Nachhaltig genießen
Ist Fischverzehr ohne schlechtes Gewissen überhaupt möglich? Nun, es gibt Hoffnung, denn langsam setzt ein Umdenken der Fischereiindustrie ein. Dahinter steckt jedoch nicht etwa eine plötzlich aufkeimende Moral, sondern handfeste wirtschaftliche Gründe: die Fischerei wird immer mehr zu einem riesigen Verlustgeschäft. Wo die Meere leer gefischt sind, ist auch für die Industrie nichts mehr zu holen. So bahnen sich erste Reformen ihren Weg, abzulesen an Maßnahmen wie der Einführung eines Ökosiegels durch das 1997 gegründete Marine Stewardship Council (MSC).
Das MSC-Siegel kennzeichnet wild gefangenen Meeresfisch, wenn dieser aus nachhaltiger Fischerei stammt. Hintergrund: es darf nur so viel gefischt werden, wie auch nachwachsen kann. Und das MSC achtet darauf, dass Fangvorschriften eingehalten werden, die auf das ökologische Gleichgewicht des Meeres achten – beispielsweise das bewusste Eindämmen des Beifangs. Somit gehen kaum andere als die von der Fangflotte ins Visier genommenen Arten ins Netz. Für immer mehr Supermarkt-Ketten ein Grund, Produkte ohne MSC-Siegel aus den Regalen zu verbannen.
Artgerechte Haltung
Auch bei Fisch spricht man mittlerweile, ähnlich wie bei Rindern und Schweinen, von artgerechter Haltung. Ein Beispiel dafür ist Bio-Pangasius. Während sich in der konventionellen Pangasius-Zucht die einzelnen Tiere kaum bewegen können, leben in der ökologischen Aquakultur maximal 10-15 Fische pro Kubikmeter. In bio-zertifizierten Fischzuchtbetrieben werden auch die Futtermittel streng kontrolliert. Chemische und synthetische Zusatzstoffe sowie künstliche Vitamine im Futter sind verboten. Der natürliche Lebensraum des Pangasius ist das Mekong-Delta. Und genau dort befinden sich auch die bio-zertifizierten Fischfarmen. Die Jungfische leben drei Monate lang in kleinen Teichen, ehe sie in naturnahe Netzgehege im Uferbereich des Mekongs umgesetzt werden. Nach acht Monaten wird der knapp 1 kg schwere Bio-Pangasius gefangen, von Hand filetiert, an Ort und Stelle schockgefrostet und tiefgekühlt in alle Welt transportiert.
Der Pangasius ist eine Bereicherung für jene, die Fisch lieben, aber auf Gräten gerne verzichten, denn davon besitzt er von Natur aus nur wenige. Der zur Familie der Welse zählende Süßwasserbewohner zählt auch zu jenen Lebensmitteln, die gut für die schlanke Linie sind. Mit seinem niedrigen Fettgehalt ist er ideal für eine qualitätsbewusste Ernährung.
Für Fischgenießer gibt es auch aus heimischen Gewässern schmackhafte, ökologische und gesunde Alternativen. Der süddeutsche und österreichische Raum ist eine Region der Seen, dennoch ist die Bedeutung der Binnenfischerei jahrelang zurück gegangen. Doch mittlerweile bezieht vor allem die Haubenküche wieder fleißig Ware aus heimischen Gewässern und setzt auf deren hervorragende, frische Qualität. Im Alpenraum werden Karpfen, Forelle, Saibling, Rotauge, Wels, Hecht, aber auch Alpenlachs gezüchtet. Diese Fische schwimmen in sauberen Gewässern und werden ohne Hormone, synthetische Zusatzstoffe oder Düngemittel aufgezogen. Heimische Fische sind also eine gute Alternative zu den vom Aussterben bedrohten Meeresfischen. Weitere Informationen zu Einkauf und Lagerung finden Sie in unserem Fischratgeber.
[red]
Quellen:
¹ Mitarbeit: Dr. Claudia Nichterl – essenz.at
² www.fischinfo.de, www.umweltberatung.at, www.greenpeace.at, www.wwf.at
Linktipps:
…. Verfügbarkeit von Fisch mit MSC-Siegel
…. Rezepte mit Fisch bzw. Meeresfrüchten
…. Listerien in Fisch und Käse – Nahrungsmittelvergiftung
…. Warenkunde: Fisch & Meeresfrüchte
…. Bio-Lebensmittel
…. Kulinarium: die besten Weine im Überblick
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