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Angstfrei leben – Tipps gegen Phobien und Panikattacken

Angstfrei leben – Tipps gegen Phobien und Panikattacken

Angstfrei leben

Angst ist ein Urinstinkt – ohne sie hätte die Menschheit sich nicht entwickelt. Doch immer mehr Menschen leiden unter unbegründeten Ängsten: Wer einmal eine Panikattacke erlebt hat, weiß, was Angst aus heiterem Himmel und ohne erkennbare Ursache mit einem macht. Doch auch objektiv unbegründete Phobien und Sozialphobien nehmen immer mehr zu.



Angst kann Leben retten und zerstören, beklemmen und motivieren, Sinn machen oder völlig irrational daher kommen. Wenn man weiß, wovor man Angst hat – auch wenn diese unbegründet ist – spricht man von Phobien, wenn die Angst aus dem Nichts und ohne erkennbare Ursache auftritt, nennt man sie ‚Panikattacke‘. Beide Angstformen sind mittlerweile weit verbreitet und noch immer am Vormarsch.

Wenn Furcht zur Krankheit wird

Die WHO prognostiziert, dass im Jahr 2020 Depressionen und Angststörungen hinter kardio-vaskulären Erkrankungen Platz zwei auf der Liste der häufigsten Krankheiten belegen werden. Schon heute leidet jeder zehnte unter Phobien und fürchtet sich vor konkreten – aber objektiv betrachtet harmlosen – Dingen, Tieren oder Situationen.

13% leiden unter sozialen Phobien, was ihre gesellschaftliche Teilhabe massiv beeinträchtigt. Angst vor größeren Menschenmengen oder die Befürchtung, sich im täglichen Alltag zu blamieren, führen oft dazu, dass Betroffene das Haus kaum mehr verlassen. Fünf Prozent leiden ohne ersichtlichen Anlass sogar so stark und ununterbrochen unter Furcht, dass diese permanente Besorgnis einen letztlich zu Depressionen führt.

Immerhin noch vier Prozent leiden unter regelmäßigen Panikattacken, die subjektiv als Todesangst erlebt werden und auch physiologisch ihre Spuren hinterlassen und bald zu Erschöpfung – und damit erst recht wieder zu Depressionen führen.

Exkurs: Angst hatte im Lauf der Evolution absolut ihre Berechtigung. Wenn unsere Vorfahren in grauer Vorzeit einem Säbelzahntiger gegenüberstanden, dann beflügelte die Angst und das ausgestoßene Adrenalin sie zu ungeahnter Fluchtgeschwindigkeit und anderen Ideen, um dem ‚Gefressen-werden‘ zu Entkommen.

Angst ohne objektiven Grund, wie sie heute weit verbreitet ist, hat allerdings nichts mehr mit diesem sinnhaften Adrenalinkick gemeinsam und sichert nicht das Überleben, sondern beeinträchtigt es massiv.

Dauerhafte Angst, bzw. die Angst vor der Angst und damit einhergehende Vermeidungsstrategien führen schließlich dazu, dass ein ’normales‘ gesellschaftliches Leben kaum mehr möglich ist. Wenn dieser ursprüngliche Schutzmechanismus ‚Angst‘ zum dauerhaften Begleiter wird, dann liegt die Seele in Ketten und Experten sprechen von einer ‚Angsterkrankung‘.

Soziale Phobien

Die Grenzen sind dabei oft fließend, denn jeder empfindet anders. Da gibt es die Menschen, die generell eher ängstlich sind, und mit ihrer Angst sozusagen täglich konfrontiert, aber seit Kindheitstagen daran gewöhnt sind. Diese Menschen erleben diesen Dauerbegleiter oft gar nicht mehr als Behinderung, sondern glauben, gelernt zu haben, damit zu leben.

Objektiv betrachtet, verhindert dieser Zustand aber sehr wohl ein ’normales‘ Leben. Argumente wie ‚Ich kann ja auch zu Fuß gehen, statt die U-Bahn zu nehmen‘, oder ‚Urlaub in der Wohnung ist ja auch schön, ich muss ja nicht in den Flieger steigen‘ fallen vielleicht solange nicht auf, solange man alleine lebt, aber in einer Partnerschaft werden entsprechende ‚Eigenbröteleien‘ schon viel schwieriger durchzusetzen.

Eine Familie gar, in der eines der Mitglieder unter Angststörung leidet, ist letztlich massiv in ihren Möglichkeiten der Freizeitgestaltung eingeschränkt, was letztlich nicht nur zu einer Belastung für den Betroffenen sondern für das ganze Familiensystem wird.

Andererseits können diese Leiden manchmal auch einen ‚Krankheitsgewinn‘ bringen, wenn sich das Umfeld unterstützend zeigt und Aufmerksamkeit die Folge ist. Wer alleine aufgrund seiner Angst nirgends hingehen kann und daher immer begleitet wird, der muss nicht ‚allein sein‘. Dieses Bedürfnis, ’nicht-allein-sein-zu-wollen‘ ist in unserer schnelllebigen Zeit ein immer häufiger zu beobachtendes Phänomen; Angsterkrankungen zu entwickeln um dieses Bedürfnis befriedigen zu können, also eine unbewusste, wenn auch recht häufige Strategie. Doch warum ist das so?

Tatsache ist, dass die alltäglichen Anforderungen mehr werden, und Veränderungen immer rascher Anpassung erfordern. Egal ob im Beruf oder in der Familie: Geradlinige Biographien mit nur einem Job und nur einem Partner sind mittlerweile die absolute Ausnahme.

Vor zwei Generationen war das Leben noch viel vorhersehbarer und beständiger. Auch die technologische Entwicklung fordert ihren anpassungsrelevanten Tribut. Doch evolutionstechnisch sind wir nicht auf so rasche Veränderungen ‚programmiert‘ – Angststörungen sind eine mögliche und individuelle ‚Lösungsstrategie‘ – nur leider keine effiziente!

