Studie: Low-Carb Diät doch besser als Low-Fat?

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Low-Carb Diät oder Low-Fat Diät

Zuerst war der Zucker schuld, dann das Fett, zuletzt waren es die Kohlenhydrate – die Liste der angeblichen Dickmacher ist lang. Ebenso lange ist die Liste der Diäten. Die zuletzt sehr propagierten Varianten Low-Carb bzw. Low-Fat basieren auf völlig unterschiedlichen Annahmen. Während die Low-Carb-Diät auf wenig Kohlenhydrate setzt, wird bei der Low-Fat-Ernährungsweise wenig Fett konsumiert. Doch welcher Ansatz ist vielversprechender, bei welcher Diätform sind die Erfolge nachhaltig? Eine Studie hat jetzt genau das untersucht.

Als wäre Gewicht verlieren allein nicht schon schwer genug: Man muss aus hunderten Diäten erst mal jene finden, die zu den individuellen Bedürfnissen passt. Zuerst gilt es Modediäten auszuscheiden, die Gewichtsverlust oder andere Gesundheitsvorteile versprechen, aber wissenschaftlich keine Grundlage haben. Dann muss man unter den verbliebenen Diäten mit unterschiedlichen Ansätzen die richtige auswählen, die für einen selbst passt. Allein, welche ist die richtige?

Eine einfache Regel für eine erfolgreiche Gewichtsabnahme lautet: es müssen weniger Kalorien am Tag zugeführt, als verbraucht werden, um Gewicht abnehmen zu können. Ob es einen Unterschied macht, zu welchem Zeitpunkt gegessen wird, ob 3 oder 5 Mahlzeiten besser sind oder im welchen Verhältnis die Hauptnährstoffe Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß zueinanderstehen sollten, ist bislang nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Doch zwei Diätformen haben in letzter Zeit von sich reden gemacht: Low-Carb Diät und Low-Fat.

Kohlenhydratminimierung bzw. Low-Carb Diät

Unter der Bezeichnung Low-Carb versteht man diverse Ernährungsformen oder Diäten, bei denen der Anteil der Kohlenhydrate an der täglichen Nahrung reduziert wird.

Insbesondere Diäten mit einem niedrigen Gehalt an Kohlenhydraten erfreuen sich seit den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Es wird postuliert, dass diese Diäten nicht nur zu einem guten Gewichtsverlust beitragen können, sondern auch einen günstigen Einfluss auf relevante Messgrößen des Herz-Kreislauf-Systems wie Blutdruck und Blutfette haben. Außerdem sollen sich Diäten mit niedrigem Kohlenhydratgehalt günstig auf die Regulation des Blutzuckerspiegels auswirken.

Besser weniger Kohlenhydrate und dafür mehr „gute“ Fette?

Diese Fragestellung war der Ausgangspunkt. Weniger Kohlenhydrate allein reicht nicht, auch die Qualität der konsumierten Fette ist entscheidend für den Erfolg einer Low-Carb Diät, so die Grundannahme.

Wissenschaftler aus den USA, Singapur und Australien untersuchten nun die Auswirkungen einer Diät mit niedrigem Gehalt an Kohlenhydraten und gesättigten Fettsäuren und gleichzeitig hohem Gehalt an ungesättigten Fettsäuren auf die Blutzuckerkontrolle und wichtige kardiovaskuläre (sprich das Herz und die Gefäße betreffende) Risikofaktoren.

Gesättigte und ungesättigte Fettsäuren unterscheiden sich in ihrer chemischen Struktur und üben unterschiedliche Effekt auf den menschlichen Organismus aus. Gesättigte Fettsäuren finden sich vermehrt in tierischen Produkten wie Fleisch- und Milchprodukten – für sie wird eine Reihe von ungünstigen gesundheitlichen Auswirkungen diskutiert. Pflanzliche Lebensmittel wie Nüsse, Avocados und Pflanzenöle sind hingegen reich an ungesättigten Fettsäuren, von denen ein günstiger Einfluss auf die Gesundheit angenommen wird.

Studie unternimmt direkten Vergleich Low-Carb Diät versus Low-Fat

Die Teilnehmer der Studie waren 115 Patienten, die entweder Übergewicht (Body Mass Index (BMI) ≥ 25) oder Adipositas (BMI ≥ 30) aufwiesen und zusätzlich an Typ-2-Diabetes litten. Es wurden 2 Gruppen gebildet, die über eine Dauer von 2 Jahren zu zwei unterschiedlichen Diäten in Kombination mit Kraft- und Ausdauersport (1 Stunde an 3 Tagen der Woche) zugeteilt wurden.

Diät Nr. 1 hatte einen niedrigen Kohlenhydratgehalt (14 % der Energie (% der Energie = En%), einen hohen Fettgehalt (58 En%), aber nur wenig gesättigte Fettsäuren (< 10 En%).Diät Nr. 2 hingegen sah mit 53 En% Kohlenhydraten einen hohen Anteil an Kohlenhydraten in der Kost vor, der Fettgehalt betrug nur 30 En%, dabei waren auch hier weniger als 10 En% gesättigte Fettsäuren vorgesehen. Die Diäten wiesen beide einen (identischen) niedrigen Kaloriengehalt auf.

