Nahrungsmittelallergie: Ursachen, Symptome, Prävention

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Nahrungsmittelallergie

Unter Nahrungsmittelallergie oder Lebensmittelallergie versteht man eine spezifische Überempfindlichkeit (Allergie) gegen körperfremde Stoffe, die in der Nahrung enthalten sind und mit ihr aufgenommen werden. Grundsätzlich kann jedes Lebensmittel eine Allergie auslösen. Die Zahl der „echten“ Lebensmittelallergiker dürfte allerdings „nur“ bei drei bis fünf Prozent liegen. Weitaus mehr Menschen reagieren auf bestimmte Lebensmittel mit so genannten Intoleranz- oder Unverträglichkeitsreaktionen, kennen aber die jeweiligen Auslöser und allfällige Behandlungsmöglichkeiten kaum.

Typischerweise treten die Symptome der Nahrungsmittelallergie bereits kurz nach dem Verzehr des allergenen Lebensmittels auf und klingen bei Vermeidung des Lebensmittels ebenfalls schnell wieder ab. In der Regel geschieht dies innerhalb der ersten 30-60 min, seltener kommt es nach einigen Stunden zu einer allergischen Reaktion.

Symptome

Nahrungsmittelallergien äußern sich häufig durch Irritationen der Haut, durch Beschwerden im Magen-Darm-Bereich (Übelkeit, Erbrechen usw.) und durch Reaktionen der Atemwege (allergischer Schnupfen, Asthma brochiale usw.). Echte Lebensmittelallergien sind durch IgE-Antikörper vermittelt. Alle anderen durch Nahrungsmittel verursachten Beschwerden (siehe Lebensmittelunverträglichkeit) sind toxisch bedingt, Reaktionen auf biologisch wirksame Stoffe ( Histamin-Intoleranz), psychische Abneigungen gegen bestimmte Speisen oder es handelt sich um einen Mangel an für die Verdauung nötigen Enzymen (Laktose-Intoleranz/Milchzuckerunverträglichkeit).

Ursachen

Die Nahrungsmittelallergie ist eine Reaktion des Immunsystems auf körperfremde aber eigentlich unschädliche Stoffe (Allergene), die ein gesunder Körper gar nicht wahrnimmt. Beim ersten Kontakt von Immunsystem und Allergen kommt es nur selten zur Bildung von typischen IgE-Antikörpern (Wie eine Allergie entsteht). Erst bei einem erneuten Kontakt mit dem Allergen werden dann die Antikörper gebildet und es kommt in der Folge zu einer Freisetzung von Histamin und anderen Stoffen in die Blutbahn. Histamin wirkt entzündungsauslösend und bewirkt die typischen allergischen Beschwerden.

Der wiederholte Verzehr bestimmter Lebensmittel oder deren Inhaltsstoffe, aber auch Pollen über eine Kreuzallergie, führen zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion als grundlegendem immunologischem Mechanismus der Allergie. Die genaue Ursache dafür ist unbekannt, erbliche Faktoren dürften allerdings eine wesentliche Rolle spielen. Fast alle Patienten zeigten vorher andere allergische Beschwerden wie Heuschnupfen, Asthma, allergisch bedingte Hautentzündungen. Es wurden Theorien erstellt, so zum Beispiel die Hygienetheorie die besagt, dass eine Unterforderung des Immunsystems besonders in jungen Kinderjahren, aufgrund von übertriebener Hygiene die Entstehung einer Allergie fördert, da sich in dieser Zeit das Immunsystem ausprägt.

Wissenschafter diskutieren auch die Möglichkeit, dass Zöliakie (Unverträglichkeit gegenüber dem Getreideinhaltsstoff Gluten), Fruchtzucker- und Milchzuckerunverträglichkeit, abnorme Reaktionen des Immunsytems im Rahmen oder nach einer Infektion sein könnten. Am häufigsten ist eine allergische Reaktion vom Soforttyp, bei der die allergischen Symptome spätestens einige Minuten nach Kontakt mit dem Allergen auftreten.

Nahrungsmittelallergie?

Ein Schlagwort, welches immer häufiger fragend verwendet wird. Tatsächlich wurde in Deutschland (in Österreich und der Schweiz wird es wohl kaum anders sein) bei fast 6 % der Erwachsenen schon einmal Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit attestiert.

Nur 1 bis 2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden tatsächlich laufend an Nahrungsmittelallergien. Was dies puncto „Einkaufen“, „Kochen“ oder „Restaurantbesuch“ bedeutet, wissen wohl nur Betroffene – und für genau diese (zur Selbstdiagnose ist dieses Buch keinesfalls geeignet – diesbezüglich sollten Sie einen Allergologen konsultieren) folgend unser Buchtipp:

„Nahrungsmittelallergie“ – Ein Leitfaden für Betroffene

Auf 228 Seiten versucht die Ernährungswissenschafterin Mag. Karin Buchart den Lückenschluss zwischen Allergietest und Kochbuch. Dabei wird deutlich gemacht, dass allergenarme und/oder allergenfrei Küche nicht auf Abwechslung und Vielfalt verzichten muss.

