Hirtentäschel | Wildpflanzen in der Küche

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Hirtentäschel | Wildpflanzen in der Küche

Das ursprünglich aus Südosteuropa stammende Hirtentäschel wird wegen seines unauffälligen Äußeren nur allzu oft übersehen. Unscheinbar am Wegesrand wird das Kraut mit seinen kleinen, herzförmigen Blättern, die an Hirtentaschen erinnern, und den zarten weißen Blüten oft kaum wahrgenommen.

Schade, denn die mittlerweile überall auf der Welt heimische Pflanze ist ein wahrer Tausendsassa. Das Kraut ist nämlich nicht nur wohlschmeckend und gesund sondern auch als Heilpflanze sehr wirksam.

Hirtentäschel – Artikelübersicht:

Schon die alten Griechen wussten um den Nutzen des Hirtentäschels. Seit Hippokrates wird die blutstillende Wirkung des Hirtentäschel in der Frauenheilkunde, aber nicht nur dort, hoch geschätzt. Aber das Heilkraut hat auch kulinarisch Einiges zu bieten. Heute erlebt die schmackhafte Pflanze daher nicht nur in der Alternativmedizin, sondern auch in der Küche eine Renaissance.

Erntezeit und Lagerung

Das Hirtentäschel ist auch unter den Namen Blutwurz, Kochlöffel, Schneiderbeutel und Herzerl- und Täschelkraut bekannt. Der wissenschaftliche Name lautet Capsella bursa-pastoris.

Blätter und Triebe können schon im Frühjahr ab März geerntet werden. Bei günstigen Bedingungen ist beim Hirtentäschel dann fast das ganze Jahr über Blütezeit. Die Samentaschen werden von April bis Dezember und die Samen selbst zwischen Juni und September gepflückt.

Auch die Wurzel des Hirtentäschel findet sowohl in der Küche als auch in der Medizin Anwendung.

Wichtig: Die Wurzel ist dann besonders geschmacksintensiv, wenn sie früh im Frühling, also von noch nicht blühenden Pflanzen geerntet wird.

Nach der Ernte sollten Blüten, Blätter und Wurzeln des Hirtentäschel in dünnen Schichten getrocknet und anschließend in gut verschlossenen Behältern aufbewahrt werden.

Steckbrief

  • Lateinischer Name: Capsella bursa-pastoris
  • Andere Namen: Blutkraut, Täschelkraut, Gänsekresse, Herzkraut, Hellerkraut, Bauernsenf, Schneiderbeutel, Herzerlkraut, Pfefferkraut, Magerblümchen, Geldbeutel
  • Familie: Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)
  • Erntemonate: ab März ganzjährig
  • Verwendbare Pflanzenteile: Blätter, Blüten, Früchte, Knospen, Samen, Triebe, Wurzeln
  • Besondere Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Eisen, Flavonoide, Gerbstoffe, Histamin, Kalium, Kalzium, Rutin, Saponine, Senfölglykoside, Vitamin C

Die Pflanze ist aber nicht nur reich an Mineralstoffen und Vitaminen, sie hat auch einen sehr hohen Eiweißgehalt.

Hirtentäschel als Küchenkraut

In aller Kürze: das Hirtentäschel schmeckt scharf und nussig. Richtig zubereitet erinnert die Wurzel des Krauts auch ein wenig an Ingwer. Es ist also wichtig zu wissen, welche Pflanzenteile für welche Geschmackskomponenten zuständig sind, um das Hirtentäschel kulinarisch richtig einzusetzen.

So werden die scharfen Samen des Hirtentäschel gern als Senfersatz verwendet. Die reifen, herzförmigen Samen werden wie Senfkörner zuerst getrocknet und dann gerieben. So können die in ihnen enthaltenen Senföle am besten ihre Wirkung entfalten.

Die Schoten des Hirtentäschel wiederum eignen sich wegen ihres herb-nussigen Geschmacks sehr gut zur Beimischung in Wildkräutersalaten und bei der Zubereitung von Suppen, Eintopfgerichten und Aufstrichen.

Ebenfalls in der Küche Verwendung finden die als Rosette angeordneten Grundblätter und die Blüten. Beide sollten schon im Frühjahr geerntet werden, damit sie ihren Geschmack optimal entfalten können.

Grundblätter, Knospen und Blüten des bis zu 40cm hohen Hirtentäschel schmecken roh in Salaten und Smoothies. Man kann sie aber auch in Gemüsefüllungen garen oder gedünstet als Beilage servieren.

Ganz junge Blätter haben neben der nussig-herben Note auch noch den würzig-scharfen Geschmack der Samen, der an Senf, Kresse und Meerrettich erinnert. So setzen auch die Blätter des Hirtentäschel in Suppen, Aufstrichen und allen Gerichten mit Ei interessante Akzente.

Die Hirtentäschelwurzel überzeugt wiederum mit einer ganz eigenen Geschmacksnote. Getrocknet und gerieben ergibt die Wurzel ein ingwerartiges Gewürzpulver.

Rezept – Salat mit Hirtentäschel

Schmackhaft, erfrischend und so gesund. Besonders im Sommer ist der Salat mit Hirtentäschel ein beliebtes schnelles und leichtes Mittagessen.

  • Hirtentäschelblätter zu gleichen Teilen mit Feldsalat mischen
  • Klein geschnittene hart gekochte Eier und geröstete Kürbiskerne beimischen
  • Ein Dressing aus Olivenöl, Weinessig, Naturjoghurt, Senf, Salz und Pfeffer untermischen – fertig!

Die Kürbiskerne können natürlich auch ersetzt oder ergänzt werden. Nüsse, aber auch Beeren oder Granatapfelkerne sind wunderbare Geschmacksbegleiter in diesem frischen Salat.

Naturapotheke

Egal ob roh oder verkocht – das Hirtentäschel regt die Darmtätigkeit an, bringt den Kreislauf in Schwung und fördert die Durchblutung.

Das Kraut wirkt auch stark blutstillend – bei starken Regelblutungen, nach Geburten oder auch bei Nasenbluten. Auch bei anderen inneren Blutungen, Blut im Urin und Bluterbrechen kann ein Tee aus Hirtentäschel zumindest mildernd wirken.

Äußerlich angewendet eignet sich eine Kompresse aus Hirtentäschel-Teeaufguss bei Nasenbluten und offenen Wunden; bei Zahnfleischbluten hilft der Aufguss als Spülung.

Für die Zubereitung eines Tees wird die Pflanze samt Wurzel verwendet. Zwei Teelöffel des frisch geernteten oder getrockneten Hirtentäschels mit 200 ml kochendem Wasser übergießen. Fünf bis zehn Minuten ziehen lassen, dann abgießen.

Zur äußerlichen Anwendung für Kompressen wird die doppelte Menge des Krautes als Aufguss angesetzt.

Fazit: das ein- bzw. zweijährige Kraut wird von unwissenden Gartenbesitzern zu Unrecht als Unkraut missachtet wenn nicht sogar ausgerupft und weggeworfen. Dabei ist das Hirtentäschel nicht nur eine schmackhafte, sondern auch eine gesunde Pflanze, die nun erfreulicherweise wieder verstärkt in den Fokus von Küche und Medizin rückt.

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Quellen:

¹ Deutsches Bundeszentrum für Ernährung
² Servusmagazin – Naturapotheke

Linktipps

– Einfluss von Kräutern auf die Gesundheit
– Gundelrebe – Wildflanzen in der Küche
– Haferwurzel | Wildpflanzen in der Küche
– Kochen mit Kräutern

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