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Morbus Crohn | Krankheitslexikon

Morbus Crohn | Krankheitslexikon

Bis zu 80.000 Menschen leiden in Österreich an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Unter diesem Oberbegriff werden vor allem zwei Erkrankungen zusammengefasst: Morbus Crohn bzw. Crohn Krankheit (MC) und Colitis ulcerosa (Cu). Die Ursachen beider Krankheiten sind bisher ungeklärt, zudem besteht sowohl bei Patienten wie auch bei vielen Allgemeinmedizinern ein enormes Informationsdefizit. Werden derartige Erkrankungen nicht behandelt, verschlechtert sich der Zustand des Darms kontinuierlich, was im äußersten Fall sogar zum Verlust des Darms führen kann.

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Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind seit Jahren auf dem Vormarsch. In Österreich ist laut Schätzung der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie bis zu 1 Prozent der Bevölkerung von dieses Krankheiten, die unbehandelt zu Darmverlust führen können, betroffen. Auswertungen neuerer Studien zeigen einen Anstieg der CED-Diagnosefälle in Österreich um 270 Prozent in den vergangenen 15 Jahren.

Dabei sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen, wobei die Erkrankung meist zwischen dem 2. und 3. Lebensjahrzehnt auftritt, eine weitere Häufung ist bei über 60-Jährigen zu beobachten.

Die Krankheit bedeutet für die Betroffenen eine massive Einschränkung der Lebensqualität. So leiden rund 90 Prozent der CED-Patienten phasenweise bis lebenslang an Durchfall. Für 85 Prozent sind Bauchschmerzen wiederkehrende oder ständige Begleiter.

Morbus Crohn, Crohn Krankheit, CED – viele Namen, eine Krankheit

Morbus Crohn, auch bekannt als Enteritis regionalis, Illeitis terminalis, sklerosierende chronische Enteritis bzw. „Crohn’sche Erkrankung“ und „Crohn Krankheit“ ist – ebenso wie Colitis ulcerosa – eine nicht ansteckende, chronisch-entzündliche Erkrankung des Darms (CED), deren genaue Ursache bis dato unklar ist. Sie ist nach dem amerikanischen Magen- und Darmspezialisten Dr. Burrill B. Crohn, der die Krankheit 1932 erstmals beschrieb, benannt.

Als Leitsymptom gilt ein flüssiger bis wässriger Stuhl, der häufig von krampfartigen Schmerzen im Unterbauch begleitet wird. Morbus Crohn tritt meist in Schüben auf. Mit dem heftigen Durchfall gehen häufig Fieber und ein Anstieg des Anteils der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) einher.

Im Unterschied zur Colitis ulcerosa bleibt der Entzündungsprozess bei Morbus Crohn nicht auf den Dickdarm (Ileokolon) beschränkt, sondern betrifft den gesamten Magen-Darm-Trakt (vom Mund bis zum After), wenngleich Mund und Speiseröhre eher selten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Charakteristisches Merkmal der Erkrankung ist der unterschiedliche und abschnittsweise Befall der Darmschleimhaut (Mukosa) durch Entzündungen. So können mehrere betroffene Abschnitte des Darms durch gesunde Teile getrennt sein. Colitis ulcerosa hingegen ist durch ein zusammenhängendes Verteilungsmuster, also einen ununterbrochenen Entzündungsabschnitt des Dickdarms charakterisiert.
Eine genaue Diagnose ist erst nach eingehender Untersuchung des gesamten Verdauungstraktes mittels Endoskopie, Dünndarmröntgen, Ultraschall und eventuell Computertomographie, möglich.

Tabuisierte Krankheit mit massiven Einschränkungen

Morbus Crohn ist in Österreich häufig, jedoch nur wenig bekannt. Durch den schubartigen Verlauf, bei dem auf Krankheitsphasen immer wieder – teilweise lang andauernde – symptomfreie Phasen (Remission) folgen, wird die Krankheit häufig erst spät erkannt bzw. richtig diagnostiziert. Auch die Ähnlichkeit der Symptome mit anderen Erkrankungen des Magen-/Darmtraktes, wie etwa Gastritis oder dem Reizdarmsyndrom, stehen einer korrekten Diagnose oft im Wege. Laut der Österreichischen Morbus Crohn-Colitis Ulcerosa Vereinigung (ÖMCCV) erfolgt in Österreich eine exakte Diagnose im Durchschnitt erst nach über 3 Jahren.

