Hypnose: Therapie, nicht Scharlatanerie

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Hypnose

Als Jahrmarktsattraktion und Varieté-Spektakel ist die Hypnose in Verruf gekommen. Völlig zu unrecht, denn es handelt sich dabei um eine erlernbare Kommunikationstechnik, die es Menschen ermöglicht, sich in einen veränderten Bewusstseinszustand der Trance zu begeben. Dabei ist Hypnose mittlerweile auch in der Schulmedizin eine anerkannte Technik, um Menschen in Tiefenentspannung zu versetzen. Im Zustand tiefster Entspannung erhöht sich die Lern- und Aufnahmebereitschaft, zudem wird der Zugang zu unbewussten Verhaltensmustern erleichtert wodurch der Therapeut den Patienten zu tiefgreifender Neuorientierungen führen kann.

Was ist Hypnose ?

Im Prinzip geht es der Hypnosetherapie darum, eine Reihe innerer Reaktionen und Suchvorgänge in Gang zu bringen, um den Patienten bzw. dessen Unterbewusstsein mögliche Lösungen für seine Gesundheitsprobleme selbst finden und vorhandene innere und äußere Kräfte nutzen zu lassen. Damit ist das Wirkungsfeld bereits abgesteckt: Beeinflussung psychischer Vorgänge genauso wie Einsatz in der „Organmedizin“.

In leichten Trancezuständen ist sich der Patient seiner selbst weitgehend bewusst und kann sich hinterher an alles erinnern, was er in Trance erlebt und was der Therapeut ihm suggeriert hat. Je tiefer die Trance ist, umso weniger ist sich der Patient bewusst und umso weniger kann er sich nachher erinnern.

Hypnotische Trance wird subjektiv als veränderter Bewusstseinszustand erlebt, als Tiefentspannung, Versenkung – wie der Zustand zwischen Wachsein und Schlaf oder – bei tieferer Trance – als Schlaf. In mittlerer Trance erlebt der Patient überwiegend traumartig Bilder und Phantasien, die intensiver und stabiler sind als im Wachzustand. Die Aufmerksamkeit ist auf die innere Realität gerichtet, die der Therapeut durch Suggestionen und Metaphern vorgibt, während die äußere Realität tendenziell in den Hintergrund tritt.

Menschen, denen es leicht fällt, sich auf ihr inneres Erleben einzulassen und die Selbstkontrolle ein Stück weit loszulassen, sind leichter hypnotisierbar. Rund 90 Prozent aller Menschen können hypnotisiert werden. Die Wirkung der Hypnose ist in allen Einzelheiten noch nicht geklärt. Man nimmt aber an, dass durch die beruhigenden Suggestionen des Hypnosetherapeuten Umschaltungen im Nervensystem ausgelöst werden und der Patient dabei in einen Bewusstseinszustand zwischen Wachen und Schlafen gerät.

Was Hypnose nicht ist

Hypnose ist kein Zustand, der nur durch eine besondere Gabe des Hypnotiseurs herbeigeführt werden kann und in dem der Hypnotisierte wie ein Roboter willenlos Befehle ausführt. Der Patient ist keineswegs – wie oft fälschlich berichtet wird – dem Willen des Hypnotiseurs völlig unterworfen. Sein Unterbewusstsein prüft nämlich sehr wohl, ob die gegebene Anweisung befolgt werden darf. Dieses verbreitete, aber falsche Bild von Hypnose stammt aus Sensationsberichten über Bühnenhypnose, die unrealistische Erwartungen über Ablauf und Dauer einer Hypnosetherapie wecken.

Geschichte

Als Vater der modernen Hypnose gilt der aus Nancy, Frankreich, stammende Arzt Ambroise Auguste Liebault. Die Hypnose als Therapieform nutzte aber als erster der Arzt Milton Erickson. Er definierte Hypnose als Zustand intensiverer Aufnahmefähigkeit und Aufmerksamkeit, in dem auch die Reaktionsfähigkeit teilweise erhöht wird. Durch Hypnose, stellte er später fest, können körperliche, psychische und geistige Reaktionen und Fähigkeiten über das gewöhnliche Maß hinaus verändert und beeinflusst werden.

Wann wird die Hypnosetherapie eingesetzt ?

Hypnose wird therapeutisch mit Erfolg bei allen psychischen und psychosomatischen Problemen (z. B. Ängsten, Depressionen, Abhängigkeiten, Beziehungs-, Schlaf-, psychosomatischen und Persönlichkeitsstörungen, selten bei Psychosen) eingesetzt, sowie bei körperlichen Erkrankungen und Verletzungen, bei denen von einer psychischen Beteiligung auszugehen ist.

Im medizinischen und zahnmedizinischen Bereich wird sie zur Angst- und Schmerzkontrolle sowie zur Verbesserung der Arzt-Patient-Beziehung und zur Bearbeitung spezifischer psychosomatischer Probleme eingesetzt.

Darüber hinaus findet Hypnose Anwendung in Bereichen wie Supervision, Coaching, Beratung und Geburtsvorbereitung.

Je nach zu behandelndem Leiden (oder Sucht wie Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Drogen) kann die Behandlung nach schon wenigen Sitzungen erfolgreich abgeschlossen sein, aber auch Wochen dauern. Rückfälle und eine Wiederholung der Therapie sind durchaus nicht auszuschließen. Da auch psychische Störungen organische Ursachen haben können, gehört die Hypnosetherapie unbedingt in die Hände eines Arztes.

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Quellen:

– Deutsche Gesellschaft für Hypnose
– Österreichische Gesellschaft für Wissenschaftliche Hypnose

Linktipps

– Angst vor dem Zahnarzt – Tipps gegen Zahnbehandlungsphobie
– Österreichische Gesellschaft für ärztliche und zahnärztliche Hypnose
– Nägelkauen – was tun?
– Traumtherapie