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Ist Schokolade gesund?

Ist Schokolade gesund?

Ist Schokolade gesund?

Eine klare Frage, doch die Antwort, wie Schokolade auf den Körper wirkt, hängt von der Art der Schokolade ab. Es gibt helle Schokolade und dunkle, weiße Schokolade und gefüllte Schokolade, heiße Schokolade und vegane Schokolade, Schokolade ohne Zucker und sogar Blutschokolade. Worauf es aber wirklich ankommt, ist die Art und die Menge des enthaltenen Kakaos, denn in ihm stecken die wesentlichen Wirkstoffe der zarten Versuchung. Und natürlich entscheidet die Menge der Inhaltsstoffe Zucker und Fett, ob Schokolade gut für die Gesundheit ist, oder ob die negativen Eigenschaften überwiegen.



Schokolade: herzensguter Seelentröster

Schokolade hat zwei Inhaltsstoffe mit Haschisch und Morphium gemein: Anadamid und Phenylethylamin. Diese wirken grundsätzlich positiv auf die Glücks- und Lustempfindungszentren im Gehirn und tragen ihren Teil zur stimmungsaufhellenden Wirkung der Schokolade bei. Suchtgefahr besteht aber dennoch nicht, denn die in der Schokolade enthaltene Menge dieser Substanzen ist so gering, dass 20 Kilogramm Vollmilchschokolade verzehrt werden müssten um eine berauschende Wirkung zu erzielen. Bei genauerer wissenschaftlicher Betrachtung bekommt der Mythos von der glücklich machenden Schokolade also Schrammen, denn die im Kakao enthaltene Menge an Phenylethylamin ist relativ gering sodass sie kaum Auswirkungen auf Glückshormone wie Serotonin hat. Dafür steht der Stoff in Verdacht ein Auslöser von Migräneattacken zu sein.

Tatsache ist allerdings, dass süße und fetthaltige Speisen (wozu klassische Milchschokolade eindeutig zählt) beim Verzehr unser Belohnungssystem aktivieren. Denn dabei wird der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet, außerdem setzt der Körper Endorphine frei, körpereigene Opiate, die ebenfalls zur guten Laune beitragen.

Weitere positive Auswirkungen auf die Gesundheit werden den enthaltenen Polyphenole zugeschrieben – sie sollen für die blutdrucksenkende und gefäßerweiternde Wirkung von Schokolade verantwortlich sein. Aktuelle Studien zeigen jedenfalls, dass eine Menge von sechs Gramm am Tag ausreicht, um das Risiko für einen Herzinfarkt um bis 40 Prozent zu senken. Dafür werden die im Kakao enthaltenen Flavanoiden verantwortlich gemacht – diese sekundären Pflanzenstoffe erweitern die Blutgefäße, wodurch der Blutdruck abnimmt. Also scheinen ausgerechnet sekundäre Pflanzenstoffe, denen ursprünglich keine Bedeutung für den Nährwert einer Pflanze zugesprochen wurde, für die positive Wirkungen von Kakao auf den menschlichen Körper verantwortlich zeichnen.

Ebenfalls jklar belegt ist die cholesterinsenkende Wirkung von Kakao – schon etwa 30 Gramm Kakaopulver bzw. zwei Riegel schwarzer Schokolade (mind. 70% Kakaoanteil) pro Tag senken das LDL-Cholesterin nach etwa 2-4 Wochen um 5 Prozent.

Bereits 2010 konnten Ernährungswissenschafter in einer Langzeitstudie mit 19.357 Menschen im Alter von 35 bis 65 Jahren nachweisen, dass in Maßen genossen vor allem dunkle Schokolade – die meisten Flavanole stecken in dunkler Schokolade, denn sie enthält mindestens zirka 60 Prozent Kakaomasse – den Blutdruck senkt. Auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko konnte durch den Konsum statistisch signifikant gesenkt werden.¹

Dennoch sind allzu euphorische Erwartungen unangebracht, denn Schokolade ist nicht gleich Schokolade! Bei ihrer gesundheitlichen Betrachtung muss unbedingt zwischen Milch- und Bitterschokolade unterschieden werden. Die positiven Auswirkungen bleiben eindeutig auf dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil, weniger Fett und geringem Zuckerzusatz beschränkt, denn nur die Bitterschokolade ohne Milchzusätze und mit hohem Kakaoanteil hat die oben beschriebene positive Wirkung auf den Organismus.

Klassische Milchschokolade und erst recht weiße „Schokolade“ (sie enthält nur Kakaobutter, nicht aber Kakao) sind in der Regel viel zu süß und zu fett als das die positiven Aspekte ins Gewicht fallen würden.

