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Neue Studie belegt zellulare Störungen bei Rauchern

Neue Studie belegt zellulare Störungen bei Rauchern

Zellstörungen bei Rauchern belegt

Dass Rauchen die Gesundheit gefährdet, ist keine neue wissenschaftliche Erkenntnis, die genaue Wirkungsweise vieler Rauchinhaltsstoffe auf den menschlichen Organismus ist bisher allerdings noch unbekannt. Ein Forscherteam der MedUni Wien rund um David Bernhard hat nun herausgefunden, dass Rauchinhaltsstoffe dazu führen, dass sich bestimmte Zellen in den Blutgefäßen ständig selbst verdauen. Diese sogenannten Endothelzellen sind Teil der Gefäßwände und innerhalb derer für viele Prozesse verantwortlich. Die permanente Schädigung der Innenfläche der Blutgefäße führt unter anderem zur Arterienverkalkung, wie die jetzt veröffentlichte Studie der MedUni Wien belegt.



Die Ausgangslage: Österreich ist den Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge europaweit die Nummer eins, wenn es um den Anteil an Rauchern in der Bevölkerung geht. Die Alpenrepublik hat den südeuropäischen Staaten Portugal und Griechenland längst den Rang abgelaufen und belegt im Guinness Book of World Records mit einem Raucheranteil von 36,3 Prozent in der Bevölkerung sogar Platz eins in der Weltrangliste. Das Einstiegsalter liegt in Österreich bereits bei elf Jahren – und es rauchen in Österreich auch schon mehr Mädchen als Buben. Nur der Pro-Kopf-Verbrauch von Zigaretten ist in einigen osteuropäischen Ländern und in China noch höher als bei uns.¹

David Bernhard von der Universitätsklinik für Chirurgie an der Medizinischen Universität Wien und sein Forscherteam beschäftigen sich seit Jahren mit den Inhaltsstoffen von Zigaretten. Genauer gesagt, mit jenen Stoffen, die nicht über den Respirationstrakt (Atemtrakt) gefiltert werden, sondern in die menschlichen Gefäße gelangen. Von den bis zu 4.800 Inhaltsstoffen, die in einer Zigarette enthalten sind, sind nur sehr wenige bisher untersucht.

In der nun veröffentlichten Studie konnte beobachtet werden, dass bestimmte Zellen durch hyperaktive Zellverdauung Schäden an der Innenwand von Gefäßen verursachen. „Das Selbstverdauen in Gefäß-Endothelzellen (Zellen, die die Wand des Blutgefäßes bilden; Anm. Red.) funktioniert wie eine intrazelluläre Müllabfuhr“, sagt Bernhard. Beschädigte Zellbestandteile werden erfasst, verdaut und recycelt. Im Normalfall ist das kein Problem, neue Zellenbestandteile werden wieder gebildet.

Beim Rauchen aber ist dieser Verdauungsvorgang ständig aktiviert, es kommt zu einer überschießenden Reaktion. Dadurch werden Gefäßendothelzellen nachhaltig geschädigt und es entstehen Gefäßentzündungen und -schäden. Zudem werden wichtige Eigenschaften der Endothelzellen gestört. Bernhard: „Wenn die Zelle intakt ist, verhindert sie zum Beispiel, dass Thrombozyten angelagert werden. Außerdem ist sie unter anderem an der Blutflussregulation beteiligt.“ Wenn dieses System gestört ist, kommt es zu negativen Effekten wie der Arteriosklerose (Arterienverkalkung).

Noch keine Hilfe für aktive Raucher

Weltweit rund eine Milliarde Menschen rauchen. Es gebe jedoch, so Bernhard, keine einzige medikamentöse, spezifische Therapie für Raucher, die sich keiner Entwöhnung unterziehen. Doch gerade diesen müsse geholfen werden. Dazu solle die bereits veröffentlichte Studie beitragen, die auf dem nächsten Kongress der internationalen Gesellschaft für Tabak-induzierte Krankheiten, welcher im September 2011 in Wien stattfindet, präsentiert wird.

„Dort prallen zwei Welten aufeinander“, sagt Bernhard. Die einen, die propagieren, man solle ausschließlich die Entwöhnung unterstützen, würden dort auf jene treffen, die der Meinung seien, dass man auch jenen, die es nicht schaffen mit dem Rauchen aufzuhören, helfen müsse.“ Die Erkenntnisse der Studie gingen genau in diese Richtung.

Auf der Suche nach einem Marker

Der nächste Schritt sei laut Bernhard eine In-vivo-Überprüfung an Tiermodellen oder an Proben aus der Pathologie. „Das Ziel ist es, endlich einen soliden Marker zu finden, der aussagt, wie viel Rauch ein Mensch bereits ausgesetzt war und die Frage zu klären, wie viel sich bereits in der Zelle angelagert hat“, so der Forscher.

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Quellen:

¹ Republik der Raucher – profil.at
² „Cigarette Smoke Extract Induces Prolonged Endoplasmatic Reticulum Stress and Autophagic Cell Death in Human Umbilical Vein Endothelial Cells“, veröffentlicht in Cardiovascular Research Advance Acess, 14. Juni 2011. Autoren: Adam Csordas, Simone Kreutmayer, Christian Ploner, Peter Braun, Alexander Karlas, Aleksandar Backovic, Georg Wick, David Bernhard.

Linktipps:

– Warum rauchen wir eigentlich?
– Rauchstopp: mit fünf Tipps zum Nichtraucher
– Die E-Zigarette – neues Übel oder Alternative zu Tabak?
– E-Zigaretten & Co. – ist dampfen gesünder als rauchen?
– Raucherberatung hilft bei Tabakentwöhnung
Generelles Rauchverbot in Lokalen?!

Kave Atefie





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