Verleihen Energy-Drinks wirklich Flügel? Risiken von Energydrinks im Überblick

Energy-Drinks versprechen mehr Energie, Konzentration und Leistungsfähigkeit – besonders bei Jugendlichen sind die bunten Dosen längst zum beliebten Lifestyle-Getränk geworden.
Doch was steckt wirklich hinter dem „Flügel verleihenden“ Effekt und welche Risiken können ein hoher Koffein- und Zuckerkonsum mit sich bringen?
Energy-Drinks – Artikelübersicht:
- Was steckt wirklich in Energy-Drinks?
- Der Energy-Drink-Boom in Österreich
- Warum Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind
- Koffein: Der wichtigste Wirkstoff mit Nebenwirkungen
- Zucker: Der unterschätzte zweite Risikofaktor
- Verleiht Taurin tatsächlich „Stierkräfte“?
- Energy-Drinks und Sport: Mehr Schein als Leistung
- Besonders riskant: Energy-Drinks und Alkohol
- Sind Energy-Drinks für Erwachsene grundsätzlich gefährlich?
- Warum gibt es in Österreich keine Altersbeschränkung?
- Was Eltern wissen sollten
- Fazit
Energy-Drinks beziehungsweise Energydrinks gehören längst zum Alltag vieler Menschen – besonders beliebt sind sie bei Jugendlichen, die sich mehr Energie, Konzentration oder Leistungsfähigkeit versprechen.
Doch hinter dem „Flügel verleihenden“ Image steckt vor allem eine Kombination aus Koffein, Zucker und geschicktem Marketing.
Während ein gelegentlicher Konsum für gesunde Erwachsene meist kein Problem darstellt, zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend, dass insbesondere Kinder und Jugendliche durch regelmäßigen oder hohen Konsum gesundheitlich gefährdet sein können.
Was steckt wirklich in Energy-Drinks?
Energy-Drinks sind koffeinhaltige Erfrischungsgetränke, die eine anregende Wirkung versprechen. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind:
- Koffein als zentraler Wirkstoff für die kurzfristige Steigerung von Wachheit und Aufmerksamkeit
- Zucker als schnell verfügbare Energiequelle
- Taurin, eine körpereigene Substanz, deren beworbene leistungssteigernde Wirkung wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist
- häufig weitere Zusätze wie Guarana, Ginseng oder Vitamine
Die eigentliche „Energie“ entsteht dabei nicht durch eine besondere Kraftquelle, sondern vor allem durch die stimulierende Wirkung des Koffeins und die rasch verfügbaren Kalorien aus Zucker.
Eine klassische 250-Milliliter-Dose enthält etwa 80 Milligramm Koffein – ungefähr so viel wie eine Tasse Filterkaffee. Beim Zucker kommen je nach Produkt rund 25 bis 30 Gramm hinzu, also etwa acht bis zehn Stück Würfelzucker.
Der kurzfristige Effekt kann sich tatsächlich wie ein Energieschub anfühlen: Müdigkeit wird weniger wahrgenommen, die Aufmerksamkeit steigt und man fühlt sich leistungsfähiger. Die tatsächliche körperliche Leistungsfähigkeit nimmt dadurch jedoch nicht unbegrenzt zu.
Der Energy-Drink-Boom in Österreich
Energy-Drinks haben sich in Österreich zu einem bedeutenden Getränkesegment entwickelt. Besonders junge Menschen gehören zu den regelmäßigen Konsumenten. Österreich zählt mit dem hierzulande gegründeten Unternehmen Red Bull zu den weltweit wichtigsten Märkten der Branche.
Genaue aktuelle Verbrauchszahlen schwanken je nach Erhebung. Untersuchungen auf europäischer Ebene zeigen jedoch, dass Jugendliche zu den häufigsten Konsumentengruppen gehören.
In einer von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ausgewerteten Untersuchung gaben rund zwei Drittel der Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren an, Energy-Drinks zu konsumieren. Ein Teil dieser Gruppe konsumierte die Getränke regelmäßig oder in größeren Mengen.
