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Schlafapnoe und Narkolepsie

Schlafapnoe und Narkolepsie

Neuroimaging bei Schlafapnoe

Spannende neue Erkenntnisse aus der Schlafforschung: Während des Schlafes verlieren die neuronalen Synapsen – also die Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen im Gehirn – an Plastizität und reduzieren den Austausch zwischen verschiedenen Hirnarealen auf ein Minimum. Genau das sorgt dafür, dass wir uns vor den Schlaf Gelerntes besser merken können. Während gesunder Schlaf also schlau macht, ist ein gestörter Schlaf gefährlich für die Herz- und Hirngefäße.



Schlafapnoe und Narkolepsie – Artikelübersicht:

Aktuelle neurologische Studien ergaben: bei Menschen, die unter Schlafapnoe leiden, entstehen gefährliche Entzündungsprozesse, die den Gefäßwänden zusetzen. Forscher sind jetzt auch Prozessen im Gehirn auf der Spur, die zur gefährlichen Narkolepsie führen.

Narkolepsie: Ursachenforschung ebnet den Weg für neue Behandlungsmethoden

Narkolepsie ist eine neurologische Erkrankung des Schlaf-Wach-Rhythmus, die sich bevorzugt durch imperativen Schlafdrang äußert. In der Abgrenzung zur Hypersomnie handelt es sich um eine systematische Störung, die nicht nur durch ein allgemein erhöhtes Schlafbedürfnis, sondern vor allem durch eine tief greifende Störung der Rhythmik aufweist. Hypersomnie ist definiert entweder als Zustand exzessiver Schläfrigkeit während des Tages und Schlafattacken (die nicht durch eine inadäquate Schlafdauer erklärbar sind) oder durch verlängerte Übergangszeiten bis zum Wachzustand nach dem Aufwachen. Bei Fehlen einer organischen Ursache für die Hypersomnie, ist dieses Zustandsbild gewöhnlich mit anderen psychischen Störungen verbunden.

Narkolepsie ist gekennzeichnet durch übermäßige Tagesschläfrigkeit mit einem zu unpassender Zeit einsetzenden Schlafdrang. Die Schlafattacken bei Narkolepsie, manchmal durch extremen Stress ausgelöst, haben nichts mit Unausgeschlafenheit zu tun und lassen sich daher auch mit viel Schlaf nicht beheben. Typische Symptome der Narkolepsie sind:

  • Schlafzwang
  • Kataplexien
  • abnormer Schlafrhythmus
  • Schlaflähmung (im Traum- bzw REM-Schlaf und beim Aufwachen unterliegt die Muskulatur des Betroffenen der tiefschlaf- und REM-schlaftypischen Kontrolllosigkeit)

Die Unterscheidung zwischen Narkolepsie ohne Kataplexie (plötzlich auftretenden kurzzeitigen Verlust des Muskeltonus, also der Verlust der für die Körperhaltung notwendigen Muskelspannung) und einer idiopathischen Hypersomnie, ist oft nicht sicher möglich. Verwechslungen sind insbesondere wegen der Einschlafneigung und dem unerwarteten Zusammensacken sind mit auch vielen anderen Krankheiten möglich. Dies besonders wenn nur einzelne Symptome der Erkrankung auftreten.

An Narkolepsie leiden in Europa 30 bis 40 von 100.000 Menschen, viele von ihnen, ohne überhaupt von der weitgehend unbekannten Erkrankung zu wissen. Exzessive Tagesmüdigkeit ist ein besonders belastendes Symptom, Betroffene leiden aber auch an Kataplexie – also einem Tonusverlust der Muskulatur, Lähmungserscheinungen im Schlaf, Halluzinationen oder sie wachen nachts häufig auf.

„Wir kommen jetzt den Ursachen dieser Krankheit vermehrt auf die Spur“, sagt Prof. Dr. Claudio L. Bassetti vom Universitätsspital Zürich (CH). „Es ist wohl eine Kombination von erblichen und Umweltfaktoren.“ Dass bei Narkoleptikern die Schlaf-Wach-Mechanismen gestört sind und sie eine viel raschere Abfolge von Wachzustand, leichtem Schlaf und dem so genannten REM-Schlaf haben als gesunde Menschen dürfte, wie neue Erkenntnisse zeigen, unter anderem mit Störungen der Produktion bestimmter Botenstoffe im Gehirn zu tun haben, berichtet Prof. Bassetti: „Wir wissen jetzt, dass betroffene Patienten etwa einen Mangel an Hypokretin, Dopamin, oder Dynorphin aufweisen, wobei möglicherweise eine Autoimmun-Störung mit dahinter steckt. Das gibt uns die Richtung für mögliche neue Behandlungsmethoden vor, insbesondere mit immunmodulierenden Substanzen und Stoffen, die auf den Hypokretin-Stoffwechsel wirken.“

Derzeit ist eine ursächliche Therapie nicht möglich, Betroffene werden mit vor allem mit stimulierenden Medikamenten und Medikamenten gegen die Kataplexie behandelt oder planen gezielt tagsüber kurze Schlafphasen ein. Die Tagesmüdigkeit kann aber durch Wirkstoffe wie Methylphenidat (Ritalin©) oder das modernere Modafinil (Vigil©) teilweise gemildert werden.

