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Psychopharmaka: Allheilmittel bei seelischen Problemen?

Psychopharmaka: Allheilmittel bei seelischen Problemen?

Psychopharmaka: Medikamente bei psychischen Störungen

Ein wichtiger Baustein in der Therapie psychischer Erkrankungen ist die psychopharmakologische Behandlung. Als Psychopharmaka werden Medikamente bezeichnet, die krankhafte Veränderungen des Erlebens und Verhaltens beeinflussen und daher zur Behandlung psychischer Störungen eingesetzt werden. Sie sind aber kein Allheilmittel, besonders zu beachten sind Arzneimittelwechsel- und -nebenwirkungen.

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Psychotrope (=psychisch wirksame) Medikamente finden Ihren geschichtlichen Ursprung in der Anwendung seit jeher bekannter natürlicher Schlaf-, Schmerz- oder Beruhigungsmittel aus Fauna und Flora. Das erste künstlich hergestellte Schlafmittel war Chloralhydrat (Halogenatome in Alkohol, die beim Abbau im menschlichen Körper schlafverlängernd wirken). Ins Jahr 1806 datiert sich der erste Einsatz von Morphin (ein Alkaloid des Morphiums), das heute noch als hochwirksames Schmerzmittel im Einsatz ist. Es ist jedoch gefährlich abhängigkeitserzeugend.

Die in der Psychiatrie ursprünglich eingesetzten Drogen wie Alkohol, Koka oder Opium wirkten zwar entspannend und berauschend und können somit kurzfristig seelisches Leid lindern, eine echten Therapieansatz stellten sie jedoch nicht dar. Dieser datiert sich ins Jahr 1920 mit dem Schlafmittel „Somifen“.

Der Durchbruch gelang 1952 mit dem Wirkstoff Chlorpromazin, der Schizophrenen Wahn und Verfolgungswahn unterdrücken konnte. Mit Impramin wurde danach ein Wirkstoff gefunden, der auch heute noch als Standardpräperat bei Depressionen eingesetzt wird.

Ab 1955 kamen in den USA eine ganze Reihe von Tranquilizern auf den Markt – zu deren berühmtesten mit Sicherheit das Valium (1963) – zählt und verkamen bis heute zu einer Art „Allheilmittel“ bei seelischen Störungen.

Das führt zu einem der größten Probleme im Umgang mit psychotropen Medikamenten („Psychopharmaka“): Viele der eingesetzten Medikamente sind in höchstem Masse suchtfördernd – und daher rezeptpflichtig.

Immer wieder sieht sich die Ärzteschaft dem Vorwurf ausgesetzt allzu sorgenfrei mit Patientenverschreibungen umzugehen, denn fast immer beginnt die Medikamentenabhängigkeit mit ärztlicher Verordnung.

Statistiken gehen sogar davon aus, das sehr oft eine Weiterverschreibung von Psychopharmaka zur Vermeidung von Entzugserscheinungen verordnet wird. Ein sorgsamer und differenzierter Umgang der Ärzte mit dieser Materie ist daher notwendig und einzufordern!

Wann ist der Einsatz solcher Medikamente also sinnvoll und notwendig?

Psychopharmaka sind Arzneimittel mit Wirkung auf das zentrale Nervensystem (also das Gehirn) und damit das Seelenleben. Das Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen, die untereinander über verschiedene Signalstoffe (Neurotransmitter) kommunizieren. Diese Substanzen, die Signale von einer Nervenzelle zur anderen übertragen, stehen im gesunden Gehirn zueinander in einem bestimmten Gleichgewicht. Bei psychischen Erkrankungen ist dieses Gleichgewicht der Botenstoffe gestört, sodass manche Substanzen in geringerer Konzentration an den Nervenendigungen vorliegen. Psychopharmaka regulieren den Neurotransmitterhaushalt und bringen das sensible Gleichgewicht an Botenstoffen (die bekanntesten sind hier Dopamin, Noradrenalin und Serotonin) wieder ins Gleichgewicht.¹

Grundsätzlich sollte nie ein ausschließlich Medikamenten-basierter Therapieansatz finden, sondern der Einsatz von Psychopharmaka immer begleitend erfolgen. Also neben der Psychotherapie. Auch andere alternative Therapiemethoden sind in Betracht zu ziehen: Soziotherapie, Homöopathie, Akupunktur, u.a.).

