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Kampf der Sucht – Wege zur Raucherentwöhnung

Kampf der Sucht – Wege zur Raucherentwöhnung

Weg mit der Kippe

Es gibt zahlreiche Mittel, die die den Nikotinentzug erleichtern können. Die neue Raucherimpfung verspricht ein Ende der Sucht nach Nikotin. Doch ist auch für dieses Mittel der Wille des Rauchers entscheidend, um einen Erfolg bei der Entwöhnung zu erzielen.



„Nikotin ist eine der am schnellsten süchtig machenden Substanzen und hat eine psychostimulierende Wirkung wie Kokain oder Amphetamin.“, Oberärztin Dr. Irmgard Homeier vom Pulmologischen Zentrum Wien weiß, wie heimtückisch die Sucht nach Zigaretten ist. Von Nikotinkaugummis, über Hypnose bis hin zur neuen Raucherimpfung, die Mittel zur Raucherentwöhnung sind vielfältig, aber nicht alle sind auch wirkungsvoll. Und keines dieser Medikamente kann den Wunsch des Rauchers ersetzen, seine Sucht zu besiegen. „Der Einstieg in die Raucherentwöhnung ist der Wille des Rauchers an seinem Verhalten etwas zu ändern“, weiß Oberärztin Dr. Irmgard Homeier vom Pulmologischen Zentrum Wien.

Ist aber der Wille zur Raucherentwöhnung erst einmal vorhanden, so wird diagnostisch erfasst, wie die Einstellung des Patienten zum Rauchen ist, das Ausmaß der Abhängigkeit und das Rauchverhalten. „Der Grad der Abhängigkeit wird durch einen Test, den sogenannten Fagerström Nikotinabhängigkeitstest, mittels sechs Fragen, wovon jede Antwort mit einer Punkteanzahl bewertet ist, erhoben. Dieser Test kann im Selbstverfahren durchgeführt werden. Je höher das Gesamtpunkteergebnis zwischen einen und zehn Punkten, umso höher ist die Abhängigkeit.

Im nächsten Schritt wird das eigene Rauchverhalten protokolliert. Durch das Eintragen jeder gerauchten Zigarette in das Tagesprotokoll können Situationen und Stimmungen, in denen geraucht wird, beobachtet und Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Gewohnheiten, Kompensationsfaktoren erkannt werden. Diese können mittels Training abgelegt und durch andere ersetzt werden“ so die Oberärztin, die als Arbeitskreisleiterin für Patientenschulungen tätig ist. Diese professionelle Unterstützung ist bei der Entwöhnung besonders wichtig.

93 – 95% der Patienten werden bereits im ersten Jahr rückfällig

Denn nur 3 – 5% der Raucher, die ohne Hilfe das Rauchen beendet haben, bleiben im ersten Jahr auch Nichtraucher. Entzugserscheinungen wie Unruhe, Gereiztheit, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen, die besonders stark in den ersten 24 – 48 Stunden auftreten, verschwinden meist nach den ersten zwei bis drei Wochen völlig. Die meist nur für wenige Minuten aufkommende Lust auf eine Zigarette, das sogenannte Craving, kann den Ex-Raucher aber über Jahre hinweg noch überkommen. Medikamente können dabei helfen, diese Entzugserscheinungen zu mildern. Bei der Raucherentwöhnung vermindert die Einnahme von Nikotin die Entzugserscheinungen.

Durch diese Form der Therapie wird ein niedrigerer Nikotinspiegel aufgebaut als durch das Rauchen selbst. „Die Substanzen und Dosierung der Nikotinersatztherapie werden über zwei bis sechs Wochen stufenweise abgebaut, das erfolgt parallel mit dem Rückgang der Entzugssymptome. Die durchschnittliche 12 Monats-Erfolgsrate in den vorliegenden Studien beträgt 15 bis 25%“, beschreibt Dr. Homeier die Wirkungsweise.

Die Raucherimpfung für ein schnelles Ende der Sucht?

Die neue Raucherimpfung, die sich derzeit in der Testphase befindet, wählt allerdings einen neuen Ansatz. „Durch die Impfung werden Antikörper produziert, die das Nikotin im Blut abfangen und so verhindern dass es zur Freisetzung bestimmter Substanzen im Gehirn kommt, welche für den abhängigmachenden Kick verantwortlich sind. Wenn der geimpfte Raucher eine Zigarette inhaliert, wirkt das Nikotin also nicht mehr in gewohnter Weise. Derzeit gibt es diese Impfung nur in Studien und der genaue Einsatz ist noch nicht definiert.“, so Dr. Homeier.

Wie das Gehirn des Rauchers funktioniert

Die süchtig machende Wirkung des Nikotin hat sehr viel mit unserem Suchtgedächtnis zu tun. Das Belohnungszentrum verknüpft die Umstände des Konsums mit der spezifischen Wirkung der Droge und beides wird gespeichert. Der Raucher wiederholt ständig seine „Erfahrung“, dass Rauchen beglückend ist. Dies prägt sich tief ins Unterbewusstsein ein, es entsteht ein „Suchtgedächtnis“. Dieses Gedächtnis wird aktiv, wenn der Spiegel an wirksamen Substanzen im Belohnungszentrum nachlässt, oder wenn der Raucher jemanden anderen rauchen sieht.

Das Verlangen nach Nikotin erwacht. Eine Methode, die vor allem die Psyche der Patienten beeinflussen soll ist Hypnose. Viele Menschen schwören darauf. Doch gibt es derzeit genauso wie bei der Akupunktur noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise, die die Effizienz dieser Behandlungsmethoden nachweisen können. „Die vielversprechendste Methode ist zur Zeit die dem Patienten angepasste Therapie bestehend aus individueller Beratung, Raucherdiagnostik und bei höherer Abhängigkeit die Zuhilfenahme medikamentöser Unterstützung.“ erklärt Dr. Irmgard Homeier abschließend.

[ameis]

Linktipps:

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Kave Atefie





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