Deutliche Zunahme der FSME-Erkrankungen in Europa

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FSME: Zecken in Europa auf dem Vormarsch

Auch 2006 kam es in Europa zu einer erneuten Zunahme der FSME-Fälle. Insgesamt verzeichnet die ISW-TBE (International Scientific Working Group on Tick-Borne Encephalitis) in den letzten 30 Jahren einen Anstieg der gefährlichen Viruserkrankung um 400 Prozent in allen europäischen Endemiegebieten. ISW-TBE-Experten machen dafür globale Erwärmung, bessere Diagnostik sowie Änderungen im sozialen und ökonomischen Bereich verantwortlich. Gravierend sind die Veränderungen vor allem in Polen, Litauen, Deutschland, Schweiz und Slowenien. Der einzig wirksame Schutz vor FSME ist die Impfung, für die in Österreich zwei Impfstoffe zur Verfügung stehen. Derzeit ist jeder zweite Österreicher ohne ausreichenden Schutz.

„Das Zurückdrängen der FSME wäre aufgrund der hohen Qualität und Immunogenität der heutigen FSME-Impfstoffe kein Problem“, so Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze, Institut für Sozialmedizin, Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien. „Tatsache ist jedoch, dass die Durchimpfungsrate von max. zehn Prozent in vielen Risikogebieten zu gering ist. Jährlich kommt es dadurch zu mehr als 10.000 Neuansteckungen.“

Die Ursachen für den Anstieg der FSME-Fälle liegen vor allem bei Klimaänderungen und einhergehenden ökologischen Folgen, aber auch bei sozialen Veränderungen. Immer mehr Menschen verbringen ihre Freizeit in der Natur. Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Mountainbiken oder Öko-Urlaub auf dem Bauernhof erleben einen regelrechten Boom in der Tourismusbranche. Für Nichtgeimpfte entsteht dadurch eine höhere Ansteckungsgefahr mit dem FSME-Virus. Der geringere Einsatz von Pestiziden sowie ein feuchteres Klima schaffen für Zecken zudem „bessere“ Bedingungen. Erhöhte Temperaturen beschleunigen den Entwicklungszyklus der Zecken, verlängern ihn und können eine Erhöhung der Populationsdichte bewirken. Auch die Ausdehnung der Verbreitungsgebiete könnte auf Klimaveränderungen zurückzuführen sein. In Finnland kommt das Virus bereits 200 Kilometer südlich des Polarkreises vor.

Das FSME-Virus lauert in der Natur

Diese kleinen, lästigen Blutsauger sind bei Temperaturen über 7° C aktiv und lauern überall in der Natur – vor allem im Gras, auf Büschen, in Feldern, Waldlichtungen und Parks, sogar im eigenen Garten. Besonders gerne saugen sie sich an Hautstellen fest, die dünn und gut durchblutet sind (Kniekehlen, Achselhöhlen, Nacken, Haaransatz, Genitalbereich). Da der Zeckenstich meist nicht spürbar ist, sollte man den Körper nach jedem Aufenthalt in der Natur gründlich nach möglichem Zeckenbefall absuchen und etwaige Zecken so schnell wie möglich und vor allem unbeschädigt entfernen.

Zeckenland Österreich

Im Vorjahr mussten 84 Österreicher nach einem Zeckenbiss im Spital aufgenommen werden, wobei die Steiermark (25), Oberösterreich (22) und Tirol (16) am stärksten betroffen waren. Das Risiko infiziert zu werden ist also österreichweit hoch. „Ganz Österreich gilt als Risikogebiet, aber auch in unseren Nachbarländern ist die Zeckengefahr weit verbreitet und stark gestiegen“, so Experte Mutz. Zecken können verschiedene Krankheitserreger übertragen, besonders gefährlich ist das FSME-Virus, das die gefürchtete Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) verursacht. Diese schwere Form von Hirnhautentzündung endet für 1-2 % der Erkrankten tödlich, bei etwa der Hälfte bleiben neurologische Schäden zurück. Besonders tragisch: ein Fünftel der Patienten sind Kinder. Häufig und schwerer betroffen sind Menschen über 50 Jahre, denn die Abwehrkräfte lassen mit zunehmendem Alter deutlich nach.

Nur die Impfung schützt

Univ.-Prof. Dr. Ingomar Mutz betont in seiner Funktion als Vorsitzender des Impfauschusses des Obersten Sanitätsrates im Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend, dass nur eine Impfung einen wirksamen Schutz vor den gefährlichen Folgen eines Zeckenbisses biete: „FSME ist eine durch Zecken übertragbare Virusinfektion, die bleibende neurologische Störungen verursachen kann. Der einzige wirksame Schutz vor FSME ist die Impfung, die im Österreichischen Impfplan ab dem vollendeten 1. Lebensjahr empfohlen ist. Dafür stehen in Österreich zwei Impfstoffe zur Verfügung.“ Besonders wichtig sei der Impfschutz für Kinder, Schwangere und über 50-Jährige, da ab 50 die Schwere des Krankheitsverlaufes zunimmt bzw. auch im Kindesalter FSME als kompliziertes Krankheitsbild auftreten kann.

Die erste Auffrischungsimpfung erfolgt drei Jahre nach der dreiteiligen Grundimmunisierung. Danach ist nur noch alle 5 Jahre eine Auffrischungsimpfung erforderlich. Über 60-Jährige sollten ihren FSME-Schutz alle 3 Jahre auffrischen, denn die Abwehrkräfte lassen mit zunehmendem Alter deutlich nach. Wer noch gar nicht geimpft ist, sollte am besten sofort mit der Grundimmunisierung beginnen.

Den internationalen TBE-Experten ist es ein großes Anliegen, das Bewusstsein für FSME als gesundheitspolitische Herausforderung zu schärfen – unter anderem durch geplante europaweite FSME-Impf- und Reiseempfehlungen. Die neuesten Erkenntnisse der ISW-Expertengruppe (neue Endemiekarten, FMSE-Fälle europaweit, neue Info-Broschüre) sind nun auf www.isw-tbe.info frei verfügbar und zu bestellen.

Linktipps

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– Gehirnhautentzündung (Meningitis)
– Meningitis bei Kindern
– FSME
– Gesundheit & Klimawandel