Regrowing: Gemüse einfach wieder nachwachsen lassen

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Regrowing bei Chinakohl

Second Life: Das zweite (Gemüse) Leben liegt voll im Trend. Von Chinakohl, über Basilikum bis hin zu Jungzwiebeln & Co – jede einzelne Zelle dieser Pflanze beinhaltet ihren kompletten Gencode und eignet sich perfekt zum Regrowing. Das bedeutet, dass sogar im typischen Küchenabfall, also dem Strunk, die volle DNA der Pflanze enthalten ist. Ganz im Sinn der Kreislaufwirtschaft lässt sich also aus so manchem Küchenabfall noch ein zweites Mahl zaubern. Wir wissen, wie’s geht und worauf Sie achten müssen.

Gemüse Regrowing als neuer Trend – Artikelübersicht:

Zero Waste

Wer von uns kennt das nicht – mit leerem Magen eingekauft, die Augen waren wiedermal größer als der tatsächliche Hunger und der Kühlschrank quillt über. In unserer westlichen Wegwerfgesellschaft landen rund ein Drittel unserer Lebensmittel im Müll. Das ist nicht nur teuer, sondern auch unverantwortlich gegenüber den Ressourcen unseres Planeten.

Doch das muss nicht sein. Regrowing heißt das Zauberwort. Selbst wenn der Salat ungegessen verwelkt ist, kann man noch Gutes aus ihm rausholen. Einfach den Strunk abschneiden, einwässern und abwarten – nach einiger Zeit hat man eine neuen – frischen – Salat zur Verfügung.

Regrowing im Glas

Einige Gemüsestrünke enthalten totipotente Zellen die zudem extrem leicht nachwachsen. Totipotenz heißt nichts anderes, als dass in jeder einzelnen Zelle der genetische Bauplan der gesamten Pflanze – von der Wurzel bis zur Frucht – enthalten ist. Warum also den Salatstrunk wegwerfen, wenn sich daraus kinderleicht und schnell neues Leben „zeugen“ lässt?

Für den nachwachsenden Gemüsegarten aus Abfall braucht man zudem nicht einmal einen grünen Daumen. Alles, was man dafür braucht, ist ein intakter, aber nicht verfaulter, Gemüsestrunk. Dieser wird gesäubert in ein Glas mit etwas Wasser gesetzt. Warm und hell platzieren, aber nicht der direkten Sonneneinstrahlung aussetzen. Das Wasser am besten täglich, aber mindestens alle zwei bis drei Tage erneuern. Und nun ist etwas Geduld angesagt.

Nach ein paar Tagen zeigen sich oben erste junge Blättchen, die aus dem Strunk wachsen und unten kleine Wurzelansätze. Probieren Sie es doch einfach selbst aus. Chinakohl, Pak Choi oder Romanosalate, also Salate mit kräftiger Blattstruktur sind dankbare „regrower“ und ein rasches Erfolgserlebnis ist Ihnen sicher.

Kreislaufwirtschaft am Fensterbrett

Kinder finden es faszinierend, Pflanzen beim Wachsen zuzusehen. Erst recht beeindruckend ist es, wenn aus Abfall neue Lebensmittel nachwachsen. Regrowing ist somit eine wunderbare Methode Kindern das Thema Nachhaltigkeit und gesundes Essen näher zu bringen.

Ein besonders dankbares Gemüse, um Kindern Kreislaufwirtschaft näher zu bringen und zu zeigen, wei regrowing „funktioniert“, sind Jungzwiebeln. Einfach die weiße Knolle der Zwiebel mit Wurzelhärchen plus fünf bis zehn Zentimeter Grün-Länge in einem Glas mit Wasser aufs Fensterbrett stellen und das Wasser regelmäßig wechseln.

Schon am ersten, spätestens jedoch am zweiten Tag, kann man beobachten, wie die Zwiebelchen wachsen – auf neudeutsch „regrowen“. Schon nach rund einer Woche haben sie ihre ursprüngliche Länge wieder erreicht. Nun kann man das Grüne verarbeiten und die weiße Knolle erneut ins Wasser stellen, um nach sieben bis 10 Tagen erneut zu „ernten“.

