Übertriebene Hygiene als Allergieauslöser

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Übertriebene Hygiene als Allergieauslöser

Die sogenannte Hygiene-Hypothese vermutet übertrieben hohe Hygienestandards als eine Ursache dafür, dass immer mehr Menschen unter Allergien leiden.

Hygiene als Allergieauslöser – Artikelübersicht:

Allergien im Allgemeinen und Lebensmittel-Allergien im Besonderen nehmen in den westlichen Industrieländern dramatisch zu. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist nach den Ergebnissen jüngster Studien ein Übermaß an Hygiene schon im Kindesalter. Demnach könne sich das Immunsystem nur dann normal entwickeln, wenn es einer gewissen Belastung durch Krankheitserreger ausgesetzt sei. Leben wir tatsächlich zu sauber ?

Hygiene-Hypothese: den Ursachen der Allergien auf der Spur

Über die Ursachen der Allergien gibt es verschiedene Theorien. Die derzeit gängigste Erklärung bietet die so genannte Hygiene- Hypothese. Was bisher schon vermutet wurde, haben Forscher jetzt beweisen können: Die immens hohen Hygiene-Standards sind also eine Ursache für Allergien. Die Hygiene-Hypothese besagt, dass unser Immunsystem wegen übergroßer Hygiene unterfordert ist. Gewissermaßen aus Langeweile stürze es sich deshalb auf harmlose Stoffe als Ersatzfeinde.

Statistischen Studien konnte man schon lange entnehmen, dass Kinder in allzu keimfreier Umwelt besonders anfällig für Allergien sind. Für diese Hypothese sprechen die so genannte Kuhstall-Studien. Bei Kindern, die auf dem Bauernhof aufwachsen, sei das Risiko an Heuschnupfen oder Asthma zu erkranken nur etwa halb so groß.

Grund dafür ist ein trainiertes Immunsystem: Der Kontakt mit dem Bakterienbestandteil Endotoxin während der Kindheit bewirkt möglicherweise, dass das Immunsystem Allergene besser toleriert, so dass es seltener zu allergischen Reaktionen kommt. Landkinder sind weit größeren Mengen dieser Substanz ausgesetzt als Stadtkinder. Diese Ergebnisse veröffentlichte die internationale Allergy and Endotoxin Gruppe (ALEX).

Die Universitätskliniken in Marburg, Salzburg, Basel und München konnten in einer gemeinsamen Studie an 3500 Kindern anhand spezieller Botenstoffe wiederum, den so genannten Zytokinen, nachgewiesen, dass das Immunsystem der untersuchten Vier- bis Achtjährigen auf besondere Weise trainiert war. Weil sie ständig mit Keimen konfrontiert werden, wird ihr Immunsystem toleranter, es gewöhnt sich an harmlose Bakterien und schaltet quasi ab. Fazit: Stallstaub stimuliert das Immunsystem der Kinder und schützt sie so vor Allergien.

Hygiene und Allergien – allgemeine Informationen

Heute leiden bereits rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen an Heuschnupfen, 10 Prozent an Neurodermitis und ebenfalls 10 Prozent an Asthma. In den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts lagen diese Raten noch um das Vier- bis Fünffache unter den derzeitigen Werten. Und die Tendenz zu allergischen Erkrankungen wird immer stärker.

Ursprünglich nahm man an, das wäre auf die Umweltverschmutzung zurückzuführen, seit einiger Zeit weisen jedoch immer mehr Untersuchungen in eine andere Richtung: Der Reinigungskult hat offenbar erheblich dazu beigetragen. Hat die hygienischen und medizinischen Standards der modernen Lebensweise einerseits Infektionserkrankungen so weit zurückgedrängt, dass nur noch knapp jeder 100. Todesfall auf das Konto der Erreger geht, so wurden manche Krankheiten jedoch dadurch erst richtig gefördert, wie eben die Allergien.

Gerade im Haushalt ist die Frage nach einem vernünftigem Maß an Hygiene besonders wichtig. Zunehmend werden Putzmittel mit dem Zusatz „antibakteriell“ oder „desinfizierend“ beworben, und es wird uns suggeriert, dass eine möglichst keimfreie Umgebung unsere Gesundheit fördern würde. Normale Putzmittel reichen im Haushalt völlig, aus um ausreichende Sauberkeit zu gewährleisten.

Denn die glatten Fliesen, Waschbecken, Kloschüsseln und -sitze sind eher trockene und damit für Bakterien unwirtliche Lebensräume. Sie können sich dort gar nicht ausreichend vermehren, um wirklich Probleme zu bereiten. Chemische Keulen und aggressive Putzmittel auf Chlorbasis sind daher völlig überflüssig.

Hygienetipps für die Küche

Wo wird aus einem sinnvollen Training des Immunsystems ein Gesundheitsrisiko, wo aus sinnvoller Reinlichkeit übertriebene Hygiene? Hier gilt es mit Augenmaß vorzugehen, denn das was es in der Küche vor allem zu vermeiden gilt, sind die sogenannten Kreuzinfektionen.

Darunter versteht man das Übertragen von Bakterien, Viren oder anderen Keimen von einem Nahrungsmittel oder Untergrund auf ein anderes Nahrungsmittel. So ist zum Beispiel immer noch jedes fünfte Hähnchen oder Hühnerfilet, das in der Küche verarbeitet wird, mit Salmonellen belastet. Da diese beim Braten aber abgetötet werden, merkt man dies normalerweise überhaupt nicht. Wer seine Hände nicht gründlich wäscht, überträgt diese Bakterien leicht auf andere Lebensmittel – dies nennt man dann Kreuzinfektion.

Tipps:

  • Hände waschen
  • Putz- und Spüllappen, Geschirrtücher und Spülbürsten häufig waschen, bzw. wechseln
  • den Kühlschrank regelmäßig putzen
  • ungespültes Geschirr nicht lange herumstehen lassen
  • Abgenutzte Schneidebrettchen aussondern

Ein trainiertes Immunsystem hilft, Allergien vorzubeugen

Das unser Immunsystem überreagiert, scheint unter anderem daran zu liegen, dass es in der Jugend zu wenig trainiert wird. Spielen im Dreck ist, wenn man es nicht übertreibt, eine Art Gesundheitstraining für Kinder. Ein Erwachsener, der mit übertriebener Hygiene aufgewachsen ist, dem hilft das Suhlen im Dreck allerdings natürlich nicht mehr.

Erwachsene können Ihr Immunsystem aber z.B durch probiotische Bakterien (Yoghurt oder Topfen) trainieren. Probiotisch heißen diese Bakterien übrigens deshalb, weil sich solche Bakterien auch bei uns im Darm befinden. Allergieforscher haben herausgefunden, dass das Immunsystem von Kindern, die viel Yoghurt essen, wesentlich unanfälliger gegen Überreaktionen ist.

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Quelle:

¹ Universität Magdeburg

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Allergie-Corner: Informationen von A – Z
– Allergien – Entgleisung des Immunsystems
– Trockene Haut – was tun?
– Hygiene und Asthma
– Häufiges Händewaschen schützt vor Grippe und anderen Infektionen
– umfangreiche Infos zum Thema

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