FSME-Erkrankung kann langfristige Auswirkungen haben

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FSME-Erkrankung kann langfristige Auswirkungen haben

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Es ist Frühling und schon haben die ersten Zecken zugestochen. Für den einen oder die andere wird ein solcher Stich leider gravierende Auswirkungen haben – nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig.


Entdeckungen in der medizinischen Forschung werfen ein neues Licht auf die langfristigen Folgen von FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Während diese durch Zecken übertragene Krankheit oft als akute Erkrankung betrachtet wird, deuten neue Erkenntnisse darauf hin, dass sie auch langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann.

Langzeitfolgen von FSME – Artikelübersicht:

Tatsächlich kann die Belastung für Betroffene erheblich sein – sie reichen von neurologischen Beeinträchtigungen bis hin zu chronischen Symptomen.

Ein tieferes Verständnis dieser potenziellen Langzeiteffekte ist entscheidend, um präventive Maßnahmen zu verbessern und den Betroffenen angemessene Unterstützung zu bieten.

Wir haben die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und deren Bedeutung für die Betroffenen und das Gesundheitssystem zusammengefasst.

Studie: Neurologische Langzeitfolgen von FSME nicht zu unterschätzen

Aktuelle Studien ab 2022 zu den möglichen Langzeitfolgen von FSME wurden durchgeführt. Diese Studien haben sich intensiv mit akuten Symptomen sowie potenziellen Langzeitschäden von FSME-Erkrankungen befasst.

Mittels eines Fall-Kontroll-Ansatzes wurde die Effektivität der FSME-Impfung geschätzt, Risikofaktoren für eine FSME-Infektion identifiziert und Folgeschäden bewertet.

Darüber hinaus wurde in diesen Studien festgestellt, dass persistierende Folgeschäden nach 18 Monaten bei einem signifikanten Anteil der Patienten auftraten, darunter Symptome wie Kopfschmerzen, Konzentrations- oder Gedächtnisprobleme, Müdigkeit sowie Balance- und Koordinationsprobleme.

Eine Studie aus Deutschland mit über 500 diagnostizierten FSME-Patienten zeigt, dass etwas mehr als die Hälfte drei Monate nach Krankheitsbeginn immer noch mit den Folgen zu kämpfen hat.

Auch wenn diese im weiteren Verlauf abnehmen, sind sie bei einem kleinen Teil auch noch nach 18 Monaten präsent. Einschränkungen im Job, Arbeitsausfälle sowie Frühpensionierungen inklusive.

FSME: vor allem in Mitteleuropa und Skandinavien

Zahl der bestätigten FSME Fälle in Europa

Die Grafik liefert ein eindeutiges Bild zur Zahl der bestätigten FSME Fälle in Europa. Quelle: ECDC 11/2021

2020 wurden in Europa fast 4.000 FSME-Fälle gemeldet. Allein in Österreich werden jedes Jahr zwischen 100 und 250 hospitalisierte Erkrankungsfälle registriert. Im gesamten österreichischen Bundesgebiet besteht ein Risiko, sich über einen Zeckenstich mit FSME anzustecken. Es ist eines der am stärksten betroffenen Gebiete Europas. Für Reisende nach Österreich gibt es eine Empfehlung zur FSME-Impfung.

In Deutschland wurden im Jahr 2022 dem Robert-Koch-Institut 546 FSME-Fälle gemeldet, eine beachtliche Steigerung um 30% zum Vorjahr. Detail: 98% aller FSME-Erkrankten waren nicht oder unvollständig gegen FSME geimpft.

„Die vielen leichten Erkrankungen werden oft gar nicht als FSME diagnostiziert und sind da noch gar nicht dabei“, erklärt Priv. Doz.in Dr.in Bettina Pfausler, leitende Oberärztin an der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck zur Lage in Österreich.

Grundsätzlich reicht die Bandbreite der Erkrankungen von einem Gefühl der Sommergrippe bis zu hin zu schweren Entzündungen des Gehirns und des Rückenmarks. „Glücklicherweise verläuft die Erkrankung selten ganz schwer, meist als Gehirnhautentzündung.

Bei schweren Verläufen, insbesondere bei Infektionen des Rückenmarks können die Symptome einer Kinderlähmung ähneln, weswegen man hier auch von einer „Polio-like“ Erkrankung spricht“, betont die Neurologin.

„Oft müssen Betroffene bei dieser Erkrankungsform langfristig – auch zu Hause – künstlich beatmet werden. Die Sterblichkeit liegt in diesem Fall bei 30 %, eine vollständige Erholung ist meist nicht mehr möglich.“

Dabei gäbe es seit vielen Jahrzehnten in Form der FSME-Impfung eine wirksame Schutzmaßnahme. Wer regelmäßig aufgefrischt ist, muss sich über die FSME und ihre Auswirkungen keine Sorgen machen.

FSME: Kontinuierlicher Anstieg in Österreich

FSME: Kontinuierlicher Anstieg in Österreich

Starker Anstieg an FSME-Krankheitsfällen in Österreich | Quelle: Gesundheitsministerium Österreich

FSME ist in Österreich eine meldepflichtige Erkrankung. Die Grafik zeigt, wie stark die Zahl der FSME-Erkrankungen in den letzten zwanzig Jahren angestiegen ist.

Langzeitfolgen: Schnelle Erholung bleibt oft Wunschdenken

In einer Studie mit mehreren Hundert diagnostizierten FSME-PatientInnen in Deutschland wurde außerdem festgestellt, dass eine rasche, komplette Erholung nach einer FSME-Erkrankung nicht nur bei den ganz schweren Verlaufsformen oft Wunschdenken bleibt.

