Scharlach – die unterschätzte Kinderkrankheit

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kleines Mädchen mit Scharlach

Im Gegensatz zu vielen anderen klassischen Kinderkrankheiten wird Scharlach nicht durch Viren, sondern durch Bakterien ausgelöst, und zwar durch die sogenannten Streptococcus-Bakterien der Gruppe A. Von diesen Bakterien wird ein Giftstoff produziert, der im Blut des Erkrankten zirkuliert und eine Art Blutvergiftung auslöst. Sichtbares Zeichen ist der typische Scharlachausschlag. Die Krankheit ist heute mittels Antibiotika gut und schnell heilbar.

Übertragen werden diese Bakterien durch Tröpfcheninfektion, also durch Husten oder Niesen. Allerdings sind die Streptococcus-Bakterien sehr widerstandsfähig, so dass sie auch außerhalb des Körpers einige Zeit überleben können. Das hat zur Folge, dass die Bakterien auch auf Gegenständen aus dem Umkreis der erkrankten Person überleben können. Scharlach ist also eine sehr ansteckende Krankheit. Man kann davon ausgehen, dass ein erkranktes Kind etwa die Hälfte seiner Geschwister anstecken wird.

Scharlach bei Kindern

Scharlach ist eine Infektionskrankheit, die hauptsächlich Kinder betrifft. Sie entsteht – wie erwähnt – durch eine bakterielle Streptokokken-Infektion, die vor allem im Vorschul- und Schulalter, zumeist während der Herbst- und Wintermonate auftritt.

Üblicherweise beginnt Scharlach bei Kindern mit plötzlichem hohem Fieber, Halsschmerzen und einer himbeerfarbenen, belegten Zunge mit angeschwollenen Zungenbläschen. Am zweiten Tag entwickelt sich dazu ein charakteristischer, samtartiger Hautausschlag und nach nach Abklingen nach etwa ein bis zwei Wochen eine Hautabschuppung an Händen und Füßen.

Haupterkrankungsalter:3-12 Jahre

Inkubationszeit: 2-6 Tage beträgt die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Beschwerden

Wie wird Scharlach übertragen?

Die Scharlacherreger befinden sich meist im Rachenraum, die Krankheit wird daher zumeist über eine Tröpfcheninfektion (über Sprechen, Niesen, Husten), nur in seltenen Fällen über gemeinsam genutzte verunreinigte Gegenstände (Besteck, Schnuller, Spielzeug) übertragen.

Scharlach Symptome

Die Krankheit kommt meist zwei bis acht Tage nach erfolgter Ansteckung zum Ausbruch. So erkennen Sie Scharlach Im allgemeinen beginnt die Scharlacherkrankung mit sehr plötzlich auftretendem hohen Fieber über 39 Grad. Das Kind klagt über Halsschmerzen, häufig kommt es zu Magenbeschwerden, übelkeit und Erbrechen. Bei kleinen Kindern kann es aufgrund des schnell ansteigenden Fiebers zu Fieberkrämpfen oder zu einem Delirium kommen. Im Normalfall geht das Fieber gegen Ende des zweiten Erkrankungstages wieder zurück.

Ebenfalls innerhalb der ersten zwei Tage wird der typische Ausschlag – kleine dichtstehende, rote Pünktchen – sichtbar. Die Haut fühlt sich beim Darüberstreichen an wie feines Schleifpapier. Meist beginnt dieser Ausschlag an den Leistenbeugen, Achselhöhlen, am Hals und an den Innenseiten der Oberschenkel, breitet sich dann aber bald über den ganzen Körper aus. Charakteristisch ist, dass dieser Ausschlag keinen Juckreiz hervorruft und dass die rötliche Färbung verblaßt, wenn man mit dem Finger raufdrückt.

Ebenfalls typisch ist das gerötete Gesicht, wobei allerdings die Bereiche um Nase und Mund auffallend blaß bleiben. Neben dem Ausschlag, der den Kindern kaum Beschwerden macht, da er ja nicht juckt, treten eine starke himbeerfarbene Rötung der Zunge und eine manchmal sogar eitrige Entzündung der Rachenmandeln auf. Der Ausschlag verschwindet meist nach etwa zwei bis fünf Tagen, nach etwa einer Woche gehen auch die anderen Symptome zurück.

