Laktoseintoleranz: Was ist Milchzuckerunverträglichkeit?

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Laktoseintoleranz: Was ist Milchzuckerunverträglichkeit?

Völlegefühl, Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfall oder eventuell sogar Erbrechen nach dem Genuss von Milch oder Milchprodukten sind deutliche Hinweise auf die so genannte Laktoseintoleranz, die Unverträglichkeit von Milchzucker. Beschwerden treten bei Betroffenen auf, wenn Milchzucker unverdaut in den Dickdarm galangt. Dort wird er von Bakterien zu Milch- und Essigsäure sowie Darmgasen (Wasserstoff, Kohlendioxid) abgebaut. Dies führt dann beim Konsum von Milch und Milchprodukten je nach Empfindlichkeit zu Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall.

Laktoseintoleranz – Artikelübersicht:

Grundlagen

Ist Ihnen der Terminus Milchzuckerunverträglichkeit schon einmal untergekommen? Höchst wahrscheinlich. In der medizinischen Fachsprache wird diese Eigenschaft als Laktose-Intoleranz bezeichnet. Man spricht aber nur von Laktose-Intoleranz wenn auch tatsächlich Symptome auftreten.

„Der Grund dafür ist ein Mangel oder das Fehlen eines Verdauungsenzyms, der Laktase. Die Unverträglichkeit tritt meist in späteren Lebensjahren auf, da die Verträglichkeit von Milchzucker durch selteneren Milchgenuss mit dem Alter abnimmt. Sie kann aber auch angeboren sein“, sagt Dr. Christian Feinböck vom Österreichischen Roten Kreuz.

Die Ausprägung der Beschwerden ist sehr unterschiedlich. Manche Betroffene bekommen bereits bei kleinsten Mengen starke Beschwerden. Meist werden jedoch geringe Mengen an Milchzucker durchaus vertragen. 10 % der Deutschen haben eine Milchzuckerunverträglichkeit und in Afrika und Asien betrifft es sogar an die 90% der erwachsenen Bevölkerung. Doch was ist Milchzuckerunverträglichkeit und welche Symptome kann eine Laktose-Intoleranz verursachen?

Was ist Laktose-Intoleranz

Bei Laktoseintoleranz (auch als Milchzuckerunverträglichkeit, Kohlenhydratmalabsorption, Laktosemalabsorption oder Alaktasie bezeichnet) wird der mit der Nahrung aufgenommene Milchzucker (Laktose) als Folge fehlender oder verminderter Produktion des Verdauungsenzyms Laktase nicht richtig verdaut. Als Säugling sollte es noch keine negativen Erscheinungen während dem Stillen geben, da das Kind selbstständig Laktose bildet. Das Enzym Laktase wird von allen Säugetieren während der Stillzeit gebildet, es spaltet den Milchzucker in die für den Menschen verwertbaren Zuckerarten Galaktose und Glukose.

Der Organismus kann nicht den Milchzucker, sondern nur dessen Bausteine aufnehmen. Das Enzym Laktase zerlegt den Milchzucker in diese Bestandteile. Fehlt Laktase, wird der Milchzucker nicht zerlegt und verursacht die Beschwerden. Gelangt ungespaltener Milchzucker in den Dickdarm, wird er von Darmbakterien aufgenommen und vergoren. Diese sogenannte Vergärung erzeugt zusätzliche Gase, außerdem strömt mehr Flüssigkeit in den Dickdarm. Die Gärungsprodukte führen u. a. zu Blähungen und osmotischer Diarrhoe (Durchfall).

Verdauung bei Laktoseintoleranz

Verdauung bei Laktoseintoleranz

Nach dem Absetzen des Stillvorgangs sinkt auch der Laktose-Spiegel im Körper des Kindes und die Produktion von Laktose wird eingestellt. Bei zahlreichen Menschen kann dies ohne große Nebenwirkungen von Statten gehen und nur bei einer Population, die schon seit Jahrzehnten dem Konsum von Kuhmilch ausgesetzt war, gab es eine natürliche Mutation. Dies erklärt auch warum beinahe 90% der afrikanischen und asiatischen Bevölkerung bis dato Milchzuckerunverträglichkeit aufweisen.

Wie bekommt man Laktoseintoleranz?

Grundsätzlich stellt sich unser Verdauungssystem auf die Verarbeitung anderer Nahrungsmittel um, wenn wir als Kinder von der Milch entwöhnt werden. Der Körper produziert dann deutlich weniger Laktase und kann deswegen auch nur geringere Mengen Laktose abbauen. Das ist ein völlig natürlicher Prozess. Wenn dies nach dem Abstillen aber im Übermaß geschieht, spricht man von physiologischem Laktasemangel, dabei geht die Laktase-Aktivität, mit zunehmendem Alter, gegen null zurück. Meist entwickelt sich also eine Laktoseintoleranz im Jugend- und frühen Erwachsenenalter.

