Schön scharf – Kapuzinerkresse & Co

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Kapuzinerkresse

Die Kapuzinerkresse stammt ursprünglich aus Südamerika und gelangte im 16. Jahrhundert nach Europa. Die auch als Indianerkresse bekannte Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler enthält nicht nur viel Vitamin C, sondern hat auch einen extremen hohen Glucosinolatgehalt. Dieser wiederum ist nicht nur durchblutungsfördernd sondern beugt auch allerlei Infekten vor. Die Kapuzinerkresse wird daher wegen ihrer antibiotikaähnlichen Eigenschaften in der Naturheilkunde sehr geschätzt. Und gut aussehen und hervorragend schmecken tut der Tausendsassa auch noch!

Schön scharf – Kapuzinerkresse & Co – Artikelübersicht:

Kapuzinerkresse – Arzneipflanze 2013

In aller Kürze: Die in der Kapuzinerkresse (Tropaeolum Majus) Glucosinolate werden im Körper enzymatisch in Senföle (Isothiocyanate = ITC) umgewandelt. Diese wiederum verhindern die Vermehrung von gesundheitsschädlichen Bakterien, Viren und Pilzen. Zudem wurde ein durchblutungsfördernder (hyperämisierender)Effekt nachgewissen.

Diese Erkenntnis ist bei weitem nicht neu – schon in der frühen Neuzeit wurde die vielfältige Heilwirkung der meist leuchtendorangefarbenen Pflanze sehr geschätzt. Seit die gesundheitsfördernde Wirkung der Kapuzinerkresse in Studien in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts erneut umfassend bestätigt wurde, ist die Pflanze bei Therapie und Prophylaxe von vielerlei Infekten und Entzündungen innerlich und äußerlich im Einsatz.

Die Wirksamkeit wurde in den letzten Jahren erneut bestätigt und das antimikrobielle Wirkspektrum der Senföle ist wissenschaftlich nunmehr gut untermauert. Ein natürliches Präparat auf Basis von Kapuzinerkressenkraut mit Meerrettichwurzel erweist sich z.B. bei Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Bronchitis und akuter Blasenentzündung in der Wirkung als gleichwertig gegenüber einer Standard-Therapie mit Antibiotika.

Doch das ist noch nicht alles! Ebenfalls wissenschaftlich nachgewiesen wurden positive Effekte bei der Wundheilung der Haut. Weiters wirkt das Würzkraut

  • abführend
  • durchblutungsfördernd (z.B. bei Prellungen)
  • harntreibend
  • menstruationsfördernd
  • schleimlösend

Da die Kapuzinerkresse besonders reich an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen unterstützt sie den Körper tatkräftig bei der Ausscheidung von Giftstoffen und ist damit ein bewährtes Mittel zur Blutreinigung. Das Heilkraut ist zudem appetitanregend und fördert die Verdauung.

Echte Fans sagen der Pflanze eine sanfte Stimulation fast aller Organe nach. Das ist zwar wissenschaftlich schwer nachweisbar, aber dass der Genuss der Kapuzinerkresse allgemeines Wohlbefinden hervorruft konnten schon viele Genießer bestätigen.

Anwendung

Äußerlich kommen die Wirkstoffe der Kapuzinerkresse als Packung zum Einsatz. Dazu bereiten Sie zunächst einen Aufguss (eine Tasse kochendes Wasser auf ein bis zwei Teelöffel frisch zerzupfter Blätter). Nach dem Erkalten tränken Sie ein Tuch damit, wringen es aus und legen es auf die beeinträchtigten Stellen.

Achtung: Bei äußerlicher Anwendung kann längerer direkter Kontakt mit der frischen Pflanze zu Hautirritationen führen.

Für die innerliche Anwendung machen Sie einen Aufguss (nach zehn bis 15 Minuten abseihen). Dreimal täglich eine Tasse trinken hilft bei Bronchitis, Grippe, Erkältungen, Blasen- und Genitalinfektionen. Der Aufguss eignet sich auch als Spülung bei müder Haut und dünnem, kraftlosem Haar. Es ist aber auch möglich, aus Pflanzenteilen einen Saft zu pressen – dieser schmeckt allerdings recht intensiv und scharf.

Wissenschaftliche Studien haben bestätigt, was manche aus Erfahrung bereits zu wissen glaubten: die Knollen der Knollen-Kapuzinerkresse senken das männliche Sexualhormon Testosteron deutlich und wirken daher antiaphrodisierend.

Aber keine Angst – die in unseren Gefilden heimische Kapuzinerkresse hat keine solche Wirkung (und zudem auch keine Knollen, die wir ernten könnten)

Am besten roh genießen

Wie viele pflanzliche Inhaltsstoffe sind Glucosinolate hitzeempfindlich. Das ist bei der Kapuzinerkresse aber kein Nachteil, da sie ohnedies roh genossen wird. Ihre hübschen Blüten schmecken hervorragend zu Salaten und Frischkäse, bzw. Aufstrichen jeder Art.

Aber auch spezielle (Kräuter-) Butter aus der Kresse ist nicht nur eine Augenweise sondern schmeckt auch hervorragend würzig und gibt vegetarischen aber auch Fleischgerichten eine besondere Note.

Kapuzinerkresse – hübsche Zierpflanze

Die Blüten gibt es in vielen wunderschönen Farbschattierungen. Von Cremeweiß hin zu knalligem Gelb, von Zartrosa bis Orange, oder in allen vorstellbaren Rottönen – die Pflanzen sind einfärbig oder auch gemustert eine Augenweide.

Das Gärtnerherz freut sich aber nicht nur über die bunten Blüten mit dem charakteristischen Nektarsporn. Kapuzinerkressen sind zudem ganz einfach zu kultivieren und auch Hobbygärtner werden ihre Freude an der hübschen Pflanze haben.

Kulinarische Einsatzmöglichkeiten

Neben den Blüten können aber Blätter, Knospen, Früchte und sogar die Samen kulinarisch verarbeitet werden. So können Sie z.B. aus den Blütenknospen und den unreifen Samen einen Kapernersatz zaubern.

Kapernersatz: Knospen bzw. Samen waschen, zusammen mit Salz, Essig und Wasser kurz aufkochen und noch heiß in Schraubdeckelgefäße füllen und gut verschließen.

Die geöffneten Blüten eignen sich zum Einlegen in Essig oder Öl und passen hervorragend zu anderen ‚mixed pickles’.

In ihrer Herkunftsgegend Südamerika, v.a. in den kargen Hochanden dient die Kapuzinerkresse zum Teil sogar als Hauptnahrungsmittel und Kartoffelersatz. In Ermangelung vieler Alternativen nehmen die Andenbewohner auch den eher unangenehmen Geruch, die antiaphrodisierende Wirkung und den scharfen Geschmack in Kauf. Kurzer Frost vor der Ernte sowie Einfrieren nach dem Kochen können allzu extremen Geschmack aber abmildern.

Fazit: Kapuzinerkresse ist hübsch anzusehen, einfach zu kultivieren (z.B. am eigenen Balkon), gesund und schmeckt auch noch hervorragend. Last but not least ist die Pflanze ein ausgesprochen gut verträgliches Naturheilmittel.

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Quelle: ¹ Deutsche Apotherzeitung – Arzneipflanze 2013

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Ernährung: Keime und Sprossen
– Antibiotikaresistenz: Wenn Antibiotika nicht mehr wirken
– Alternativmedizin:Kraft der Kräuter
– Keime und Sprossen: Senfsprossen

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