Charakteristisch für Scharlach ist, dass sich jetzt die Haut zu schälen beginnt, begleitet von mitunter heftigem Juckreiz. Je nach Schwere des Ausschlags dauert das drei bis acht Wochen. Besonders ausgeprägt ist die Hautschuppung an den Handtellern und Fußsohlen. Mögliche Komplikationen Wenn die Scharlacherkrankung rechtzeitig erkannt und von einem Arzt mit Antibiotika behandelt wird, sind Komplikationen sehr selten.

Diagnose von Scharlach

Wenn der typische Hautausschlag beim Arztbesuch bereits vorliegt, ist die Diagnose leicht zu stellen. Schwieriger wird es, wenn nur allgemeine Infektzeichen zu finden sind, dann ist jedenfalls zusätzlich ein Abstrich aus dem Rachenraum für einen Antigen-Schnelltest zum Nachweis von Streptococcus pyogenes notwendig.

Mögliche Komplikationen

Ohne Behandlung passiert es gelegentlich, dass es nach etwa zehn Tagen zu einer schmerzhaften Lymphdrüsenschwellung am Kiefer kommt. Weitere mögliche Komplikationen sind Mittelohrentzündung, Nebenhöhlenentzündung oder ein Abszeß der Rachenmandeln. In sehr seltenen Fällen kann es infolge einer Scharlacherkrankung auch zu einer Lungen-, Gelenk-, Nieren- oder Herzklappenentzündung kommen.

Gelangen die Erreger in großer Zahl in die Blutbahn, kann eine lebensbedrohliche Blutvergiftung, das sogenannte Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrome (STSS) entstehen. Diese Komplikation entwickelt sich glücklicherweise nur selten, endet aber in 30 Prozent der Fälle tödlich. Eine rasche Diagnose und eine intensivmedizinische Behandlung sind daher überlebensnotwendig.

Wie wird Scharlach behandelt? Therapie

Wenn Sie bei Ihrem Kind Anzeichen von Scharlach bemerken oder auch nur den Verdacht haben, so sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Durch einen Rachenabstrich kann der Erreger identifiziert werden. Ist dieser Befund nicht eindeutig, bringt eine Blutuntersuchung Gewißheit. Scharlach wird heute sehr wirkungsvoll mit Antibiotika behandelt. Wichtig ist, dass Sie das vom Arzt verschriebene Antibiotikum Ihrem Kind mindestens zehn Tage lang geben, auch wenn es sich schon früher wieder wohl fühlt, denn sonst könnte es zu einem Rückfall kommen.

Wenn das Fieber sehr hoch ist, gehört das Kind ins Bett. Geben Sie ihm viel zu trinken und, wenn vom Arzt verordnet, ein fiebersenkendes Medikament. Glücklicherweise schlägt die Antibiotikabehandlung sehr schnell an, so dass es dem Kind schon nach ein bis zwei Tagen wieder bessergeht. Dennoch sollten erkrankte Kinder nach Beginn der Antibiotikabehandlung noch für mindestens 48 Stunden den Kontakt mit gesunden Kindern meiden. Danach ist keine Ansteckungsgefahr mehr gegeben.

Eine vorbeugende Behandlung von Kontaktpersonen mit Antibiotika ist meist nicht notwendig. Sie wird nur für besonders gefährdete Menschen empfohlen, die unter schweren Grundkrankheiten oder einer Abwehrschwäche leiden.

Gibt es eine Scharlach-Impfung?

Heute kommt diese Erkrankung wesentlich seltener vor als z.B. noch vor 50 Jahren, und auch der Verlauf ist milder geworden. Weil Scharlach mit Antibiotika sehr schnell und zuverlässig zu behandeln ist, hat die Erkrankung ihren Schrecken verloren. Wichtig ist jedoch der rechtzeitige Gang zum Arzt.

Eine Impfung existiert nicht, da es zu viele Varianten des Scharlacherregers gibt. Das ist auch der Grund, warum man mehrmals an Scharlach erkranken kann. Im Gegensatz zu manchen anderen Kinderkrankheiten hinterläßt eine einmal durchgemachte Infektion beim Scharlach keine lebenslange Immunität. Die Krankheit kann durchaus ein zweites Mal, unter Umständen sogar noch mehrmals auftreten. Allerdings verläuft sie dann meist sehr leicht, und Komplikationen sind extrem selten.

Linktipps

– Standardschutzimpfungen
– Kombinations-Impfungen
– Kinderärzte Österreich: Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde
– Fieber: Alarmzustand des Körpers
– Alle Kinderkrankheiten im Überblick

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