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Bettnässen (Enuresis) –  Ursachen & Therapiemöglichkeiten

Bettnässen (Enuresis) – Ursachen & Therapiemöglichkeiten

Bettnässen ist an sich keine Krankheit, sondern ein Symptom mit verschiedenen, sowohl physisch als auch psychisch bedingten Ursachen.

Bettnässen hat viele Ursachen, ist jedoch, im Gegensatz zur landläufigen Auffassung, keine Krankheit. Häufig handelt es sich um eine Entwicklungsverzögerung bei der kindlichen Reifung, welche von Kind zu Kind einfach unterschiedlich lange dauert.



Bei Säuglingen und Kleinkindern produzieren die Nieren einen weniger konzentrierten Harn mit proportional größerer Menge als bei älteren Kindern. Der Körper findet erst nach und nach zur optimalen Einstellung der Harnkonzentration und dadurch zum richtigen Rhythmus. „Bis zum Ende des fünften Lebensjahres spricht man noch nicht von Bettnässen, sondern nur von einer verzögerten Entwicklung. Wenn das Kind auch danach noch regelmäßig einnässt, sollte eine Durchuntersuchung veranlasst werden. Bettnässen hat aber auch nach dem sechsten Lebensjahr eine hohe Besserungsrate und kann auch gut behandelt werden.“

Definition

„Bettnässen ist definiert als regelmäßiges oder episodenhaftes nächtliches Einnässen ab dem fünften Lebensjahr. Tagsüber haben die Betroffenen keine Probleme mit der Blasenkontrolle.“

Unterschieden werden die beiden Ausprägungen „Einnässen tagsüber (Enuresis diurna)“ und „Einnässen nachts (Enuresis nocturna)“. Auch eine kombinierte Form ist möglich. Zusätzlich wird zwischen primärer (das Kind war noch nie dauerhaft trocken) und sekundärer Enuresis (das Kind nässt wieder ein, nachdem es bereits dauerhaft trocken war) differenziert.

Häufigkeit

Schätzungen zufolge sind etwa 15 bis 20 % der Fünfjährigen, 10 % der Siebenjährigen – Buben doppelt so oft wie Mädchen -, 5 % der Zehnjährigen und noch 1 – 2 % der Jugendlichen und Erwachsenen betroffen.

Mit etwa 75 % trifft die primäre Enuresis am häufigsten auf. Einnässen untertags ist im Allgemeinen seltener als in der Nacht.

Ursache

Bettnässen ist die Folge eines Missverhältnisses zwischen der Blasenkapazität und der nächtlichen Harnproduktion. Mehrere Faktoren, oft in Kombination zueinander, spielen bei der Häufigkeit des Auftretens eine Rolle:

  • Verminderte Produktion des Hormons ADH (antidiuretisches Hormon), das dafür verantwortlich zeichnet, die nächtliche Harnproduktion einzuschränken. Ein trockenes Kind produziert nachts bis zu 20 ml Harn, ein bettnässendes Kind hingegen bis zu 50 ml pro Stunde.
  • verzögerte Reifung der kindlichen Blasenkontrolle
  • Erbliche Belastung: Die Wahrscheinlichkeit für das Kind beträgt 43 %, wenn nur einer der Elternteile Bettnässer war, waren es beide Elternteile, steigt die Wahrscheinlichkeit bereits auf ca. 75 %.
  • psychosozialer Stress, etwa durch akute familiäre oder schulische Probleme.

Organische Ursachen wie ein Harnwegsinfekt, epileptische Erkrankungen, Diabetes, neurologische Erkrankungen und Fehlbildungen der Harnwege (Harnröhrenverengung oder eine Fehlmündung der Harnröhre) können ebenfalls als Ursache zugrunde liegen und müssen im Rahmen einer Untersuchung abgeklärt werden. Unabhängig davon kommen psychische Probleme als Ursache in Betracht, dies geht häufig mit Verhaltensauffälligkeiten einher.

Symptome

„Die primäre Enuresis nocturna ist gekennzeichnet durch tiefen Schlaf mit schwerer Erweckbarkeit und eher häufigem Einnässen mit großen Harnmengen. Die Kind vollzieht letztlich eine Handlung (urinieren), bei der es normalerweise wach ist, ohne aufzuwachen.
Bei der sekundären Enuresis nocturna finden sich häufig psychische Begleitsymptome anderer Art, das Einnässen kann mit plötzlichen und unerwarteten Veränderungen im Leben des Kindes und belastenden Situationen im Umfeld verknüpft sein.“ Das Kind war zuvor oftmals bereits trocken.

Diagnose

Zunächst werden die Eltern und das Kind ausführlich zu den Symptomen befragt, zur Tageszeit, Häufigkeit, bisherigen Behandlungsmaßnahmen – alles, was für eine entsprechende Diagnose und nachfolgende Therapie wichtig sein kann.
Danach erfolgt eine körperliche Untersuchung (inkl. einer Ultraschalluntersuchung der Nieren) und eine Untersuchung des Harns.
Die Führung eines 24-Stunden-Protokolls kann helfen, die Häufigkeit des Wasserlassens und die Harnmenge zu ermitteln.
Ebenso sollte festgehalten werden, ob das Problem nur in der Nacht auftritt oder auch am Tag.

Fratz & Co.

Therapie

Je nach Ursache und Art des Einnässens kann eine medizinische Behandlung, eine Psychotherapie oder auch beides hilfreich sein. Beratung und Information der Familie durch den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin ist ein erster und wichtiger Schritt.

Mögliche Therapieansätze:

  • Führung eines sogenannten Miktionskalenders, in den trockene und nasse Nächte eingetragen werden (beispielsweise mit Sonnen- und Regen-Symbolen)
  • Klingelmatten oder Klingelhosen, die bei Einnässen in der Nacht ein Signal abgeben
  • Medikamentöse Therapie, zum Teil kurzfristig für Schulausflüge und spezielle Situationen. Der Wirkstoff Desmopressin ähnelt dem körpereigenen Hormon ADH und führt dazu, den Harn zu konzentrieren und somit die Blasenfüllung zu reduzieren. Desmopressin wird in Tablettenform verabreicht, neuerdings auch als Schmelztablette, die unter die Zunge gelegt wird und sich ohne Trinkflüssigkeit aufzulösen vermag.
  • stationäre Behandlung

Zu vermeiden sind

  • Strafen
  • Verbot, abends zu trinken (Reduzierung ist allerdings empfehlenswert)
  • zu langes Zurückhalten des Harns zum „Blasentraining“
  • das schlafende Kind auf die Toilette zu setzen

Prognose

„Eine Therapie ohne vorausgehende Abklärung ist auf Dauer wenig erfolgversprechend. Bei sorgfältiger Abklärung und symptomgerechter Behandlung sind heute Therapieerfolge in bis zu 80 % der Fälle erreichbar.“

Bettnässen ist häufig mit Scham sowohl auf Seiten der Kinder, als auch der Eltern verbunden. Dies darf jedoch keinesfalls dazu führen, den Kopf in den Sand zu stecken. Es ist besonders wichtig, rechtzeitig die Ursachen abzuklären und eventuell notwendige Maßnahmen zu veranlassen.

[nicer]

Linktipps:

– Thema Bettnässen auf liliput-lounge.de
– Bettnässen: Schulbeginn setzt Kinder unter Druck
– Schulangst kann zu Bettnässen führen
– clubmondkind.at – Elterninitiative bettnässernder Kinder
– Richtig essen gegen Schulstress
– Baby-Entwicklungskalender
– Psychopharmaka als Allheilmittel bei seelischen Problemen?