Vergiftungen bei Kindern

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Vergiftungen bei Kindern

Zwar kommen Vergiftungen bei Kindern nicht häufig vor, aber jeder einzelne Vergiftungsfall ist einer zu viel! Kinder vom Krabbelalter bis zur Volksschule sind am stärksten gefährdert. Neugierde seitens der Kinder und Unachtsamkeit seitens der Erwachsenen können eine gefährliche Kombination sein. Schnelles und richtiges Handeln sind im Ernstfall gefragt. Wir haben die wichtigsten Informationen dafür zusammengefasst.

Unfälle und Vergiftungen sind typische Notfälle im Kleinkindalter. Vergiftungen sind meist die Folge unachtsamen Vorgehens seitens der Erwachsenen. Die häufigsten Vergiftungen sind Folgen der Einnahme von herumliegenden Dingen wie Knopfbatterien oder Medikamenten, aber auch unsachgemäß verstauten Reinigungsmitteln, wie z.B. Geschirrspültabs, Waschmittel oder ähnlichem.

Neugier

Kinder, die zu krabbeln beginnen, entdecken die Welt auf ihre Art: überall ran, überall rauf, überall rein – und alles in den Mund stecken… Eltern sind auf einmal vor völlig neue Herausforderungen gestellt. So schnell kann man gar nicht schauen, sind die Zwerge schon da, wo man sie garantiert nicht haben will…

Spätestens jetzt wird es höchste Zeit, die Wohnung kindersicher zu machen. Das beginnt bei Sperrgittern bei Stufen, geht weiter zu Steckdosenkinderschutz und Ladensperren und endet bei der vernünftigen Verwahrung potentiell giftiger Gegenstände.

Kleine Kinder sind unfassbar neugierig – und das ist gut so! Die Aufgabe der Eltern ist es nun, den Nachwuchs so zu schützen, dass diese Neugierde ohne Gefahr ausgelebt werden kann.

Bekanntlich entdecken kleine Kinder die Welt auch gern mit dem Mund: alles wird abgeschleckt, in den Mund gesteckt und gern auch mal verschluckt. Achten Sie also darauf, was Sie herumliegen lassen, und achten Sie auch darauf, dass Sie potentiell gefährliche Dinge wirklich gut – und kindersicher – verwahren.

Gefahrenquellen

Gefahren lauern in der Wohnung und im Freien. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, wollen wir Ihnen die wichtgsten Vergiftungsursachen nennen. Denn oft denkt man schlicht nicht daran, dass Kinder an allem Interesse haben – besonders dann, wenn es neu, bunt oder selbst entdeckt ist…

Wichige Gefahrenquellen in Haus und Garten

  • Geschirrspültabs/mittel
  • Waschpulver
  • Putzmittel
  • Medikamente
  • Kosmetika und Parfums
  • Alkoholische Getränke
  • Zigaretten
  • Klebstoffe
  • Unkrautvernichtungsmittel
  • Schädlingsbekämpfungsmittel
  • Poolchemie

Doch im und rund um den eigenen Garten, bzw. bei Ausflügen ins Grüne lauern auch noch Gefahren durch potentiell tödliche Pflanzen wie z.B.

  • Eibe
  • Eisenhut
  • Fingerhut
  • Goldregen
  • Herbstzeitlose
  • Liguster
  • Maiglöckchen
  • Oleander
  • Seidelbast
  • Tollkirsche
  • u.v.m.

Was tun bei Vergiftungen von Kindern?

Von Generation zu Generation weitergegebene Tipps, wie mit akuten Vergiftungen umgegangen werden soll, entpuppen sich oft als sinnlos, wenn nicht sogar schädlich. Vermeintliche Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Vergiftungen, wie z.B. das künstlich herbeigeführte Erbrechen, sind meist vollkommen sinnlos und sogar gefährlich.

Es gibt KEINE Vergiftung bei der provoziertes Erbrechen indiziert ist. Dies alleine deshalb, weil die Gefahr besteht, dass Mageninhalt plus Gift in die Atemwege gelangt – und das kann letal enden!

Auch die immer wieder erwähnte Gabe von Aktivkohle macht nur bis zu einer Stunde nach Giftaufnahme Sinn. Die wirksame Kohledosis müsste zudem sehr hoch sein um therapeutisch nütlich zu sein, aber immerhin ist diese Methode nicht gefährlich im Gegensatz zum provozierten Erbrechen.

Eine permanente Überwachung des Vergiftungsopfers ist hingegen eine Gebot der Stunde, um Veränderungen im Gesundheitszustand beobachten zu können.

Holen Sie sich im Fall eines Vergiftungs(verdacht)falls immer fachlichen Rat und wenden Sie sich an die Notrufnummer von Vergiftungsinformationszentralen, in Österreich z.B. die VIZ. (Notruf 0–24 Uhr: +43 1 406 43 43)

Darüberhinaus gilt es einige Grundprinzipien zu beachten:

Eigenschutz hat Priorität

Eigenschutz hat bei jeder Erste-Hilfe-Leistung und immer oberste Priorität! Denn wenn Sie nicht auf sich selbst achten, werden Sie bald nicht mehr in der Lage sein, auch anderen zu helfen! Besonders beim Verdacht auf Gasvergiftungen, z.B. durch Kohlenmonoxid, muss zuerst die Unfallstelle abgesichert bzw. selbst ein Atemschutz angelegt werden, bevor weitere Erste Hife Maßnahmen zum Einsatz kommen können.

Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Diese unterscheiden sich naturgemäß von Situation zu Situation und eine klare Leitlinie ist hier schwierig aufzustellen. Beachten Sie aber bitte dennoch folgende Punkte:

  • Nochmals: Eigenschutz hat Priorität – sollte dieser nicht gewährleistet sein: Hilfe (Feuerwehr, Rettung, Polizei) holen!
  • Wenn Eigenschutz gewährleistet ist – Kind aus der Gefahrenzone bringen
  • Atemwege freimachen/freihalten
  • Kind in stabile Seitenlage bringen (auch das macht die Atemwege frei)
  • Bei Atemstillstand: sofortige Wiederbelebung starten
  • Bei Bewusstlosigkeit: Notruf (Rettung) holen

Bei einer Vergiftung sind Informationen das Um und Auf: wer hat wann was wie zu sich genommen. Die Mitarbeiter der Notrufnummern sind geschult darin, die richtigen Fragen zu stellen, denn diese bzw. die raschen Antworten darauf können Leben retten. Auch wenn Sie sich diese sechs W-Fragen nicht merken müssen, macht es Sinn, sie einmal gelesen zu haben:

    Was? Es geht Informationen über den Giftstoff oder das Produkt, wie z.B. Hersteller, Verpackungsgröße, Konsistenz…
    Wie viel? Informationen über die Menge, z.B. ein Schluck, ein Kaffeelöffel, Stückzahl usw.
    Wann? Informationen über den Zeitpunkt der Einnahme bzw. die Zeitspanne bis zur Entdeckung (ist oft nicht einfach zu beantworten..)
    Wer?Informationen über Alter, Gewicht, Geschlecht und Allgemeinzustand des Betroffenen.
    Wie? Informationen über den Aufnahmeweg z.B. über den Mund, über die Atemwege, über die Haut usw.
    Warum? Informationen darüber, ob es sich um einen Unfall oder eine bewußt zugefügte Vergiftung handelt (wird bei Kindern eher nicht der Fall sein)

Hier noch ein paar weitere Tipps, wenn Sie wissen, wie das Gift aufgenommen wurde:

Giftaufnahme über den Mund

– Verdünnen der giftigen Substanze durch Trinken von Wasser, Saft oder Tee
– Bei schaumbildenden Substanzen: Gabe eines flüssigen Entschäumungsmittel sowiet verfügbar (z.B. Simethicon) – aber nur nach nach Anweisung
– Binden der Giftsubstanz durch Aktivkohle wenn die Vergiftung erst kürzich erfolgte

Giftaufnahme über die Haut

– Auch hier gilt: Eigenschutz geht vor, also Handschuhe anziehen!
– Vergifteten völlig entkleiden
– Befallene Hautstellen mit reichlich Wasser waschen

Giftaufnahme über die Atemwege

– Gefahr der Selbstvergiftung abschätzen – Eigenschutz geht vor! (Ein vor den Mund gehaltenes Taschentuch reicht NICHT aus!!)
– Wenn Eigenschutz gewährleistet ist: Vergiftungsopfer an die frische Luft bringen, Lüften!

Vorbeugen!

Um es aber erst gar nicht soweit kommen zu lassen sollten Sie einige einfache Maßnahmen beherzigen, denn auch wenn Sie noch so darauf Bedacht sind, Ihr Kind nicht aus den Augen zu lassen – ein Klingeln an der Wohnungstür, während Sie gerade den Bodenreiniger in den Kübel füllen, oder das Tab in die Wasch- oder Geschirrspülmaschine tun wollen, reicht oft aus…

Kinder sind schnell, Neugier ist ein kräftiger Motor, und Kleinkinder entdecken ihre Umwelt indem sie Dinge in den Mund stecken… Vorsicht ist auch in diesem Fall besser als Nachsicht.
Hier einige Tipps:

  • Halten Sie Ihren Vorrat an Putzmitteln & Co sowie an anderen giftigen Substanzen möglichst gering!
  • Bewahren Sie gefährliche Substanzen außerhalb der Reichweite von Kindern auf!
  • Medikamente gehören in einen absperrbaren Medikamentenschrank!
  • Werfen Sie gefährliche Substanzen nicht in den Abfalleimer!
  • Vermitteln Sie Kindern – ohne Panikmache! – so früh wie möglich Gefahren in Wohnung und Garten
  • Putzmittel u.ä. NIE in Getränkeflaschen oder andere Lebensmittelbehälter füllen
  • Einkaufs- und Handtaschen auf für Kinder nicht erreichbaren Plätzen deponieren

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Quelle:

¹ Vergiftungsinformation

Linktipps

– Giftige Pflanzen
– Giftpflanze Tollkirsche
– Erste Hilfe bei Unfällen von Kleinkindern
Gefahr Plastikspielzeug?
– Stockbett – Gefahrenquelle für Kinder

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