Corona-Impfung: Kein Einfluss auf Spermien

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Corona-Impfung: Kein Einfluss auf Spermien

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Immer wieder kommt das Gerücht auf, die Corona-Impfung könne unfruchtbar machen, dabei gibt es die Corona-Impfung gar nicht. Eine Studie zu mRNA-Impfstoffen belegt nun jedenfalls, dass beide Vakzine (Pfizer/BioNTech und Moderna) keinen Einfluss auf Spermien haben.

Auch gibt es bisher keinerlei Evidenzen, dass eine Covid-Impfung Frauen unfruchtbar mache.

Corona-Impfung – Artikelübersicht:

Impfschutz: Über Wirkung und möglich unerwünschte Wirkung

Derweil zeigen neueste Zahlen in Österreich die hohe Impfwirksamkeit. Die Zahl der Impfdurchbrüche, also jene Personen, die sich trotz Vollimmunisierung mit Corona infiziert haben, liegt – Stand: August 2021 – bei 1,26 Prozent.

Die Zahlen, auf deren Basis die Berechnung Ages (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) beruht, stammen aus dem Zeitraum Februar bis Mitte August 2021. Diesen zufolge betrafen von 227.178 der laborbestätigten Neuinfektionen (etwa 150.000 davon hatten Symptome) im genannten Zeitraum 2.871 Vollimmunisierte, dies entspricht etwa 1,26 Prozent.

„Es liegen inzwischen umfassende Daten aus aller Welt vor, die klar belegen, dass bei Vollimmunisierung gegen SARS-CoV-2 das Risiko eines schweren Verlaufs verschwindend gering ist. Unsere Erfahrungen an den österreichischen Intensivstationen decken sich mit den Studien.“

Intensivpflichtige Geimpfte mit Covid-19 „sind also die absolute Ausnahme“, betroffen seien Menschen, die an angeborenen oder erworbenen Immundefekten leiden. Anderslautende Gerüchte, wie sie in sozialen Medien kursieren, seien „schlicht und einfach Fake News“, so Prim. Univ.-Prof. Dr. Walter Hasibeder, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin Walter Hasibeder.

Die Impfwirksamkeit wird per Mitte August 2020 insgesamt mit über 90 Prozent angegeben, wobei diese geschätzte Impfeffektivität bei den über 40-Jährigen gilt. Für Jüngere Personen konnte dieser Wert wegen des noch zu geringen Anteils vollständig Geimpfter in dieser Altersgruppe noch nicht berechnet werden.

Die Impfwirksamkeit von 90% bedeutet nicht, dass sich zehn von 100 geimpften Personen infizieren, sondern dass die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Virus anzustecken, bei den Geimpften 90 Prozent geringer ist als bei Ungeimpften. Es kommt also in jedem Fall auch unter den Geimpften zu einer gewissen Zahl von Infektionen, das war von Anfang an bekannt.

Berechnungen der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) zufolge wurden von Februar bis Juli österreichweit 5.790 Krankenhausaufenthalte vermieden, davon 2.278 Aufenthalte in Intensivstationen. Zudem seien 2.177 Todesfälle vermieden worden.

Menschen, die noch zweifeln, ob sie sich impfen lassen wollen, glauben in den USA und vielen anderen Teilen der Welt nicht selten, dass die Impfung sich auf ihre Fruchtbarkeit auswirken könnte.

Amerikanische Forscher haben daher in einer prospektiven Studie mögliche Einflüsse von mRNA-Impfstoffen auf Spermien untersucht. Dabei wurde vorher die Hypothese festgelegt, die geprüft werden soll. Die Daten werden bei einem solchen Studientyp zielgerichtet zu diesem Zweck erhoben – im Unterschied zur retrospektiven Auswertung bereits vorhandenen Datenmaterials.

In einer prospektiven Studie ist das den Forscher interessierende Ereignis (zum Beispiel die Auswirkung eines Impfstoffes oder Arzneimittels auf bestimmte Körperfunktionen) zum Zeitpunkt des Studienbeginns noch nicht eingetreten. Vorteil: Forscher haben die Möglichkeit, jene Ereignisse, die sie messen wollen, und die interessierenden Einflussgrößen vorab präzise zu definieren.

in diesem Fall wurden Spermaproben von 45 Teilnehmern vor der Impfung und nach der zweiten Impfdosis genommen. Das Ergebnis war eindeutig.

Haben mRNA-Impfstoffe einen Einfluss auf Spermien?

Eine Studie ging nun eben dieser Frage nach, nämlich ob sich die Impfung gegen das Coronavirus auf Spermien auswirkt oder nicht. Dazu untersuchte die US Forscher in ihrer kleinen Studie Spermine-Parameter vor und nach der Impfung mit einem mRNA-Vakzin. Durchgeführt wurde sie an der University of Miami mit gesunden Männern zwischen 18 und 50 Jahren.