Größere Vorteile der Low Carb-Diät nach 2 Jahren

D61 der Patienten beendeten die Studie. Nach 2 Jahren hatten beide Gruppen ähnlich viel Gewicht (Diätgruppe Nr. 1: -6,8 kg vs. Diätgruppe Nr. 2: -6,6 kg) und Körperfett (Diätgruppe Nr. 1: -4,3 kg vs. Diätgruppe Nr. 2: -4,6 kg) abgenommen. Auch der Blutdruck, der Langzeitblutzucker und die Blutzuckerkonzentration im Nüchternzustand wurde in beiden Gruppen im ähnlichen Ausmaß gesenkt.

Im Gegensatz zur Diätgruppe 2 benötigten die Patienten in der Diätgruppe 1 mit dem niedrigen Kohlenhydratanteil in der Kost nach den 2 Jahren weniger Diabetesmedikamente und wiesen eine niedrigere glykämische Variabilität auf (darunter versteht man die Häufigkeit und die Höhe der Schwankungen des Blutzuckers). Ebenso waren bei Patienten in der Diätgruppe 1 die Triglyceride (gehören zu den Blutfetten) im Gegensatz zu den Patienten in der Diätgruppe 2 reduziert.

Die Konzentration des HDL-Cholesterins (bekannt als das „gute“ Cholesterin) konnte in der Diätgruppe 1 im Gegensatz zur Diätgruppe 2 aufrecht erhalten bleiben, während das ungünstige LDL-Cholesterin in beiden Gruppen in ähnlichem Ausmaß anstieg. Messwerte für die Nierengesundheit (eGFR (steht für geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) und Albuminurie) unterschieden sich nicht zwischen den beiden Gruppen.

Der Vergleich der beiden Diätformen über 2 Jahre bei Patienten mit Übergewicht/Adipositas und Typ-2-Diabetes zeigte, dass beide Diäten zu einer ähnlichen Gewichtsabnahme und Verbesserung des Langzeitblutzuckers beitrugen.

Die Diät mit dem niedrigen Anteil an Kohlenhydraten und gesättigten Fettsäuren und hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren führte dazu, dass die Patienten weniger Diabetesmedikamente benötigten. Ebenso stabilisierte diese Diät den Blutzuckerverlauf am Tag besser als die fettreduzierte Kontrolldiät und hatte einen günstigeren Einfluss auf die Blutfette.

Fazit: Beide Diäten bei Gewichtsabnahme gleichauf, doch Low-Carb hat günstigeren Einfluss auf die Blutfette

In den USA geht seit einiger Zeit eine regelrechte „Low-Carb-Hysterie“ um, Millionen von Amerikanern schwören auf eine Kohlenhydrat-reduzierte Kost. Auch die dortige Nahrungsindustrie ist längst auf den Zug aufgesprungen und füllt die Supermarktregale mit Produkten mit extra wenig Kohlenhydraten, so wie sie es früher mit fettarmen „Light“- oder fettfreien „No-fat“-Lebensmitteln tat.

Dieser Hype ist skeptisch zu betrachten, denn einerseits schießt eine generelle Verteufelung von Kohlenydraten total am Ziel vorbei, andererseits ist es extrem wichtig nicht nur die Zufuhr von Kohlenhydraten zu reduzieren, sondern gleichzeitig auch auf die Qualität der zu sich genommenen Fette zu achten. Schließlich berge eine erhöhte Fettzufuhr (mit vielen gesättigten Fettsäuren) Risiken insbesondere für Menschen mit Herz- und Kreislauferkrankungen, Schwangere und Ältere, denn das Fett könne Arterien verstopfen, ist sich das Gros der Ernährungswissenschaftler sicher.

Zur konkreten Studie: Beim Vergleich von einer Diät mit niedrigem Kohlenhydratgehalt mit einer Diät mit niedrigem Fettgehalt zeigte sich in dieser Studie, dass die Teilnehmer beider Gruppen nach 2 Jahren ähnlich viel Gewicht abgenommen hatten und ihren Langzeitblutzuckerwert in einem ähnlichen Ausmaß besserten. Allerdings schnitten die Teilnehmer aus der Gruppe mit wenig Kohlenhydraten in Bezug auf die Menge der benötigten Diabetesmedikamente und die Blutfette besser ab.

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Quellen:

¹ DeutschesGesundheitsPortal.de
² Effects of an energy-restricted low-carbohydrate, high unsaturated fat/low saturated fat diet versus a high carbohydrate, low fat diet in type 2 diabetes: a 2 year randomized clinical trial (Tay J, Thompson CH, et al.; in Diabetes Obes Metab. 2017 Nov 27.) doi: 10.1111/dom.13164.

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