Skitourengehen – Ausrüstung, Technik, Training

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Skitourengehen

Vor ein bis zwei Jahrzehnten noch eher ein außergewöhnlicher Anblick sind Skitourengeher mittlerweile keine Seltenheit mehr. Immer mehr Menschen wollen im Schweiße ihre Angesichts die wilde Winterlandschaft bezwingen und abseits der Hüttengaudi die stille Einsamkeit der Natur genießen. Je spannender und abgelegener die Schitour, desto wichtiger ist es allerdings, auf richtige Ausrüstung, Technik und Vorbereitung beim Skitourengehen zu achten.

Skitourengehen – Ausrüstung, Technik, Training Artikelübersicht:

  • Vorbereitung
  • Das richtige Equipment zum Skitourengehen
  • Technik beim Skitourengehen
  • Gefahren vorbeugen
  • Hilfe holen
  • Ein faires Miteinander
  • Vorbereitung

    Nicht zuletzt aufgrund etlicher vermeidbarerer Unfälle in den letzten Jahren betonen Experten die Notwendigkeit einer guten Vorbereitung. ‚Speziell, wenn man zum ersten Mal eine Skitour plant ist es ganz wichtig, die Checkliste Punkt für Punkt abzuarbeiten, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein‘, so Michael Lacher vom Österreichischen Alpenverein.

    Zunächst einmal ist Ehrlichkeit bezüglich der eigenen Kondition gefragt. Skitouren zu gehen ist ohne Zweifel ein zauberhaftes Erlebnis, aber Touren gehen ist auch anstrengend – und nicht ungefährlich.

    Wenn Sie sich das erst Mal zu einem solchen Abenteuer aufmachen, und sich auch abseits der Lifttrasse ins freie Gelände wagen, dann sollten Sie jedenfalls einen Experten in der Gruppe haben – und auf diesen hören.

    Ansonsten sollte die Gruppe vom skifahrerischen Können her und auch die Kondition betreffend möglichst homogen sein. Falls nicht, muss die Tour selbstverständlich auf das ‚schwächste‘ Gruppenmitglied abgestimmt sein.

    Ganz wichtig: Hören Sie sich den Wetterbericht an. Immer wieder kommt es zu Unglücksfällen, weil Skitourengeher – im Übrigen nicht anders als verantwortungslose Bergsteiger – den Wetterbericht ignorieren. Die Vorsagen sind mittlerweile so präzise, dass man ihnen Vertrauen schenken kann und soll. Und im Zweifelsfall ist es besser auf eine Tour zu verzichten, als sich und andere in Lebensgefahr zu begeben.

    Das richtige Equipment zum Skitourengehen

    Wie bei allen Sportarten, die man zum ersten Mal ausprobiert, ist es auch beim Skitourengehen ratsam, sich die passende Ausrüstung zunächst einmal zu leihen, und sie zu testen. Gerade bei den Schuhen und Skiern gibt es viele Modelle, die unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden.

    Bei den Skiern gibt es zum Beispiel die wichtige Frage ob man sich für einen breiteren abfahrts- oder einen leichteren aufstiegsorientierter Tourenski entscheidet. Auch bei der Bindung gibt es verschiedene Modelle und die Technik entwickelt sich weiter – lassen Sie sich beraten und die Bindung auf Ihr Gewicht und die Schuhe einstellen.

    Apropos Schuhe: Schuhe sind ebenfalls eine reine Geschmacksfrage. Die einen mögen lieber festere Schuhe, fast wie herkömmliche Skischuhe, weil man dann bei der Abfahrt besseren Halt hat. Andere bevorzugen wiederum ganz leichte Skitourenschuhe, die beim Aufstieg weich und bequem sind, dafür aber bei der Talfahrt weniger Halt bieten.

    Zurück zu den Skiern: Beim Tourengehen werden an die Unterseite der Skier ‚Felle montiert. Bei den ‚Skifellen‘ handelte es sich ursprünglich tatsächlich um Felle, genauer gesagt um Seehundfelle, die gegen die Aufstiegsrichtung montiert Halt gegen das Rückwärtsrutschen boten.

    Heutzutage gibt es ‚Felle’ zum Ankleben an die Skiunterseite. Man unterscheidet zwischen Naturhaar, Synthetik und Mischqualität. Die Klebefelle müssen auf die aktuelle Schneebeschaffenheit abgestimmt sein.