Fakt ist nämlich, dass 100 Gramm Milchschokolade etwa 500 Kalorien und 30 Gramm Fett, davon rund 60 Prozent gesättigte Fettsäuren haben. Die deutsche Herzstiftung hält dazu nüchtern fest: „Eine Tafel zusätzlich zur normalen Kost und Sie wiegen nach zwei Wochen ein Kilogramm mehr.“

Neuer Trend: bio und vegane Schokolade

Dennoch bleibt die Nachfrage in diesem Bereich hoch. Trotz beinahe unendlicher Sortenvielfalt und riesiger Auswahl an kakaohältigen Produkten erfinden vife Hersteller immer ausgefallenere Schokoladen um die Konsumenten bei Laune zu halten.

Nicht alle Entwicklungen entspringen dabei allein kommerziellen Interessen, so mancher Versuch dient tatsächlich auch der Erweiterung des kulinarischen Horizonts. So schwören versierte Schokolademacher und ausgewiesene Schokokenner seit geraumer Zeit auf rohe Schokolade (raw chocolate) – also Schokolade, die aus unfermentierten Kakaobohnen hergestellt wird.

Durch die Fermentation und Röstung werden tatsächlich einige Geschmacksstoffe sowie gesunde Polyphenole zerstört, weshalb Schokolademacher mit hohem Qualitätsanspruch immer häufiger dazu übergehen, Schokolade nur ganz leicht zu fermentieren und zu rösten. Ein weiterer Trend ist zweifellos Schokolade aus biologischem Anbau und – in der konsequentesten Form – Schokolade aus wildwachsendem Kakao. Dieser Kakao ist – wenn er auch noch aus fairem Handel stammt – die nachhaltigste Produktionsform und soll nicht nur des Konsumenten Gaumen umschmeicheln, sondern auch sein schlchtes Gewissen beruhigen.

Vegane Schokolade – also Schokolade ohne tierische Bestandteile – ist ebenfalls auf dem Vormarsch, schließlich wollen auch Veganer naschen und genießen. Dabei ist Vollmilchschokolade aus Kuhmilch bereits auf den ersten Blick als nicht vegan zu erkennen, doch es gibt bereits eine große Auswahl veganer Milchschokoladen, meist auf Reismilchbasis. Edelbitterschokolade bzw. Kochschokolade ist fast ausnahmslos vegan. Diese sind auch in jedem Supermarkt und Süßigkeitengeschäft erhältlich.

Blut in der Schokolade

Auch wenn es in den 1990er Jahren oftmals als Argument gegen den freien Warenverkehr der EU herhalten musste, ist die Behauptung, dass Schokolade Blut enthält, ein reines Ammenmärchen. Nicht ganz klar ist aber, woher das Märchen stammt. Angeblich soll es in der ehemaligen DDR ein Forschungsprojekt gegeben haben, bei dem daran gearbeitet wurde Schokolade durch Zugabe von getrocknetem Blut eine dünklere Farbe zu verleihen, bewiesen wurde dieses Gerücht freilich nie.

Der österreichische Schokoladepionier Josef Zotter, der unter Experten als ganz Großer seines Fachs gilt, schreckt freilich nicht einmal vor der Produktion von Blutschokolade zurück. Freilich nicht aus kulinarischen Gründen, sondern um ein Exempel zu statuieren, wie er im Gespräch mit der Tageszeitung DER STANDARD unumwunden zugibt: „Die Idee geht auf den früheren Kärntner Landeshauptmann Haider zurück, der behauptete, dass ein EU-Beitritt Österreichs dazu führen würde, dass es auch bei uns bald Schokolade, die zum Teil aus Blut erzeugt ist, geben würde. Damals waren viele Leute besorgt und fragten mich, ob ich so eine Abscheulichkeit hoffentlich eh niemals machen würde.“

Irgendwann hat es dem Schokoladeproduzenten aus Leidenschaft einfach gereicht und „… da hab ich diese Schokolade gemacht – gemischt mit frischem Schweineblut. Zudem soll sie daran erinnern, das Schokolade in den Ursprungsländern wie Ecuador oder Mexiko seit Jahrhunderten auch als Würzmittel verwendet wird, zum Bereiten von Saucen zu Fleischgerichten.“²

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Quellen:

¹ Chocolate consumption in relation to blood pressure (European Heart Journal, 2010)
² Revolution in der Edel-Schoko-Produktion (DER STANDARD, 2014)

Linktipps:

– Die gute Seite der Schokolade
– Kein Schokoladeverbot mehr für Diabetiker
– Kinderzähne – Karies im Keim ersticken
– Cadmium in Lebensmitteln
– Rezept: flüssiger Schokokuchen
– Rezept: saftige Schokomuffins