Medizinlexikon: Magnetresonanztomographie

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Magnetresonanztomographie

Die Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie, MRT – Magnetische Resonanz-Tomographie) ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Strukturen im Inneren des mennschlichen (oder auch tierischen) Körpers und ermöglicht gestochen scharfe Schnittbilder. Das Verfahren wird auch als Kernspintomographie bezeichnet, wird jedoch aufgrund der bei Laien häufigen falschen Assoziation mit Kern- bzw. Atomkraft heutzutage in Fachkreisen zunehmend seltener verwendet.

Das technische Prinzip wurde 1946 von Bloch und Purcell unabhängig voneinander entdeckt und bald in Physik und Chemie angewandt. 1952 erhielten die beiden Wissenschaftler den Nobelpreis für ihre Entdeckung.
Die Weiterentwicklung zu einer Technik in der Medizin, mit Hilfe derer Bilder erzeugt werden können, wurde im wesentlichen durch Lauterbur und Mansfield im Jahr 1973 vorangetrieben, was Ihnen den Nobelpreis für Medizin einbrachte. Praktisch verfügbar ist das Verfahren seit 1984.

Bei der Untersuchung muss der/die PatientIn in einer etwa 70 bis 100 Zentimeter langen Röhre liegen. Patienten mit Platzangst sollten dies vor Beginn der Untersuchung dem betreuenden Personal mitteilen, um gegebenfalls ein Beruhigungsmittel verabreicht zu bekommen. Es gibt mittlerweile bei spezialisierten Fachinstituten auch sogenannte offene MRT für Menschen mit Platzangst, für Übergewichtige und Schwangere, für Körperbehinderte, und für die Untersuchung von Kindern.

Es ist außerdem zweckmäßig, zur Untersuchung Kleidung zu tragen, die – wegen des hohen Magnetfeldes – frei von Metallteilen (z.B. Druckknöpfe, Reißverschlüsse, Häkchen) ist. Während der Untersuchung werden vom Gerät sehr laute Klopfgeräusche erzeugt, weshalb oftmals ein Gehörschutz verabreicht wird.

Im Gegensatz zu anderen bildgebenden Verfahren, sind für die Kernspin-Tomographie keine Röntgenstrahlen oder Radioaktivität erforderlich. Die Methode arbeitet mit Magnetfeldern und Radiowellen und läuft vollkommen zerstörungsfrei. Der Patient wird in ein starkes, gleichmäßiges Magnetfeld gebracht. Danach werden dann die Kerne der im Körper vorhandenen Wasserstoffatome durch Radiowellen angeregt wodurch sie in eine Art Taumelbewegung geraten. Diese klingt nach dem Abschalten des Impulses ab. Dabei verhalten sich die Wasserstoffatome unterschiedlich – je nachdem, in welcher Umgebung sie sich befinden. Das unterschiedliche Abklingverhalten lässt sich zur Bildgebung ausnutzen: Es können Querschnittsbilder des Körpers erzeugt werden, auf denen man zum Beispiel einen Tumor von gesundem Gewebe abgrenzen kann.

Die Beobachtungsgenauigkeit ist sensationell: die enorm hohe Auflösung ermöglicht die Analyse von Details mit weniger als einem Millimeter Größe. Nicht zuletzt Weichteile sind auf den Bildern in höchsten Kontrasten wiedergegeben und somit in bislang ungekannter Präzision zu erkennen. Deshalb können krankhafte Veränderungen zuverlässig erkannt werden. Da sich das verfahren der Eigenschaften von Wasserstoffatomen bedient, können Strukturen, die einen geringen Wassergehalt haben, wie z.B. Knochen, oder luftreiche Regionen wie die Lunge mit der MRT nicht gut dargestellt werden.

Der Vorteil der Methode beruht zum einen auf ihrer hohen räumlichen Auflösung und der Vielschichtigkeit der strukturellen sowie funktionellen Informationen über das untersuchte Organ, zum anderen auf der vollständigen Nicht-Invasivität für den Patienten. Die Untersuchungsdauer hängt stark von der zu untersuchenden Region ab, beträgt im Durchschnitt aber 10-30 Minuten. Um die Aussagekraft der Bilder zu erhöhen kann es für bestimmte Fragestellungen notwendig sein, ein so genanntes paramagnetisches Kontrastmittel zu verabreichen. Der Patient bekommt dieses Kontrastmittel (im Allgemeinen gut verträglich) kurz vor der Untersuchung in eine Vene gespritzt. Die MRT wird unter anderem vor allem zur Abklärung von Störungen und Erkrankungen folgender Bereiche eingesetzt:

Blutgefäße wie die Hirnarterien zur Früherkennung von Durchblutungsstörungen des Gehirns, aber auch

  • Hals-, Nieren-, Becken- und Beinarterien (Gefäßdiagnostik)
  • des Körperstammes, besonders des Bauchraumes und der Beckenorgane bei Mann und Frau
  • Kopf, Rückenmark, Wirbelsäuleweiblichen
  • Brust zur Abgrenzung unklarer Befunde

Bei der Kernspin-Tomographie handelt sich um eine sehr sichere Untersuchungsmethode. Allerdings darf sie auf Grund des Magnetfeldes (im Kernspintomographen wirkt auf den Patienten ein Magnetfeld ein, das einige zehntausend Male stärker ist als das der Erde) bei Patienten Metallteilen im Körper, wie z.B. Spirale, Akupunktur-Nadeln, Metallprothesen, Gefäßclips, Granatsplitter, nicht angewendet werden. Ausserdem beeinflussen die Magnetfelder auch die Funktion eines Herzschrittmachers. Größter Nachteil der Methode sind die immer noch recht beachtlichen Kosten (zwischen 150 und 700 Euro – je nach Organ und Aufwand der Untersuchung).

Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) ist eine relativ junge Weiterentwicklung der klassischen Magnetresonanztomographie, sie erweitert die MRT um einen funktionellen Anteil. Durch fMRT-Aufnahmen ist es möglich, Stoffwechselvorgänge, die aufgrund von Aktivität entstehen, sichtbar zu machen. Rückschlüsse auf den Ort einer Aktivität können dann in Form von Wahrscheinlichkeiten berechnet werden. Vor allem die Neurologie und Neuropsychologie profitieren von den Möglichkeiten der fMRT.

Nicht zu verwechseln ist die Magnetresonanz-Tomographie übrigens mit der Computertomographie (CT): diese bezeicnet die rechnergestützte Auswertung einer Vielzahl aus verschiedenen Richtungen aufgenommener Röntgenaufnahmen eines Objektes (Voxeldaten), um so ein dreidimensionales Bild zu erzeugen.

Linktipps

– Magnetresonanztomografie bei Wikipedia
– Bodyscanner (Nacktscanner)
– Medizinlexikon Gastroskopie
– Medizinlexikon Rektoskopie
– Medizinlexikon Sonographie
– Medizinlexikon Koloskopie
– Medizinlexikon Endoskopie
– Medizinlexikon Computertomographie

Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!

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