Dabei erzeugt Morbus Crohn einen hohen Leidensdruck für die Betroffenen. Zu dem schweren, chronischen Durchfall – in akuten Phasen bis zu 30 Mal am Tag – kommen extremer Gewichtsverlust, Schlafmangel, Darmkrämpfe, sowie schmerzhafte Fistel- und Abszessbildungen. Der Bewegungsradius des Patienten ist auf die Entfernung zur nächst gelegenen Toilette beschränkt.

Bei etwa 30 % der Patienten treten überdies sogenannte extraintestinale Symptome auf, also Beschwerden, die sich außerhalb des Verdauungstraktes manifestieren. Dazu zählen Gelenkschmerzen ebenso, wie Hautveränderungen, Wundstellen der Mundschleimhaut und Augenentzündungen.

Viele Betroffene ziehen sich nach langem Leidensweg gänzlich aus dem sozialen Leben, Partnerschaft und Sexualität zurück und flüchten in die totale Isolation. Nicht selten folgen Angststörungen, Depression und Jobverlust.

Rasche Diagnose und richtige Therapie erhöht Chance auf normales Leben

Je früher die Krankheit erkannt wird, desto positiver kann der Krankheitsverlauf gesteuert werden. Bei der Erstdiagnose soll seit Jänner 2010 ein weltweit einzigartiges, in Österreich entwickeltes online-Tool helfen: Auf www.ced-check.at wird es dem erstversorgenden Arzt anhand von 10 gezielten Fragen zu Anamnese und Symptomatik ermöglicht, eine Chronisch Entzündliche Darmerkrankung frühzeitig in die engere Auswahl an Ursachen für Darmprobleme einzubeziehen und Patienten einer raschen weiteren Abklärung zuzuführen.

Bei der Therapie des Morbus Crohn wird grundsätzlich zwischen der Schubtherapie und der Remissionserhaltung unterschieden. Während bei ersterer hauptsächlich versucht wird, die Symptome zu lindern sowie Komplikationen zu vermeiden, liegt das Hauptaugenmerk bei letzterer auf der Verlängerung der beschwerdefreien Zeit.

Das Erreichen und Aufrechterhalten einer Remission, ein verlässliches Therapieansprechen, Besserung der Lebensqualität der Betroffenen sowie eine alltagstaugliche und sichere Anwendung der Behandlungsform zählt somit zu den wichtigsten Therapiezielen.

Mittel der Wahl sind bei leichten Schüben entzündungshemmende, kortisonfreie Medikamente, die in Form von Tabletten, Einläufen oder Injektionen verabreicht werden. Bei starken Beschwerden, bei denen diese Medikamente keinen ausreichenden Effekt gezeigt haben, werden zur Langzeit-Therapie Präparate eingesetzt, die die körpereigene Abwehr reduzieren (Immunsuppressiva, Zytostatika).

Da bei entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn Botenstoffe freigesetzt werden, die den Entzündungsprozess aufrechterhalten, versucht die Forschung, Substanzen zu entwickeln, die genau dies verhindern.

Biologika, also Arzneistoffe, die mit Mitteln der Biotechnologie in gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden und die auf körpereigenen Bestandteilen basieren, enthalten diese neuen Wirkstoffe Sie werden seit wenigen Jahren als Alternative zur herkömmlichen medikamentösen Behandlung eingesetzt und können die immunologischen Prozesse beeinflussen, indem die Botenstoffe blockiert werden. Damit greifen sie gezielt in das Krankheitsgeschehen ein.

Außerdem werden diätetische Maßnamen, sowie Entspannungs- oder psychotherapeutische Verfahren als Ergänzung der medikamentösen Behandlung eingesetzt.

Morbus Crohn ist eine lebenslange Erkrankung, eine vollständige Heilung durch ein Medikament oder eine Operation ist bislang nicht möglich.

Linktipps:

– Gesunder Darm durch Probiotika?
– Chronische Dickdarmentzündung: Colitis Ulcerosa
– Der Darm – Spiegel des körperlichen Wohlbefindens
– Reizdarm | Medizinlexikon
– Verdauungsstörung – wenn der Darm steikt

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