Eileiterschwangerschaft (ELSS) – Was ist das?

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Eileiterschwangerschaft

Bei ein bis zwei Prozent aller Schwangerschaften nistet sich das befruchtete Ei nicht wie vorgesehen in der Gebärmutter sondern woanders im weiblichen Unterleib ein. In diesem Fall spricht man von einer Eileiterschwangerschaft. Ursachen dafür kann es viele geben. Oft endet eine Eileiterschwangerschaft spontan mit einem sogenannten Tubarabort, in manchen Fällen kann es aber zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen und ein medizinischer Eingriff ist erforderlich.

Eileiterschwangerschaft – Artikelübersicht:

Was ist eine Eileiterschwangerschaft (ELSS)?

Wenn sich nach der Befruchtung das Ei nicht wie vorgesehen in der Gebärmutter einnistet, sondern irgendwo am Weg dorthin, spricht von einer extrauterinen Schwangerschaft. Der Embryo wächst dann ektop, was so viel wie „außerhäuslich“ bedeutet.

Rund 1% aller Schwangerschaften sind ektope Schwangerschaft, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter der Frauen steigt.

Bei rund 99% aller extrauterinen Schwangerschaften nistet sich das Ei im Eileiter ein und man spricht von einer Eileiterschwangerschaft. Aber auch Einnistungen direkt im Eierstock, im Gebärmutterhals oder im Bauchraum sind möglich.

Das Wiederholungsrisiko einer Eileiterschwangerschaft, also dass eine Frau zweimal hintereinander eine Eileiterschwangerschaft erleidet, wird mit sieben bis 25 Prozent angegeben. Das ist zwar nicht wenig, umgekehrt heißt es aber auch, dass 75% aller Frauen nach einer Eileiterschwangerschaft bei der nächsten Befruchtung eine „gesunde“ und normale Schwangerschaft erleben.

Ursachen einer ELSS

Normerweise durchwandert eine befruchtete Eizelle drei bis fünf Tage einen Eileiter bevor sie sich in der Gebärmutter festsetzt. Jedoch nicht alle Eizellen schaffen diese Wanderung. Rund eine von Hundert setzt sich woanders fest – meist eben in der Schleimhaut des Eileiters. Doch warum ist das so?

Es gibt mehrere Faktoren, die die Wanderung der Eizelle stören können. Der größter Risikofaktor sind geschädigte Eileiter. Doch wie kommt es wiederum zu einer Schädigung der Eileiter?

Unterleibs- bzw. Eileiterentzündungen, besonders wenn sie durch Chlamydien hervorgerufen wurden, sind ein Risikofaktor. Endometriose ein zweiter, Polypen im Eileiter ein dritter. Alle drei Ursachen können zu Verwachsungen im Eileiter führen und diese verengen oder verkleben.

Auch Frauen, die trotz Spirale schwanger werden, haben ein hohes Risiko einer extrauterinen Schwangerschaft. Drüber hinaus stellen vorangegangene Bauch- oder Beckenoperationen, Tumore, die Einnahme hormoneller Arzneimittel und künstliche Befruchtungen Risikofaktoren dar.

Symptome einer Tubargravidität

Eine Eileiterschwangerschaft – auch Tubargravidität genannt – beginnt wie jede andere Schwangerschaft auch. Die monatliche Regelblutung bleibt aus, und auch Schwangerschaftstests zeigen ein positives Ergebnis.

Das Ei wächst zunächst ganz normal, Schwangerschaftshormone werden produziert und sind nachweisbar. Das Fatale ist, dass der Embryo, wenn er sich nicht in der Gebärmutter eingenistet hat, bald ein Platzproblem bekommt.

Je enger der Teil des Eileiters in dem sich das Ei eingenistet hat, desto rascher kommt es zu einer „Ruptur“ von Blutgefäßen. Dabei reißt das Gewebe rund um den Embryo und es kommt zu einer Blutung in der Bauchhöhle.

Das verursacht Schmerzen und zum Teil überaus starke Blutungen, die im Extremfall lebensbedrohlich sein können. Schwangere Frauen, die Blutungen und Schmerzen haben, sollten daher umgehend einen Arzt konsultieren.

Das Gefährliche ist, dass Eileiterschwangerschaften oft erst relativ spät entdeckt werden, nämlich dann, wenn Frauen, die meinen, schwanger zu sein (was sie ja auch sind) starke Schmerzen und Blutungen bekommen.

Warnsignale, die Sie dazu veranlassen sollten, umgehend einen Arzt oder Notarzt aufzusuchen, treten bei Tubagravidtät meist in der sechsten bis neunten Woche auf.

