1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (4 Bewertungen, Durchschnitt: 3,00 Sterne von 5)
Nasen- und Lippenpiercing | Tattoo & Piercing

Nasen- und Lippenpiercing | Tattoo & Piercing

Lippenpiercing

Als Labret-Piercing wird das Lippenpiercing (zumeist der Unterlippe) bezeichnet. Lippenpiercing ist nach dem Augenbrauenpiercing das zweithäufigste Piercing im Gesichtsbereich. Erst danach folgt in der Beliebtheitsskala das Nasenpiercing. Dafür gibt es zahlreiche Varianten, denn ein Nasenpiercing kann an verschiedenen Stellen angebracht werden: durch die Nasenflügel, durch die Nasenscheidewand, durch den Nasenrücken und durch die Nasenspitze. Bei allen Piercings gilt: während der Verheilphase ist ein Piercing eine offene Wunde und dadurch auch ein Angriffspunkt für verschiedene Viren und Bakterien.

Diesen Artikel drucken


Das Nasenpiercing

Der Nasenstecker gehört neben dem fast schon traditionellen Ohrring zu den am längsten bei uns verbreiteten Piercings. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, die Nase zu piercen:

Zum einen den Nasenflügel im Bereich der Wölbung (höher darf das Piercing nicht gesetzt werden, da bei einer eventuellen Entzündung der Trigeminus-Gesichtsnerv in Mitleidenschaft gezogen werden kann), zum anderen die Nasenscheidewand, das sog. Septum. An dieser Stelle soll nun das gebräuchlichere Piercing durch die Nasenflügel beschrieben werden.

Verheerend ist die Tatsache, dass selbst Ende der 90er Jahre der Großteil der Nasenstecker immer noch unprofessionell mit der sogenannten Ohrlochpistole geschossen wird. Diese Pistole birgt drei sehr große Nachteile, wobei an allererster Stelle auf die mögliche Übertragung von Krankheiten wie Hepatitis C hingewiesen werden muss. Übertragungen von Hepatitis B durch den Gebrauch von Ohrlochpistolen wurden bereits in den 70er Jahren nachgewiesen. Die Übertragungen sind darauf zurückzuführen, dass eine Ohrlochpistole nicht sterilisiert werden kann.

Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass es gegen Hepatitis C im Gegensatz zu Hepatitis A und B nach wie vor keinen Impfschutz gibt. Der zweite Grund, weshalb man vom Gebrauch der Ohrlochpistole an der Nase absehen sollte, liegt darin, dass dieses Gerät eigentlich dafür entwickelt wurde, relativ weiche Kuhohren zwecks Kennzeichnung zu durchstanzen. So ist die Maschine meist kräftig genug, um Ohrläppchen zu durchstechen, am härteren Gewebe der Nase kann sie jedoch hängen bleiben, worauf das Gerät unter Umständen sogar im Krankenhaus von der Nase entfernt werden muss.

Kommt der Bolzen tatsächlich durch das Gewebe durch, wird das zermatschte Gewebematerial an die Seiten des ausgefransten Stichkanals gequetscht und bildet dort einen optimalen Nährboden für Entzündungen und den Grundstock für unangenehme Verknorpelungen. Der dritte Punkt, der gegen den Gebrauch der Ohrlochpistole spricht, ist der ungeeignete Schmuck.

Sogenannte Gesundheitsstecker, die auch im Ohr alles andere als gesund sind, gehören in keinem Fall in einen Nasenflügel. Abgesehen davon, dass die klobigen Steinchen vom ästhetischen Gesichtspunkt aus gesehen an der Nase nicht gerade hübsch aussehen, kann man diesen Schmuck auch nicht korrekt pflegen. Zudem ist er für das Nasengewebe zu dünn, so dass er sich nicht selten hineinschneiden kann.

