Wie die Psyche Psoriasis beeinflusst

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Psoriasis und Psyche

Psoriasis, umgangssprachlich auch als Schuppenflechte bekannt, ist eine genetisch bedingte Erkrankung. Zum Ausbruch kommt sie meistens in Stresssituationen, die auch die Symptome der Krankheit, wenn sie einmal ausgebrochen ist, verstärken. Daneben können auch Klima, Luftfeuchtigkeit und externe Faktoren wie z.B. Kleidung, Seifen, Bodylotions oder auch Verletzungen eine Rolle als Verstärker bei Psioriasis spielen.

Wie die Psyche Psoriasis beeinflusst – Artikelübersicht:

Haut – Spiegel der Seele

Die Haut ist mit einer Fläche von eineinhalb bis zwei Quadratmetern nicht nur unser größtes sondern auch unser schwerstes Sinnesorgan. Unsere Haut macht rund ein Sechstel des Körpergewichtes aus und ist unser wichtigster Schutz gegenüber äußeren Einflüssen.

Auf der Haut spüren wir positive und negative Reize unmittelbar. Die Berührung eines anderen Menschen genauso wie Temperaturen, Druck oder Verletzungen – die Haut kriegt alles mit und ist externen Reizen direkt ausgesetzt. Auf ihr zeichnen sich aber nicht nur Wunden und Narben ab, unsere Haut reagiert auch unmittelbar auf seelische Einflüsse.

Egal ob wir vor Scham erröten, aus Wut rot anlaufen, vor Angst erbleichen – unser größtes Organ spiegelt unsere seelischen Zustände sofort wider. Doch warum eigentlich?

Medizinische Ursachen

In Stresssituationen setzt unser Körper Cortisol und/oder Adrenalin frei. Das bewirkt Gefäßerweiterungen, und das wiederum eine stärkere Durchblutung unserer Haut – wir erröten.

Stress fördert zudem eine Vermehrung der Keratinozyten. Das sind jene Hautzellen, die für dir Produktion der Hornschicht verantwortlich sind und bestimmte Hautstellen – wie z.B. die stark beanspruchten Fersen oder auch Ellenbogen – schützen sollen.

Exkurs: Schuppenflechte genetisch bedingt

Psoriasis ist eine genetische Erkrankung. Genmutationen sind die Voraussetzung um an Schuppenflechte zu erkranken, aber nicht jeder Mensch mit dieser genetischen Anomalie erkrankt dann auch tatsächlich an der Hautkrankheit.

Fakt ist: Schuppenflechte wird so gut wie immer durch exogene Faktoren ausgelöst. Die unschönen roten, schuppenden Flecken treten meist zuerst an Händen, Ellbogen und Knien auf, da diese Körperteile unmittelbar Einflüssen wie Reibung, Druck, Berührungen, Schmutz oder auch UV-Strahlung ausgesetzt sind, so die Dermatologen einhellig.

So wird die Haut quasi von außen ‚gestresst‘, wodurch es zur Bildung der ersten Läsionen kommt. Aber auch emotionale oder auch übermässige körperliche Belastung sind typische Trigger für Krankheitsschübe.

Psoriasis und Stress

Die Tatsache, dass es unter Stress zu einer Vermehrung der Keratinozyten kommt, ist für Psoriasis-Patienten ein doppeltes Problem. Erstens, weil gesunde Menschen nur dort Hornschichten produzieren, wo diese auch Sinn machen, Menschen mit Schuppenflechte aber unter dem zwar gutartigen aber extrem schnellen Wachstum der ‚dicken Oberhaut‘ leiden.

Good to know: Bei Psoriasis Patienten brauchen die neu gebildeten Zellen in den tiefer liegenden Hautschichten nicht rund 28 Tage, wie bei gesunden Menschen, sondern zum Teil nicht mal eine Woche um an die Hautoberfläche zu wandern. Damit entwickeln Menschen mit Schuppenflechte vier-mal schneller eine Art Hornhaut – und das nicht nur an jenen Stellen, wo man sie erwarten würde.