Auch österreichische Gesundheits- und Ernährungsexperten beobachten seit Jahren eine zunehmende Verbreitung unter Kindern und Jugendlichen. Besonders problematisch ist dabei nicht die einzelne Dose zu besonderen Anlässen, sondern der regelmäßige Konsum als alltägliches Getränk.
Warum Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind
Kinder und Jugendliche reagieren empfindlicher auf Koffein als Erwachsene. Der Grund: Ihr Körpergewicht ist geringer, das Nervensystem befindet sich noch in Entwicklung und Schlaf spielt eine besonders wichtige Rolle für körperliche und geistige Entwicklung.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt für Kinder und Jugendliche einen Richtwert von etwa 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, wobei die Datenlage bei jungen Menschen begrenzter ist als bei Erwachsenen.
Für ein Kind mit 40 Kilogramm Körpergewicht ergibt sich daraus ein Richtwert von rund 120 Milligramm Koffein pro Tag. Eine kleine 250-Milliliter-Dose Red Bull enthält bereits 80 Milligramm Koffein und schöpft damit einen großen Teil dieser Menge aus. Werden zusätzlich Cola, Kaffee, Eistee oder andere koffeinhaltige Produkte konsumiert, kann der Richtwert schnell erreicht oder überschritten werden.
Besonders problematisch ist, dass viele Jugendliche Energy-Drinks nicht nur gelegentlich trinken, sondern sie regelmäßig als alltägliches Erfrischungsgetränk oder als vermeintlichen Leistungsbooster verwenden.
Koffein: Der wichtigste Wirkstoff mit Nebenwirkungen
Koffein blockiert im Gehirn die Wirkung des Botenstoffs Adenosin. Dieser signalisiert normalerweise Müdigkeit. Wird dieser Mechanismus blockiert, fühlt man sich wacher und weniger erschöpft.
Dieser Effekt ist jedoch nur geliehen: Der Körper braucht weiterhin Erholung und Schlaf.
Zu viel Koffein kann Beschwerden verursachen wie:
- Herzklopfen und Herzrasen
- innere Unruhe und Nervosität
- Zittern
- Schlafprobleme
- Kopfschmerzen
- Magenbeschwerden
- Konzentrationsprobleme
Gerade Schlafstörungen sind bei Jugendlichen ein unterschätztes Problem. Wer am Nachmittag oder Abend Energy-Drinks konsumiert, schläft häufig schlechter ein.
Der daraus entstehende Schlafmangel kann wiederum Konzentration, Stimmung und schulische Leistungen negativ beeinflussen.
Zucker: Der unterschätzte zweite Risikofaktor
Neben Koffein spielt auch der hohe Zuckeranteil eine wichtige Rolle.
Eine einzige Dose mit 250 Millilitern enthält durchschnittlich etwa 25 bis 30 Gramm Zucker. Wer täglich eine Dose trinkt, nimmt dadurch innerhalb eines Jahres mehrere Kilogramm zusätzlichen Zucker auf.
Regelmäßiger hoher Zuckerkonsum begünstigt:
- Übergewicht
- Karies
- ungünstige Stoffwechselveränderungen
- ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus Typ 2
Zuckerfreie Varianten reduzieren zwar die Kalorienmenge, lösen aber nicht das Koffeinproblem. Auch „Zero“-Energy-Drinks können deshalb für Kinder und Jugendliche problematisch sein.
Verleiht Taurin tatsächlich „Stierkräfte“?
Der Name Taurin stammt tatsächlich vom lateinischen Wort „taurus“ für Stier. Die Substanz wurde ursprünglich aus Ochsengalle isoliert. Daraus entstand auch das bis heute verwendete Marketingbild von Kraft und Leistungsfähigkeit.
Taurin kommt jedoch ganz natürlich im menschlichen Körper vor und wird unter anderem in Muskeln, Gehirn und Herz gefunden. Zusätzlich wird Taurin über die Nahrung aufgenommen, vor allem durch tierische Lebensmittel wie Fisch, Fleisch und Milchprodukte.
Die häufig beworbene Wirkung von Taurin als Leistungssteigerer ist wissenschaftlich allerdings nicht überzeugend nachgewiesen.
Zwar gibt es Hinweise auf bestimmte Funktionen im Nervensystem und Stoffwechsel, eine zusätzliche „aufputschende“ Wirkung gemeinsam mit Koffein konnte bisher nicht eindeutig belegt werden.
