Informationen über Psychotherapie

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Psychotherapie

„Jeder Mensch ist ein Individuum. Die Psychotherapie sollte deshalb so definiert werden, dass sie der Einzigartigkeit der Bedürfnisse des Klienten gerecht wird, statt den Menschen so zurechtzustutzen, dass er in das Korsett einer hypothetischen Theorie vom menschlichen Verhalten passt.“ (Erickson 1979) Psychotherapie ist qualifizierte Begleitung in schwierigen Lebenssituationen, ihr Ziel ist seelisches Leid zu heilen oder zu lindern.

Was ist Psychotherapie ?

Psychotherapie ist die Behandlung von Menschen mit körperlichen Beschwerden oder seelischen Problemen in Form von gezielten Gesprächen. In einer Psychotherapie lernen Sie neue Möglichkeiten, mit sich selbst, Ihren Gefühlen, Ihrer Umgebung und Ihren Beziehungen umzugehen. Ziel ist dabei, die eigene (Er-) Lebensweise so zu verändern, dass körperliche und seelische Symptome nicht länger auftreten.

Bin ich denn nicht normal, wenn ich zum Psychotherapeuten gehe ?

Ein Mensch, der wegen eines seelischen oder körperlichen Leidens zum Psychotherapeuten geht, ist genauso normal wie einer, der wegen einer Krankheit den Arzt aufsucht. Beide suchen konstruktive Hilfe und professionelle Unterstützung bei der Bewältigung einer Lebenskrise und der Heilung ihrer Leiden und Symptome.

Hilft eine Psychotherapie bei meinen Beschwerden ?

Sie haben vielleicht einfach seelische Probleme, die Sie bisher nicht alleine lösen konnten.

Oder Sie haben körperliche Beschwerden, die nicht von selbst besser werden, und Ihr Arzt hat trotzdem keine Krankheit festgestellt. Oder Sie machen immer wieder die gleichen unangenehmen Lebenserfahrungen. Oder Sie sind unglücklich mit sich selbst oder dem Partner. Dies wären zum Beispiel Gründe, eine Psychotherapie zu beginnen.

Die Frage, ob eine Psychotherapie in Ihrem Fall hilfreich ist, kann in einem unverbindlichen Erstgespräch mit einem Psychotherapeuten oder Arzt Ihres Vertrauens abgeklärt werden.

Eine Psychotherapie kann helfen bei:

  • seelischen Problemen, wie z.B. Panikattacken, Angstgefühle ohne reale Gefahr, Depression, sexuelle Probleme, Zwangshandlungen, starker chronischer Streß, Nervosität, Reizbarkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen, Süchte (Magersucht, Bulimie, u.a.),
  • psychosomatischen Krankheitsbildern, wie z.B. Allergien, Kopfschmerzen, Herz-, Magen- und Darmbeschwerden, psychogenes Erbrechen, Asthma, psychosamatische Funktionsstörungen,
  • psychosozialen Problemen, wie z.B. Lebenskrisen nach Verlust oder Trennung von wichtigen Personen, Beziehungsprobleme, Schwierigkeiten im Beruf,
  • oder zur Weiterentwicklung Ihrer Persönlichkeit, auch im Sinne einer Gesundheitsvorsorge.

Arbeiten Arzt und Psychotherapeut zusammen ?

Bei manchen Symptomen bzw. Krankheitsformen bringt eine Kombination von medizinischer und psychotherapeutischer Behandlung den besten Erfolg. Arzt und Psychotherapeut stimmen die Behandlungen auf die Bedürfnisse des Patienten ab, indem sie Informationen, z.B. über Diagnose und Behandlungsverlauf, austauschen. Die Zusammenarbeit von Arzt und Psychotherapeut erfolgt grundsätzlich nur mit Wissen und Zustimmung des Patienten, wobei beide an ihre Schweigepflicht gegenüber Dritten gebunden sind.

Was bedeutet der Berufstitel „Psychotherapeut“ ?

Die Ausübung der Psychotherapie ist in Österreich gesetzlich geregelt. Die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ bzw. „Psychotherapeutin“ dürfen nur Personen führen, die eine umfassende, langjährige Psychotherapieausbildung abge-schlossen haben und damit vom Gesundheits-ministerium anerkannt wurden. Psychotherapeuten sind zudem gesetzlich verpflichtet, ihre Kenntnisse laufend in Fortbildungen zu erweitern. Diese Berufs-bezeichnung ist daher eine Garantie für eine hohe psychotherapeutische Kompetenz.

Kann ich mit meinem Psychotherapeuten alles besprechen?

Der Psychotherapeut unterliegt einer strengen gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht, damit Sie Ihre Anliegen mit ihm in einem geschützten Rahmen offen und ehrlich besprechen können. In den Fällen, wo ein Psychotherapeut nicht (mehr) helfen kann oder für das angesprochene Problem nicht kompetent ist, wird er Sie an eine Kollegin bzw. Stelle verweisen, wo Sie bestmögliche Hilfe bekommen können.

