Nahrungsergänzungsmittel: Natürliche oder synthetische Vitamine?

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Natürliche oder synthetische Vitamine?

Wenn das Immunsystem intakt ist, werden Infektionskrankheiten seltener und ihr Verlauf wird abgeschwächt. Doch auch Gesunde greifen zu Vitaminpräparaten und Lebensmitteln mit zugesetzten Vitaminen und Mineralien, in der Hoffnung, ihrem Körper damit etwas Gutes zu tun. Aber wie sinnvoll sind Vitaminpräparate und macht es einen Unterschied, ob man natürliche oder synthetische Vitamine zu sich nimmt?

Natürliche oder synthetische Vitamine? – Artikelübersicht:

Vorbeugung bei geschwächtem Immunsystem

Die erste Erkältungswelle ist schon vorbei, die zweite kommt sicher mit dem nächsten Temperatursturz und die Grippe-Krankenstände werden auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Was man jetzt braucht, ist ein intaktes, kräftiges Immunsystem, das in der Lage ist, sich gegen Angriffe von außen wirkungsvoll zu wehren. Ein gesunder Lebensstil, der eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung beinhaltet, können helfen, die Immunabwehr zu steigern. Im Alltag fällt es vielen Menschen jedoch oft sehr schwer, diese Ratschläge auch optimal umzusetzen.

Wer sich aber nicht ausgewogen ernährt, verzichtet auf viele wichtige Vitamine und Nährstoffe. Dann stellen sich Leistungsschwäche, Müdigkeit und Schlappheit ein. Auch das Rauchen unterstützt die gefährlichen freien Radikale auf ihren Raubzügen durch den Körper und führt zu übermäßigem Verbrauch der Vitamine C, E und Betakarotin. Diese Vitamine stehen dann leider anderweitig nicht mehr genügend zur Verfügung. Und da leidet nicht nur der Teint. Eine ausreichende Zufuhr dieser Vitamine ist daher höchst empfehlenswert.

Video: Künstliche Vitamine: Gesund oder gefährlich?

Das renommierte British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht eine große Vergleichsstudie, die zeigt, dass keine günstige Wirkung von künstlichen Vitaminpräperaten nachweisbar ist.

Supplementierung von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen sinnvoll?

Die grundsätzliche Unterstützung durch ein geeignetes Multivitaminpräparat wird daher vom Wiener Vorsorgemediziner und Internisten Prof. Dr. Christian Temml (Emory University, USA) empfohlen, „weil damit eine Nährstoffbasis geschaffen wird, die mit Sicherheit keine Unterversorgung aufkommen lässt und gerade in der einsetzenden kalten Jahreszeit die Immunabwehr deutlich zu stärken vermag.

Falls gleichzeitig sogenanntes Functional Food gegessen wird, kann es bei den meisten Nährstoffen zu keiner schädlichen Überversorgung kommen, weil der Körper alle Nährstoffe, die er nicht braucht und auch nicht speichern kann, ohnedies wieder abgibt.“

In der Regel haben Menschen in unseren Breiten bei normaler Ernährung keinen Nährstoffmangel, in speziellen Fällen ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel unter ärztlicher Kontrolle allerdings sinnvoll:

  • im Alter (z.B. bei altersabhängiger Makuladegeneration)
  • in der Schwangerschaft (Folsäure)
  • bei chronischen Krankheiten (z.B. Morbus Crohn)
  • in der Prävention von Atemwegserkrankungen
  • bei bestimmten Diäten und ausschließlich veganer Ernährung (Eisen und Vitamin B12)

Dennoch ist es grundsätzlich aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sinnvoll seine Ernährung derart umzustellen, dass die zusätzliche Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräperaten gar nicht erst notwendig wird. Denn Nahrungsergänzungsmittel können laut Expertenmeinung eine schlechte Ernährung auch nicht ausgleichen.

Sinnlose und sinnvolle Vitamintabletten und Mineralstoff Supplemente

Nach dem jahrzehntelangen Trend hin zu Nahrungsergänzungsmitteln, übrigens ausgelöst vom amerikanischen Chemiker Linus Pauling in den 1970er Jahren, weisen nun immer mehr Studien unkontrollierte Vitamineinnahme in Pillenform als riskant oder bestenfalls überflüssig aus. Es gibt allerdings Ausnahmen.