Zweitens: Stress beschleunigt diesen Prozess weiter und jede emotionale Belastung verstärkt ihn noch. Ein Teufelskreislauf, wenn man bedenkt, dass Menschen mit Schuppenflechte so gut wie immer unter ihrem schlechten Hautbild leiden und sich dafür schämen und zurückziehen, was wiederum Stress auslöst.

Psoriasis – Krankheit der Moderne?

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu ersten Beobachtungen der Schuppenflechte. Der deutsche Dermatologe Heinrich Köbner, bemerkte, dass einige seiner Patienten nach Abschürfungen, Tierbissen oder anderen Verletzungen an schuppiger Haut litten. Er war es auch, der erkannte, dass saisonale Schwankungen auftraten und es besonders im Herbst und Winter zu relativ vielen Neuerkrankungen bzw. starken Krankheitsschüben kam.

Naheliegenderweise schloss er daraus, dass der Organismus mit starken Temperaturunterschieden einerseits und weniger Tageslicht andererseits zu recht kommen musste, was die Haut offenbar zusätzlich stresste. Zudem erkannte er, dass Stress, bedingt durch für den Winter typische Krankheiten, wie Erkältungen oder auch Hunger die Wahrscheinlichkeit für Psoriasis erhöhten.

Heutzutage sind vor allem psychische Belastungen, wie etwa die Angst um den Arbeitsplatz, Sorgen um die Kinder, der Tod eines nahestehenden Menschen oder eine Trennung, ‚Trigger‘ für den Ausbruch von Schuppenflechte. Wer unter Psoriasis leidet, leidet dann doppelt und dreifach, denn die Sorgen werden durch die soziale Isolation, in die sich viele Schuppenflechte Patienten aus Scham zurückziehen, meist noch größer.

Hoher Leidensdruck

Betroffene schämen sich, und meiden Sozialkontakte, daraus entstehen weitere Ängste im Beruf oder in der Partnerschaft nicht zu genügen was wiederum noch mehr Stress bedeutet und zu einer weiteren Verschlechterung des Hautzustandes führt – eine teuflische Krankheitsspirale!

Eine Studie aus dem Jahr 2015 kam zu einer erschütternden Ergebnis: Psoriatikern, die an einer an sich ungefährlichen und nicht ansteckenden Krankheit leiden, die keine grobe Beeinträchtigung der Lebensqualität bedeuten muss, erleben einen ähnlich starken Leidensdruck wie Patienten mit anderen chronischen Leiden wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das Fatale: je stärker die Krankheit ausbricht, desto größer das Risiko, dass sich das Problem zusätzlich verstärkt: Starke Psoriasis kann in manchen Fällen auch zu einer Entzündung der Blutgefäßwände führen und mittelfristig innere Organe wie Darm oder Nieren beeinträchtigen.

20 bis 30 Prozent der Erkrankten entwickeln zusätzlich eine Psoriasis-Arthritis. Die erhöhte Entzündungsbereitschaft, die allen an Schuppenflechte Erkrankten gemeinsam ist, kann auch Veränderungen im Fettstoffwechsel bedingen. Dadurch wiederum steigt das Risiko für ein metabolisches Syndrom oder Herzinfarkt.

Damit es nicht soweit kommt, sollten Betroffene und Angehörige wissen: Patienten, die das Gefühl haben, ihrer Krankheit hilflos ausgeliefert zu sein, entwickelten generell deutlich stärkere Krankheitsschübe als jene, die meinten, selbst auf die Krankheit einwirken zu können.

In diesem Sinn: Grenzen Sie Menschen mit Schuppenflechte nicht aus und sollten Sie selbst betroffen sein: Holen Sie sich mentale Unterstützung von guten Freunden oder auch in Selbsthilfegruppen! Das beeinflusst Ihr Wohlbefinden und damit auch ganz entscheidend den Krankheitsverlauf.

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Quelle: ¹ Österreichische Psoriasis Hilfe

Linktipps

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