    Entsprechende Bekleidung (atmungsaktiv und schweißabsorbierend), Skihelm, und richtiger Augen- bzw- Sonnenschutz sind für alle Skifahrer selbstverständlich, also auch beim Skitourengehen.

    Tourengeher sollten zudem in jedem Fall einen Skirucksack mit einem Volumen zwischen 25 und 30 Litern mithaben. Inhalt: Wechselkleidung (denn beim Aufstieg kommen Sie gehörig ins Schwitzen), Proviant (vor allem Getränke – am besten isotonische) und Notfallequipment.

    Good do know: Wer eher zu den durstigen Seelen zählt, aber nicht alle paar Meter stehen bleiben will, um im Rucksak nach Trinkbarem zu kramen, dem empfehlen wir sogenannte ‚Camelbaks’. Dabei handelt es sich – nomen est omen – um im Rucksack verstaubare Trinkbehälter mit integriertem Trinkschlauch.

    Technik beim Skitourengehen

    Tourengehen ist an sich ganz einfach: Man schlurft quasi den Berg hinauf. Doch was so easy klingt, ist halt doch nicht so einfach – und zudem recht anstrengend. Skitourengehen ist wie normales Gehen, nur hebt man die Beine – und mit Ihnen die daran befestigten Skier – ein wenig höher an als beim Spazierengehen. Das Gewicht ist dabei auf dem Standbein und das Bewegungsbein wird locker nach vorne geschoben.

    Wer die Beine zu hoch hebt merkt schnell, dass das sehr viel Kraft kostet und zudem richtig lustig aussieht. Man wirkt wie ein Storch im Schnee und das ist doch ein recht kurioser Anblick. Richtiger ist es, den Ski eher nach vorne zu schieben denn zu heben und hüftbreit zu gehen. Bei zu enger Beinhaltung merkt man, dass Knie, Skischuhe und Skier aneinander reiben, was auf Dauer sehr unangenehm ist. Zudem verliert man bei zu engem Schritt rasch das Gleichgewicht.

    Allzuenge Aufstiegsspuren sind für Anfänger allerdings oft verführerisch, doch wer einmal gestolpert ist oder das Gleichgewicht verloren hat, wird bald merken, dass eigenes Schneisen ziehen auf lange Sicht ungefährlicher und letztlich auch weniger anstrengend ist, als in den die vorgezogenen Spuren zu bleiben.

    Gefahren vorbeugen

    Wer im Gebirge im freien Gelände unterwegs ist, muss sich auch des dort herrschenden Risikos bewusst sein. Schnee ist nicht nur schön anzusehen; Schnee, der sich selbständig in Bewegung setzt – als Schneebrett oder als Lawine – ist auch eine tödliche Gefahr.

    Bevor Sie die erste Tour im freien Gelände starten ist also auch eine theoretische Vorbereitung notwendig. Rasche Antworten auf die Fragen, was im Fall des Falles zu tun ist, kann Menschenleben retten. Regelmäßige Sicherheits- und Lawinenkurse helfen, in Übung und auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben.

    Ein kurzes Gespräch am Beginn einer Tour um sich zu vergewissern, dass auch alle, die an der Tour teilnehmen, zumindest ein Basiswissen darüber haben, was in einer Krisensituation zu tun ist, ist absolut empfehlenswert.

    Die klassische Notfallausrüstung eines Tourengehers muss Sonde, Schaufel und Mobiltelefon enthalten. Und ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS)! Mindestens genauso wichtig wie das Mitführen eines solchen LVS, das im übrigen nur von jedem vierten Tourengeher mitgeführt wird, ist allerdings das Wissen darum, wie ein solches Gerät zu bedienen ist. Auch hier ist ein kurzes Update am Beginn für jeden Skitourengeher zu empfehlen.

    Ein Mobiltelefon mitzuführen ist für die meisten Tourengeher selbstverständlich und das ist auch gut so. Problematisch ist allerdings das blinde Vertrauen darauf, dass das Telefon immer funktioniert. Gerade Skitourengeher begeben sich oft in Gelände wo es keinen Netzanschluss gibt. Damit ist im Notfall nicht nur das Holen von Hilfe unmöglich, sondern auch das Orten der Tourengeher für die Retter mittels GPS. Was also tun, wenn es kein Netz gibt?