Wie lange dauert eine Psychotherapie ?

Eine Psychotherapie dauert so lange, bis Sie die Symptome, Verhaltensstörungen oder Leidenszustände, die Sie in die Therapie geführt haben, ausreichend verändern konnten. Die Therapiedauer hängt also vom persönlichen Erleben der Patienten, von der jeweiligen Problemstellung bzw. Symptomatik, und teilweise auch von der angewandten psychotherapeutischen Methode ab. Eine Besserung der Symptome tritt manchmal schon nach wenigen Sitzungen, meistens aber im Lauf der ersten beiden Therapiejahre ein. Eine Veränderung tiefer Verhaltens-, Erlebens- und Beziehungsmuster benötigt oft noch mehr Zeit, ist aber nur erforderlich, wenn der/die PatientIn unter einem entsprechend hohen Leidensdruck steht.

Welche Möglichkeiten der Psychotherapie gibt es ?

Je nach Problemstellung und Absprache mit dem Patienten findet Psychotherapie in der Form von Einzeltherapie, Paar- und Familientherapie oder Gruppentherapie statt. Einzelsitzungen dauern 50 Minuten und finden meist ein- bis zweimal pro Woche statt. Paar- und Familientherapiesitzungen dauern 50-100 Minuten im Abstand von 1 bis 4 Wochen, wöchentliche Gruppentherapiesitzungen dauern etwa 90 Minuten.

Was kostet eine Psychotherapie ?

Die Kosten für eine Psychotherapie hängen von der Therapiedauer und vom Sitzungshonorar ab. Im Fall einer Krankheitsbehandlung nach ASVG werden die Therapiekosten teilweise von der Krankenkasse rückerstattet. Der Selbstbehalt für Einzel-, Paar- und Familientherapie liegt je nach Einkommen und Versicherung bei etwa EUR 50.- bis 90.-, für Gruppentherapie etwa bei 25 – 30.- pro Sitzung.

Die Krankenkassen zahlen für Einzel- und Gruppentherapien derzeit Zuschüsse bei krankheitswertigen Störungen, sofern die ensprechende Psychotherapie von TherapeutInnen durchgeführt wird, die in der Liste des BM für Gesundheit eingetragen sind, und somit die entsprechenden Kriterien für diesen Beruf erfüllen. Die Einzeltherapie kostet ca.: EUR 60,- bis EUR 90,-pro Stunde, der Zuschuß der Krankenkasse beträgt derzeit knapp 22.- Bei Gruppentherapien liegt der Satz bei: EUR 25,- für 90 Minuten, der Zuschuß der Krankenkasse beträgt hier etwa EUR 7.-.

Wie beginne ich eine Psychotherapie ?

Um eine Psychotherapie zu beginnen, führen Sie am besten mit einem oder mehreren PsychotherapeutInnen, die Ihnen empfohlen wurden, ein unverbindliches Erstgespräch, zu dem Sie sich vorher telefonisch anmelden. Meistens werden Sie zunächst Ihre Telefonnummer auf einen Anrufbeantworter sprechen müssen, und der Psychotherapeut ruft Sie baldmöglichst zurück. Entscheiden Sie nach den Erstgesprächen, mit wem Sie am besten an der Lösung Ihrer Probleme arbeiten können, und vereinbaren Sie mit dem Psychotherapeuten ihrer Wahl einige Sitzungen. Entscheiden Sie danach gemeinsam, ob eine längere Behandlung notwendig ist, und vereinbaren Sie in diesem Fall eine entsprechende Anzahl weiterer Sitzungen.

Existenzanalyse

Bei der Existenzanalyse handelt es sich um eine von Viktor Frankl in den 1930er Jahren anthropologische Theorie für eine existentielle Therapierichtung. Es ist eine international anerkannte, empirisch untermauerte sinnzentrierte Psychotherapierichtung aus der etwas später die Logotherapie entwickelt wurde. Grundannahme ist, dass der Mensch nicht das Ergebnis innerpsychischer Prozesse oder umweltlicher Einflüsse ist, sondern ein Wesen, das sich in dem, was im Leben zählt, selbst gestalten kann.

Ziel der Existenzanalyse ist die Entfaltung der Offenheit und Hingabefähigkeit im Erleben, in den Beziehungen und im eigenen Handeln. Zu den rund ein Dutzend spezifischen Methoden und Techniken zählen etwa:

– Paradoxe Intention
– Dereflexion
– Einstellungsmodulation
– Sokratischer Dialog

Informationsstellen:

Wiener Landesverband für Psychotherapie
Telefonische Beratung: Mo, Mi, Do 14.00 – 16.00, Sa 10.00 – 12.00 Uhr
Tel.: 01/Tel. 512 71 02
Internet: www.pips.co.at/wlp/

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