Die Teilnehmer wurden vorher untersucht, um sicherzustellen, dass keine Fruchtbarkeitsprobleme bestanden. Es durften keine COVID-19-Symptome oder ein positiver Test in den letzten 90 Tagen vorliegen. Eine Samenprobe wurde vor der ersten Impfdosis und etwa 70 Tage nach der zweiten Dosis abgegeben. Die Analyse der Proben betrachtete Volumen, Spermakonzentration und –beweglichkeit sowie die Gesamtzahl beweglicher Spermien.

Die Teilnehmer wurden vorher untersucht, um sicherzustellen, dass keine Fruchtbarkeitsprobleme bestanden. Es durften keine COVID-19-Symptome oder ein positiver Test in den letzten 90 Tagen vorliegen. Eine Samenprobe wurde vor der ersten Impfdosis und etwa 70 Tage nach der zweiten Dosis abgegeben.

Die Analyse der Proben betrachtete Volumen, Spermakonzentration und –beweglichkeit sowie die Gesamtzahl beweglicher Spermien.

Spermaproben von 45 Teilnehmern vor der Impfung und nach der zweiten Impfdosis

Die Untersuchung wurde mit 45 Teilnehmern (im Mittel 28 Jahre alt) zwischen 17. Dezember 2020 und 12. Januar 2021 durchgeführt, mit der zweiten Probe im Schnitt (Median) 75 Tage nach der zweiten Impfdosis. Studienende war am 24. April 2021. Die Proben wurden jeweils nach einer Abstinenzphase von 2,8 Tagen (erste Probe) bzw. 3 Tagen (2. Probe) abgegeben.

Von den 45 Teilnehmern erhielten 21 (46,7 %) BNT162b2, 24 (53,3 %) erhielten mRNA-1273. Im Median lag die Spermienkonzentration vor der Impfung bei 26 Millionen/ml, die Gesamtzahl beweglicher Spermien bei 36 Millionen.

Nach der zweiten Impfdosis stieg die mittlere Spermienkonzentration signifikant auf 30 Millionen/ml (p = 0,02), die mittlere Zahl beweglicher Spermien betrug 44 Millionen (p = 0,001). Ebenso steigerten sich auch Sperma-Volumen und die Beweglichkeit der Spermien.

Bei 8 Personen wurde mit der ersten Probe Oligospermie (Spermakonzentration < 15 Millionen/ml) festgestellt. Die mediane Konzentration betrug bei diesen Männern 8,5 Millionen/ml. Bei 7 der Männer stieg die Konzentration nach der zweiten Impfdosis auf einen normozoospermischen Bereich an (mediane Konzentration: 22 Millionen/ml), die Spermienzahl verbessert sich also. Bei keinem Mann sank die Spermienzahl in einen azoospermischen Bereich.

Fazit: Gute Spermienzahl und Beweglichkeit auch nach Corona-Impfung

Demnach wurden in dieser Studie keine Nachteile der mRNA-Impfstoffe für Spermienqualität und –zahl festgestellt. Dies ist konsistent damit, dass die Impfstoffe keinen aktiven Virus enthalten und somit kein Einfluss auf Spermien zu erwarten ist. Zwar wurden hier Zunahmen von Spermienkonzentrationen festgestellt, diese bewegen sich allerdings im normalen Schwankungsbereich bei gesunden Männern.

Video: Hat eine Covid-Impfung Auswirkungen auf Fruchtbarkeit der Frauen?

Dies wurde in der genannten Studie nicht untersucht, doch auch dieses Gerücht hält sich hartnäckig, lässt sich aber wissenschaftlich nicht verifizieren.

Unsere Kollegen von DER STANDARD haben die häufigsten Behauptungen und hartnäckigsten Gerüchte einem Faktencheck unterzogen, den wir an dieser Stelle nicht nur Impfskeptikern wärmstens empfehlen wollen.

Der Molekularbiologe Martin Moder hat zum Thema Corona Impfung und Fruchtbarkeit bereits im Jänner 2012 ein sehr einprägsames Video auf seinem Youtube-Kanal MEGA gemacht und dort eine besonders plausibel erscheinende – scheinbar wissenschaftliche – Behauptung widerlegt. ³

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Quellen:

¹ Sperm Parameters Before and After COVID-19 mRNA Vaccination (Gonzalez, D. C., Nassau, D. E., Khodamoradi, K., Ibrahim, E., Blachman-Braun, R., Ory, J., & Ramasamy, R. (2021). Sperm Parameters Before and After COVID-19 mRNA Vaccination. JAMA, 326(3), 273. DOI: https://doi.org/10.1001/jama.2021.9976)
² Faktencheck: Macht die Covid-Impfung Frauen unfruchtbar? (derstandard.at)
³ MEGA (Make Europa Gscheit Again) wird im Rahmen von #EUROPAgegencovid19 / #EUmythbusters produziert. Dies ist eine gemeinsame non-profit Initiative von Europe Direct Österreich, den Europäischen Föderalisten (EFB.at | JEF.at), R9 Regional TV, WH Media GmbH, WH Digital GmbH, Europe:United, dem Europäischen Bildungsinstitut (EBI), sowie anderen Partnern.

Weiters: DeutschesGesundheitsPortal.de

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Linktipps

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