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Giftpflanze Tollkirsche

Giftpflanze Tollkirsche

Tollkirsche, auch „Atropa belladonna“ genannt, ist zwar – auch – eine Heilpflanze, aber mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Nicht umsonst zählt sie neben dem Bilsenkraut und dem Stechapfel zu den “klassischen Hexendrogen”. Die Tollkirsche ist DIE klassische Gift- und Hexenpflanze Mitteleuropas. Sie diente als Heilmittel, wurde zu rituellen Zwecken als halluzinogenes Rauschmittel eingesetzt, aber auch für Giftmorde missbraucht. Die einzige in Europa heimische Art der Pflanze ist übrigens die Schwarze Tollkirsche

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Die verführerischen, schwarz glänzenden Beeren verlocken zum Naschen, aber schon wenige Früchte der Tollkirsche können einen Menschen töten. Aufgrund der unglaublichen Intensität ihres Gifts kann man sie nur in sprichwörtlich homöopathischer Verdünnung in der Naturheilkunde nutzen.

Altbekannte Wirkweisen der Tollkirsche

Bereits Paracelsus erwähnt die Tollkirsche und ihre Wirkung, ihre ‚Hochkultur‘ erlebte sie aber im Aberglauben und Hexenkult des Mittelalters. Liebestränke und Hexensalben wurden mit Tollkirschextrakt angerührt und tatsächlich können solche Salben
auf die Haut aufgetragen zu real erlebten Wahnvorstellungen, wie z. B. der Vorstellung zu fliegen, führen.

Auch in Hexenprozessen wurde die Tollkirsche eingesetzt: Dem Vorwurf der Hexerei ausgesetzt, wurden Angeklagte oft gezwungen, Tollkirsche zu sich zu nehmen, was auf dazu führte, dass sie sich im Wahn selbst beschuldigten .

Im Mittelalter beschrieb man aber auch ihre Heilwirkung: Hieronymus Bock empfiehlt sie bei Augen- und Ohrenleiden bei Leber- und Magen Entzündung und als Wundsalbe.

Atropin, das Gift der Tollkirsche, wurde und wird zum Teil noch immer medizinisch genutzt. Die Tollkirsche wirkt krampflösend bei Epilepsie und Asthma, und wird bei Erkrankungen der Luftwege, wie Bronchitis oder Reizhusten eingesetzt.

Aufgrund der starken Wirkung direkt auf das vegetative Nervensystem gibt es darüberhinaus auch noch weitere Anwendungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel zur Pupillenerweiterung vor Augenuntersuchungen, gegen Magen-Darm-Krämpfe, zur Behandlung bestimmter Herzrhythmusstörungen und als Gegengift bei Vergiftungen, z.B. gegen mancherorts immer noch militärisch genutztes Nervengas.

Der pupillenerweiterenden Wirkung wegen kommt die Tollkirsche auch in der Kosmetikindustrie zum Einsatz

Tollkirsche: Giftige Pflanzenteile und Inhaltsstoffe

Nicht nur die Beeren der Pflanze, die namensgebenden ‚Tollkirschen‘ sind gefährlich – auch alle anderen Pflanzenteile haben durch ihren hohen Gehalt an Tropanalkaloiden eine giftige Wirkung.

Allerdings sind es meist die schönen Früchte, die vor allem auf Kinder anziehend wirken und immer wieder zu lebensbedrohenden Vergiftungen führen können. Schon drei bis fünf Beeren können bei Kindern tödlich sein, bei Erwachsenen liegt die letale Dosis bei 10 bis 12 Beeren. Dies entspricht etwa 1,4 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Die Tollkirsche ist auch für Tiere gefährlich: Dokumentiert sind Vergiftungen von Pferden, Schweinen, Hunden, Katzen, Hasen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamstern und Vögeln.

Üblicherweise wissen Tiere, welche Pflanzen sie fressen dürfen und welche nicht; dennoch kommt es auch hier immer wieder zu tragischen Unglücksfällen: Für Pferde sind z.B. bereits 180 g der Wurzel tödlich, und bei getrockneten Blättern reichen 120 – 180 g um schwere bis tödliche Vergiftungserscheinungen bei den bis zu einer Tonne schweren Tieren aus zu lösen.

Vergiftungssymptome

Pupillenerweiterung, Mundtrockenheit, Durst und Schluckbeschwerden, Hautrötungen, Überhitzung, und Herzrasen sind typische somatische Symptome.

Erregung, Sehstörungen, und Halluzinationen sind weitere Folgen einer Vergiftung mit der Tollkirsche. Im Falle einer starken Vergiftung kommt es zu Koordinationsstörungen im Bewegungsablauf, zu Raserei und Tobsuchtsanfällen bis hin zum Tod durch Atemlähmung.

Bei Verdacht einer Tollkirschvergiftung ist umgehend die nächste Klinik auf zu suchen!

Kenndaten

Die Tollkirsche ist eine ausdauernde, krautige und aufrecht wachsende Pflanzen mit schönen dunklen Beeren.

