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Pille gegen das Rauchen kommt

Pille gegen das Rauchen kommt

Pille gegen das Rauchen

BERLIN – Spätestens am 1. August 2000 kommt die erste Pille gegen das Rauchen auf den österreichischen Markt. „Zyban“ (Wirkstoff Bupropion), das die Entzugserscheinungen direkt im Gehirn unterdrückt, wurde am Mittwoch von Glaxo Wellcome vorgestellt. Der Patient legt mit dem Arzt gemeinsam einen Rauchverzichtstag fest. Acht bis zwölf Tage zuvor muss der zukünftige Nichtraucher „Zyban“ nehmen. In den ersten drei Tagen eine Tablette, ab dem vierten Tag zwei. Die Gesamtbehandlung dauert etwa sieben bis neun Wochen. „Zyban“ mildert Entzugserscheinungen, indem es bestimmte zentrale Wirkungen von Nikotin in den Sucht- und Genusszentren des Gehirns nachahmt. Auf die Wirkung von Bupropion kamen die Wissenschafter eher durch Zufall. Zunächst war die Substanz 1989 in den USA als Antidepressivum zugelassen worden.

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Der Wirkstoff Bupropion ist ein Dopamin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer und wirkt ähnlich wie Nikotin auf Dopaminrezeptoren. Der Anstieg von Dopamin und Noradrenalin in den zentralnervösen Synapsen hat wahrscheinlich eine Abnahme des Cravings zur Folge. Bupropion ist in den USA als Antidepressivum auf dem Markt. Zyban© ist die Retardform dieser Substanz.

In einer kardiologisch-pulmologischen Facharztpraxis wurden 20 Patienten in die Studie aufgenommen. Die Patienten hatten seit mindestens zehn Jahren 20 Zigaretten täglich geraucht und mindestens einen nicht-medikamentösen Entzugsversuch hinter sich. Zwölf der Patienten hatten eine KHK oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, berichtet Privatdozent Dr. Damian Franzen aus Köln (Sucht 47/6, 2001, 438).

Die Therapie mit Bupropion wurde in der Studie auf acht Wochen festgelegt. Die Patienten starteten mit 150 Milligramm Bupropion täglich über drei Tage. Die Dosis wurde dann auf 300 Milligramm am Tag erhöht. Bei 19 der Patienten gelang mit dem Präparat eine Entwöhnung, zehn blieben auch nach einer Beobachtungszeit von sechs Monaten nikotinfrei. Die Erfolgsrate von 50 Prozent sei damit höher gewesen als bei großen Vergleichsuntersuchungen in den USA, so Franzen.

Insgesamt vier Patienten hätten die Therapie wegen unerwünschter zentralnervöser Wirkungen abgebrochen. Dazu zählten Schlafstörungen, Schwindel und Palpitationen. Die Hälfte der Patienten nahm bis zu 2,5 Kilogramm zu, berichtet Franzen.

Indiziert ist Zyban© für deutlich nikotinabhängige und stark abhängige Raucher. Der bisherigen Erfahrung nach kann etwa ein Drittel der Raucher Zyban© nicht bekommen. Wichtig ist eine sorgfältige Anamnese. Vorsicht ist geboten bei schwerem Diabetes, Krampfneigung in der Anamnese, neurologischen und Herzerkrankungen sowie Medikation mit ZNS-wirksamen Medikamenten.

Exkurs:

Zigarettenrauch enthält mehrere schädliche Substanzen. Teer ist für die Krebs erregenden, Kohlenmonoxid für die durchblutungsstörenden Eigenschaften verantwortlich. Die Abhängigkeit wird von Nikotin durch eine direkte Erhöhung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn erzeugt.

Bei dem Verzicht auf Zigaretten und damit auf Nikotin, sinkt die Zahl dieser Botenstoffe wieder und führt zu Entzugserscheinungen. Bupropion erhöht diese Konzentrationen wieder, allerdings über einen anderen Mechanismus als Nikotin und erzeugt daher selbst keine Sucht. Der Erfolg der Raucherentwöhnung hängt aber immer von der Motivation des Patienten, von der Intensität der Betreuung und vom Können des Therapeuten ab.

Linktipps:

– Raucherentwöhnung
– Rauchstopp: mit fünf Tipps zum Nichtraucher
– Rauchen begünstigt Erektile Dysfunktion (Impotenz)
– Neue Studie belegt zellulare Störungen bei Rauchern
– Lieber rauchfrei!

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Kave Atefie





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