Diese Form wird auch als Primärer Laktasemangel bezeichnet und ist weltweit verbreitet.

Es gibt dabei aber auch regionale Unterschiede. So fehlt z.B. in asiatischen Ländern den meisten Menschen das Enzym zur Spaltung des Milchzuckers gänzlich. Daher findet man in diesen Regionen auch praktisch keine Milch- oder Käseprodukte auf dem Speiseplan. Insgesamt kann rechnet man damit, dass ca. 90% der Weltbevölkerung Milchzucker nach dem Säuglingsalter nicht mehr vollständig verwerten kann. Dieser Umdstand bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass alle Betroffenen unter Beschwerden leiden.

Beim Sekundären Laktasemangel ist der Laktasemangel hingegen die Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung wie etwa der Zöliakie oder Morbus Crohn. Aus diesem Grund kann diese Form auch in jedem Lebensalter auftreten.

Welche Symptome treten bei Milchzuckerunverträglichkeit auf?

Ständiges Völlegefühl, Flatulenzen, Bauchkrämpfe, (wässriger) Durchfall oder Erbrechen nach dem Genuss von Milch oder Milchprodukten sind deutliche Hinweise einer Laktoseintoleranz. Üblicherweise kommt es bei einer Laktoseintoleranz bereits nach wenigen Minuten oder einigen Stunden nach dem Verzehr von Milch und milchzuckerhaltigen Speisen zu Beschwerden.

Dadurch, dass die Laktaseaktivität so vermindert oder total eingestellt wird, gelangt der Milchzucker ungespalten in den Dickdarm des Menschen. Dort entsteht durch die Gärung Laktat und Gase. Diese führen wiederum zu den uns bekannten Blähungen. Die im Darm angekommen Milchsäure aktiviert den Wassereinstrom und endet in einem wässrigen Durchfall. Doch Menschen mit Milchzuckerunverträglichkeit berichten auch von Kopfschmerzen, Müdigkeit, depressiven Verstimmungen oder Schwindelgefühlen.

Diagnose: Laktoseintoleranz testen

Wie stellen Sie fest, ob Sie Laktose intolerant sind? Dies können Sie einfach und kostengünstig durch einen Selbsttest schnell feststellen.

Halten Sie sich mehrere Wochen von jeglichen Milchprodukten fern. Dokumentieren Sie ob irgendwelche geläufigen Symptome ausbleiben wie zum Beispiel der oben erwähnte Durchfall oder andere Symptome, die Sie vielleicht in der Vergangenheit mit dem Konsum von Milchprodukten in Verbindung bringen konnten. Nach ungefähr 14 Tagen machen Sie den Selbsttest und trinken oder essen ein milchzuckerhaltiges Produkt. Treten die aufgelisteten Eigenschaften wieder auf, können Sie davon ausgehen, dass Sie Laktose intolerant sind. Doch Achtung: Nicht immer können solche Selbsttest akkurat sein.

Am besten ist immer noch, dass Sie sich von Ihrem Arzt des Vertrauens auf die Intoleranz testen lassen. Falls nur eine partielle Intoleranz besteht, kann es auch oft dazu kommen, dass Menschen keinerlei Symptome zeigen.

Zur Diagnose gibt bereits seit langer Zeit zwei einfache Verfahren, mit deren Hilfe man Laktoseintoleranz ganz einfach nachweisen kann: einen Bluttest (Blutzuckertest; Laktosetoleranztest) und einen Atemtest.

Diagnostiziert wird die Laktose-Intoleranz meist durch einen Belastungstest. Dabei wird Milchzucker in Tee oder Wasser aufgelöst, getrunken und danach der Anstieg des Blutzuckers gemessen. Bei einem anderen Test wird ebenfalls Laktose getrunken und danach der Wasserstoffgehalt in der Atemluft gemessen. Dieser sogenannte H2-Atemtest (Wasserstoffatemtest) ist aktuell das Standardverfahren zum Nachweis einer Laktoseintoleranz. Bei schwierigeren Fällen kann auch eine aus dem Darm entnommene Gewebeprobe auf Laktaseaktivität untersucht werden.

Ist Milchzuckerunverträglichkeit eine „Krankheit“ des 21. Jahrhunderts?

