Kopflausbefall (Pedikulose): Die größten Mythen rund um ein Tabu

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Kopflaeuse

Hat Ihr Kind das Schul- oder Kindergartenjahr ohne Kopflausbefall überstanden? Herzlichen Glückwunsch! Doch falls Sie meinen, bei Ihrer hygienischen Sorgfalt sei so etwas auch auszuschließen, müssen wir Sie leider enttäuschen: Das Auftreten von Pedikulose hat weder mit der Reinlichkeit zu Hause noch mit dem sozialen Umfeld zu tun. Experten räumten auf einer Pressekonferenz in Wien mit den gängigsten Märchen rund um die Kopflaus auf.

Auf einer Veranstaltung von Pohl Boskamp, dem deutschen Marktführer für physikalische Kopflausmittel, präsentierte die Wiener Apothekerin Martina Klose ein gemeinsam mit Wiener Schulen ins Leben gerufenes Projekt zur Enttabuisierung von Kopflausbefall. Zentrale Botschaft: „Nicht schämen, sondern handeln, denn jeder Tag des Schweigens gibt der Laus die Möglichkeit, sich ungehemmt zu vermehren“.

Hauptproblem bei der effizienten Bekämpfung, so die Pharmazeutin, sei der ungenügende Wissensstand der Eltern, der in der Regel auf althergebrachten Mythen beruhe. Gemeinsam mit dem deutschen Kopflaus-Experten Jörg Heukelbach wurde mit den absurdesten Geschichten rund um Kopfläuse aufgeräumt. Gesund.co.at hat die Mythensammlung für Sie zusammengefasst:

Mythos Nr. 1: Kopfläuse werden von Haustieren übertragen

Hat Ihr Hund vielleicht Flöhe, wird er bisweilen von einer Zecke geplagt? Haustiere werden vielfach von Parasiten gequält, doch die Kopflaus zählt sicher nicht dazu. Kopfläuse haben sich ganz auf den Menschen eingestellt und können auch nur auf der behaarten Oberfläche der menschlichen Haut überleben bzw. sich vermehren.

Mythos Nr. 2: Kopfläuse werden durch Mützen und Stofftiere übertragen

Nicht alles, was logisch klingt, ist es auch. Tauschen Kinder ihre Mützen aus, könnten Läuse dies als „Taxi“ benutzen. Eine Logik, die, wie eine australische Studie gezeigt hat, nicht zutrifft. Läuse verlassen den Wirt freiwillig nur, um direkt auf einen anderen Menschen zu wechseln. Stofftiere oder Mützen meiden sie hingegen, Desinfizieren oder tagelanges Einfrieren solcher Gegenstände ist zwecklos.

Mythos Nr. 3: Kopfläuse sind höchstens ein Thema für arme Leute

Besonders betreten, so Pharmazeutin Klose, zeigten sich die sogenannten „feinen Leute“, wenn sie ihre Apotheke auf der Suche nach einem Mittel gegen Kopfläuse aufsuchen. Was dieser Kundenkreis offenbar nicht weiß: Es ist mehrfach erwiesen, dass sozialer Status und die Sauberkeit des Haushalts nichts mit der Häufigkeit des Läusebefalls zu tun haben. Kein Grund also zur Peinlichkeit.

Mythos Nr. 4: Kopfläuse verschwinden von selbst

Schön wär’s, nur leider trifft’s nicht zu. Die von den Läusen abgelegten Eier bringen in regelmäßigen Abständen immer neue Generationen der Plagegeister hervor. Nur mit ausdauerndem Haarewaschen ohne spezielle Produkte lässt sich diesem Kreislauf keinesfalls beikommen.

Mythos Nr. 5: Nur wer sich ständig kratzt, ist befallen

Kratzt sich ein Kind häufig am Kopf, ist dies wohl ein wichtiges Anzeichen für das Vorhandensein von Kopfläusen. Pedikulose ist jedoch keineswegs immer mit starkem Juckreiz verbunden. Es empfiehlt sich daher, den Kopf eines Kindes regelmäßig auf Lausbefall zu überprüfen, auch wenn es sich offenbar nicht kratzt. Leicht zu erkennen sind die Lauseier, die wie sehr klebrige, weiße Schuppen an den Haaren haften.

Mythos Nr. 6: Mayonnaise ist das Mittel der Wahl

Die Liste der als „Hausmittel“ empfohlenen Substanzen gegen Kopfläuse ist endlos. Viele Empfehlungen beruhen auf der irrigen Annahme, Läuse würden in fettigen oder öligen Substanzen einfach „ersticken“. Häufig eingesetzt wird Mayonnaise, die jedoch, so Experte Heukelbach, völlig wirkungslos sei. Gleiches gilt für Diesel oder Benzin. Also: Profi-Produkte aus der Apotheke verwenden!

Mythos Nr. 7: Natürliche Substanzen sind das beste Mittel bei Läusebefall

Tatsächlich werden hochwertige Produkte auf pflanzlicher Basis angeboten: Kokosnussöl, Anisöl oder Teebaumöl etwa. Diese natürlichen Substanzen hätten jedoch, so Heukelbach, einen entscheidenden Nachteil. Sie wirken in erster Linie gegen die lebenden Läuse, töten jedoch kaum die bereits abgelegten Eier ab. In Studien hätten sich physikalische Behandlungsmittel als in Summe wirksamer erwiesen.

Mythos Nr. 8: Es hilft nur eines: die Glatze

Manche mögen’s radikal: Läuse da – Haare weg. Die Methode erinnert an die Behandlung von Gefangenen in Massenlagern und ist der heutigen Zeit völlig unangemessen. Eine Reihe wirksamer Behandlungsmittel sorgt für das Verschwinden der lästigen Plagegeister, auch ohne dass ein Kind durch Abschneiden seiner Haare dem Spott der Umwelt ausgesetzt wird.

Die Experten:

Jörg Heukelbach, Epidemiologe, ist Experte für Kopfläuse und Professor an der Universität Ceará in Brasilien.
Martina Klose ist Apothekerin und leitet die Alte Leopoldsapotheke in Wien.

Linktipps

– Wie Sie Kopfläuse rasch wieder loswerden
– Können Kopfläuse über Mützen übertragen werden?
– Teebaumöl – das natürliche Hausmittel
– Pohl Boskamp

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