Bei schweren psychischen Erkrankungen (z.B. Persönlichkeitsstörungen greifen solch „herkömmliche“ Therapieformen jedoch nicht. Hier rechtfertigt sich der Medikamenteneinsatz. Gegenüber diesen herrscht im Allgemeinen oftmals übersteigerte Angst bzw. übertrieben Erwartungshaltung ihrer Wirkung. Sie können Menschen nicht „ändern“, lediglich das subjektive Erleben der Umwelt kann von ihnen beeinflusst werden.

Arten von Psychopharmaka

Antidepressiva, Neuroleptika (klassische Medikamente, die bei Schizophrenie , Manie, u.a. im Einsatz sind), Phasenprophylaxe (z.B. bei Manischer Depression), Tranquilizer (sehr häufig bei Angstzuständen im Einsatz, jedoch mit hoher Suchtgefahr!). Beim Absetzen letzterer Medikamente können genau jene Symptome verstärkt auftreten, gegen die diese Medikamente ursprünglich angewendet wurden. Tranquilizer wirken nicht antidepressiv und werden daher nur in Krisensituationen zur Minderung von Ängsten und nur zu Beginn der antidepressiven Therapie begleitend eingesetzt.

Ganu besonders wichtig zu beachten sind Arzneimittelwechselwirkungen: Wenn sich zwei Medikamente gegenseitig beeinflussen, dann spricht man von Wechselwirkung oder auch Medikamenteninteraktion. Die Medikamente können ihre Wirkungen oder Nebenwirkungen gegenseitig verstärken, aber auch abschwächen.

Beachten Sie zudem:

  • Psychopharmaka dürfen nur auf ärztliche Anweisung und nach umfassender Untersuchung eingenommen werden. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt nach Wirkungen und unerwünschten Arzneimittelwirkungen.
  • Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie gleichzeitig andere Medikamente einnehmen. Dies gilt besonders für Johanniskrautpräparate. Sprechen Sie eventuelle (auch frühere) Probleme mit Alkohol, Drogen, Schmerz- und Beruhigungsmitteln an.
  • Halten Sie sich unbedingt an die ärztlich verschriebene Dosierung und setzen Sie die Medikamente nicht eigenmächtig ab. Sie riskieren dadurch massive gesundheitliche Konsequenzen.²

Oftmals wird seitens der Ärzteschaft zu vorschnell verschrieben bzw. zu einseitige Erwartung in die medikamenttöse Behandlung gesetzt. Der Erfahrung nach neigen Österreichs Ärzte speziell bei der Behandlung der Depression aber gleichzeitig dazu, Medikamente zu niedrig zu dosieren. Patienten, die nicht ausreichend auf das Medikament ansprechen, die Wirkung also zu gering ist, sollten umgehend mit dem behandelnden Arzt Rücksprache halten. Dieser kann dann das Antidepressivum entsprechend aktiv erhöhen, um dessen therapeutisches Potenzial voll auszuschöpfen.

Im Sinne des Einsatzes von Psychopharmaka anzumerken, dass oftmals erst ihr Wirken einen Zugang zur Heilung ermöglicht, da sie häufig den Patienten erst Therapie-fähig machen.

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Quellen:

¹ & ² depression.at – Die Chemie im Kopf regulieren, Univ. Prof. Dr. Zernig

Linktipps:

– Leitlinie depressive Erkrankungen
– Diabetes und Depression
– Was ist eine Bipolare Störung?
– Johanniskraut gegen Depressionen
– Lichttherapie gegen Depressionen
– Diathese-Stress-Modell: Aktiv Stress vorbeugen?
– Hypnose als Therapie

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Kave Atefie





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