Seit Tattoos und Body Piercing in die Kreise der Stars aus Musik, Film und Sport Einzug gehalten haben, haben sie ihr soziales Schattendasein verlassen und erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Aber Vorsicht ist angebracht, denn der direkte Eingriff in den Körper kann nicht nur positive Auswirkungen haben. Bevor Sie zur Tat schreiten, sollten Sie sich lieber umfassend informieren. Hier finden Sie einige Tipps und Anregungen aus medizinischer Sicht, die Ihnen bei Ihrer Entscheidung helfen sollen:
Die Wahl des richtigen Studios
In einem guten Studio sollte in jedem Fall ein Sterilisationsgerät (Tattoos) zu finden sein bzw. nur sterile Einweg-Stichnadeln verwendet werden. Nach jedem Kunden müssen die benutzten Instrumente sterilisiert werden, bevor sie erneut genutzt werden können. Das gilt auch für Instrumente, die bereitgelegt, aber nicht benutzt wurden.
Ein Piercing ist durchaus mit einem operativen Eingriff vergleichbar. Prinzipiell gehört das Piercen in die Hand einer Ärztin / eines Arztes oder ausgebildete/n und geprüfte/n PiercerIn. Die Rechtslage ist dahingehend jedoch in Österreich und Deutschland unterschiedlich, weshalb es sich empfiehlt die jeweilige Rechtslage abzuklären, besonders um im Schadensfall eine rechtlich Absicherung zu haben. In Österreich gilt, dass Piercen und Tätowieren laut Gewerbeordnung dem Gewerbe der Kosmetik (Schönheitspflege) (§ 94 Z 42) vorbehalten sind. Im eigentlichen Sinne stellt Piercing jedenfalls eine vorsätzliche Körperverletzung dar und ist nur deshalb straffrei, weil die betreffende Person in den Eingriff einwilligt (schriftliche Einverständniserklärung). Der Einwilligung muss eine Aufklärung über die Risken vorausgehen. Unabdingbare Voraussetzung ist die Urteilsfähigkeit des Klienten. Jugendliche unter 18 Jahren benötigen die Einwilligung der Erziehungsberechtigten, bei unter 16-Jährigen müssen die Eltern mitunter beim Piercen sogar anwesend sein.
Auf sterile Instrumente achten
Die Benutzung von unsterilen Instrumenten, z. B. Nadeln, beim Piercen oder Tätowieren kann zu schweren Infektionen führen, u. a. Hepatitis, Tetanus oder AIDS.
Ganz ohne Schmerzen geht es nicht
Body Piercing ist nicht schmerzfrei. Wie stark der Schmerz empfunden wird, ist aber individuell sehr unterschiedlich. Manche empfinden nicht mehr als ein Kribbeln. Auch die Körperstelle ist entscheidend. Da, wo die Haut dünn ist, wird der Schmerz erfahrungsgemäß stärker empfunden, als an anderen Körperstellen.
Kein Piercing bei Diabetes und anderen Krankheiten!
Achtung! Menschen mit Diabetes, Infektionskrankheiten, Bluterkrankheit und Bluterneigungskrankheit und Menschen, die eine Thrombosebehandlung erhalten, dürfen kein Tattoo oder Body Piercing durchführen lassen. Bei Geschlechtskrankheiten darf kein Intimschmuck gesetzt werden.
Führen Sie niemals Piercings selbst durch!
Selbstversuche beim Piercing sind höchst gefährlich und unter keinen Umständen durchzuführen da sie ein enormes Gesundheitsrisiko darstellen.
Tipps zur richtigen Nachsorge:
- Regel Nr. 1: vor der Pflege die Hände waschen.
- Bei der täglichen Pflege muss sehr gründlich vorgegangen werden, gewaschene Hände sind unbedingte Voraussetzung. Bis zum Ende der Abheilungsphase darf die Stichstelle ansonsten nicht berührt werden. Reine Haut-Piercings sollten zu Beginn mit Hautdesinfektionsmittel, danach – in den ersten ein bis zwei Monaten – nur mit Wasser und milder Seife gereinigt werden. Öffentliche Bäder und Seen sowie Sauna und Dampfbad etc. sind in der Anfangsphase eher tabu.
