Basaliom (weißer Hautkrebs) | Krankheitslexikon

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Basalzellenkrebs, Basaliom, weißer Hautkrebs

Die Zahl der Neuerkrankungen am weniger bekannten und daher häufig unterschätzten sogenannten „weißen“ Hautkrebs (Basaliom) steigt drastisch an, er ist mittlerweile bereits die häufigste Krebsform beim Menschen überhaupt. Die Heilungschancen sind sehr gut (95 bis 99 %), wenn das Basaliom frühzeitig erkannt wird. Regelmäßige Vorsorge und Früherkennung sind wesentlich: Betroffene sollten solche Hautveränderungen nicht auf die leichte Schulter nehmen und unbedingt behandeln lassen.

„Trotz aller Aufklärungs- und Sensibilisierungsbemühungen müssen wir leider von einer regelrechten Hautkrebsepidemie sprechen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Dermatologie am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV). Der sogenannte „schwarze“ Hautkrebs (Melanom) ist ungebremst im Vormarsch: Rund 2.000 Menschen erkranken jährlich in Österreich daran, rund 300 bis 400 Todesfälle sind zu verzeichnen.

Nicht nur das Melanom ist weltweit im Vormarsch, auch die Zahl der Neuerkrankungen am weniger bekannten und daher häufig unterschätzten „hellen“ Hautkrebs (Nicht-Melanom-Hautkarzinome oder „non-melanoma skin cancer“) steigt drastisch an. „Die zu dieser Gruppe zählenden Aktinischen Keratosen, Plattenepithel-Karzinome und Basaliome verzeichnen jährliche Zuwachsraten von sieben bis zehn Prozent“, sagt Univ.-Prof. Dr. Rainer Kunstfeld, Facharzt für Dermatologie und Venerologie und Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik am AKH Wien. „Nicht-Melanom-Hautkarzinome repräsentieren heute die häufigste Krebsform beim Menschen, mit jährlichen Zuwachsraten von sieben bis zehn Prozent“, warnt Prof. Pehamberger. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung sei mit weiteren Zunahmen zu rechnen.

Symptome des Basalzellkarzinoms (Basaliom)

Ein  Basaliom zeigt als typisches Symptom oberflächlich sichtbare Hautveränderungen. Diese entwickeln sich jedoch erst nach und nach, da der Hautkrebs nur langsam wächst.

Die bevorzugten Auftrittsgebiete sind meist die der Sonne ausgesetzten Hautstellen wie Nase, Gesicht, Stirn, Schläfe und Ohren. Es werden sechs verschiedene Formen von Basaliomen unterschieden. Sie haben im Allgemeinen die Farbe der normalen Haut, können aber auch braun bis schwarzbraun erscheinen, was zuweilen zu Verwechslungen mit Melanomen (dem sogenannten schwarzen Hautkrebs) führen kann. Schmerzen zählen unabhängig von der Erscheinungsform üblicherweise nicht zu den Symptomen eines Basalioms.

Als einziger maligner Tumor metastasiert das Basaliom selten und wird daher häufig in seinen Auswirkungen unterschätzt. „Es wächst jedoch lokal zerstörend, und das Risiko, im Lauf eines Lebens ein Basalzellkarzinom zu entwickeln, liegt bei rund 30 Prozent“, sagt Prof. Pehamberger.

Früherkennung und frühe Behandlung wichtig

„Alle Hautkrebsformen, auch die Aktinischen Keratosen, müssen unbedingt behandelt werden“, betont Prof. Pehamberger. „Und je früher dies geschieht, desto besser sind auch die Heilungschancen.“ Daher rät der Experte auch zur regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung beim Hautarzt: „Je nach dem individuellen Risikoprofil ist eine unterschiedliche Kontrollfrequenz anzuraten. Bei manchen Menschen sind Kontrollen alle drei Monate nötig, bei anderen reichen Abstände von drei bis fünf Jahren aus.“

Hier gibt es allerdings noch einen großen Nachholbedarf: 60 Prozent der Erwachsenen, zeigte eine Umfrage der Oberösterreichischen Ärztekammer, waren noch nie bei einer Hautvorsorge-Untersuchung. Das kann problematische Folgen haben: Denn beim Melanom ist Früherkennung und rechtzeitige chirurgische Exzision nach wie vor die wesentlichste therapeutische Maßnahme. „Wir kennen heute Kriterien, die es dem erfahrenen Hautarzt gestatten, das Melanom in seinen Frühformen zu erkennen. Weiters steht mit der Auflichtmikroskopie bzw. digitalen Dermatoskopie eine Methode zur Verfügung, die die klinische Diagnose verbessert und auch durch Dokumentation der Pigmentmale die Kontrolluntersuchung und Nachsorge ermöglicht“, fasst Prof. Pehamberger zusammen. „Auch in therapeutischer Hinsicht sind heute zahlreiche Ansätze in klinischer Erprobung oder Anwendung, sodass auch die Melanom-Metastase kein Todesurteil mehr darstellt.“

