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Legasthenie: mehr als nur eine Leseschwäche

Legasthenie: mehr als nur eine Leseschwäche

Legasthenie: mehr als nur eine Leseschwäche

Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) – nach der älteren wissenschaftlichen Klassifizierung von „Asthenien“ („Schwächen“) auch Legasthenie oder nach angelsächsischem Sprachgebrauch Dyslexie genannt – wird heute in allen modernen Bildungsgesellschaften als Lernstörung verzeichnet. Die WHO hat sie als krankhafte Störung in ihre offizielle Liste der gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufgenommen, die Krankheitswert besitzen.



Während die Ursachen dieser „Teilleistungsstörung“ nicht bis ins Letzte geklärt sind, besteht heute Konsens, dass Legasthenie – im englischen Sprachraum auch häufig als Dyslexie bezeichnet – sich keinesfalls im Laufe der Jahre ‚auswächst‘ oder durch zusätzliches Üben zu beheben ist, dass sie vielmehr einer speziellen Therapie bedarf.

Obwohl als „Spezielle Lese- und Rechtschreibschwäche“ definiert, kann Legasthenie auch die Wahrnehmung von bewegten Objekten beeinträchtigen. Das berichtete ein amerikanisches Forscherpaar in San Francisco vor dem größten interdisziplinären Wissenschaftskongress der Welt.

„Das geht zwar nicht so weit, dass die Kinder vor jedes Auto laufen“, sagt Thomas Zeffiro, aber Schwierigkeiten beim Wahrnehmen sich bewegender Objekte seien klar erkennbar. Legasthenie könne sich auch auf die Balance und die Koordination der Muskeln auswirken. Zeffiro und seine Frau Guinevere Eden, beide führende Forscher an der Georgetown Universität in Washington, suchten mit funktionaler Kernspintomographie (fMRI) nach Merkmalen im Hirn betroffener Kinder und Erwachsener.

Dabei entdeckten sie, dass diese Kandidaten weniger Hirnaktivitäten in wichtigen Regionen der linken Hemisphäre zeigten als Kontrollpersonen ohne Legasthenie. Dort sind die für das Lesen und Rechtschreiben entscheidenden Regionen angesiedelt. Ein striktes übungsprogramm aber half Erwachsenen, die Schwäche durch eine erhöhte Aktivität in der rechten Hirnhälfte zu kompensieren.

Jüngere Forschungen weisen darauf hin, dass eine Legasthenie zu einem großen Teil genetisch bedingt ist. Vorerst wurden sechs Regionen auf bestimmten Chromosomen (1, 2, 3, 6, 15 und 18) identifiziert, die die Lese- und Rechtschreibfähigkeit indirekt beeinflussen. Diese Erbinformationen, welche differente Sinneswahrnehmungen verursachen, machen legasthenen Menschen Probleme beim Erlernen des Schreibens, Lesens und/oder Rechnens.

Die Unterscheidung der Legasthenie von normaler Lese-Rechtschreibschwäche ist deshalb enorm wichtig, weil die Förderungen und Maßnahmen, die in beiden Bereichen stattfinden sollten, unterschiedlich sein müssen. Bei der Förderung eines legasthenen Menschen genügt es nicht, nur im Schreib- und Lesebereich zu arbeiten, sondern man muss unbedingt auch Interventionen zur Schärfung der Sinneswahrnehmungen – die man für das Schreiben, Lesen und Rechnen benötigt – und auch eine Verbesserung der Aufmerksamkeit – das Zusammenführen des Denkens und Handelns – anstreben.

Was ist Legasthenie?

Legasthenie bezeichnet die Problematik, wenn es bei offensichtlich intelligenten Kindern zu einer Diskrepanz zwischen ihren allgemeinen Leistungen und den Leistungen, die sie im Schreib-/Lesebereich erbringen, kommt, welche genetische Ursachen hat. Ganz wichtig: Legasthenie ist also kein Ausdruck von Intelligenzmangel, vielmehr handelt es sich um ein Lernproblem (Lese- und Rechtschreibschwäche) und keine Krankheit!

Sehr allgemein gesprochen zeigt sich bei legasthenen Kindern eine auffällige zeitweise Unaufmerksamkeit, wenn sie mit Zahlen oder Buchstaben in Verbindung kommen. Es kommt beim Schreiben, Lesen oder Rechnenn, bei sonstiger guter Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit anderen Tätigkeiten zu Konzentrationsverlust und es werden insgesamt allerlei Schwierigkeiten mit Buchstaben, Wörtern oder Zahlen beobachtet.

Besteht ein Verdacht auf Legasthenie, so müssen zuerst organische Ursachen wie das Vorliegen von Sinnesbeeinträchtigungen (Schwerhörigkeit oder Fehlsichtigkeit) ausgeschlossen werden. Danach können Lese- und Rechtschreibtests und die Leistung in einem Intelligenztest Aufschluss geben. Wenn bei schwacher schriftsprachlicher Leistung eine deutlich höhere Intelligenzleistung vorliegt, wird in der Regel Legasthenie diagnostiziert.

Legasthenie kann sehr effektiv behandelt werden, dazu ist allerdings eine Früherkennung besonders wichtig. Am erfolgreichsten sind präventive Maßnahmen vor dem eigentlichen Schriftspracherwerb oder im ersten Schuljahr – derart früh erkannnt kann die Lernsituation schnell und nachhaltig verbessert werden.

Obwohl eine genaue Einschätzung aufgrund der hohen Dunkelziffer schwierig ist, dürften etwa 10-15 Prozent der Weltbevölkerung von dem Problem betroffen sein.

Linktipps:

– Erster Österreichischer Dachverband Legasthenie
– Lerntherapie – wenn mein Kind nicht lernen will
– Schulangst