Kaiserschnitt: Geburt mittels Schnittentbindung

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Narbe nach einem Kaiserschnitt

Ist der Kaiserschnitt (medizinisch: Sectio caesarea) die Geburtsmethode des 21. Jahrhunderts? Nicht alle Frauen legen Wert darauf, ihr Kind nach der guten, alten Art auf die Welt zu bringen. Immer mehr entscheiden sich für einen Kaiserschnitt, also eine Entbindung mittels Operation, bei der das Baby durch einen Einschnitt in der Bauchdecke und der Gebärmutter entnommen wird.

Kaiserschnitt – Artikelübersicht:

Der Eingriff erfolgt unter Narkose (Kreuzstich oder Vollnarkose), Gebärmutter und Bauchdecke werden nach der Schnittentbindung wieder zugenäht. Unterschieden werden geplanter und ungeplanter Kaiserschnitt, letzterer erfolgt ausschließlich aus medizinischen Gründen.

Was ist ein Kaiserschnitt?

Anders als bei einer klassischen vaginalen Geburt, bei der das Baby durch das Becken und den Geburtskanal und schließlich die Scheide entbunden wird, erfolgt die Entnahme des Babys bei einem Kaiserschnitt durch einen mehrerer Zentimeter langen Einschnitt der Bauchdecke und Gebärmutter. Das Kind kommt also nicht durch die Scheide der Mutter zur Welt, sondern durch eine Operation.

Kaiserschnitte können geplant sein (primärer Kaiserschnitt) und erfolgen dann bereits vor Einsetzen der Wehen. In den meisten Fällen wird der Eingriff allerdings nach dem Einsetzen der Wehen aus medizinischen Gründen notwendig. Dann nämlich, wenn Bedingungen eintreteten die bei einer vaginale Entbindung ein Risiko für Mutter und/oder ihr Kind darstellen.

Auch wenn medizinisch gesehen gar nichts gegen eine „normale“ Geburt spricht, ziehen es immer mehr schwangere Frauen von sich aus vor, die Geburt ihres Kindes auf dem Operationstisch anstatt im Kreißsaal zu verbringen. Der häufig geäußerte Wunsch nach einer Schnittentbindung lässt sich einerseits durch die Angst vor den Geburtsschmerzen erklären und andererseits durch die Bedenken um mögliche gesundheitliche Gefährdung des Kindes.

Auch die Angst, dass eine natürliche Geburt durch das Ausleiern der Vagina das Sexualleben ruinieren könnte, ist ein häufiger Grund für einen Wunschkaiserschnitt.

Video Kaiserschnitt

Diese medizinische 3D-Animation zeigt den Ablauf und die häufigsten Gründe für einen Kaiserschnitt. Einfach auf Play-Symbol klicken und dann auf YouTube ansehen.

Woher stammt die Bezeichnung Kaiserschnitt?

Die seltsame Bezeichnung leitet sich wohl vom lateinischen Wort Cesus (= caesus, „geschnitten“ bzw. caedere, „schneiden“) ab. Nach den Aufzeichnungen des römischen Schriftsteller Plinius der ältere (etwa 24 bis 79 nach Christus) dürfte daher auch die Bezeichnung des ersten römischen Kaisers Caesar kommen, der eben aus dem Mutterleib geschnitten wurde.

Aus dem Wort Caesar entstand später der Begriff Kaiser und in weiterer Folge das Wort Kaiserschnitt für den operativen Eingriff bzw. der medizinische Fachterminus sectio caesarea (der sogenannte „cäsarischer Schnitt“).

Wann ist ein Kaiserschnitt notwendig?

Zu den häufigsten Indikationen für einen ungeplanten Kaiserschnitt (sekundärer Kaiserschnitt) gehören unter anderem:

  • Geburtsstörungen (Dystokie; lange Geburtsdauer ohne Fortschritt)
  • Nabelschnur-Vorfall (wenn die Nabelschnur vor dem Kopf des Babys liegt)
  • Fehllage der Plazenta
  • Fetaldistress (also eine Gefahrenlage des Kindes z.B. wegen Wachstumsverzögerungen, Abnahme des Fruchtwassers, auffällige kindliche Herztöne usw.)

Auch für geplanten Kaiserschnitt kann es driftige medizine Gründe geben. Nämlich z.B. wenn:

  • eine natürliche Geburt wegen einer Erkrankung der Mutter zu gefährlich ist
  • eine natürliche Geburt wegen einer Erkrankung des Babys zu gefährlich ist
  • es Problme während der Schwangerschaft Probleme gibt
  • eine Fehllage des Babyseine natürliche Geburt nicht möglich macht
  • eine Mehrlings-Geburt vorliegt

Natürliche Geburt vs. Kaiserschnitt

Eine vaginale Geburt ist schon eine extreme Herausforderung für den weiblichen Körper, der dafür aber gerüstet ist: Bei einer natürlichen Geburt vergrößert sich die Vagina kurzfristig und ohne Probleme um das Zehnfache. Danach erholt sich das Hohlorgan recht schnell wieder und bildet sich zügig zurück.