So sind etwa Erkrankungen, denen ein Jodmangel zugrunde liegt, durch die Zugabe von Jod in Haushaltssalz bei und praktisch verschwunden. Auch die Einnahme von Vitamin D ist im Winter sinnvoll. Jedenfalls leiden ca. 60 Prozent der Deutschen laut Robert Koch-Institut unter einer Unterversorgung des „Sonnenvitamins“ D – in Österreich dürfte es ähnlich sein.

Ein zu niedriger Vitamin-D-Spiegel steigert das Risiko für Arthrose und Osteoporose. Daher empfehlen Experten bei einem diagnostizierten Vitamin D Mangel die Einnahme von 1.000 IE (Internationale Einheiten) Vitamin D pro Tag. Diese werden entweder in Form von Tabletten oder Tropfen ein Mal täglich eingenommen.

Vitamine und Mineralstoffe sind lebensnotwendig

Die Ernährungswissenschafterin Dr. Astrid Laimighofer betont die Wichtigkeit einer ausreichenden Vitamin- und Mineralstoffversorgung und die damit verbundenen positiven Auswirkungen auf das Immunsystem: „Vitamine und Mineralstoffe sind lebensnotwendig und müssen regelmäßig zugeführt werden.

Grundsätzlich sollte versucht werden, den Bedarf an Vitaminen über Nahrungsmittel zu decken. In vielen Fällen machen jedoch gewisse Lebensgewohnheiten, wie eine zu einseitige Nahrungsmittelauswahl oder häufige Stresssituationen, eine zusätzliche Vitaminaufnahme notwendig, damit das Immunsystem auch in der kalten Jahreszeit gewappnet ist.“

Das gilt aber ausdrücklich nur, wenn bei einer Blutuntersuchung ein Vitaminmangel festgestellt wurde. Bei Personen, die keinen Nährstoffmangel aufweisen und auch sonst gesund sind, nützt die Einnahme von Vitamin-Präparaten nichts.

Sind natürlich vorkommende Vitamine besser als künstlich hergestellte?

Nein, synthetische Vitamine werden vom Körper ebenso gut genutzt wie Vitamine aus Lebensmitteln. Die Substanzen sind identisch und es gibt keine Unterschiede zu Vitaminen oder Mineralstoffen aus der Nahrung. Trotzdem sollten qualitativ hochwertiges Obst und Gemüse auf dem Speiseplan nicht fehlen, denn in ihnen sind die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe (SPS) enthalten. Zu ihnen zählen z.B. Sulfide, Thiozyanate, Phenolsäuren, Flavonoide, Glucosinolate und Saponine.

Zu beachten ist, dass Nahrungsergänzungsmittel im Essen zu einer Überdosierung von Vitaminen und Mineralstoffen führen können. Gleiches gilt für hoch dosierte Kombi-Präparate, auch sie können dem Körper schaden. Sie können etwa zu Verstopfung, Durchfall und Blähungen führen. Daher sollten derartige Präparate tatsächlich nur mit ärztlicher Absprache erfolgen.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil auch die Qualität der gewählten Produkte fachgerecht zu beurteilen ist. So sollten laut Empfehlung der Ernährungsmedizinerin Frau Dr. Sonja Schwinger bei Nahrungsergänzungsmitteln gänzlich auf Zusatzstoffe, wie etwa Magnesiumstearat, Emulgatoren oder Füll- und Farbstoffe verzichtet werden. Denn diese Substanzen können nachweislich die Aufnahme der zugeführten Mikronährstoffe aus dem Darm verzögern bzw. verringern. Dr. Schwinger ist Mitglied des Österreichischen Akademischen Institutes für Ernährungsmedizin und leitet eine eigene Praxis mit Schwerpunkt Ernährungs- und ganzheitliche Medizin.

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Quellen:

¹ Prof. Dr . Christian Temml (Internist in Wien, Leiter des Referates Gesundheitsvorsorge der Stadt Wien und Professor an der Emory University, USA)
² Auswirkung der Einnahme von Vitamin D auf die Lebensdauer im Vergleich zu Placebo oder keiner Einnahme (Bjelakovic G, Gluud LL, Nikolova D. et al. inn Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 1) DOI: 10.1002/14651858.CD007470.pub3

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