Zahlreiche Medien haben in den letzten Jahrzehnten davon berichtet, dass Milchzuckerunverträglichkeit eine „Krankheit“ des 21. Jahrhunderts ist. Dies ist aber eine falsche Information. Bereits unsere Vorfahren in der Jungsteinzeit hatten daran zu Leiden. Woher man dies weiß? Erinnern Sie sich noch an dem Mann aus dem Eis? Ötzi, eine Mumie, die 1991 durch Zufall auf dem Ötztaler Gletscher zwischen Österreich und Italien entdeckt wurde, ließ diese Theorie in Luft zerfallen.

Experten konnten nämlich nachweisen, dass bereits dieser Mann aus dem Eis Laktose intolerant war. Dies beweist, dass der Mensch niemals dafür vorgesehen war, Kuhmilch in irgendeiner Form zu konsumieren. Es zeigt aber auch auf, dass irgendwann eine Mutation in den Genen einzelner Stämme stattgefunden haben muss. Dies erklärt warum nur 10% der deutschen Bevölkerung daran leiden.

Therapie

„Als Therapie wird empfohlen, Milchprodukte zu meiden und den Laktasemangel durch Medikamente auszugleichen. Jedoch stellt auch die vorsichtige Wiedergewöhnung an Milchprodukte eine Therapiemöglichkeit dar, da ein völliger Verzicht auf Milch oder Milchprodukte Nachteile hat. Milch enthält eine Reihe notwendiger Nährstoffe, wie etwa Kalzium oder Vitamin D. Wird zu wenig Kalzium aufgenommen, nimmt die Knochensubstanz schneller ab. Nach Rücksprache mit dem Arzt müssen Kalziumpräparate verabreicht werden“, so Feinböck.

Der Laktosegehalt bestimmter Lebensmittel

  • Laktosefrei sind z.B. Sojaprodukte, pflanzliches Milchpulver, Margarine.
  • Als fast laktosefrei (unter ein Gramm Laktose/100 Gramm) gelten: z.B. Butter, Reis-, Kokos- und Hafermilch, Hart-, Schnitt- und Weichkäse.
  • Topfen, Hüttenkäse, Sauermilch und -rahm, Buttermilch weisen einen mittleren Laktosegehalt (ein bis 4,5 Gramm Laktose/100 Gramm) auf
  • Einen höherer bzw. hohen Laktosegehalt (über 4,5 Gramm Laktose/100 Gramm) haben: z.B. Milch, Molke, Dickmilch, Kondensmilch, Kefir, Joghurt, Topfen und Schlagobers.

Ersatzprodukte

Wer Milch als wichtigen Kalziumlieferanten weglassen muss, der benötigt einen Ersatz. Für viele Betroffene kommen als Ersatz für Kuhmilch pflanzliche Sojamilchprodukte in Frage. Sie werden aus Sojabohnen hergestellt und enthalten viel Eiweiß, essentielle Aminosäuren, Eisen und Vitamine. Inzwischen gibt es eine ganze Palette von Produkten auf der Basis von Sojamilch: zum Beispiel Sojawurst, Sojapudding, Terrinen und Brotaufstriche, Sojajoghurt oder Sojaquark (Tofu). Produkte aus Tofu können Ersatz für Käse und Fleisch sein. Man bekommt sie in Bioläden und Reformhäusern, aber auch bereits in vielen Supermärkten.

Zwar ist der Mineralstoff auch in Sojamilch enthalten, jedoch in deutlich geringeren Mengen als in Kuhmilch. Gute Kalziumlieferanten sind grüne Gemüse wie Broccoli, Grünkohl und Spinat. Bei den Früchten enthalten viele Beeren und Kiwis höhere Mengen Kalzium. Es gibt auch besonders kalziumreiche Mineralwässer, die mehr als 15 Milligramm Kalzium pro 100 Milliliter enthalten.

Als Kuhmilchersatz insbesondere für Süßspeisen können neben der Sojamilch daher auch Mandel-, Hafer-, Kokos- oder Reismilch dienen.

Tipp: Interessant zu wissen ist, dass z. B. Butter praktisch keine Laktose enthält, wogegen sie in den meisten Margarinen enthalten ist, dass das Milchprodukt Käse nicht automatisch einen hohen Laktosegehalt haben muss (so enthalten etwa Emmentaler oder Parmesan nur wenig Laktose), oder dass manche Joghurts mit „Aktivkulturen“ ein Enzym für die Laktoseverdauung enthalten.

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Quellen:

¹ Marklund B, Ahlstedt S, Nordström G. Food hypersensitivity and quality of life. Curr Opin Allergy Clin Immunol 2007; 7(3): 279-287. PMID: 17489049
² Laktoseintoleranz (Ledochowski M, Bair H, Fuchs D. im Journal für Ernährungsmedizin; 2003; 5(1): 7-14.)

Bildnachweis: convisum/clipdealer.de

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

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