Aortenaneurysma | Medizinlexikon

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Eine tickende Zeitbombe im Körper – oft unbemerkt, doch potenziell tödlich: Ein Aortenaneurysma kann plötzlich zur lebensbedrohlichen Gefahr werden.
Thorakale Aortenaneurysmen – alles über gefährliche Gefäßaussackung: Warnzeichen, Ursachen & Behandlung – kompakt erklärt für Betroffene & Angehörige.
Medizinlexikon: Aortenaneurysma – Artikelübersicht:
Platzt eine Gefäßaussackung an der Hauptschlagader, bedeutet das akute Lebensgefahr. Solche sogenannten Aortenaneurysmen bilden sich typischerweise an immer denselben Stellen des großen Blutgefäßes: entweder am oberen Bogen oder im Bauchraum.
Es gibt zurzeit keine Therapieoption, die das Fortschreiten eines Aneurysmas aufhalten kann. Lediglich ein Stent kann das Gefäß stabilisieren.
Platzt ein Aneurysma, besteht Lebensgefahr. Viele Betroffene verbluten, bevor sie medizinische Hilfe erhalten können. Gelangt ein Patient schnell genug ins Krankenhaus, muss offen operiert werden – ein risikoreicher Eingriff.
Was ist ein aufsteigendes thorakales Aortenaneurysma?
Ein Aortenaneurysma ist eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader (Aorta), die durch eine strukturelle Schwächung der Gefäßwand entsteht.
Im Falle eines aufsteigenden thorakalen Aortenaneurysmas betrifft die Aussackung jenen Abschnitt der Aorta, der direkt aus dem Herzen hervorgeht und zum Aortenbogen führt.
Mediziner sprechen von einem thorakalen Aortenaneurysma, wenn der Durchmesser der thorakalen Aorta um mehr als 50 % gegenüber dem Normalwert vergrößert ist oder einen Durchmesser von über 4 cm erreicht
Solche Aneurysmen sind besonders gefährlich, weil sie in unmittelbarer Nähe des Herzens liegen. Platzt ein solches Aneurysma, kommt es zu einer akuten inneren Blutung – einem medizinischen Notfall, der innerhalb weniger Minuten tödlich verlaufen kann.
Häufigkeit und statistische Verteilung
Die Prävalenz thorakaler Aortenaneurysmen liegt laut internationalen Studien bei etwa 6 bis 10 Fällen pro 100.000 Personen und Jahr.
Konkret leiden etwa drei bis vier Prozent der Bevölkerung zwischen 65 und 75 Jahren an einer Gefäßaussackung der Hauptschlagader. Männer sind sechsmal häufiger von einem Aneurysma betroffen als Frauen.
In Österreich gibt es keine gesonderten Erhebungen ausschließlich zu thorakalen Aneurysmen, doch laut Daten der Statistik Austria treten Aneurysmen der Aorta (thorakal und abdominal gemeinsam) bei etwa 3.000 bis 3.500 Personen pro Jahr auf. Das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 60 und 75 Jahren.
Aneurysmen treten gehäuft an zwei Stellen der Aorta auf: zum einen im aufsteigenden Teil und Bogen (thorakal), zum anderen unterhalb der Nierenarterien im Bauchbereich (abdominell). Dies erklärt sich durch die hämodynamische Belastung und anatomische Besonderheiten dieser Gefäßabschnitte.
Aortenaneurysma: Ursachen
Die Entstehung eines Aortenaneurysmas beruht auf einer strukturellen Schwächung der Gefäßwand. Zu den häufigsten Ursachen zählen:
- Atherosklerose (Gefäßverkalkung): chronisch-entzündlicher Prozess, der zur Degeneration der elastischen Fasern der Gefäßwand führt.
- Bluthochdruck: Erhöht den mechanischen Druck auf die Aortenwand, was zu deren Erweiterung führen kann.
- Genetische Bindegewebserkrankungen: z. B. Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom oder Loeys-Dietz-Syndrom.
- Entzündliche Gefäßerkrankungen: z. B. Riesenzellarteriitis oder Takayasu-Arteriitis.
- Traumata: insbesondere stumpfe Thoraxverletzungen.
- Infektionen: sogenannte mykotische Aneurysmen, etwa bei bakterieller Endokarditis.
- Familiäre Prädisposition: Studien zeigen, dass bis zu 20 % der Fälle familiär gehäuft auftreten.
Diagnose
Ein Aortenaneurysma wird häufig zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen entdeckt, da es über lange Zeit symptomlos verlaufen kann.
Diagnostische Verfahren:
- Echokardiografie: Besonders bei aufsteigenden Aneurysmen effektiv, häufig transösophageal.
- CT-Angiografie: Goldstandard zur exakten Darstellung der Aorta.
- MRT: Besonders geeignet bei Kontrastmittelallergien oder zur Verlaufskontrolle.
- Röntgen-Thorax: Kann bei großen Aneurysmen Hinweise liefern, ist aber unspezifisch.
Ab einem Durchmesser von 4,5 cm gelten Aneurysmen als behandlungsbedürftig und müssen engmaschig überwacht werden.
Symptome
Ein aufsteigendes thorakales Aortenaneurysma verursacht oft keine Beschwerden. Wird es jedoch größer oder reißt ein, kommt es zu markanten Symptomen.
Häufige Anzeichen:
- Druckgefühl oder Schmerzen in der Brust
- Heiserkeit, durch Druck auf den Nervus recurrens
- Schluckbeschwerden
- Atemnot
- Pulsierender Tumor im Brustbereich
Bei einer Ruptur:
- starke, reißende Schmerzen in Brust, Rücken oder Bauch
- Kreislaufzusammenbruch und Bewusstlosigkeit
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach Größe, Lage, Symptomen und Begleiterkrankungen.
Konservative Therapie: Bei kleinen Aneurysmen (< 5,5 cm):
- Blutdrucksenkung mit Betablockern oder ACE-Hemmern
- Raucherentwöhnung
- Cholesterinsenkung (Statine)