‚klassische’Phobien

Top-Angstmacher sind Schlangen, Ungeziefer und Spinnen, aber auch Besuche beim Arzt, Spritzen, Blut, Gewitter, enge Räume oder Höhe machen vielen Menschen Angst. Auch Flugangst oder die Angst vor freilaufenden Hunden ist weitverbreitet und rein statistische betrachtet völlig unbegründet: die Gefahr, auf der Straße oder in der Wohnung stürzen oder sich selbst durch Unachtsamkeit zu verletzen, ist bei weitem größer, als mit dem Flugzeug abzustürzen oder von einem Hund gebissen zu werden. Aber dennoch, Phobien sind weit verbreitet:

  • 39% fürchten sich vor Spinnen
  • 24% fürchten sich vor Arztbesuchen
  • 23% haben Angst vor engen Räumen, wie z.B. Liften
  • 22% haben Höhenangst
  • 19% fürchten sich davor, vor Menschen zu sprechen
  • 19% haben Prüfungsangst
  • 18% fürchten sich vor Gewittern
  • 18% haben Flugangst
  • 17% fürchten sich vor Spritzen
  • 15% fürchten sich vor Blut

Panikattacken

Plötzlich einsetzendes Herzrasen, Herz-stolpern, Todesangst, Druck auf der Brust, Atemnot, Zittern, kalter Schweiß – und das ohne Vorwarnung, ja manchmal mitten im Schlaf. Panikattacken sind ganz schön beängstigend und wer so etwas zu ersten Mal erlebt, glaubt, sterben zu müssen.

Meistens wird im Zuge der ersten Panikattacke auch der Notarzt gerufen oder die Notfallambulanz aufgesucht. Angehörige sind in höchstem Alarmzustand und erst eine gründliche Untersuchung bringt ‚Entwarnung‘. Doch auf die erste Erleichterung, dass es sich bei dem Zustand um keinen Herzanfall gehandelt hat, folgt die Ernüchterung: was, wenn das wieder kommt? Und warum hab ich das? Und vor allem – was kann ich dagegen tun?

Was hilft gegen Angst?

Wenn bedingt durch Angst, oder in der Folge bald einmal durch Angst vor der Angst immer weniger möglich und das Alltagsleben immer mehr eingeschränkt wird, dann steigt der Leidensdruck. Betroffene spüren, dass sie etwas unternehmen müssen.

Was jeder selbst tun kann, um sich vor der exponentiellen Angstexplosion zu schützen, umschreiben Experten folgendermaßen: „Es hilft, sich kognitiv und ganz konkret vor Augen zu führen, wovor man sich fürchtet, und zu analysieren, ob tatsächlich reale Gefahr besteht. Detailiert hinterfragte Angstauslöser können ihren Schrecken verlieren, wenn man rechtzeitig ihr wahres Gefahrenpotential analysiert und objektiv anhand von Fakten analysiert und abklärt.

Selbstschutz ist auch möglich, wenn man bestimmte Themen ‚abfiltert‘, sich also nicht noch zusätzlich mit angstauslösenden Situationen und Informationen konfrontiert. Niemand zwingt einen den ‚weißen Hai‘ anzusehen, wenn man sich eh schon kaum ins Meer traut, ‚Alarm im Cockpit‘ ist für Menschen mit Flugangst kaum das optimale Abendprogramm und auch die siebzehnte wissenschaftliche Dokumentation über Ebola ist nicht gesund, wenn man sich ohnedies vor Krankheiten fürchtet.
Viel klüger wäre es, seine Freizeit aktiv zu verbringen – am besten mit Sporteinheiten und Bewegung an der frischen Luft. Körperliche Betätigung kurbelt die Produktion positiver Neurotransmitter an. Dopamin etwa, das Belohnung signalisiert und den Angstpegel gut ausgleicht.

Wenn man es geschafft hat, wieder in Aktion zu kommen, anstatt gebannt wie der Hase vor der sprichwörtliche Schlange in Angststarre zu verharren, können auch direkte Konfrontationseinheiten helfen, die Angst zu überwinden. Fluglinien bieten z.B. Flugangstseminare an, oder auch die Konfrontation mit Spinnen oder das Tauchen mit Haien kann helfen, irrationale Ängste einzudämmen – wenn man das will!

Konfrontationstherapien sollten immer nur unter Begleitung durchgeführt werden. Denn wenn sich die Angstspirale bereits zu weit gedreht hat, ist professionelle Begleitung und Hilfe unumgänglich – andernfalls riskiert man eine Verstärkung der Symptome.

Vergessen Sie nie: Angst ist nicht Ihr Feind, Angst hat auch ihre Berechtigung und gänzlich angstfreie Menschen werden meist nicht sehr alt, weil sie Risiken nicht richtig einschätzen können. Sobald Angst aber beginnt, Ihr Leben einzuschränken, ist sie zur Krankheit geworden und muss therapiert werden, um weitere Chronifizierung an deren Ende oft Einsamkeit und Depression, stehen zu verhindern.

In diesem Sinn empfehlen wir einen wunderbaren Song eines großen österreichischen Musikers: ‚Keine Angst!‘ von Hansi Lang – und genießen Sie Ihr Leben! Denn zu Tode gefürchtet, ist schließlich auch gestorben, wie das charmante Wienerherz schon lange weiß!

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Quellen:

¹ Psychic.de – Klaustrophobie
² Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Angststörungen

Linktipps:

– Was ist Angst?
– Sozialphobie
– Krankheitslexikon – Panikattacken
– Autogenes Training – Entspannungstechniken