Risikofaktor Sonne – richtig schützen

Ein wesentlicher gemeinsamer Risikofaktor aller Hautkrebsformen ist regelmäßige Sonneneinwirkung. „UV-Strahlung trägt in zweifacher Weise zur Entstehung von Hautkrebs bei – einmal direkt durch die Schäden an der Haut, und zum zweiten, weil sie das Immunsystem des Körpers negativ beeinflusst und so den körpereigenen Krebsschutz schwächt“, erklärt Prof. Pehamberger. Besonders häufig treten die gefährlichen Hautveränderungen daher auch am Kopf, im Gesicht, im Schulter- und Dekolletébereich, and den Unterarmen und Handrücken auf – also an Stellen, die besonders intensiv von der Sonne bestrahlt werden. Hier seien vorbeugende Maßnahmen besonders wichtig, betont Prof. Pehamberger.

„Wichtig ist es, Sonnenexposition bei besonders hoher UV-Belastung wie in der Mittagszeit zu vermeiden, sich besser im Schatten als in der Sonne aufzuhalten, und sich mit Kopfbedeckungen, Kleidung und wirksamen Breitband-Lichtschutzmitteln zu schützen.“ Gefährdete Personen mit hellem Hauttyp (sog. keltischer Hauttyp) und genetischer Veranlagung zu Basaliomen sollten sich regelmäßig selbst untersuchen, am besten alle drei Monate. Dabei sollten Sie auch die Haut hinter den Ohren, den Nacken und die Kopfhaut betrachten, gegebenenfalls mit einem Spiegel oder durch eine zweite Person. Bei scheinbar schlecht heilenden Hautverletzungen empfiehlt es sich, rechtzeitig einen Hautarzt aufzusuchen.

Weißer Hautkrebs: wirksame Behandlung durch moderne Lokaltherapie

„Neben der chirurgischen Therapie wurden in der letzten Zeit moderne lokale Behandlungsmethoden entwickelt“, berichtet Prof. Kunstfeld. Die gängigen invasiven Verfahren sind schmerzhaft und hinterlassen oft Narben. Alternativen zur Operation sind die photodynamische Therapie – eine Kombination aus Salbe und Bestrahlung – und Cremes, etwa mit einer Kombination aus Diclofenac und Hyaluronsäure, oder mit dem neuartigen Wirkstoff Imiquimod, der zur Gruppe der Immunmodulatoren gehört.

Imiquimod besitzt sowohl anti-virale als auch anti-tumorale Eigenschaften: Neben der Sonneneinstrahlung können auch Infektionen mit bestimmten HP-Viren – den Subtypen 16 und 18 – an der Entstehung von Formen des „hellen“ Hautkrebs beteiligt sein. Diese Viren haben zuletzt vor allem im Zusammenhang mit der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und dem heute möglichen Impfschutz öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Infektionen mit dem humanpathogenen Papilloma Virus gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Viruserkrankungen. Bislang wurden mehr als 40 Untergruppen des HP-Virus bei Infektionen im Genital- und Analbereich nachgewiesen, eine sehr verbreitete Form sind Feigwarzen.

Auch bei dieser Erkrankung zeigen Immunmodulatoren eine gute Wirkung. Die Cremetherapie mit Imiquimod aktiviert die körpereigene Krebsabwehr, und schafft so die Voraussetzung für eine zielgerichtete Aktivität gegen die erkrankten Zellen, der Krebs heilt narbenfrei ab. Prof. Kunstfeld: „Die hohe Wirksamkeit hat zuletzt die so genannte Gollnik-Studie gezeigt, der zufolge es nach einer fünfjährigen Basaliom-Therapie mit Imiquimod nur bei 13 Prozent der Patienten zu einem Rückfall kommt, eine beeindruckend niedrige Rate.“

[red]

Linktipps

– Was ist Dermatologie?
– Was ist Onkologie?
– Krankheitslexikon: Krebs
– Dermatitis solaris – was tun bei einem Sonnenbrand?
– Sonnenbaden und seine Folgen
– Welchen Hauttyp haben Sie?
– Der verantwortungsvolle Umgang mit der Sonne

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