Funktionsweise einer OP an der Aortenwurzel mittels spezieller “Button-Technik”
Operative Therapie:
- Indikationen: Durchmesser > 5,5 cm, schnelles Wachstum, Symptome, familiäre Belastung
- Offene Operation: Ersatz des Aortenabschnitts durch eine Prothese
- „Button-Technik“: Aortenklappenerhaltend, Koronararterien werden als Buttons reimplantiert
- TEVAR: Minimalinvasives Stentverfahren über die Leistenarterien
Aortenaneurysma – Risikofaktoren und Prävention
Risikofaktoren:
- Bluthochdruck
- Rauchen
- Alter
- männliches Geschlecht
- genetische Prädisposition
Prävention:
- Regelmäßige Blutdruckkontrollen
- Rauchstopp
- gesunde Ernährung und Bewegung
- Screening bei genetischer Vorbelastung
Häufige Fragen von Betroffenen:
Wie gefährlich ist ein Aortenaneurysma?
Unbehandelt sehr gefährlich – Ruptur kann tödlich sein. Mit rechtzeitiger Behandlung gute Prognose.
Wie macht sich ein Aortenaneurysma bemerkbar?
Oft symptomlos. Bei größerem Durchmesser: Brustschmerzen, Atemnot, Heiserkeit.
Warum entstehen Aneurysmen am Aortenbogen oder im Bauch?
Diese Stellen sind hämodynamisch besonders belastet.
Wann muss operiert werden?
Bei Durchmesser > 5,5 cm, schnellem Wachstum oder Symptomen.
Wie ist die Lebenserwartung?
Mit Behandlung nahezu normal, ohne Behandlung hohes Risiko.
Was sollte man vermeiden?
Schweres Heben, Krafttraining, unkontrollierten Bluthochdruck.
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Quellen:
¹ Thorakale Aortenaneurysmen (MSD MANUAL)
² Warum Aortenaneurysmen am Gefäßbogen oder im Bauchabschnitt entstehen (Deutsches Gesundheitsportal)
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Linktipps
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Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!



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