    Hilfe holen

    Sollten Sie bei einer Bergtour in eine gefährliche Situation kommen, oder sich einer Ihrer Mittourengeher verletzen, muss Hilfe geholt werden. Im besten Fall haben Sie Netzanschluss – dann wählen Sie die 140 (vorher einspeichern!!) und Sie landen in Österreich bei der Bergrettung.

    In Vorarlberg wird empfohlen die 144 zu wählen, und im restlichen Europa ist 112 jene Notrufnummer, die grundsätzlich für jede Art von Notfällen Gültigkeit hat. Sollten Sie keinen Netzanschluss haben, dann müssen Sie das alpine Notsignal absetzen.

    Da leider nur jeder Vierte, der in den Bergen unterwegs ist, dieses unter Umständen überlebenswichtige Signal kennt, ein Tipp und eine Bitte von allen Bergrettern: Informieren Sie Ihre Begleiter über diesen internationalen ‚Code‘.

    Alpines Notsignal: Sechs mal pro Minute, also rund alle 10 Sekunden laut rufen, mittels Signalpfeife pfeifen, Lichtzeichen geben oder mit auffälligen Gegenständen (z.B. bunten Textilien) winken, dann eine Minute warten, dann erneut eine Minute lang alle 10 Sekunden Zeichen geben.

    Wer ein alpines Notsignal, auch bekannt als SOS am Berg, empfängt, muss umgehend die Bergrettung benachrichtigen. Zudem sollte der Notruf bestätigt werden, um zu signalisieren, dass er empfangen worden ist. Die Antwort erfolgt ebenfalls durch einminütige Pfeif- Wink-, Laut- oder Lichtzeichen, allerdings nur drei Mal pro Minute, also alle 20 Sekunden einmal. Auch diese Antwort soll nach einer Minute Wartezeit wiederholt werden.

    Die Notsignale werden solange fortgesetzt, bis professionelle Hilfe eingetroffen ist. Dies deshalb, um die Bergrettung zum richtigen Ort zu lotsen und den um Hilfe Suchenden zu bestätigen, dass Rettung unterwegs ist.

    Ein faires Miteinander

    Das Tourengeher mit ihren Mittourengehern und auch Tourengehern anderer Gruppen fair und freundlich umgehen ist wohl selbstverständlich. Auch dass man seinen Mist, also Essensreste, leere Flaschen oder ähnliches wieder mit ins Tal nimmt und ordnungsgemäß entsorgt, ist wohl unbestritten. Die Notwendigkeit eines rücksichtsvollen Umgangs mit der Pflanzen- und Tierwelt – also keine inadäquaten lauten Geräusche oder gar Musikbeschallung, kein Pflücken von unter Naturschutz stehender Pflanzen etc., muss wohl auch nicht extra betont werden.

    Schneearme Winter haben jedoch in den letzten Jahren immer wieder zu unnötigen Konflikt- und Gefahrensituation mit Gegenverkehr auf ‚traditionellen’ Skipisten geführt.

    Sehr wohl eine Erwähnung wert ist also offenbar die Tatsache, dass auch ‚normale‘ Schi- und Snowboardfahrer, also solche, die Lifte benutzen und auf regulären Pisten unterwegs sind, zu respektieren sind.

    Fakt ist: wer eine Liftkarte bezahlt, hat auch ein Recht aufs Skifahren auf der Piste. Tourengeher sollten sich daher beim Aufstieg nur am Rand der Piste bewegen und auch im Interesse der eigenen Sicherheit nur in übersichtlichen Bereichen stehen bleiben.

    So kann jeder seiner Leidenschaft frönen und einem gedeihlichen Miteinander steht nichts im Wege. Also – ab auf die Piste! Vielleicht finden ja auch Sie Freude an dem beschwerlichen Aufstieg, der jedoch mit einem unglaublichen Naturerlebnis belohnt wird.

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    Quelle:

    ¹ Skitourengehen

    [ab]

    Linktipps

    – Unfalloret Skipiste – Bessere Vorbereitung verringert Unfallrisiko
    – Sportunterwäsche und Funktionsbekleidung
    – Fit für die Piste
    – Schneeblind – vorbeugen und Erste Hilfe

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