Nicht einmal ganz die Hälfte gab in Telefoninterviews nach drei Monaten an, sich bereits vollständig erholt zu haben. Nach 18 Monaten waren es immerhin zwei Drittel (67,3 %). Personen mit einem milden Akutverlauf
erholten sich laut Studie besser als solche mit moderatem oder schwerem Verlauf (85,4 %, 69,4 % und 44,9 %).

Kinder hatten nur in seltenen Fällen nach 18 Monaten noch Folgeerscheinungen. Wer an Begleiterkrankungen litt, hatte ebenfalls schlechtere Karten, wieder vollständig zu genesen.

„Das deckt sich mit unseren Erfahrungen aus dem klinischen Alltag“, berichtet Pfausler. „Und betrifft auch den Zusammenhang mit dem Alter. Je älter jemand ist – vor allem ab dem 50. Lebensjahr – desto schwerer ist in vielen Fällen sowohl der akute als auch der langfristige Verlauf.“

Fatigue bleibt am häufigsten

Fatigue (anhaltende Müdigkeit und tiefe Kraftlosigkeit) – ein Symptom, das man auch von COVID-19 und anderen viralen Erkrankungen kennt – ist laut Studie das häufigste Symptom in der Akutphase (91 %), gefolgt von Kopfschmerzen und Störungen der Balance.

Auch allgemeine Schwäche und Konzentrationsstörungen sind häufig. Selbst nach 18 Monaten berichteten immer noch 17 % der Betroffenen über Fatigue, 13 % über Konzentrationsdefizite und allgemeine Schwäche, 12 % über Muskelschmerzen und ebenfalls 12 % über Gleichgewichtsstörungen.

Das sogenannte Post-Enzephalitis-Syndrom kam dabei bei Erwachsenen in jeder Form und zu jedem Beobachtungszeitpunkt drei bis zehn Mal so häufig vor wie bei Kindern.

Hohe Kosten für das Gesundheitssystem

Auch die Gesellschaft leidet unter den FSME-Erkrankungen und ihren Folgen. Die meisten Angestellten in der Studie benötigten zusätzlich zu den Tagen, die sie im Spital verbrachten, noch einen langen Krankenstand.

Einige Patienten mussten sogar in Frühpension gehen, weitere 9,1 % der Erkrankten im Angestelltenverhältnis planten dies aufgrund der Folgeerscheinungen noch zu tun. Fast ein Drittel berichtete über negative Auswirkungen von FSME auf die Arbeit, über 40 % davon mussten ihre Arbeitszeit reduzieren, 22,1 % ihre Position oder den Arbeitgeber verändern.

Fast die Hälfte klagte über kognitive Einschränkungen, Fatigue und eine Verschlechterung der Feinmotorik. Auch in der Schule gab es FSME-bedingte Probleme. Fast ein Viertel beklagte negative Auswirkungen auf die Schulleistungen.

FSME: Impfung schützt

„Das alles lässt sich verhindern“, betont Neurologin Pfausler. „Das Einzige, das man tun muss, ist, sich impfen zu lassen und rechtzeitig zur Auffrischung zu gehen. Alle fünf Jahre bis zum Alter von 60, alle drei Jahre danach.“ Für Kinder gelten bei der Grundimmunisierung andere zeitliche Abstände. Die FSME-Impfung ist ab dem vollendeten ersten Lebensjahr zugelassen.

Eine Titerbestimmung sei übrigens nicht sinnvoll, da die Aussagekraft ähnlich wie bei COVID-19 äußerst begrenzt sei. „Wir mussten schon Personen mit FSME im Spital behandeln, deren Impftiter kurz vorher noch als ausreichend hoch bezeichnet worden war.“

Die Zeckenschutzimpfung ist in Österreich – wie die meisten Impfungen – privat zu bezahlen aber vergleichsweise günstig. Den Preis für den Impfstoff erfragen Sie bitte in Ihrer Apotheke. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) gewährt einen Kostenzuschuss.

Als Preisbeispiel hier die Preise für Impfungen im Wiener Impfservice Town Town (2024):

Mit Zuschuss der Österreichischen Gesundheitskasse (mit e-card): 24,27 Euro; Ohne Zuschuss: 28,77 Euro. Dazu kommt noch ein einmaliges Impfhonorar pro Person und Impftermin in Höhe von 10,87 Euro.

Hinweis: Bei mehreren impfhonorarpflichtigen Impfungen am selben Tag müssen Sie das Impfhonorar von 10,87 Euro nur einmal bezahlen.

FSME: Was tun bei unterbrochenen Impfschemata?

Bei einer unterbrochenen Grundimmunisierung rät das RKI, die fehlenden Impfstoffdosen nachzuholen. Wurde die Grundimmunisierung einmal begonnen, könne sie zu jeder Zeit fortgesetzt werden, es müsse keine erneute Grundimmunisierung gestartet werden.

Bei der Auffrischimpfung ist lauf Robert-Koch-Institut (RKI) ebenfalls eine flexible Handhabung möglich: Auch wenn diese erst Jahre nach dem empfohlenen Impfzeitpunkt verabreicht würde, biete sie je nach Lebensalter wieder drei bis fünf Jahre Schutz.

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Quellen:

¹ Rose, M. Neurologische Langzeitfolgen nicht unterschätzen. Pädiatrie 34, 28–31 (2022). DOI: https://doi.org/10.1007/s15014-021-3945-5
² Österreichische Gesundheitskasse: Zecken­schutz­impfung (FSME)
³ Nygren TM, Pilic A, Böhmer MM, Wagner-Wiening C, Wichmann O, Hellenbrand W. Recovery and sequelae in 523 adults and children with tick-borne encephalitis in Germany. Infection. 2023 Oct;51(5):1503-1511

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Linktipps

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