Die stimulierende Wirkung eines Energy-Drinks entsteht daher vor allem durch das enthaltene Koffein – nicht durch Taurin. Auch wenn Taurin in den üblichen Mengen für gesunde Menschen als unproblematisch gilt, sind die langfristigen Auswirkungen sehr hoher Aufnahmen, wie sie bei regelmäßigem und übermäßigem Konsum möglich wären, noch nicht vollständig geklärt.
Energy-Drinks und Sport: Mehr Schein als Leistung
Viele Energy-Drink-Marken positionieren sich stark im Sportbereich. Dadurch entsteht bei Jugendlichen oft der Eindruck, die Getränke seien automatisch geeignete Sportgetränke oder könnten die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich steigern.
Das entspricht jedoch nicht der wissenschaftlichen Realität.
Energy-Drinks ersetzen weder Wasser noch spezielle Sportgetränke. Bei normaler körperlicher Belastung ist Wasser in der Regel völlig ausreichend. Der hohe Zucker- und Koffeingehalt macht Energy-Drinks für die Flüssigkeitsversorgung beim Sport sogar ungeeignet.
Für sportliche Aktivitäten sind in den meisten Fällen sinnvoller:
- Wasser bei normaler Belastung
- eine ausgewogene Ernährung für Energie und Regeneration
- geeignete Elektrolytgetränke bei langen und intensiven Belastungen
Ein Energy-Drink macht niemanden automatisch schneller, stärker oder ausdauernder. Das Gefühl zusätzlicher Leistungsfähigkeit entsteht hauptsächlich dadurch, dass Koffein die Wahrnehmung von Müdigkeit reduziert.
Besonders riskant: Energy-Drinks und Alkohol
Eine besonders problematische Kombination ist der gemeinsame Konsum von Energy-Drinks und Alkohol. Mischgetränke wie Wodka mit Energy-Drink sind vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beliebt.
Das enthaltene Koffein kann dazu führen, dass Menschen sich wacher und weniger betrunken fühlen, obwohl die Alkoholwirkung unverändert bleibt. Die eigene Leistungsfähigkeit wird dadurch häufig überschätzt.
Die Folge können sein:
- riskanteres Verhalten
- eine falsche Einschätzung der eigenen Fahrtüchtigkeit
- höhere Unfallgefahr
- eine größere Bereitschaft zu gefährlichen Situationen
Das Problem liegt dabei nicht darin, dass Koffein den Alkohol „neutralisiert“. Es verändert lediglich die Wahrnehmung der Alkoholisierung – und genau diese Fehleinschätzung kann gefährlich werden.
Sind Energy-Drinks für Erwachsene grundsätzlich gefährlich?
Für gesunde Erwachsene gilt: Ein gelegentlicher Konsum einer Dose Energy-Drink ist nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand in der Regel kein gesundheitliches Problem.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet für gesunde Erwachsene eine tägliche Koffeinaufnahme von bis zu 400 Milligramm aus allen Quellen als unbedenklich. Eine einzelne Aufnahme von bis zu 200 Milligramm Koffein gilt ebenfalls als unproblematisch.
Eine 250-Milliliter-Dose Energy-Drink mit etwa 80 Milligramm Koffein liegt daher deutlich unter diesen Werten.
Vorsicht ist dennoch geboten bei:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Bluthochdruck
- Herzrhythmusstörungen
- starker Koffeinempfindlichkeit
- Angststörungen
- Schlafproblemen
Auch Erwachsene sollten bedenken: Wer regelmäßig mehrere Dosen pro Tag konsumiert, erhöht nicht nur die Koffeinaufnahme, sondern nimmt auch große Mengen Zucker zu sich – sofern es sich nicht um zuckerfreie Varianten handelt.
Warum gibt es in Österreich keine Altersbeschränkung?
Während einige europäische Länder Verkaufsbeschränkungen für Energy-Drinks an Minderjährige eingeführt oder diskutiert haben, gibt es in Österreich derzeit keine gesetzliche Altersgrenze.