  • Wissenschaftlicher Name: Atropa belladonna
  • Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
  • Wuchshöhe: 0,5 bis max. 2 Meter
  • Blütenfarbe: gelb oder blass-violett, zur Mitte der Blüte hin in blassgrüne gehend,
  • Vorkommen: Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna L.): Europa, Atropa acuminata: Indien, Atropa baeticain: Südspanien und Marokko
  • Standorte: nährstoffreiche Kalk-, Porphyr- und Gneisböden; häufig auf Waldlichtungen von Laub- und Nadelwäldern, an Waldrändern und auf Brachflächen bis in Höhenlagen von 1700 Metern.

Stark giftig!

Große Mengen an Alkaloiden finden sich in Wurzeln, Sprossachsen, Blättern und natürlich den Früchten. In den Blättern in Konzentrationen zwischen 0,14 und 1,4 % und in den Wurzeln zwischen 0,27 und 0,69 %.

Das Gift Hyoscyamin (insbesondere als Atropin) ist mit 40 bis 87 % dabei am stärksten vertreten, gefolgt von Apoatropin sowie Scopolaminmit 5 bis 17,9 % . In geringeren Mengen finden sich in der Pflanze auch Tropin, Pseudotropin, Tropinon und einige wenige pyrrolidinische Alkaloide wie Hygrin, Hygrolin, Cuscohyrgrin.

Namensgebend für die Tollkirsche ist die Kombination der Ähnlichkeit der Früchte mit Kirschen und der Giftwirkung (Tollheit, Tobsucht) auf den Menschen.

Der Gattungsname ‚Atropa‘ hat seinen Ursprung in der griechischen Mythologie: Atropa war einer der drei Parzen, der den Lebensfaden durchschneidet – ebenso wie das auch die Tollkirsche vermag.

Der Artname bella-donna (schöne Frau) leitet sich aus der Eigenschaft der Tollkirsche pupillenerweiternd zu wirken ab.

Synonyme

Apfel von Sodom, Bärenwurz, Bockwurz, Dol, Dolo, Dollwurz, Teufelsbeere, Teufelskirsche, Wolfsbeere,…. – darüber hinaus gibt es noch ein lange Liste an regionalen Namen.

Mögliche Symptome bei Tollkirsch Vergiftung

Tropan-Alkaloide besitzen eine parasympatholytische Wirkung; der Parasympathicus wird gehemmt. Dadurch wirken sie krampflösend auf die glatte Muskulatur sowie den Magen-Darm-Trakt, Galle sowie Blase. Auch die Bronchien stellen sich weit.

Mundtrockenheit entsteht, da die Aktivität der Speicheldrüsen gemindert wird, und auch die Schweißbildung ist stark herabgesetzt. Ganz typisch ist auch die Pupillenerweiterung.

In höheren Dosen beeinflussen die Tropan-Alkaloide schließlich das zentrale Nervensystem und zeichnen für den delirant halluzinogenen Effekt verantwortlich.

Vergiftungssymptome äußern sich abhängig von der Giftkonzentration:

  • 0,5 bis 1 Milligramm: Mundtrockenheit
  • 1 bis 3 Milligramm: Erweiterung der Pupillen
  • 3 bis 5 Milligramm: Sehstörungen, Hitzegefühle und Tachykardie
  • ab 5 Milligramm: starke Erregung, Fieber, Halluzinationen, Koma, bis hin zum letalem Atem- und Herzstillstand

Typische Symptome

  • heiße Haut
  • Gesichtsröte
  • trockene Schleimhaut und Mundtrockenheit
  • Schluckbeschwerden
  • Pupillenerweiterung
  • Sehstörungen
  • Herzbeschwerden und Herzrasen
  • Erregung
  • Halluzinationen
  • Koma
  • potentiell tödliche Störung des Atemzentrums

Verwechslungsgefahr

Die Früchte der Atropa belladonna sehen essbaren Kirschen tatsächlich ähnlich. Allerdings sind Kirschbäume meist wesentlich höher als Tollkirschsträucher, was eine Unterscheidung ermöglichen sollte.

Aber auch Heidelbeeren werden immer wieder mit den giftigen Tollkirschen verwechselt. Obwohl sich die Früchte mitunter ähneln können, wäre eine Unterscheidung recht einfach: So kann die Tollkirsche bis zu zwei Meter groß werden – bei einer minimalen Wuchshöhe von 30 bis 50 cm. Die Heidelbeere gehört mit ihren maximal 60 Zentimetern Größe zu den Zwergsträuchern. Auch sitzen die Blüten der Heidelbeere direkt an den Blattachsel, während Tollkirschen an einem Stiel sitzen.

Dennoch: Da die Tollkirsche zu den giftigsten Pflanzen in unseren Breiten zählt sollte man im Zweifelsfall besonders vorsichtig sein und Kinder zeitgerecht warnen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Tollkirsche auch noch süß schmeckt.

Im Fall des Verdachts einer Vergiftung mit ‚belladonna’ also immer besser Vorsicht walten lassen – denn Unachtsamkeit könnte diesfalls tödlich sein!
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Quelle:

¹ Tollkirsche – www.botanikus.de


Linktipps:

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– Heilpflanzenlexikon – Seidelbast

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