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Botox: Nervengift für die Schönheit?

Botox: Nervengift für die Schönheit?

Nervengift Botox als Anti-Aging Mittel

Botox, eines der tödlichsten Nervengifte der Welt findet in den letzten Jahren mehr und mehr Anwendung in der plastischen Chirurgie. Doch welche unerwünschten Nebenwirkungen können die Behandlungen mit dem Toxin haben? Ist die Wirkung von Botox ausreichend erforscht? Und in welchen medizinischen Bereichen findet der Kampfstoff noch seine Anwendung?



Jeder kennt Botox, auch Botulinumtoxin, als wirksames Antifalten Mittel. Die Zahl der Eingriffe in Österreich hat sich in den letzten 10 Jahren verfünfzigfach. Doch nur wenig bekannt ist die ganz andere Seite von Botox. Botox ist eines der gefährlichsten Gifte der Welt und wird aus diesem Grund auch als Kampfstoff eingesetzt. Die tödliche Dosis des Toxins liegt etwa bei einem Millionstel Gramm. Verwunderlich also, dass gerade ein Gift in unsere Falten injeziert wird.

Die Anwendung von Botox klingt einfach. „Die Substanz wird extrem verdünnt mit den dünnsten Nadeln, die es gibt – sie haben etwa die Stärke eines Haars – in die Unterhaut eingespritzt. Wird Botox gegen übermäßige Entwicklung von Schweiß verordnet, so wird es in die Umgebung der Schweißdrüsen injiziert. Durch die Injektion von Botox kommt es durch die Blockade der mimischen Muskeln zu einer Reduktion von Gesichtsfalten bis hin zu deren Verschwinden.“, so der Salzburger Facharzt für plastische Chirurgie Dr. Walter Jungwirth.

Drei bis sechs Monate hält die Wirkung einer Behandlung an.

Ursprünglich wurde das Mittel im medizinischen Bereich zur Lösung von Muskelverkrampfungen – wie etwa Schluckstörungen oder spastische Lähmungen eingesetzt.

Genau vor diesen Behandlungen warnt jetzt die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA. Spastisch gelähmte Kinder, die mit Botox behandelt wurden sind nach Informationen der FDA zu Tode gekommen, da sich das Medikament auch auf andere Körperstellen ausgebreitert haben dürfte. Eine genaue Angabe über die Zahl der verstorbenen Kinder wurde nicht veröffentlicht. Allerdings mahnt die Gesundheitsbehörde zur Vorsicht bis weitere Ergebnisse bekannt sind.

Botox – tödliche Gefahr?

Fraglich ist, ob die Nebenwirkungen des Einsatzes von Botox als Antifaltenmittel bisher ausreichend erforscht wurden. Eine aktuelle Studie des Instituto di Neuroscienze in Italien hat ergeben, dass Botox Injektionen bei Ratten ungeahnte Folgen mit sich brachten. Wurde bisher angenommen, dass Botox dort an der Stelle, an der es injiziert wurde, bleibt, so wurde festgestellt, dass zumindest sich das Nervengift zumindest bei den Versuchstieren im Gewebe ausbreitete und auch in anderen Körperteilen zu finden war. Was das für menschliche PatientInnen bedeutet ist allerdings noch nicht vorherzusagen. Da der Organismus von Ratten anders funktioniert, als der des Menschen können die Ergebnisse nicht einfach übertragen werden. Allerdings warnt jetzt auch die Schweizer Gesundheitsbehörde Swissmedic vor dem Einsatz von Botox. Besonders Anwendungen im Bereich des Halses können zu Schluckstörungen führen, Lähmungen der Atemwege und damit die Gefahr zu ersticken wären die Folge.

Dr. Jungwirth sieht keine Gefährung durch die Anwendung von Botox gegeben:“Schon Paracelsus hat festgehalten, dass die Dosis das Gift macht. Mit Salz beispielweise, kann man Menschen töten. Gleichzeitig können wir ohne Salz nicht leben. Botox blockiert die Nerv-Muskelübertragung. Wendet man es an, ist es, als würde man in einem Stromkreis den Stecker herausziehen. In der extrem hohen Verdünnung und vom Profi angewendet, ist die Substanz harmlos und eines der sichersten und effizientesten Medikamente, die wir kennen. Jede Zigarette ist schädlicher als eine Botox Injektion.“, erklärt der Facharzt.

Ausdruckslos mit Botox?

Doch auch andere Probleme bleiben bei Botox Behandlungen nicht aus: Eine Untersuchung der Universität Duisburg hat gezeigt, dass die Kommunikation mit anderen Menschen durch Botox Einspritzungen negativ beeinflusst wird. Das aufgespritzte Gesicht macht einen unbeteiligteren Eindruck als ein unbehandeltes Gesicht. Dieser Einfluss auf die Mimik bleibt meist auch dem Gesprächspartner nicht verborgen. Das Klinikum rechts der Isar beschäftigte sich intensiv mit dem Einfluss des Gesichtes auf Emotionen. Die Wissenschaftler um PD Dr. Haslinger untersuchten nun erstmals mittels funktioneller Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRT), wie die Gehirnaktivität beeinflusst wird, wenn das sensorische Feedback bei der Ausführung emotionaler Gesichtsausdrücke abgemildert wird. Dazu schwächten sie mit Hilfe einer kosmetischen Behandlung der „Zornesfalten“ mit Botulinumtoxin vorübergehend die Gesichtsmuskulatur der Versuchsteilnehmer. Die Anwendung des Toxins bewirkte nicht nur, dass die emotionale Mimik weniger ausgeprägt war, sondern führte gleichzeitig zu einer Abnahme der Gehirnaktivität im Bereich emotionsverarbeitender Hirnregionen wie der linken Amygdala.

Die Frage ist, ob sich PatientInnen trotz der zahlreichen Nebenwirkungen einer Behandlung zugunsten eines jugendlicheren, aber eventuell auch künstlicheren Aussehens unterziehen sollten. Dem Abwägen von Vor- und Nachteilen sollte vor der Behandlung auf jeden Fall noch einige Zeit geschenkt werden, entscheiden kann das jeder Patient nur für sich selbst.

[ameis]

Linktipps:

– Teenager & Schönheitswahn: Schönheits-OP’s nehmen weiter zu
– Operation Schönheit: Qualitätskriterien in der Plastischen Chirurgie
– Tödliche Nebenwirkungen von Botox – Focus online
– Männer brauchen mehr Botox als Frauen – ORF online
– Intimchirurgie – das Geschäft mit dem Genital
– Künstliche Körper: Schönheit um jeden Preis?
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