Fahrradkauf: Ratgeber für Einsteiger

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Fahrradkauf: Ratgeber für Einsteiger

Der Fahrradverkehr nimmt endlich an Fahrt auf. Laut einer Umfrage des VCÖ haben 77 Prozent der österreichischen Haushalte zumindest ein funktionstüchtiges Fahrrad. Auch die Häufigkeit der Nutzung nimmt zu. Über 50 Prozent geben “Gesundheit” als Grund für den Umstieg vom Auto auf Fahrrad an. Entsprechend groß ist auch das Angebot an Rädern. Bei der stetig wachsenden Vielfalt an verschiedensten Fahrradtypen und Marken, ist der der Kauf eines Fahrrads keine leichte Aufgabe.

Fahrradkauf: Ratgeber für Einsteiger – Artikelübersicht:

Infografik Fahrraddistanz

Wie eine Untersuchung des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) zeigt, sind vier Millionen Autofahrten pro Tag kürzer als fünf Kilometer und damit in Radfahrdistanz. Vor allem in Städten sind Räder damit eine überaus effiziente und kostengünstige Alternative zu Autos.

Infografik Radfahrdistanz

Täglich vier Millionen Autofahrten in Radfahrdistanz; Fotocredit: www.vcoe.at

Fahrradkauf Ratgeber

Citybike, Mountainbike, Faltrad, Fatbike oder E-Bike? Der Einsatzzweck bestimmt die Auswahl: Wer kurz davor steht, sich ein neues Fahrrad zuzulegen, sollte sich zunächst die Frage stellen, für welchen Zweck es genutzt werden soll.

Denn die Wahl des Fahrrads hängt von der Art des Geländes (Schotterweg oder Asphalt), der Entfernung (kurze Strecken oder Tagestouren), der Lebensphase (Kindersitze und Fahrradtaschen), Abstell- und Transportmöglichkeiten (Klapprad oder e-bike) und nicht zuletzt der körperlichen Verfassung und dem persönlichen Geschmack ab. Die Art des Rades legt auch andere Kriterien bei der Wahl fest, so wie Preis, Größe und Breite der Räder, Sitzposition und Ausstattung.

Egal, ob sie das Rad benötigen um fit zu werden, um ausgedehnte Ausflüge in die Natur zu unternehmen, für nervenkitzelnde Downhill Abenteuer auf unwegsamen Gelände oder einfach nur um bequem und ohne Stau zur Arbeit kommen, für alle Bedürfnisse gibt es das perfekte Fahrrad. Hier unser Überblick über die gängigsten Fahrradtypen, samt Merkmale, Vor- und Nachteile, sowie Richtpreisen.

Citybikes: ideal zum Fortbewegen in der Stadt und Ausflüge

Bei Citybikes steht Funktionalität im Vordergrund. Genau das richtige Rad für alle, die es für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder gelegentliche Ausflüge am Wochenende nutzen wolle. Typische Merkmale von Citybikes sind der geschwungene Lenker, ein bequemer großer Sattel, Gepäckträger, Rücktrittbremsen, sowie eine aufrechte Sitzhaltung.

Kindersitze und-anhänger lassen sich mühelos anbringen.Schutzbleche verhindern das Beschmutzen von Kleidung. Cityräder haben meistens eine 3- oder 5-Gang-Schaltung oder eine 7- bis 9-Gang-Nabenschaltung und ein höheres Gewicht als zum Beispiel Rennräder. Citybikes gibt es in verschiedensten Ausführungen und Designs. Meist sind sie mit 28 Zoll Rädern ausgestattet.