Gleichzeitig befürchten viele Frauen eine Beeinträchtigung ihres Beckenbodens sowie sexuelle Probleme als Folgen der Vaginalgeburt. Darüber hinaus hat in den westlichen Industrieländern die perfekte Lebensplanung, in der selbst der Tag der Geburt seinen festen Platz haben soll, auch der Geburtshilfe neue Dimensionen verliehen. Für viele GynäkologInnen ist die Sectio, wie der Kaiserschnitt im Fachjargon genannt wird, aber auch einfach die schnellere – und bequemere Alternative.

Selbstverständlich können auch medizinische Gründe für eine operative Geburt sprechen. Wie mit den Indikationen für eine Schnittentbindung dann tatsächlich umgegangen wird, ist aber von Klinik zu Klinik verschieden. So ist zum Beispiel die Beckenendlage eines Kindes für viele erfahrene GeburtshelferInnen durchaus kein Hindernis für eine vaginale Geburt, insbesondere dann, wenn die werdende Mutter bereits ein Kind geboren hat, vor allem aber, wenn sie trotzdem eine Geburt auf normalem Weg wünscht.

In Westeuropa wurden 2016 übrigens rund 25 Prozent aller Kinder mittels Sectio geboren, in Österreich waren es etwa 33 Prozent, Tendenz steigend.

„Die Zeiten, wo nur der Arzt über den Geburtsmodus entscheidet, sind vorbei“, plädiert Univ.-Prof. Dr. Peter Husslein vom AKH Wien für eine gemeinsame Entscheidung über die Wahl der Geburtsmethode, „zur optimalen Schwangerenbetreuung gehört in erster Linie, die Wünsche und die Vorstellungen der Frau in bezug auf die Geburt ihres Kindes voll zu respektieren.“

Komplikationen wie Infektionen oder Thrombosen sind zwar nach einer Schnittentbindung häufiger, jedoch können prophylaktische Maßnahmen das Risiko sehr gering halten. Der Eingriff wird meistens mit Periduralanästhesie, einer regionalen Betäubung, durchgeführt, so dass die werdende Mutter den Kaiserschnitt ohne Schmerzen mitverfolgen kann.

In vielen Fällen darf auch der Papa life dabei sein, und wenn das Baby geboren ist, wird es der frischgebackenen Mutter auch gleich auf den Bauch gelegt. Kein Grund zur Sorge besteht übrigens auch, wenn die Schnittentbindung in Vollnarkose durchgeführt wird, denn die Narkotika werden erst so knapp wie möglich vor dem Eingriff verabreicht, damit sie dem Baby keinesfalls schaden.

Dank der „sanften Chirurgie“ haben auch Kaiserschnittmütter keine großen kosmetischen Beeinträchtigungen zu befürchten. Lediglich eine kleine Narbe in der Bikinizone bleibt als „Souvenir“ erhalten. Und wenn der Storch wieder zuschlägt, ist es auch nach einer Kaiserschnittgeburt möglich, es beim nächsten Mal anders zu probieren.

Das Geburtserlebnis ist für eine Frau freilich ein anderes, wenn sie ihr Kind auf normalem Weg bekommt. Durch die modernen Möglichkeiten der fetalen Überwachung von Mutter und Kind während der Geburt, wie zum Beispiel das CTG, das die Wehen und die Herztöne des Kindes aufzeichnet, gilt eine vaginale Geburt als absolut sicher, argumentieren viele
Befürworter der natürlichen Methode.

Auch vor den Geburtsschmerzen braucht sich heute keine Frau mehr zu fürchten, da auch bei der Vaginalgeburt mit Hilfe von Medikamenten sowie der Periduralanästhesie (PDA) Schmerzen gelindert bis ganz ausgeschalten werden können. Ein wesentlicher Vorteil besteht bei der natürlichen Geburt auch darin, dass sich die Mutter wieder schnell fit fühlt.

Kaiserschnitt: Vor- und Nachteile

Vorteile

Folgende Faktoren entfallen bei einem Wunschkaiserschnitt:

– Dammriss
– Scheidenriss
– Inkontinenzprobleme (~10-20%)
– Nabelschnurvorfall
– Arm- oder Beinvorfall
– Geburtsstress für das Kind
– Infektionsgefahr für das Baby durch mütterliche Infekte und Bakterien in der Vagina (z.B. Streptokokken)

Nachteile

– Operationsrisiko für die Mutter
– Schmerzen und Einschränkungen der Mutter durch die Kaiserschnittnarbe
– häufigere Atemprobleme bei Kaiserschnittbabys
– Fehlende Keimbesiedelung bei Kaiserschnittkindern könnte Gesundheitsprobleme (z.B. Asthma) begünstigen
– erhöhtes Risiko bei Folgeschwangerschaften

Nicht zu vergessen: eine geplanter Kaiserschnitt bringt auch für Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen Vorteile mit sich. So kann der Geburtstermin so gelegt werden, dass er sich nahtlos in den Klinikalltag einreiht. Zu erwartende Komplikationen können – im Vergleich zu einer natürlichen Geburt – fast vollständig ausgeschlossen werden. Dadurch senkt sich auch das Risiko von möglichen Kunstfehlern erheblich.

Redaktion & Sigrun Rux © zwillinge.at

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Baby-Corner
– Thrombose | Krankheitslexikon
– Streptokokken | Medizinlexikon
– Kaiserschnitt bei Mehrlingsgeburten
– Informationsplattform „Der Kaiserschnitt“

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