Inhalt in Kapiteln:

– Symptome der Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen
– Diagnostisches Vorgehen
– Allergieprävention
– Nahrungsmittelallergien (Milchallergien, Hühnereiallergene, Fischallergie, Sojaallergie, Getreideallergie, Nüsse, Erdnüsse und Samen, Pollenassoziierte und Lattexassoziierte Nahrungsmittelallergien, Nickelallergie)
– Nahrungsmittelintoleranzen (Lactoseintoleranz, Histaminintoleranz, Fructosemalabsorption, Pseudoallergische Reaktionen auf Lebensmittel, Zusatzstoffe, Kennzeichnung von Lebensmittel)
– Neurodermitis und Nahrungsmittelunverträglichkeit
– Trigger
– Symbioselenkung
– Die allergenarme Grunddiät
– Allergenarm Kochen
– Allergiker unterwegs
– Rezepte für Allergiker
– Informationsmöglichkeiten
– Bezugsquellenverzeichnis

Ein für allergologisch ausgetestete Betroffene oder ErnährungsberaterInnen sicher sehr brauchbares Buch, welches über eine große Anzahl an Tabellen verfügt – besonders informativ praktisch sind jedenfalls die Rezepte (mit Auflistung der Allergenfaktoren), welche sich über fast 100 Seiten erstrecken.

Nahrungsmittelallergien kann man nämlich am besten vermeiden, indem man die auslösenden Lebensmittel vom Speiseplan streicht. Dadurch und durch eine entsprechende Vorbeugung können die typischen allergischen Symptome, wie Hautreaktionen, Übelkeit und asthmatische Beschwerden, verhindern. Die Heilungschancen einer Nahrungsmittelallergie sind eher gering, jedoch lässt sich die Lebensqualität des Betroffenen mit einer passenden Behandlung deutlich steigern.

Vorbeugung und Perspektiven

Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse, ob und gegebenenfalls wie das Entstehen einer Nahrungsmittelallergie dauerhaft zu verhüten ist. Innerhalb der ersten Lebensmonate voll gestillte Säuglinge haben allerdings ein geringeres Risiko, Allergien zu entwickeln, als mit Flaschennahrung ernährte Babys. Kinder, deren Eltern oder Geschwister an einer Allergie leiden, sind besonders gefährdet, eine Allergie zu entwickeln. Es wird deshalb empfohlen, besonders diese Kinder während der ersten sechs Monate ausschließlich zu stillen. Danach sollte bei Allergie gefährdeten Kindern möglichst innerhalb der ersten ein bis zwei Lebensjahre auf Lebensmittel verzichtet werden, die in diesem Alter besonders häufig Nahrungsmittelallergien auslösen.

Gentechnisch veränderte Nahrungsmittel können ein verändertes Proteinmuster aufweisen, so dass vielfach eine erhöhte Allergenität befürchtet wird. Diese könnte sich z.B. durch die vermehrte Biosynthese bekannter Allergene durch gentechnisch modifizierte Nahrungspflanzen ergeben.

Es gibt noch viele offene Fragen hinsichtlich der Aufklärung der Ursachen wie auch der diagnostischen und therapeutischen Strategien bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die Problematik der Nahrungsmittelallergie ist nach wie vor eine besondere Herausforderung für die Allergologie. Dies betrifft sowohl die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Strategien als auch die Verbesserung der Qualität von Allergenextrakten. Insbesondere besteht großer Forschungsbedarf für eine verbesserte Diagnostik von verzögert einsetzenden Reaktionen auf Nahrungsmittel (z.B. langsame Hautverschlechterung bei Neurodermitis) sowie die Identifizierung von Auslösern für Pseudoallergien. Wichtig wären auch neue Nachweismethoden für thermostabile Allergene in verarbeiteten Lebensmitteln.

Das Buch:
Broschiert, 228 Seiten
3. Auflage (2005)
Studien Verlag
ISBN: 3-7065-1905-4
www.studienverlag.at
Preis: 19,90 Euro

Die Autorin:
Mag. Karin Buchart
Ernährungswissenschafterin
www.essimpuls.at

Linktipps

– Allergie-Corner: Infos von A bis Z
– Nahrungsmittelallergien bei Kindern
– Nahrungsmittelallergien in der Adventzeit
– Backen ohne Ei und Milch (Nahrungsmittel-Allergien)
– Was tun bei Histaminintoleranz?
– Stutenmilch ist gesund & macht schön
– E-Nummern & Lebensmittelzusatzstoffe
– Ernährung nach TCM

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