Vorteile: bequeme Fahrposition, individuelle Looks, praktisch, Fahren mit Alltagskleidung kein Problem, pflegeleicht, leichtes Aufsitzen, wartungsarm, niedriger Einstiegspreis, StVZO-konform

Nachteile: nicht besonders sportlich, nicht besonders leicht

Preis: Mit einfacher Ausstattung bereits ab 250.- EUR

Falträder: ideal für Pendler und Stadtausflüge

Der größte Vorteil von Falträdern bzw. Klapprädern gegenüber normalen Fahrrädern ist natürlich die Mobilität. Sie passen problemlos in jeden Kofferraum und können auch bequem in der Straßenbahn oder im Zug mitgenommen werden. Sie wiegen deutlich weniger als andere Citybikes und sind extrem wendig. Faltmaße und das Gewicht sind wichtige Auswahlkriterien bei Falträdern. Mehr als 14 kg sollte ein Faltrad nicht wiegen. Durch die kleinen 20 Zoll Räder ist die Beschleunigung etwas schneller, allerdings muss mehr gestrampelt werden. Daher eignen sie sich eher für kurze Strecken.

Des Weiteren sollte auf einen möglichst einfachen Faltvorgang geachtet werden. Drei, vier einfache Handgriffe ohne großen Kraftaufwand sollten genügen, damit das Rad stressfrei zusammengeklappt ist.

Vorteile: praktisch und platzsparend zum Unterstellen und transportieren, StVZO-konform

Nachteile: hohes Gewicht und weniger Schnelligkeit, hoher Preis

Preis: ab ca. 1.000.- EUR

Mountainbikes: Spaßräder für Offroad Abenteuer

Spaß und Action stehen bei Mountainbikes (MTB) im MIttelpunkt. Mountainbikes sind für Offroad-Fahrten auf unbefestigten Wegen, auf Schotterwegen, bergigen Gelände und matschigem Untergrund konzipiert. Sie sind daher sehr robust konstruiert, haben breite, stark profilierte Reifen, eine gute Federung und exzellente stoßdämpfende Funktionen. Sie haben ein breites Spektrum an Gängen um im bergigen Gelände gut voranzukommen.

Ein wichtiges Auswahlkriterium für Mountainbikes ist der Federweg. Das ist bei der Federgabel die Länge, die die Standrohre in die Tauchrohre eintauchen können. Für Einsteiger sind Räder mit um die 100 mm Federweg völlig ausreichend, fortgeschrittene Tourenbiker greifen zu Rädern mit Federwegen bis 150 mm. Die für alpines Gelände geeigneten Enduro-Bikes weisen einen Federweg zwischen 150 und 170 mm auf und Downhillbikes haben – da sie Sprünge aus großen Höhen verkraften müssen – verstärkte Federelemente mit Federwegen zwischen 180mm und 240mm und verstärkte Rahmen.

Wer sich zum Kauf eines MTB entscheidet, muss die Wahl zwischen Hardtail und Fully treffen. Ein Hardtail (“harter hinterer Teil”) besitzt, im Gegensatz zum Fully keinen Hinterbaudämpfer. Ein Hardtail eignet sich daher besser für Einsteiger.

Wer sein MTB ausschließlich auf unbefestigtem anspruchsvollem Untergrund fahren möchte, sollte zum Fully greifen. MTB gibt es mit 26, Zoll, 27,5 Zoll und 29 Zoll Rädern. Kleinere Räder sind leichter, wendiger und agiler und lassen sich besser in Kurven fahren, größere Räder sind schwerer, überwinden dafür jedoch besser Unebenheiten.

Vorteile: sehr robust, Geländetauglich, sehr gut gefedert

Nachteile: nicht alltagstauglich, Standardausstattung erfüllt nicht die StVZO, hoher Preis

Preis: Hardtail ab 1200 Euro, Fully ab 2000 Euro

Crossbikes: sportliche Alleskönner

Crossbikes sind Hybriden aus Rennrad und Mountainbike und eignen sich für alle, die ihr Rad sowohl auf der Straße, als auch auf Schotter- und Waldböden nutzen wollen. Im Vergleich zu Rennrädern sind sie besser geeignet für wendiges Fahren im Gelände und belastbarer. Crossbikes haben außerdem breitere Reifen. I

hr geringes Gewicht haben sie mit den Rennrädern gemeinsam. Dies soll ermöglichen, dass das Rad auch kurz auf der Schulter getragen werden kann, um Hindernis zu umgehen. So wie Mountainbikes oder Rennräder haben Crossbikes auch keine Schutzbleche und sind daher weniger alltagstauglich als Cityräder. Crossbikes haben üblicherweise 28 Zoll Räder.