Die Diskussion darüber wird jedoch zunehmend intensiver. Kinderärztinnen und Kinderärzte, Gesundheitsorganisationen sowie Konsumentenschützer fordern teilweise strengere Regelungen, insbesondere weil Kinder und Jugendliche eine besonders empfindliche Zielgruppe darstellen.
Befürworter einer Altersgrenze argumentieren, dass Kinder den Koffeingehalt und mögliche Folgen häufig nicht realistisch einschätzen können.
Zudem sprechen sie sich für einen besseren Schutz vor aggressivem Marketing aus, das gezielt mit Sport, Abenteuer und Leistungsfähigkeit arbeitet.
Kritiker verweisen hingegen auf die Eigenverantwortung der Konsumenten und bestehende Kennzeichnungspflichten. Wirtschaftliche Interessen spielen in der öffentlichen Debatte ebenfalls eine Rolle, da Österreich mit Red Bull einen international bedeutenden Energy-Drink-Hersteller beheimatet.
Aus wissenschaftlicher Sicht steht jedoch nicht die Marke im Mittelpunkt, sondern die zentrale Frage: Wie lässt sich verhindern, dass koffeinhaltige Getränke regelmäßig und in großen Mengen von Kindern und Jugendlichen konsumiert werden?
Was Eltern wissen sollten
Verbote allein lösen das Problem meist nicht. Entscheidend ist, Kindern und Jugendlichen verständlich zu erklären, warum Energy-Drinks keine normalen Erfrischungsgetränke sind.
Eltern sollten wissen:
- Eine einzelne Dose bedeutet nicht automatisch eine akute Gesundheitsgefahr.
- Regelmäßiger Konsum sollte bei Kindern und Jugendlichen vermieden werden.
- Energy-Drinks ersetzen keinen Schlaf und keine ausgewogene Ernährung.
- Zuckerfreie Varianten lösen das Koffeinproblem nicht.
Hilfreich ist es, mit Jugendlichen über Werbung und Marketing zu sprechen. Viele Botschaften vermitteln Erfolg, Abenteuer und Leistungsfähigkeit. Die tatsächliche Wirkung beschränkt sich jedoch hauptsächlich auf eine kurzfristige Stimulation durch Koffein.
Ein sinnvoller Umgang bedeutet daher nicht unbedingt ein striktes Verbot, sondern eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Konsum.
Fazit: Energy-Drinks sind kein harmloser Durstlöscher
Energy-Drinks können kurzfristig wacher machen – echte Energie im Sinne von Erholung oder Leistungsfähigkeit liefern sie jedoch nicht. Der Effekt beruht hauptsächlich auf Koffein, das Müdigkeit zeitweise unterdrückt.
Für gesunde Erwachsene ist ein gelegentlicher Konsum nach aktuellem Wissensstand meist unproblematisch. Anders sieht die Situation bei Kindern und Jugendlichen aus: Aufgrund des geringeren Körpergewichts und des empfindlicheren Nervensystems können hohe Koffeinmengen schneller zu Schlafproblemen, Unruhe oder Herz-Kreislauf-Beschwerden führen.
Besonders wichtig ist daher eine realistische Einschätzung:
- Eine Dose zu besonderen Anlässen ist nicht mit täglichem Konsum gleichzusetzen.
- Energy-Drinks sollten aber keinesfalls zum alltäglichen Begleiter von Kindern und Jugendlichen werden.
- Wasser, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung bleiben die besten „Energielieferanten“ für Körper und Gehirn.
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Quellen:
¹ Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Scientific Opinion on the safety of caffeine
² Consumption of energy drinks by children and young people: a systematic review examining evidence of physical effects and consumer attitudes. (Ajibo C. et al. in Public Health. 2024;227:274–281.) DOI: https://doi.org/10.1016/j.puhe.2023.08.024
³ Koffein in Energydrinks: Eine Gefahr für Kinder und Jugendliche (tagesschau.de)
&sup4; Öko-Test – den Stier bei den Hörnern gepackt (www.oekotest.de – Artikel offline seit 08/19)
Fotohinweis: Montage Fotolia.com & LaChrome from Pixabay.com
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Ursprüngliche Verfasserin = [kate; 06/2008] = [Update: 07/2026]


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