker untersucht. Beim sehr beliebten mit Zimt gewürzten Apfelkuchen haben wir eigentlich schlechte Ergebnisse erwartet. Aber das Gegenteil war der Fall.” so Richard Anderson, leitender Wissenschafter der Studie des Beltsville Human Nutrition Research Centers.

Zurückzuführen sein dürfte diese Wirkung auf die in dem Gewürz enthaltene wasserlösliche Polyphenolverbindung MHCP: Diese soll den Blutzuckerspiegel senken, so die Aufnahme von Glukose in den Zellen verstärken – also ähnlich wie Insulin wirken.

Zimt nicht gleich Zimt

In den USA und auch in Deutschland finden zur Zeit zahlreiche Untersuchungen statt, die sich mit dem Zimteffekt beschäftigen. Professor Dr. Eugen Verspohl von der Pharmakologie der Universität Münster publizierte jetzt eine Studie (1), die den insulinähnlichen Effekt wässriger Extrakte verschiedener Zimtsorten auf die Glukoseaufnahme in Körperzellen untersuchte.

Anhand von Zellkulturen und Versuchen an Ratten verglich Professor Verspohl die Wirkung zweier Zimtsorten mit der Wirkung des Antidiabetikums Glibenclamid. Bei den beiden Zimtsorten handelte es sich um den chinesischen Zimt (Cinnamomum cassia) und den Ceylon-Zimt (Cinnamomum zeylanicum). Als Kontrollprobe ohne Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel diente eine Salzlösung. Die Studie ergab, dass zwar beide Zimtarten einen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hatten, der Effekt des chinesischen Zimts jedoch deutlich stärker ausgeprägt war und nahezu an jenen von Glibenclamid heranreichte.

Die Ergebnisse der Studie unterstützen die ergänzende diätetische Verwendung von wässrigem Zimtextrakt, vorzugsweise aus chinesischem Zimt bei Typ 2 Diabetes. Außerdem ist, laut Dr. Mathias Schmidt, der wässrige Zimtextrakt besser verträglich, und allergische Reaktionen lassen sich dadurch vermeiden. Zusätzlich verringerte Zimt die Fett- und Cholesterinwerte im Blut, die teilweise ebenfalls durch Insulin kontrolliert werden.

Zimt bei Diabetes mellitus Typ 2: Bei dieser Form des Diabetes liegt eine Insulinresistenz der Körperzellen vor, was bedeutet, dass diese nicht mehr ausreichend auf Insulin reagieren. In den vergangenen fünf Jahren zeigten Studien aus den USA, Pakistan und China, dass die wasserlöslichen Polyphenole aus Zimt in der Lage sind, die Insulinresistenz von Typ 2-Diabetikern aufzuheben.

Hersteller von Nahrungsergänzungsmittel versprechen: Pflanzliche Blutzuckersenker helfen auf natürlichem Weg

Zusammen mit einer geeigneten Diät, Bewegung und dem Abbau von Übergewicht kann der regelmäßige Genuss von etwa einem halben Teelöffel Zimt pro Tag den Blutzuckerspiegel deutlich senken. Auch das Einweichen einer Zimtstange in den Tee kann bereits einen solchen Effekt erzielen. In leichten Diabetesfällen kann man auf diese Weise manchmal sogar auf chemische Blutzuckersenker verzichten.

Bei insulinpflichtiger Diabetes kann Zimt dazu führen, dass man mit weniger Insulin auskommt. Die Zimtbehandlung gegen Diabetes soll allerdings unbedingt von einem erfahrenen Arzt überwacht und durch regelmäßige Überprüfung der Blutzuckerwerte kontrolliert werden. Die Blutzuckerüberwachung ist notwendig, da mit diagnostizierter Diabetes nicht zu spaßen ist, kann sie doch erhebliche Folgekrankheiten haben.

Zimt: In einer klinischen Studie mit Typ 2 Diabetikern stellten Forscher fest, dass die Einnahme von 3 g Zimtrinde täglich den Blutzuckerspiegel um ca. 20 Prozent verringerte – im Vergleich zur Kontrollgruppe, die kein Zimt einnahm. Der in Glucostop Kapseln enthaltene Zimtextrakt entspricht mit 3,6 g Zimtrinde jener Menge, die laut Studie effektiv blutzuckersenkend wirkt.

