Listerien – Zahl der Lebensmittelvergiftungen steigt

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Listeria monocytogenes - genügsames Bakterium mit weiter verbreitung
Listeria monocytogenes – Foto: public domain

Listerien sind stäbchenförmige Bakterien, die keine großen Ansprüche an die Umgebung stellen – wohl der Hauptgrund für die weite Verbreitung. Mit Vorliebe nisten sich Listerien in nicht erhitzten tierischen Lebensmitteln, hauptsächlich in Rohmilch und Rohmilchkäse, ein. Diese Verunreinigung kann bei Mensch und Tier eine Infektionskrankheit namens Listeriose auslösen. Bei älteren Menschen und Menschen mit einer abgeschwächten Immunabwehr, sowie bei Schwangeren und deren ungeborene Kinder können die Folgen der Ansteckung fatal sein. Die Zahl der Ansteckungen – mit teils tödlichem Ausgang – ist europaweit in den letzten Jahren jedenfalls ständig gestiegen.

Listerien sind äußerst widerstandsfähig, ihr Stoffwechsel benötigt nicht zwingend elementaren Sauerstoff und sie sind auch ausgesprochen kältetolerant. Sie vermehren sich häufig in nährstoffarmen Substraten, optimal bei einer Temperatur zwischen 30 und 37°C, werden jedoch bereits ab 3°C aktiv. All diese Eigenschaften machen sie bei der Lebensmittelproduktion zu einem großen Problem. Die Keime sind nach Angaben des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) in der Umwelt weit verbreite, so auch in der Landwirtschaft. Sie können in den verschiedenen Schritten der Produktion in die Lebensmittel gelangen, etwa beim Melken oder Schlachten. Die Verarbeitung und Behandlung der verseuchten Rohstoffe führt nicht immer zu einer Abtötung der Bakterien, beispielsweise bei Rohmilchkäse, Rohwurst, Hackfleisch und Räucherfisch.

Listerien-Funde: Lidl und der tödliche Steirer-Käse

In einigen Sorten des Unternehmens Prolactal war nun trotz Kontrollen eine erhöhte Konzentration von Listeria-Bakterien gefunden worden, die in sechs Fällen – zwei in Deutschland, vier in Österreich – zum Tod von Konsumenten geführt haben könnten. Der Discounter Lidl hat den Käse („Reinhardshof, Harzer Käse“ und „Reinhardshof, Bauernkäse mit Edelschimmel“) des österreichischen Herstellers Ende Jänner zurückgerufen, nachdem die tödlichen Erkrankungen bekannt geworden waren.

Listeriose: eher seltene Lebensmittelvergiftung

Bei Menschen mit intaktem Immunsystem sind Listerien – als humanpathogen wird nur die Art Listeria monocytogenes angesehen – weitgehend unproblematisch. Es kommt bei ihnen nur selten zu einer Infektion und noch seltener zu einer Erkrankung, die dann meist nur als leichtes Fieber verläuft mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich sind die Keime vor allem für abwehrgeschwächte Personen wie Neugeborene, alte Menschen, chronisch Kranke und Schwangere.

Auch bei dieser Gruppe ist sie eher selten, dann aber gefährlich: Trotz gezielter Therapie verlaufen etwa 30 Prozent der Erkrankungen tödlich. Da das klinische Bild der Listeriose sehr variabel ist, wird die Erkrankung oft erst spät erkannt weshalb auch der Einsatz wirksamer Antibiotika dann nichts mehr nützt. Bei Lebensmittelinfektionen treten beim Menschen im Regelfall zunächst Durchfall und Bauchschmerzen auf, dazu sehr plötzlich heftige Kopfschmerzen, starkes Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Die Folgen der Listeriose sind häufig Gehirnhautentzündung, Gehirnentzündung (Enzephalitis), Blutvergiftung (Sepsis) und Störungen des zentralen Nervensystems, bei Schwangeren kann es zu Fehlgeburten kommen.

Ministerium: Vorsicht ja, Panik nein!

Im Zuge der jüngsten Krankheitsfälle rät das österreichische Gesundheitsministerium derzeit bei Rohkäse zu Vorsicht. Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass sich Listerien auch in anderen eiweißhältigen Lebensmittel einnisten. Dazu zählen neben (Roh-)milchprodukten vor allem auch Fleisch, Fisch und Eier. Immer wieder kommt es daher auch zu Listerien-Infektionen. So starben in den 1990er Jahren in Frankreich 63 Menschen an den Folgen der Lebensmittelvergiftung. Die Erkrankungen sind europaweit zwar im Ansteigen, insgesamt zahlenmäßig aber auf bescheidenem Niveau. In Deutschland werden jedes Jahr cirka 500 Fälle gemeldet, etwa 25 Fälle verlaufen tödlich. In Österreich sind 2009 von 45 Erkrankten elf Patienten gestorben.¹

Da es keine Impfung gegen Listeriose gibt, besteht die wichtigste Maßnahme zum Vorbeugen einer Listeriose darin, vor allem beim Umgang mit Lebensmitteln auf ausreichende Hygiene zu achten. Folgende Regeln des Robert Koch Instituts sind zu beachten:²

  • keine Lebensmittel tierischen Ursprungs roh verzehren (also Rohmilchprodukte, rohes Fleisch wie Tartar, English Steak, Sushi, Rohwurst)
  • Geräucherten oder marinierten Fisch vermeiden (z.B. vakuumverpackter Räucherlachs, Graved Lachs)
  • keine bereits geschnittenen und verpackten Salate essen
  • Salat und gemüse nicht auf dem selben Schneidbrett schneiden, auf dem vorher rohes Fleisch geschnitten wurde
  • Listerien sterben erst bei über 70 Celsius ab, niedrige Temperaturen bis – 18°C überstehen sie jedoch schadlos

Die oststeirische Herstellerfirma der betroffenen Käsesorten Prolactal hat mittlerweile eine Hotline für Konsumenten eingerichtet. Sie ist unter der gebührenfreien Nummer 0800-201080 zu erreichen.

Quelle:

¹ derstandard.at
² Robert Koch Institut

[red]

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