Schweres Schnarchen ist lebensgefährlich

Wer an Schlaf-Apnoe leidet, sollte das auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen. Denn die nächtlichen Atemstillstände erhöhen das Herz-Kreislaufrisiko und die Sterblichkeit vor allem bei Menschen unter 50 erheblich, wie die Forschungsergebnisse von Prof. Dr. Peretz Lavie vom Technion-Israel Institut in Haifa (IL) zeigen.

Auch die Begründung dafür, warum Apnoe-Patienten öfter Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Herzrhythmusstörungen erleiden als die Durchschnittbevölkerung konnten Prof. Lavie und sein Team erstmals nachweisen: „Wir konnten zeigen, dass der Sauerstoffmangel der auslösende Faktor für ein abnormales Verhalten von Gefäßzellen ist.“

Auf der Oberfläche der weißen Blutkörperchen von Apnoe-Patienten bilden sich ungewöhnliche viele Adhäsionsmoleküle, die zur Verdickung der Gefäßwände führen. Gleichzeitig werden auch freie Radikale produziert, die die Innenwände der Gefäße schädigen. Prof. Lavie: „Die Folge dieser Entzündungsprozesse ist Arteriosklerose, also Gefäßverkalkungen. Diese Erkenntnisse haben wichtige Konsequenzen für die Diagnose und Therapie der Schlaf-Apnoe.“

Das Schlafapnoe-Syndrom (SAS) ist ein Beschwerdebild, das in der Regel durch Atemstillstände (Apnoen) während des Schlafs verursacht wird und in erster Linie durch eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit bis hin zum Einschlafzwang (Sekundenschlaf) gekennzeichnet ist. Die Atemstillstände führen zu einer Sauerstoff-Unterversorgung und zu wiederholten Aufweckreaktionen (als automatische Alarmreaktion des Körpers), die jedoch meist von den Betroffenen nicht bewusst wahrgenommen werden. Folge der Aufweckreaktionen ist ein nicht erholsamer Schlaf, was wiederum zu der typischen ausgeprägten Tagesmüdigkeit führt.

Die weitaus häufigste Form ist das obstruktive und gemischte Schlaf-Apnoesyndrom (OSAS). Dieses entsteht durch eine Behinderung (Obstruktion) der Atemwege mit oder ohne gleichzeitige Erkrankung des zentralen Nervensystems. Es kann diagnostiziert werden, wenn Apnoephasen, starkes Schnarchen und insbesondere deren Symptome und Folgeerkrankungen bestehen. Schnarchen allein und auch gelegentliche kurze Atmungsaussetzer sind nicht gesundheitsschädlich.

Die Ursachen des OSAS können zum Beispiel sein:

  • Adipositas (Übergewicht)
  • Eventuell zusätzlich auch eine Behinderung der Nasenatmung durch Polypen oder Nasenscheidewandverkrümmung
  • Konstitutionelle Erschlaffung der Rachenmuskulatur, Veranlagung
  • Alkoholkonsum abends, Schlafmittel

Wenig Informationsaustausch im Gehirn wichtig für das Gedächtnis

Wichtige Erkenntnisse zu den Veränderungen, die im Gehirn stattfinden, während wir schlafen, lieferte Prof. Dr. Gulio Tononi von der University of Wisconsin, Madison (USA): Wie seine Untersuchungen zeigen, ist weniger die Aktivität einzelner Gehirnzentren im Schlaf reduziert, sondern vor allem der Informationsaustausch zwischen verschiedenen Großhirnbereichen. „Synapsenplastizität“ ist hier das Stichwort. „Offenbar ist eine wichtige Funktion des Schlafes, die Aktivität der neuronalen Synapsen herunter zu regulieren“, berichtet Prof. Tononi.

„Die Nervenzellen der Gehirnrinde sind zwar auch im Schlaf aktiv, aber ihre Verbindung zu anderen Gehirnregionen ist gegenüber dem Wachzustand stark einzuschränken.“ Dieser niedrige Aktivitätslevel ist offenbar entscheidend für Lernvorgänge und das Gedächtnis: Schlafen bewirkt, dass Gelerntes im Gehirn effizient abgespeichert wird. Die neuen Erkenntnisse, so Prof. Tononi, hätten wichtige Implikationen für das Verständnis nicht nur von Schlafstörungen, sondern auch von einer Reihe neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen.


Linktipps:

Ritalin Konsum steigt weiterhin an – Diagnose AD(H)S als Hauptursache
– Krankheitslexikon: Schlafstörungen
– Was tun gegen Schnarchen?
– Risikofaktor Schlafstörung
– Schmerzen & Schlafstörungen
– Themenschwerpunkt Nase
– Warum Schlaf so wichtig ist
– Österreichische Narkolepsie Gesellschaft

Kave Atefie





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