Gymnema Sylvestre: Gymnema Sylvestre wird in der Diabetes-Fachliteratur als eines der meistversprechendsten Supplemente zur Blutzuckersenkung eingestuft. Die Nüchternblutzuckerspiegel und die Blutfettwerte wurden in klinischen Studien durch Gymnema Sylvestre nachweislich gesenkt.

Man geht davon aus, dass Gymnema Sylvestre einen regenerierenden Effekt auf die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse hat und deren Aktivitat steigert. Dies führt zu einer Erhohung des Insulinspiegels und einer Senkung des Blutzuckerspiegels. Davon profitieren sowohl Typ 1- wie auch Typ 2-Diabetiker.

Bockshornklee: In der Pflanzenheilkunde wird die Einnahme von Bockshornkleesamen bei Diabetes empfohlen. Bockshornklee bewirkt eine Senkung des Blutzuckers und hat einen günstigen Einfluss auf den Fettstoffwechsel. Für Bockshornklee wird darüber hinaus ein positiver Effekt in der Prävention von Retinopathie und Sehstörungen angenommen.

Die Firma Merck hat 2010 Kapseln auf den Markt gebracht, die alle oben genannten Inhaltsstoffe vereinen: Diabion© Glucostop mit Zimtextrakt hilft, das Risiko von Mangelzuständen, Begleiterscheinungen und Folgeschäden bei Zuckerkrankheit zu reduzieren, den Blutzuckerspiegel zu regulieren und die Blutfettwerte zu verbessern. Die Tagesportion Diabion© Glucostop besteht aus 2 Kapseln: 1 gelbe Kapsel Diabion© und 1 braune Kapsel Glucostop. Die tägliche Einnahme kann die Ernährungssituation nachhaltig unterstützen.

Studienlage Zimt (Stand 2018)

In mehreren Studien wurde die hypoglykämische Wirkung von Zimt bei Patienten mit Diabetes mellitus (DM) Typ II mit widersprüchlichen Ergebnissen bewertet. Grund genug für ein iranisches Forscherteam im Rahmen einer dreifach blinden, placebokontrollierten und randomisierten klinischen Studie mit parallelem Design die Wirkung von Zimtsupplementation auf die anthropometrischen, glykämischen und Lipidergebnisse von Patienten mit DM Typ II basierend auf ihrem Basis-BMI zu bewerten.

Eine Zimtsupplementation führte zu einer Verbesserung aller anthropometrischen (BMI, Körperfett und viszerales Fett), glykämischen (FPG, 2hpp, HbA1C, Nüchterninsulin und Insulinresistenz) und Lipidergebnisse (Cholesterol Total, LDL-c und HDL-c) (außer Triglyceridspiegel). Alle beobachteten Veränderungen (mit Ausnahme von Cholesterin Total und LDL-c) waren bei Patienten mit höherem Basis-BMI (BMI ≥ 27) signifikant stärker ausgeprägt. Unterschiede im Baseline Body Mass Index (BMI) von Patienten können möglicherweise die beobachteten Unterschiede in den Ergebnissen erklären.

Die Autoren kommen zum Schluß, dass – basierend auf den Studienergebnissen – Zimt die anthropometrischen Parameter, die glykämischen Indizes und das Lipidprofil von Patienten mit Typ-II-Diabetes verbessern kann.

Das Portal Medizin transparent kommt allerdings zum Schluß, dass beim Vergleich der Daten dieser Studie mit den älteren aus der systematischen Übersichtsarbeit aus Australien (10 randomisiert-kontrollierte Studien), sich das Ergebnis des australischen Forschungsduos von 2012 bestätigte: Zimt kann den HbA1c-Wert von Diabetikerinnen und Diabetikern wahrscheinlich nicht verbessern. Schlicht, weil es nicht genügend Beweise gibt, um die Verwendung von Zimt bei Typ 1 oder Typ 2 Diabetes mellitus zu unterstützen.

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¹ Efficacy of cinnamon in patients with type II diabetes mellitus: A randomized controlled clinical trial (R. Zare, A. Nadjarzadeh et al. in Clin Nutr. 2019 Apr;38(2):549-556) PMID: 29605574
² Cinnamon for diabetes mellitus (M.Leech in Cochrane Database Syst Rev. 2012 Sep 12;2012(9):CD007170) PMID: 22972104
³ Zimt: Wirkung gegen Diabetes unwahrscheinlich (medizin-transparent.at)

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com (bzw. Adobe Stock)

Linktipps

– Blutzucker | Laborwerte
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– Bockshornklee – Medizin und Würzmittel
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