Piercingvorgang

Der durch den Verschluss eng anliegende Schmuck lässt zudem einer leichten Schwellung keinen Platz. Hinter dem Flügelverschluss im inneren der Nase sammelt sich Schmutz und durch Feuchtigkeit und Wärme kann es zu Pilzbefall kommen. Beim Putzen der Nase hat man ebenfalls Probleme und bei schmalen Nasen kann es durch den zu langen Stift zu Verletzungen und zu permanenten Entzündungen der gegenüberliegenden Nasenscheidewand kommen. Ebenfalls abzuraten ist von geraden Stäben, die am hinteren Ende statt eines Flügels schlicht und ergreifend eine Verdickung haben.

Diese müssen oft auf äusserst schmerzhafte Weise aus den Nasenflügeln herausgezogen werden, da die Stäbe oft zu kurz sind und die Verdickung in der Innenseite einwächst. Beim Nasenschmuck sollte man beim schlichten gebogenen Stab bleiben wie er in Indien schon seit Jahrhunderten benutzt wird. Sollte man anfangs mit dem Wechsel etwas Probleme haben, nur Geduld, es ist wie mit dem Schuhebinden, hat man die Technik einmal kapiert, funktioniert es kinderleicht.

Noch besser eignet sich als Schmuck, besonders während der Abheilzeit, ein Ring (Piercingring, keine Creole!), da sich bei dieser Art von Schmuck kein Schmutz festsetzen kann und das Piercing optimal gepflegt und gereinigt werden kann. Bei Entfernung des Schmucks wächst ein Nasenflügelpiercing sehr schnell wieder zu, auch wenn schon jahrelang Schmuck drin war.

Das Lippenpiercing / Labret

Lippenpiercings durchdringen als Ring das Gewebe am Übergang des Lippenrots zur Epidermis.

gepiercte Unterlippe

Abbildung eines klassischen Lippenpiercings

Labretpiercings finden sich meist in der Mitte der Kinnlippenfurche, manchmal auch in der Höhe der unteren mittleren Inzisivi. Diese Piercingform besteht aus einem Stab, der sich innen mit einer T-förmigen Platte verankert, während von extraoral verschiedene Aufsätze aufschraubbar sind. Weitere Einsatzbereiche: Oberlippe, Wange usw.

Labretpiercing

Abbildung eines klassischen Labretpiercings

Ein Piercing ist durchaus mit einem operativen Eingriff vergleichbar. Prinzipiell gehört das Piercen in die Hand eines Arztes. Die Rechtslage ist dahingehend jedoch in Österreich und Deutschland unterschiedlich, weshalb es sich empfiehlt die jeweilige Rechtslage abzuklären, besonders um im Schadensfall eine rechtlich Absicherung zu haben.

In Österreich gilt, dass Piercen und Tätowieren laut Gewerbeordnung dem Gewerbe der Kosmetik (Schönheitspflege) (§ 94 Z 42) vorbehalten sind. Im eigentlichen Sinne stellt Piercing jedenfalls eine vorsätzliche Körperverletzung dar und ist nur deshalb straffrei, weil die betreffende Person in den Eingriff einwilligt (schriftliche Einverständniserklärung). Der Einwilligung muss eine Aufklärung über die Risken vorausgehen. Unabdingbare Voraussetzung ist die Urteilsfähigkeit des Klienten. Jugendliche unter 18 Jahren benötigen die Einwilligung der Erziehungsberechtigten, bei unter 16-Jährigen müssen die Eltern mitunter beim Piercen sogar anwesend sein.

Führen Sie niemals Piercings selbst durch!

Selbstversuche beim Piercing sind höchst gefährlich und unter keinen Umständen durchzuführen da sie ein enormes Gesundheitsrisiko darstellen.

Rechtlicher Hinweis

In Österreich muss die zu piercende Person 14 Jahre alt sein. Bei Minderjährigen ist eine Einwilligung der gesetzlichen Vertreter erforderlich, wenn nicht zu erwarten ist, dass das Piercing innerhalb von 24 Tagen verheilt.

Linktipps:

– Nachsorge beim Piercing
– Piercing: Risken und Gefahren
– Was tun bei Nickelallergie?
– Ohrpiercing

Diesen Artikel drucken