Johanniskraut gegen Depressionen – Vorsicht bei Selbstmedikation

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Johanniskraut

Etwa 10.000 Österreicher leiden unter Depressionen. Viele depressive Patienten vermeiden es jedoch, einen Facharzt aufzusuchen. Viele der rezeptfreien Johanniskraut-Präparate versprechen – und so erhoffen sich von Depression geplagte Menschen – eine „sanfte Therapie“. Doch die Selbst-Behandlung kann Folgen haben, denn Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung.

In den meisten Fällen erkranken Patienten an einer leichten bis mittelschweren Form der seelischen Verstimmung. Bei diesen sehr häufigen Verstimmungszuständen hat sich hoch dosierter Johanniskrautextrakt (Hypericum perforatum) als wirksame Behandlung bewährt. Damit steht den meisten depressiv verstimmten Patienten ein wirksames, gut verträgliches Arzneimittel zur Verfügung.

Voraussetzung für eine erfolgreiche antidepressive Wirkung von Johanniskrautextrakt ist die Darreichung als qualitativ hochwertiges Medikament und die regelmäßige Einnahme über einen längeren Zeitraum in ausreichender Dosierung. Die Zusammensetzung und Dosierung, aber auch die Qualität der angebotenen Präparate ist unterschiedlich. Bei der Behandlung seelischer Verstimmungen sollte man diese Unterschiede beachten.

Professor Dr. Ulrich Hegerl, Sprecher des Kompetenzzentrums Depression: „Wer unter Depressionen leidet, benötigt professionelle Hilfe“. Er warnt vor einer Selbstmedikation mit Johanniskraut. Das Johanniskraut wird als Heilpflanze gegen Stimmungsschwankungen und leichte Depressionen eingesetzt (Tee). „Die meisten Präparate, die im Supermarkt oder einer Drogerie verkauft werden, enthalten Johanniskraut-Extrakt in zu niedriger Dosierung und bleiben deshalb ohne Wirkung.“

Wie wirkt der Johanniskraut-Extrakt

Die Zusammensetzung von Johanniskraut-Arzneimitteln kann sich je nach Herstellverfahren und Qualität der eingesetzten Pflanzenrohstoffe deutlich unterscheiden. Jeder Extrakt kann daher ganz spezielle Wirkungen haben. Die Inhaltsstoffe des Johanniskraut-Extraktes greifen korrigierend in den Nervenstoffwechsel des Gehirns ein. Sie wirken auf die Botenstoffe (Neurotransmitter) Noradrenalin, Serotonin und Dopamin.

Stoffwechsel zwischen den Nervenzellen gestört

Bei einem depressiv verstimmten Patienten stehen diese Botenstoffe nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung. Der Stoffwechsel zwischen den Nervenzellen ist gestört. Dem wirkt zum Beispiel der Inhaltsstoff Hyperforin entgegen. Es wird eine Erhöhung dieser Botenstoffe auf das erforderliche Niveau erreicht. Das Gleichgewicht wird wieder hergestellt, die depressiven Symptome verschwinden.

Dazu muss man wissen: Wenn Nervenzellen arbeiten, senden sie untereinander Signale aus. Dazu setzen sie Botenstoffe ein, die die Inhalte der Signale transportieren. Ist das Signal an der Ziel-Nervenzelle angelangt, nimmt die aussendende Nervenzelle einen Teil der Botenstoffe wieder auf, um sie bei der nächsten Nachricht wieder einsetzen zu können. Eine Art natürlichen Recyclings also.

Es fehlt an Botenstoffen in den Nervenzellen

Das ist so lange unproblematisch, solange insgesamt genügend Botenstoffe zur Verfügung stehen. Bei depressiven Menschen ist genau dies ein Problem: Es fehlt an Botenstoffen in den Nervenzellen. Diese geben also zu wenig Botenstoffe (in den synaptischen Spalt) ab, und durch den Wiederaufnahme-Effekt werden die dort dringend benötigten Transmitter noch zusätzlich vermindert. An diesem Punkt nimmt das Hyperforin Einfluss: Es hemmt die Rücknahme aller drei für den Signalaustausch erforderlichen Botenstoffe, damit sie im Raum zwischen den Nervenzellen, dem synaptischen Spalt, weiterhin zur Verfügung stehen. Dies verbessert die Signalübertragung der Nervenzellen und hilft den Nervenzellen dabei, ihr inneres Stoffwechselgleichgewicht wieder herzustellen.

Professor Dr. Ulrich Hegerl, Sprecher des Kompetenzzentrums Depression: „Wer unter Depressionen leidet, benötigt professionelle Hilfe“. Er warnt vor einer Selbstmedikation mit Johanniskraut. „Die meisten Präparate, die im Supermarkt oder einer Drogerie verkauft werden, enthalten Johanniskraut-Extrakt in zu niedriger Dosierung und bleiben deshalb ohne Wirkung.“

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