Vorteile: schnell, bequem, vielfältig einsetzbar

Nachteile: relativ hohes Gewicht und hoher Preis

Preis: ab 400.- EUR

Fixie: für wagemutige Puristen

Bei dem Fixie handelt es sich um ein Rad mit nur einem Gang, das auf das Allernotwendigste reduziert ist. Es hat weder Licht, noch Schutzbleche und auch keine Klingel. Typisch ist auch die gebückte Sitzhaltung, Die Abkürzung steht für „Fixed Gear Bike“, also “Rad mit starrem Gang”.

Bei diesem Rad gibt es keinen Leerlauf, d.h. der Fahrer muss permanent mitstrampeln. Der Trainingseffekt ist dabei zwar deutlich höher, allerdings kann eine leichte bergabfahrt, einer sehr gefährliche Angelegenheit werden, zumal die Bremsen ja auch nicht vorhanden sind.

Damit verstoßen sie aber gegen die Straßenverkehrsordnung und können auch von der Polizei aus dem Straßenverkehr gezogen werden. Diese Rad kam durch New Yorker Fahrradkuriere in Mode und entwickelte sich in den 2000ern zum Hipster-Fortbewegungsmittel. Ein Rad für wagemutige, rebellische Puristen.

Vorteile: sehr leicht, sehr schnell, wartungsarm

Nachteile: anspruchsvolles Fahren, für hügelige Straßen ungeeignet, nicht StVZO-konform

Preis: ab 300.- EUR

Rennräder: für Sportskanonen, die schnell ans Ziel kommen wollen

Rennräder zeichnen sich vor allem durch ihr schlankes Design, ihr geringes Gewicht und ihre Wendigkeit aus. Sie sind bestens auf Beschleunigung, Agilität und das Zurücklegen großer Distanzen ausgelegt. Rennräder eignen sich optimal für das Fahren auf asphaltierten Straßen.

Off-Road-Touren auf Schotterwegen halten sie nicht stand. Typisch sind der nach unten gewölbte Lenker, eine sportliche gebeugte SItzhaltung, ein schmaler Sattel und schlanke Reifen. Sie sind auf minimalen Luftwiderstand und hohe Geschwindigkeiten ausgerichtet.

Vorteile: sehr leicht, sehr schnell

Nachteile: empfindliche Reifen, wartungsintensiv, nur bedingt alltagstauglich, nicht StVZO-konform

Preis: ab 400.- EUR

Fatbikes: Der Spezialist für Schlamm und Matsch

Fatbikes sind Freizeiträder, die – wie Mountainbikes – für Offroad Fahrten konzipiert wurden. Ihr Hauptmerkmal sind die auffälligen breiten Räder, die mit ca. 4 Zoll etwa doppelt so breit sind wie Mountainbike Räder und in Sachen Bodenhaftung alle anderen Bikes übertreffen. Die Reifen haben einen niedrigeren Druck als normale Räder, dadurch passen sie sich hervorragend an jeden Untergrund an. Schnee, Sand, Schotter oder gar schlammiger Boden sind kein Hindernis für dieses Rad. Preislich beginnen die Bikes (mit wenigen Ausnahmen) bei knapp 700.- Euro – also nicht gerade ein Schnäppchen.