- Nach dem Piercing muß der umgebende Körperbereich immer sauber gehalten werden, um eine Heilung zu unterstützen
- Piercings im Mundbereich müssen anfänglich mehrmals am Tag gereinigt werden. Hierzu eignen sich Kamille-Spülungen oder spezielle medizinische Lösungen. Zigaretten, Alkohol, saure oder salzige Speisen sollte man eher meiden. Auf Küssen und Oralsex muss in der ersten Zeit ebenfalls verzichtet werden
- Von Kleidung bedeckte Körperteile wie z. B. Brustwarzen, Bauchnabel oder Geschlechtsbereich sind wegen der Schweißbildung und der Reibung der Kleidung eher von Infektionen betroffen.
- Gepiercte Körperstellen bedürfen auch nach der Heilung entsprechender Pflege, da sich in den Stichkanälen abgestorbene Hautzellen, Talg- und Schweißreste etc. ansammeln. Deshalb sollte man die Schmuckstücke regelmäßig herausnehmen und reinigen. Der Stichkanal ist gesondert zu säubern
- Sie sollten den gepiercten Bereich zweimal am Tag mit einer antibakteriellen Seife reinigen. Seien Sie beim Waschen vorsichtig, aber entfernen Sie sämtliche Rückstände und Krusten von der Körperstelle und vom Schmuck. Spülen Sie die Seife und die Rückstände gründlich, aber vorsichtig ab. Salzwasser löst Verkrustungen leichter.
- Vermeiden Sie auch den Kontakt mit fremden Körperflüssigkeiten, z. B. Schweiß oder Speichel. Auch der eigene Schweiß kann die Wunde irritieren. Deshalb sollten sie z. B. nach dem Sport sorgfältig duschen.
- Kleidung häufiger wechseln. Tragen Sie immer saubere Kleidung und wechseln Sie die Bettwäsche jede Woche.
- Bei Ohrpiercing sollten Sie auch Telefon und Brillengestelle mit Alkohol reinigen. Sie können auch die Brille mit Wasser und Seife reinigen.
- Zungenpiercing zweimal täglich kontrollieren. Bei Zungenpiercing sollten Sie zweimal täglich prüfen, ob der Schmuck nicht zu locker sitzt. Löst sich ein Zungenpiercing, können Sie einen Zahn beschädigen oder den Schmuck verschlucken.
- Kontakt mit Make up und Haarspray meiden. Vermeiden Sie den Kontakt mit jeglichem Make up. Besonders beim Ohrpiercing sollten Sie darauf achten. Vor dem Aufsprühen von Haarspray das Ohr gut abdecken.
- Weite Kleidung tragen. Tragen Sie keine engen Kleidungsstücke. Beim Bauchnabelpiercing besonders keine großen Gürtel und Bodies tragen. Schlafen Sie nicht auf dem Bauch. Auf Schwimmen sollte nach dem Piercen unbedingt verzichtet werden.
- Meiden Sie öffentliche Bäder, Wirlpools und heiße Wannenbäder während der Heilungszeit.
- Zähne und Mund nach jedem Essen und jedem Imbiß reinigen. Beim Zungen- und Lippenpiercing sollten Sie zur Zahn- und Mundpflege ein antibakterielles Mundwasser ohne Alkohol verwenden. Reinigen Sie sich die Zähne und spülen Sie nach jedem Essen und jedem Imbiß. Bekommen Sie davon eine helle Zunge oder schlechten Mundgeruch, ist wahrscheinlich die Mundflora gestört. Dann sollten sie zur Mundpflege statt Mundwasser Salzwasser verwenden. Das richtige Mischungsverhältnis ist ein Teelöffel Salz auf vier Tassen Wasser
- Piercings im Intimbereich lassen sich mit speziellen Mitteln, die von Hautärzten und Piercing-Studios empfohlen werden, reinigen. Mindestens zwei bis drei Wochen sollte man enthaltsam leben und auf Geschlechtsverkehr verzichten. Abhängig vom Befund kann manchmal auch der Einsatz von Antibiotika-Salben notwendig werden
Linktipps:
…. Wikipedia: Piercing – Geschichte, Arten & rechtliche Situation
…. meinpiercing.de (Ratgeber)
…. Nickel & Stahl – neue Richtlinien für Piercer
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