Bei diesen Gemüseresten funktioniert Regrowing in der Erde

Manche Pflanzen, wie eben Salate oder Frühlingszwiebel, kann man zwar auch „nur“ im Wasser nachwachsen lassen, aber die meisten Pflanzen gedeihen besser, wenn sie, nachdem sie Wurzeln gebildet haben, in die Erde kommen. Auch Salate werden es Ihnen mit üppigerem Wachstum danken, wenn Sie diese nach einiger Zeit in einen Topf übersiedeln.

Einige Pflanzen, deren Strünke bzw. kleine Pflanzenteile sie direkt in die Erde setzen können um sie zu „regrowen“, also nachwachsen zu lassen:

  • Ingwer
  • Karotten
  • Kartoffeln
  • Knoblauch
  • Kurkuma
  • Lauch
  • Rote Rüben
  • Stangensellerie
  • Süßkartoffel
  • Zwiebeln

Wichtig ist, dass Sie beim Regrowing die Pflanzenteile mit der Schnittfläche nach oben einsetzen. Nach wenigen Tagen werden Sie an diesen Schnittflächen dann erste Keime erkennen und bei manchen Pflanzen – nicht bei allen, einige Gemüsesorten brauchen zum Nachwachsen auch wesentlich länger – sind nach rund einem Monat schon Ernten möglich.

Good to know: Regrowing funktioniert nicht bei allen Gemüsesorten – und nicht bei allen gleich einfach. Pak Choi zum Beispiel schimmelt leicht und nicht jede ‚Saat‘ wird mit einer Ernte belohnt. Dennoch: Sie haben nichts zu verlieren und ausprobieren lohnt sich, denn wegwerfen können Sie den Strunk immer noch.

Tipp: beginnen Sie mit dankbaren Regrowern wie Jungzwiebeln oder Kräutern – wenn mit den ersten Erfolgen der Ehrgeiz wächst können Sie sich ja auch an herausforderndere Pflanzen wagen und Ihren grünen Daumen auf die Probe stellen.

Nachwachsender Kräutergarten

Auch typische Küchenkräuter sind ganz einfach zu Hause nachzüchtbar. Egal ob Minze, Basilikum, Salbei oder Rosmarin – ganz viele Kräuter sind kinderleicht ‚erneuerbar’ und eignen sich perfekt zum Regrowing wenn man ein paar Grundregeln beachtet:

Zunächst wird ein Kräuterzweiglein von seinen unteren Blättern befreit (Blätter an den unteren zwei Dritteln des Stängels abzupfen). Die nackten Triebspitzen in einer Länge von sieben bis zehn Zentimetern in ein Wasserglas stellen. Das Wasser sollte auch hier am besten täglich, mindestens alle zwei bis drei Tage erneuert werden.

Sobald nach einigen Tagen zarte Fadenwurzeln erkennbar sind müssen die kleinen Stecklinge in die Erde übersiedeln. Weiterhin regelmäßig gießen und der Kräutergarten wächst selbst nach.

Sie sehen: Kräuter, Salate und manche Gemüsesorten nachzuzüchten und sich seinen eigenen kleinen Vorrat, der niemals ausgeht, anzulegen, ist nicht schwer. Man braucht auch keinen Garten zum regrowen. Um Gesundes zuhause wachsen zu lassen reicht ein sonniges Fensterbrett vollkommen aus.

Fazit: Der Regrowing Trend spart uns also nicht nur Geld sondern ist auch ein großartiges Gegenmodell zur Wegwerfgesellschaft. Nicht zuletzt können wir unseren Kindern mit ganz einfachen Modellen zeigen, wie großartig „Natur funktioniert“ und ihnen das Thema Nachhaltigkeit spielerisch und lustvoll näher bringen.

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Quellen:

¹ Biorama: Bei diesen Gemüsen funktioniert Regrowing
² Re-Growing: Geld sparen, Müll vermeiden (ZDF-Mediathek)

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

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