Hier die typischen Symptome nochmals zusammengefasst:

  • Allgemeines Unwohlsein
  • Blutungen, Schmierblutungen, bräunlicher Ausfluss
  • Kreiskaufkollaps
  • Schwindelgefühl bis hin zur Ohnmacht
  • Starke Schmerzen im Unterleib

Diagnose ELSS

Klar ist: je früher die Eileiterschwangerschaft festgestellt und behandelt wird, desto weniger Komplikationen wird es geben. Allerdings ist es nicht leicht, eine ektope Schwangerschaft zu einem frühen Zeitpunkt mit Sicherheit festzustellen.

Der Embryo ist noch zu klein, um im Ultraschall erkennbar zu sein. Erfahrene Frauenärzte können allerdings bei der vaginalen Untersuchung unter Umständen eine leere Gebärmutter ertasten oder sie erspüren eine Schwellung oder eine schmerzhafte Stelle, an der sich das befruchtete Ei irrtümlich eingenistet hat.

Wenn trotz positiven Schwangerschaftstest auch in der sechsten Woche noch kein eingenistetes Ei bei der Ultraschalluntersuchung in der Gebärmutter erkennbar ist, erhärtet sich der Verdacht auf eine ELSS.

Ein weiteres Indiz für eine ektope Schwangerschaft ist ein nicht adäquater Hormonspiegel: Steigt die Konzentration des Schwangerschaftshormons hCG zu langsam an, deutet dies auch auf eine ELSS hin.

Um bei der Diagnose auf Nummer sicher zu gehen, wird manchmal auch eine Bauchspiegelung durchgeführt.

Behandlung einer Eileiterschwangerschaft

Bestätigt sich der Verdacht, müssen Arzt und Patientin zwischen Abwarten oder medizinischer Eingriff abwägen.

Pro und Contra Abwarten:

In vielen Fällen stößt der Körper das falsch eingenistete Ei von selbst ab. In diesem Fall, also wenn die Frucht in die Bauchhöhle ausgestoßen wird, spricht man von einem Tubarabort.

Dieser Tubarabort verläuft in rund 50% der Fälle komplikationslos, in der anderen Hälfte der Fälle kann es allerdings zu schweren Komplikationen wie Bauchfellentzündungen oder einer Einnistung in der Bauchhöhle kommen.

Im anderen Fall kann der Eileiter plötzlich und ohne Vorwarnung reißen. Diese Tubarruptur kann zu lebensgefährlichen inneren Blutung führen. Abgesehen davon besteht auch nach Tubarrupturen die Chance bzw. das Risiko, dass das Ei entweder ‚von selbst’ abgebaut wird, oder sich im Komplikationsfall erneut irgendwo im Bauchraum einnistet.

Good to know: Tubaraborte sind in etwa dreimal häufiger als Tubarrupturen. Das spricht für „Abwarten“ um dem Körper eine Operation zu ersparen.

Oft wird Frauen mit der Diagnose oder dem Verdacht auf Eileiterschwangerschaft daher zunächst eine stationäre Beobachtung empfohlen, bevor man weitere Schritte setzt.

Pro und Contra Eingriff

Entscheidet sich der Arzt für einen Eingriff, wird zunächst meist im Rahmen einer Bauchspiegelung die Bauchdecke geöffnet und der falsch eingenistete Embryo entfernt. Das bedeutet lediglich drei kleine Schnitte die kaum als Narben erkennbar bleiben und der Eileiter sollte ebenfalls problemlos verheilen. Ein Restrisiko, wie bei allen Operationen, besteht allerdings.

Eine andere Methode um eine Eileiterschwangerschaft zu beenden, ist die intravenöse Verabreichung eines wachstumshemmenden Zellgifts (Metothrexat). Dieses Medikament tötet das Schwangerschaftsgewebe ab und es kommt zu einem Abortus.

Wenn sehr starke Verwachsungen vorliegen bzw. eine ektope Schwangerschaft erst spät diagnostiziert wird, kann der Arzt auch entscheiden, dass die sicherste Methode die Entfernung des betroffenen Eileiters ist.

In den allermeisten Fällen kann der Eileiter nach einer Eileiterschwangerschaft jedoch erhalten werden.

Fazit: Während vor einigen Jahrzehnten eine Eileiterschwangerschaft noch eine unmittelbare Lebensgefahr bedeuten konnte, liegt heutzutage bei rechtzeitiger Diagnose und vor dem Hintergrund der medizinischen Standards in der westlichen Welt die Sterblichkeit bei lediglich 0,1 Prozent.

Umgekehrt muss man wissen, dass die Entwicklung eines Kindes bis zur Geburt im Eileiter extrem selten ist und in den meisten Fällen zum Tod der Mutter und/oder des Kindes führt.

Sollten Sie also meinen schwanger zu sein und Blutungen oder starke Schmerzen kommen – unbedingt zum Arzt! Es besteht Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft!

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Quelle:

¹ Frauengesundheitszentrum FEM

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