Vorteile: robuste Reifen, sehr sicher in anspruchsvollem Gelände

Nachteile: hohes Gewicht, hoher Rollwiderstand, gewöhnungsbedürftige Fußstellung aufgrund der weit auseinander stehenden Pedalen, langer Pumpvorgang mit üblichen Handpumpen, hoher Preis

Preis: ab etwa 700.- EUR

Trekkingrad: ideal für lange Touren

Trekkingbikes sind wahre Allrounder. Sie sind sowohl für den Alltag, als auch für Fahrradtouren auf leichtem Gelände geeignet. Ein gut gepolsterter bequemer Sattel, sowie genug Platz für das Anbringen von Gepäcktaschen und/oder Gepäckträgern machen dieses Bike zum perfekten Begleiter auf langen Ausflügen und Campingtouren. Die 28 Zoll Reifen sind breiter als bei Rennrädern und leicht profiliert. In der Regel sind Trekkingräder mit Kettenschaltungen von 20-30 Gängen ausgestattet.

Vorteile: bequeme Sitzposition, sportlich & stabil, StVZO-konform, alltagstauglich

Nachteile: nicht für Berge und Gelände mit Schotterboden geeignet

Preis: ab 500 EUR

E-Bikes: Fahren ohne Anstrengung

Räder mit Elektromotor erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Vor allem im Alltag bieten sie viele Vorteile. Auch im Sommer kommt man morgens zur Arbeit ohne zu schwitzen. Die Gelenke werden geschont und längere Strecken können leichter zurückgelegt werden. Bei Ausflügen stellen bergige Landschaften kein Hürde dar und es kann mehr Gepäck mitgenommen werden. Der größte Nachteil ist der hohe Anschaffungspreis. Allein der Akku kostet um die 600 EUR. Außerdem müssen die Akkus regelmäßig aufgeladen werden. Die Akkuladezeit und die Akkulaufzeit hängen stark vom Preis ab. E-Bikes sind auch viel schwerer als normale Bikes.

Vorteile: leichtes Fahren im bergigen Gelände

Nachteile: Gewicht, Aufladen notwendig, hoher Preis, kaum/kein Trainingseffekt

Preis: ab 2.000.- EUR

Details zum mittlerweile riesigen Segment unterschiedlicher E-Bikes finden Sie in unserem Artikel E-Bikes: die schlaue Alternative zum Fahrrad

Wo sollte man sein Fahrrad am besten kaufen?

Der klassischen Fahrradladen punktet in erster Linie natürlicher mit der persönlichen Beratung. Der Fahrradhändler kann die richtige Rahmenhöhe ermitteln und hilft bei der Montage und Einstellungen von Sattel, Pedalen und Lenker. Sonderausstattungen können direkt vor Ort angebracht werden.

Auch nach dem Kauf steht der Händler um die Ecke einem mit Rat und Tat zur Seite. Unerfahrene Radfahrer sind hier am besten aufgehoben. Die Auswahl an Modellen ist naturgegebenermaßen beschränkt und die Preise können etwas höher ausfallen.

In Fahrrad-Großmärkten findet man eine große Auswahl und günstige Preise. Der Nachteil ist jedoch, dass sie oft außerhalb der Stadt liegen, was den Rücktransport und auch spätere Reparaturen und Nachjustierungen erschwert.

Der Kauf bei Online Händlern im Internet bietet den Vorteil, dass man eine riesige Auswahl hat, Preise vergleichen und Schnäppchen ergattern kann. Es gibt verschiedene Vergleichsplattfromen, wie zum Beispiel LadenZeile.de oder idealo.de, wo man sich einen Überblick über die Preise verschaffen kann.

Wer sein Rad online kaufen möchte, muss die richtige Rahmengröße selbständig ermitteln. Es gibt aber mittlerweile viele Anleitungen und Online-Tools hierfür. Die Maße des alten Rades können auch als Anhaltspunkt dienen. Im Gegensatz zum Fahrradfachgeschäft kann aber weder eine Probefahrt gemacht werden, noch viele verschiedene Räder ausprobiert werden.

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Quellen:

¹ Fahrradratgeber von LadenZeile.at
² VCÖ – Mobilität mit Zukunft

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

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